1936 war das fruchtbarste Schaffensjahr Hans Winterbergs vor der Katastrophe, die mit der Annexion der Sudetengebiete 1938 und der „Rest-Tschechei“ 1939 durch Nazi-Deutschland über die Tschechoslowakei hereinbrach. Winterberg lebte als freischaffender Komponist in Prag, hatte nach Studien u.a. bei Alexander von Zemlinsky seinen eigenen Stil gefunden und wagte sich erstmals an die großen Formen der Tradition heran: Klaviersonate, Sinfonie und Streichquartett. Winterbergs I. Streichquartett, dessen Manuskript die Wirren des Krieges überlebte und erst 2024 zur Uraufführung kam, „ein Meisterwerk nicht nur der tschechischen Musik, sondern des gesamten Streichquartettrepertoires des 20. Jahrhunderts“ (Michael Haas), ist vielleicht sein komplexestes, anspruchsvollstes Werk aus der Vorkriegszeit. Hinsichtlich der interpretatorischen Herausforderungen und der Besonderheiten seines stilistischen Ansatzes bewegt es sich auf der Schnittstelle zwischen den Quartetten Janáčeks und dessen Schüler Pavel Haas und den Quartettkompositionen der Protagonisten der 2. Wiener Schule. Schwierigkeitsgrad: 4-5
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