Als Kinder waren Lili, ihr Bruder Wilhelm und der Nachbarssohn Paul unzertrennlich. Doch nach dem Ersten Weltkrieg ist alles anders: Wilhelm gilt als vermisst, Paul vergräbt sich in der Diamantenschleifwerkstatt seines Großvaters, und Lili flüchtet ins Leben nach Berlin. Bei einem Essen lernt sie Staatssekretär Carl von Schubert kennen, und bald darauf bittet die deutsche Reichsregierung Lili um ihre Unterstützung: Von Schubert sucht nach einem erstklassigen Diamantenschleifer. Mit dem verdeckten Verkauf der wertvollen Steine will man die Reparationszahlungen der Siegermächte umgehen und so die Staatskasse füllen. Lili empfiehlt ihren Jugendfreund Paul. Als neben einer Leiche ein Rohdiamant gefunden wird, nimmt die Polizei die Ermittlungen auf – und alle Fäden laufen beim Diamantenmädchen Lili zusammen …
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
aus Oberursel
5/5
30.03.2026
Buch (Taschenbuch)
spannender historischer Krimi
Schon das Cover hat 1920er-Vibes mit dem coolen Auto und der stylishen Dame, und Ewald Arenz ist immer eine gute Wahl :-). Das schicke ich jetzt mal voraus, der Autor kann einfach gut schreiben, er hat einen wunderbar leichten und doch sehr eleganten Stil; seine Romane lassen sich allesamt flüssig lesen, und doch hat man das Gefühl, hier ist ein Sprachkünstler am Werk und man liest etwas Besonderes. Er hat es halt einfach drauf. Und hier natürlich auch. Das Buch selbst ist ja nicht mehr so neu, ich kannte es aber noch nicht, und da ich historische Krimis liebe und auch gerade die 1920er sehr spannend finde, habe ich spontan zugegriffen.
Generell sagt man bei Arenz – so hab ich das zumindest mal in irgendeinem Feuilleton gelesen – er schreibe entweder intelligente Belletristik (aha :-). Wie die „Alten Sorten“ zum Beispiel; oder Unterhaltung. Das „Diamantenmädchen“ ist eher die „banale“ Unterhaltung; aber ich würde sagen, das ist sehr gute, intelligente, gut recherchierte Unterhaltung. Der in Berlin spielende Krimi ist 320 Seiten dick, und wie der Klappentext schon sagt eine Mixtur aus Krimi, Lovestory, und zeitgeschichtliches Portrait einer kurzen Epoche der Weimarer Republik. Das Kaiserreich und die große Inflation sind vorbei, man leidet in Deutschland noch unter den Reparaturzahlungen an die Alliierten, und generell sind zwar Zeichen des kurzen Aufschwungs zwischen den Kriegen, aber gesellschaftlich hat man die Folgen des verheerenden ersten Weltkrieges noch nicht verwunden. Eine ganze Generation junger Männer wurde entweder ausgelöscht oder ist traumatisiert oder körperlich versehrt wieder zuhause…..
Das ist so der Hintergrund der Geschichte, deren Heldin Lilli Kornfeld ist. Sie ist Anfang 20, stammt aus der Mittelschicht, und ist aufstrebende Reporterin. Ihren älteren Bruder Wilhelm wähnt sie verstorben an der Front, wo er gemeinsam mit dem Kindheitsfreund Paul gekämpft hat. Paul indes ist traumatisiert wieder zuhause. Paul ist Diamantenschleifer, und Lilli vermittelt ihm einen streng geheimen Regierungsauftrag: an allen Büchern und der Öffentlichkeit vorbei soll Paul Rohdiamanten schleifen, um Reparationszahlungen zu beschleunigen. Das ist der eine Erzählstrang. Ein weiterer Erzählstrang ist schnöder Mord: in einem Hotel wird die Leiche eines schwarzen Musikers entdeckt, und während die Kommissare Schambacher und Togotzkes die Identität des Toten klären, findet sich ein Diamantensplitter bei ihm. Okay, man ahnt es, die Diamanten - und Lilli im Besonderen - sind hier das verbindende Element zwischen den beiden Strängen. Wobei Lilli jetzt nicht wirklich ein „Diamantenmädchen“ ist; zumindest nicht so, wie ich es dem Titel nach erwartet hätte. Lilli als Journalistin geht auf eigene Ermittlungen, und trifft dabei immer wieder auf die beiden Kommissare und findet sich eher unfreiwillig als Spielball in der hohen Politik wieder.
Also insgesamt eine recht vielschichtige Erzählung, und ein sehr intelligent geplotteter Kriminalfall. Hat mich begeistert, hat mich abgeholt. Hat mich sehr gut unterhalten. Gut gezeichnete Charaktere; und mit Lilli im Speziellen hat Arenz eine interessante, moderne junge Frau geschaffen, die mir extrem gut gefallen hat. Ich finde es ja auch immer spannend, wenn männliche Autoren sich sehr gut in weibliche Hauptdarstellerinnen versetzen können (und umgekehrt herum natürlich auch); das war hier finde ich sehr gut gelungen.
Ich kann das Buch sehr gerne weiter empfehlen!
Bewertung
5/5
08.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Schöne Mischung aus Krimi- und Liebesroman
Lilli ist Journalistin und trifft durch Zufall wieder nach einigen Jahren ihren Jugendfreund Paul. Dieser ist Diamantenschleifer und hat einen Auftrag der Regierung erhalten. Gleichzeitig ist ein Musiker ermordet worden. Kommissar Schambacher ermittelt in diesem Fall und entdeckt, dass wohl alles zusammenhängt.
Das Buch "Diamantenmädchen" von Ewald Arenz ist, wie alle Romane, die ich von ihm bisher gelesen habe, sehr empfehlenswert. Es ist aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben, mit einigen Rückblenden zu Lillis Kindheit. Die relativ kurzen Kapitel ermöglichen es, zu jeder Zeit zu lesen. Ich hätte die Geschichte am liebsten in einem durchgelesen, wenn es mein Tagesablauf zugelassen hätte Es war spannend und schön zugleich, mit der Lösung des Mordfalls hätte ich tatsächlich nicht gerechnet. Alles in allem sehr zu empfehlen hat Spaß gemacht das "Diamantenmädchen" zu lesen!
SimoneF
5/5
30.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannender und atmosphärischer Krimi
Berlin, Herbst 1926. Die Protagonistin Lilli Kornfeld, 27 Jahre alt und Journalistin bei der "Berliner Illustrirten" gerät unversehens in die Mordermittlungen um einen Toten, bei dem ein Rohdiamant gefunden wird. Welche Rolle spielt ihr Jugendfreund Paul, der Diamantenschleifer, und wieweit kann sie Kommissar Schambacher vertrauen?
Ewald Arenz erzählt abwechselnd aus den Perspektiven von Lilly und Dr. Schambacher. In Rückblenden erfahren die Leser/innen mehr über Lillis Jugendjahre. Der Schreibstil ist intensiv, bildhaft und lebendig, und ich kann sofort in die Atmosphäre der 20er Jahre eintauchen und sehe die mondänen Bars und Clubs, die Mode und Leuchtreklamen vor mir, auf den Straßen herrscht reges Treiben, Pferdefuhrwerke, Droschken und Automobile sind unterwegs. Politisch ist die Situation angespannt, die Niederlage des Ersten Weltkrieges und die Reparationszahlungen lasten schwer auf der jungen Republik, der Nationalsozialismus wirft seine Schatten voraus.
Ewald Arenz zeichnet ein stimmungsvolles Bild des herbstlich-regnerischen Berlin, in dem die durchbrechenden Sonnenstrahlen für faszinierende Lichtspiele sorgen - passend zum Funkeln der Diamanten, die das Licht tausendfach brechen und reflektieren.
Der Fall entwickelt sich spannend, und auch wenn ich bezüglich bestimmter Personen sehr schnell den richtigen Riecher hatte, hat mich die Geschichte bis zur letzten Seite gefesselt.
Ewald Arenz verwebt historische Figuren wie den berühmten Kriminalrat Ernst Gennat, Wegbereiter der modernen Kriminalistik, oder den Staatssekretär Carl von Schubert geschickt mit einem spannenden Mordfall. Auch die realen Ullstein Zeitungsverlage mit ihrem charakteristischen Auslieferungs-LKW und das berühmte "Mordauto" der Berliner Mordkommission sorgen für Authentizität.
Fazit: Ein äußerst spannender und stimmungsvoller Krimi über das fliegende Berlin der 20er Jahre - unbedingt lesenswert!
lustaufbuch
5/5
30.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
»Diamanten machen die…
»Diamanten machen die Menschen meistens gierig. Fast immer werden sie mit Blut bezahlt.« Als die Journalistin Lilli Kornfeld ihren Jugendfreund und sogleich ihre erste und einzige große Liebe Paul aufsucht, um ihm, da er Diamantenschleifer ist, einen geheimen Auftrag zu vermitteln, lässt sich noch nicht erahnen, welche weiteren Ereignisse diese Handlung auslöst, geschweige denn, wie tief diese sie in ihre eigene Vergangenheit führen. In eine Zeit der unbeschwerten Kindheit und zugleich in eine Zeit, als der Krieg Menschen veränderte und ihr Bruder sein Leben an der Front lassen musste. Fast zur gleichen Zeit wird die Leiche eines schwarzen Trommlers entdeckt. Es herrscht Ratlosigkeit und diese verstärkt sich, nachdem ein Rohdiamant am Tatort gefunden wird. Zwei Szenarien, die nur auf dem ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Spätestens als einer der beiden Ermittler des Mordfalls mehr durch Zufall auf Lilli trifft, wird den Beteiligten klar, dass diese Ereignisse mit hoher Wahrscheinlichkeit zusammenhängen müssen. Dieser Roman entführt den Lesenden ins Berlin der zwanziger Jahre – eine Zeit des Umbruchs –, in der die Gedächtniskirche noch stand und es das Romanische Café noch gab. Dabei kommen wir dem mysteriösen Mord auf die Spur und begleiten perspektivisch sowohl Lilli als auch die Ermittler und erhalten spannende Einblicke in das Mysterium von Diamanten. Wie es in einem guten Krimi sein soll, fühlt man sich dabei ertappt, den Schuldigen erraten zu haben und wird dann von unerwarteten Wendungen überrascht – Arenz ist es geglückt! Was mich jedoch gestört hat, war die unkommentierte, häufige Nennung des N-Wortes. Natürlich war dieses vor knapp hundert Jahren geläufig, dennoch wäre zumindest eine kurze Anmerkung und Einordnung diesbezüglich, besonders in einer Neuauflage, wünschenswert gewesen. Wer sich auf eine literarische Reise in die Goldenen Zwanziger begeben und zugleich ein für Arenz eher untypisches Buch – nämlich einen Krimi – lesen möchte, dem ist dieser Roman sehr empfohlen.
Gaby
5/5
25.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Historisch, spannend und mit Gefühl
Berlin in den 20er Jahren. Nach dem verlorenen Krieg muss sich vieles neu er/finden. Lilli Kornfeld, eine junge Journalistin hat im Krieg Vater und Bruder verloren. Auch ihr Jugendfreund Paul, ein Diamantschleifer, ist verändert aus dem Krieg zurückgekehrt
Die Kommissare Schambacher und Togotses ermitteln im Fall eines ermordeteten Schwarzen. Wer war er? Weshalb wurde er ermordet, und warum trug er einen Rohdiamanten bei sich?
Alle Spuren führen zu Paul, der für die Reichsregierung einen Geheimauftrag ausführt. Komissar Schambacher fühlt sich zu Lilli hingezogen, aber welche Rolle spielt sie in diesem Fall?
Ein historischer Kriminal- und Liebesroman, spannend bis zum überraschenden Ende.
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