»Tim Staffels rasendes Gespür für Rhythmus macht süchtig.« Julia Franck
Roberto Böger hat Angst vor Wasser. Dennoch ist es sein Element. Als rastloser Zeuge bereist er die Welt, um Wasserverbrechen zu dokumentieren. Dann wird ausgerechnet in seiner Heimatstadt Lüren das Wasser knapp. Roberto kehrt an den Urquell seiner Angst zurück. Er trifft auf Gleichgesinnte und sein jüngeres Ich. Kann er sich freischwimmen?
Tim Staffel hat einen großen Roman über ein drängendes Thema unserer Zeit geschrieben. Ebenso visionär wie unterhaltsam erzählt er vom gewaltigen Kampf ums Wasser. In einer Sprache, die fließt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
S.V.
aus Bad Homburg
5/5
28.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wasser geht alle an
Wasser ist ein Teil von uns. Wir bestehen zu mehr als 50% daraus. Fügst du dem Wasser Schaden zu, ...
In der fiktiven Kleinstadt Lüren beginnt der Kampf um die Ressource Wasser.
Roberto Böger verließ seine Heimtstadt Lüren vor 25 Jahren als Teenager. Vor Wasser hat er panische Angst, bereist aber unermüdlich die Welt, um als inzwischen sehr bekannter Vlogger Wasserverbrechen zu dokumentieren, u.a. begangen vom weltweit agierenden Wasserkonzern Dell'Aqua. Sein größter Sponsor, World Water Ltd., eine NGO, informiert ihn, dass Dell'Aqua im von Wasserknappheit geplagten Lüren nun Wasserrechte erwerben will. Nach anfänglichem Zögern reist er nach Lüren und begibt sich auf eine sehr persönliche Zeitreise in seine Vergangenheit. In Lüren trifft er auf den 14-jährigen an einer Lungenfibrose erkrankten Humphry Güthoff. Der Teenager ist ein glühender Verehrer Robertos, bloggt und engagiert sich ebenfalls als Umweltaktivist. In dem Jungen findet Roberto einen gleichgesinnten Verbündeten. Sein jüngeres Ich ist darüberhinaus der Sohn von Lürens Bürgermeisterin, die mit Dell'Aqua ins Geschäft kommen möchte. Und dann geht's rund. Roberto, der reisende Berichterstatter wird zum aktiv Handelnden ...
Erzählperspektive und -sprache wechseln zwischen dem Erwachsenen Roberto und dem Teenager Humphry ab. Der Autor Tim Staffel erfasst ein komplexes Thema vor dem ebenso umfangreichen Hintergrund von Familiengeschichte, (Liebes-) Beziehungen unterschiedlicher Couleur und Wandlungen, wendungsreich aufgebaut und spannend erzählt. Die Entscheidung zwischen Gut und Böse ist in diesem Drama nicht immer möglich, was für das Thema sensibilisierende Wirkung entfaltet.
Bewertung
5/5
28.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wasser geht uns alle an
Wasser ist ein Teil von uns. Wir bestehen zu mehr als 50% daraus. Fügst du dem Wasser Schaden zu, ...
In der fiktiven Kleinstadt Lüren beginnt der Kampf um die Ressource Wasser.
Roberto Böger verließ seine Heimtstadt Lüren vor 25 Jahren als Teenager. Vor Wasser hat er panische Angst, bereist aber unermüdlich die Welt, um als inzwischen sehr bekannter Vlogger Wasserverbrechen zu dokumentieren, u.a. begangen vom weltweit agierenden Wasserkonzern Dell'Aqua. Sein größter Sponsor, World Water Ltd., eine NGO, informiert ihn, dass Dell'Aqua im von Wasserknappheit geplagten Lüren nun Wasserrechte erwerben will. Nach anfänglichem Zögern reist er nach Lüren und begibt sich auf eine sehr persönliche Zeitreise in seine Vergangenheit. In Lüren trifft er auf den 14-jährigen an einer Lungenfibrose erkrankten Humphry Güthoff. Der Teenager ist ein glühender Verehrer Robertos, bloggt und engagiert sich ebenfalls als Umweltaktivist. In dem Jungen findet Roberto einen gleichgesinnten Verbündeten. Sein jüngeres Ich ist darüberhinaus der Sohn von Lürens Bürgermeisterin, die mit Dell'Aqua ins Geschäft kommen möchte. Und dann geht's rund. Roberto, der reisende Berichterstatter wird zum aktiv Handelnden ...
Erzählperspektive und -sprache wechseln zwischen dem Erwachsenen Roberto und dem Teenager Humphry ab. Der Autor Tim Staffel erfasst ein komplexes Thema vor dem ebenso umfangreichen Hintergrund von Familiengeschichte, (Liebes-) Beziehungen unterschiedlicher Couleur und Wandlungen, wendungsreich aufgebaut und spannend erzählt. Die Entscheidung zwischen Gut und Böse ist nicht immer möglich, was für das Thema sensibilisierende Wirkung entfaltet.
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
20.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wasser wird knapp
Ein spannendes Buch über verschiedene Orte auf der Welt, an denen über Wasser gerungen bzw. Wasserknappheit herrscht. Der Autor verbindet das mit einer fiktiven Geschichte aus der Heimatstadt des Protagonisten in Deutschland, die plötzlich dem gleichen Problem gegenüber steht. Ein rasantes Buch zu einem wichtigen Thema. Sehr empfehlenswert.
MarieOn
5/5
11.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hochaktuell, realitätsnah und spannend
Prolog
Robert muss sich sein Seepferdchen erschwimmen. Es regnet. Er steht mit den anderen Kindern im Wasser, zittert, die anderen nicht. Ein Pfiff ertönt und alle starten mit ihren Schwimmzügen, nur Robert nicht. Seine Mutter hilft ihm aus dem Becken, legt das Handtuch um seine Schultern und flüstert „Du kannst jetzt die Augen öffnen“. Er glaubt ihr, blickt auf und sieht Eltern, die unter einem Sonnenschirm stehen, auf den das Wasser platscht, sie tuscheln. „Beachte sie nicht“, flüstert seine Mutter.
Der Vater nennt den Sohn Memme. Sie fahren jetzt nicht mehr ans Meer, sondern in die Berge. Dem Vater macht es nichts, er liebt Skifahren. Der Vater beschließt, seinem besten Freund, dem Besitzer der Lürener Holzmanufaktur zu helfen. Da ist die Firma schon pleite, sein Vater weiß das nicht, bürgt für ihn und verliert die eigene Firma, Papier Böger. Während der Vater Ski fährt, erfährt die Mutter von ihrer Hausbank, dass sie pleite sind. Der Vater bleibt verschwunden, der Mutter bleibt nur noch der Bungalow, vorerst. Die Kreise, in denen sie verkehrte, in die sie sich als gebürtige Hessin hineinarbeiten musste, meiden sie jetzt.
Athen
Dimitris und Ellen haben keinen Zugang mehr zu fließendem Wasser. Robert filmt für seinen Video-Blog. Natalia interviewt und der Polizist Giorgios erhält die Ordnung. Dimitris war einer der ersten, den die Wasserwerke entlassen haben. Danach wurde Ellens Stelle in der Schule gestrichen, während sie in Mutterschutz war. Jetzt hat die Stadt ihnen Wasser und Strom abgestellt. Natalia wird das Baby der beiden mitnehmen, denn ohne fließendes Wasser sei die ordnungsgemäße Versorgung Christinas nicht möglich. Währenddessen versucht der Großkonzern Dell Áqua in Roberts ehemaligem Heimatort Lüren die Rechte für die Mineralwasserquelle zu kaufen.
Fazit: Tim Staffel hat ein Szenario geschaffen, das mich völlig vereinnahmt hat. In rasantem Tempo erzählt er von der weltweiten Wasserknappheit. Eine große Firma (die mich an Nestlé erinnert) hat es sich zur Aufgabe gemacht, damit stinkreich zu werden. Sie kaufen weltweit Quellen und Nutzungsrechte und verkaufen ihre Wasserflaschen an die, die sie vom Wasser abgeschnitten haben. Robert berichtet auf seinem Account über diese Vorfälle und hofft, Einfluss nehmen zu können. Begleitet wird er von einigen Jugendlichen in seinem verhassten Heimatort. Unter anderem von Humphry, dem Sohn der Kommunalpolitikerin, der an Lungenfibrose erkrankt ist und permanent Sauerstoff braucht. Mit dabei ist auch der hochbegabte Mitschüler Kuno, der zwei Jahre jünger ist als Humphry. Das Setting ist so genial wie aktuell. Kein Regen, heiße Sommer, ausgetrocknete Flussbetten und Böden, Erdrutsche und dann eine kleine Gruppe Menschen, die sich sorgen und verstehen, was passiert gegen eine größere Gruppe Menschen, die das alles nicht interessiert, weil sie Veränderung scheuen. Ich finde, realitätsnäher geht es nicht. Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht Roberts und Humphrys. Hier stimmt alles, die Charaktere, das Tempo, die Handlung, die offensichtlich auf eine Katastrophe zusteuert, die Ideen, das Schicksal abzuwenden. Du meine Güte, habe ich dieses Buch gerne gelesen.
Bories vom Berg
aus München
2/5
14.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dystopischer Klima-Roman Der…
Dystopischer Klima-Roman Der vor allem als Hörspielregisseur bekannte Tim Staffel hat neben diversen Theaterstücken auch fünf Romane geschrieben, der aktuelle erschien kürzlich unter dem Titel «Wasserspiele». Was im Titel euphemistisch klingt, ist im Plot dieses visionären Romans eine knallharte und katastrophal endende Auseinandersetzung um die örtliche Mineralquelle und das bisher ungenutzte Tiefenwasser eines fiktiven Städtchens namens Lüren in Ostwestfalen. Dort kämpfen die zwei ungleichen Protagonisten des Romans gegen die Absicht der Stadtverwaltung, dem wasser-wirtschaftlich tätigen Großkonzern Dell’Aqua die lukrative Konzession für die gesamte Wasserversorgung zu verkaufen. Pikanter Weise ist die Bürgermeisterin von Lüren, die diesen Deal wegen der chronisch knappen Finanzen der Gemeinde unbeirrt vorantreibt, die Mutter eines der Aktivisten, des 15jährigen Außenseiters Humprey, der zusammen mit dem zwanzig Jahre älteren Roberto Böger erbittert gegen dieses Vorhaben ankämpft. Roberto dokumentiert, gesponsert von der NGO World Water Ltd., in seinem Vlog weltweit die Folgen verbrecherischer Geschäfte mit der zusehends knapper werdenden Ressource Wasser. Ausgerechnet er hat eine veritable Wasserphobie, was ihn aber nicht hindert, vehement für das Menschenrecht auf Wasser zu kämpfen. «Ich interessiere mich nicht für meine Angst oder ihre Ursache, sondern für das Element, um das sie kreist, das uns alle und alles bestimmt. Ich fürchte mich vor etwas, das existenziell ist, aus dem ich mehrheitlich bestehe, vor etwas, das allen selbstverständlich ist». Und so reist er gleich zu Beginn der turbulenten Geschichte von Berlin aus nach Athen, um alarmiert von örtlichen Aktivisten zu dokumentieren, wie einem jungen Paar dort mit Polizeigewalt das Baby weggenommen wird, weil es in ihrer Wohnung in einem Slumviertel der Metropole kein fließendes Wasser mehr gibt, also unhaltbare hygienische Zustände herrschen würden. Als ihn schließlich dann ein Hilferuf aus seiner Heimatstadt Lüren erreicht, kehrt er nach langer Zeit in seine alte Heimat zurück, er will sich endlich auch den Schatten seiner Vergangenheit stellen. Entschlossen nimmt er dort zusammen mit dem jungen Humphrey, Sohn eines ehemaligen guten Freundes, und anderen Mitstreitern den hoffnungslos scheinenden Kampf gegen den übermächtigen Konzert Dell’Aqua auf. Aus wechselnder Perspektive berichten die beiden Protagonisten als Ich-Erzähler von diesem ungleichen Kampf um das Allgemeingut Wasser, eines der schon von den griechischen Philosophen definierten «Vier Elemente» allen Seins. Mit seiner Thematik liegt der visionäre Roman voll im Trend der aktuellen Klimadebatten, die hier zu einer spannenden, zeitnah erzählten und in eine dystopische Zukunft weisenden Geschichte kompiliert sind. Dem unterschiedlichen Alter der beiden Ich-Erzähler geschuldet, führt denn auch die sprachliche Umsetzung zu zwei stilistisch abweichenden Diktionen, bei denen der altersbedingte Jugendsprech von Humphrey für ältere Semester unter den Lesern zuweilen etwas irritierend sein dürfte. Wem zum Beispiel das Wort «Vlog» noch nie begegnet ist, der wird im Internet fündig: Eine tagbuchartig Video-Aufnahmen verbreitende Plattform im Netz, - also das, was Roberto so emsig betreibt. Denn er hat schon früh gelernt: «Wasser ist nicht selbstverständlich», und jetzt erlebt er hautnah, wie eine ganze Gemeinde genau das auf äußerst schmerzhafte Weise auch lernen muss. Wobei einige wenige Einwohner sogar profitieren von den abrupt veränderten Wertschöpfungsketten der Lürener Wasserwirtschaft, vom mit allerlei Lügenmärchen propagierten Aufschwung des Städtchens, das stattdessen eine böse Naturkatastrophe erlebt hat. All das ist nicht immer angenehm zu lesen und stilistisch zudem ziemlich uninspiriert, man fühlt sich weder gut unterhalten noch gar bereichert, - es sei denn, man ist dezidiert ein Fan von dystopischen Romanen!
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