Margret Bermann wird in eine vielköpfige Familie im Emmental geboren. Sie ist handwerklich begabt und will denselben Beruf erlernen wie ihr Vater, der eine kleine Herrenschneiderei betreibt. Margret hat seine Leidenschaft für feine Stoffe geerbt und sein Talent, Schönes zu gestalten. In Paul Pfunds Scheiderei, ein paar Dörfer weiter, wird ihr alles beigebracht, was sie beim Vater noch nicht gelernt hat. Dazu gehören aber nicht nur Nadel und Faden, sondern Margret ist auch den Übergriffen ihres Lehrmeisters ausgesetzt. Die Folgen werden sie ihr Leben lang begleiten. Eine eigene Familie zu gründen, bleibt ihr verwehrt. Von Schuldgefühlen und Ängsten gequält, versucht sie in der Westschweiz eine neue Existenz aufzubauen. Schließlich macht Margret sich auf nach Paris, um dort ihren Traum als Modeschöpferin zu verwirklichen. Oder ist dies nur eine weitere Flucht, an deren Ende eine vage Erinnerung zurückbleibt was war und was hätte sein können?
Kundinnen und Kunden meinen
3.9/5.0
Bewertung
Book Circle Community
5/5
31.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Neutral und doch sehr emotional
Am Saum der Jahre handelt von Margret Bergmann, die in die Fusstapfen ihres Vaters tritt und die Schneiderlehre absolviert. Sie stammt aus einem kleinen Dorf im Emmental und hat sechs Geschwister. Die Geschichte zieht sich vom ersten Weltkrieg über den zweiten und bis in die rebellischen 70er rein. Der Schreibstil ist neutral und dennoch treffen die Worte mitten ins Herz. Das Buch erzählt die verschiedenen Stationen des Lebens einer starken Frau, die sich, allen Widrigkeiten zum Trotz, ihr Leben gestaltet, aufbaut und lebt. Die Liebe zur Schneiderei bleibt ihr ganzes Leben bestehen und ist der rote Faden dieses Buches. Meiner Meinung nach eine hohe Kunst mit nüchternen Worten soviel Emotionalität an den Leser weiterzugeben.
Klare Leseempfehlung von mir.
Boockpicker
Book Circle Community
5/5
30.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Es ist, wie es ist - oder doch nicht?
Margret wächst im Emmental in einer grossen Familie auf und kann im Nachbardorf eine Lehre als Schneiderin machen. Nach der Vergewaltigung durch ihren Lehrmeister ist nichts mehr, wie es sein sollte. Ihr Kind wird weggegeben, sie muss wegziehen, versucht sich eine bescheidene Exxistenz in Genf und dann in Paris aufzubauen. Ideen häte sie - Hosen für Frauen, auch sonst coole entschlackte Designs - findet aber kein Gehör. So droht ihr Leben im Sand zu verlaufen, wenn da nicht ihr Wille und ihr Mut wäre.
Eine unaufgeregte Geschichte vom Schicksal einer Frau aus einer Zeit, wo Verschweigen und Verstecken aus Scham manches Leben zerstörte. Die ruhige und sachliche Schreibweise erzeugt einerseits Distanz, lässt nicht so recht Nähe zu den Figuren aufkommen, spiegelt aber drastisch den damaligen Zeitgeist. Es gelingt dem Autor, das Leben von Margret präzise (und manchmal allzu nüchtern) zu beschreiben, sie doch noch in eine neuere Zeit hinein aufleben zu lassen und zu einem Ende zu führen, das abgerundet und versöhnlich ist und hoffen lässt
Bewertung
Book Circle Community
5/5
11.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Empfehlung
Margret wird als 2. jüngste im Berner Oberland geboren und wächst dort auf. Früh erkennt sie ihr Talent als Schneiderin und kann dies umsetzen. Als sie von ihrem aufdringlichem Chef schwanger wird, nimmt ihr Leben einen ganz anderen Lauf als geplant. Das Lesen macht nachdenklich und hinterlässt einen bleibenden Eindruck auch wenn die Geschichte fiktiv ist.
Bewertung
5/5
28.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schön erzählt
Lesenswert, ein Frauenleben, das berührt. Einfühlsamer Schluss, gut erzählt, Demenz erfasst wie sie sein kann. Immer schöne Übergänge.
"…….."…………………………………."……………………………………………………………………………………………………………
Sabine
aus Köln
5/5
09.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Am Saum der Jahre
Thomas Röthlisberger erzählt die Geschichte von Margret Bermann, die in einer großen Familie im Emmental aufwächst. Früh kann man ihr handwerkliches Geschick erkennen und damit ihren Wunsch, wie ihr Vater den Beruf der Schneiderei zu erlernen. Als sie eine Lehre bei Paul Pfund beginnt, wird sie jedoch mit Erfahrungen konfrontiert, die sie für ihr ganzes Leben prägen. Margrets Weg führt sie schließlich in die Westschweiz und weiter nach Paris, wo sie versucht, einen Neuanfang zu wagen und ihrem Traum als Modeschöpferin näher zu kommen. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, ob sie tatsächlich aufbricht oder nur vor der Vergangenheit flieht.
Ich habe das Buch als ruhige, aber eindringliche Geschichte erlebt. Obwohl Schreckliches geschieht, bleibt der Ton gedämpft, fast zurückgenommen. Ich habe beim Lesen oft innegehalten, weil mich die Schwere der Themen und die stille Art der Erzählung beschäftigt haben. Für mich ist es ein Buch über eine Frau, die versucht, in einer engen Gesellschaft ihren eigenen Weg zu finden, und dabei immer wieder an Grenzen stößt, Grenzen in sich selbst und in ihrer Umwelt.
Margret ist eine Figur, die ich nur schlecht greifen konnte - ich habe Mitgefühl für sie empfunden, aber auch Distanz, weil sie sich selbst immer wieder entzieht. Ihr Ringen zwischen Auflehnung und Anpassung hat mich bewegt, und ich habe oft überlegt, wie viel von ihrem Schicksal durch äußere Zwänge bestimmt ist und wie viel durch ihre eigene Unsicherheit. Dabei ist sie nicht unsympathisch, ich mochte sie wirklich gerne – aber inwieweit sie auch ein Bild der Frauen der damaligen Zeit abgegeben hat, kann ich nicht sagen.
Der Schreibstil hat auf mich ruhig und konzentriert gewirkt. Ich hatte das Gefühl, dass jedes Wort mit Bedacht gewählt ist. Die Sprache ist mal schlicht, mal voller Poesie, aber immer mit großer emotionaler Dichte. Gelungene Beschreibungen von Situationen, Menschen und Umgebung schaffen eine Atmosphäre, die still, manchmal beklemmend und doch sehr lebendig wirkt.
Für mich war das Lesen eine Erfahrung, die nachhallt, weil sie nicht laut ist, sondern sich langsam einprägt.
Mein Fazit
Eine melancholische Geschichte über das Suchen und Verpassen von Lebenswegen. Ich habe Margrets Geschichte mit einer gewissen Traurigkeit aus der Hand gelegt. Sie hat mich nicht losgelassen, weil sie so viele unausgesprochene Fragen offenlässt – über Schuld, Freiheit und die Möglichkeit, mit der eigenen Vergangenheit Frieden zu schließen. Gleichzeitig spreche ich aber auch eine Empfehlung aus.
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