Es ist der Beginn einer vier Jahrzehnte andauernden Suche nach Liebe: 1979, in einem weiten, gnadenlosen London, finden sich zwei irische Außenseiter - Milly, eine junge Ausreißerin, und Pip, ein talentierter junger Boxer. Sie verlieben und verlieren sich ineinander, doch das Leben drängt sie in unterschiedliche Richtungen. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege, wandern die Gedanken zum anderen.
Vierzig Jahre später klammert sich Milly an das einzige Zuhause, das sie je gekannt hat, während Pip durch die Straßen Londons streift und mit seinen Dämonen kämpft. Zwischen ihnen, vielleicht unüberwindbar, liegt ein ganzes Leben.
In einer sich ständig wandelnden Stadt entfaltet sich eine epische Geschichte über Einsamkeit, Sehnsucht, Menschlichkeit und Liebe.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Eva
5/5
04.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Irische Diaspora und die Liebe zum Leben
Milly ist 18 als sie 1979 Irland verlässt und in London ihr Glück versucht. Als Irin ist sie eine von vielen, die in London eine bessere Zukunft suchen. Sie findet Arbeit in einem Pub, Frauen, die ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen und ein fragiles neues Zuhause. Sie lernt Pip kennen, einen anderen jungen Iren, der als talentierter Boxer seinen Platz in der neuen Welt sucht.
Beide tragen die Last der Welt auf ihren Schultern und streben danach, sie mit der Vergangenheit zurückzulassen oder gleich nach Irland zurückzuschicken. Sie erkennen eine Seelenverwandtschaft, gefärbt von Einsamkeit und echter Zuneigung. Doch trotz der Anziehung will keine Beziehung daraus entstehen, zu unterschiedlich ist die Haltung zum Leben.
Milly arbeitet hart für Unabhängigkeit und Stabilität, Pip ist rastlos, getrieben, dem Alkohol verfallen und unzuverlässig.
London spielt eine tragende Rolle in den Leben der beiden Migranten. Es ist Verheißung, Bühne, Herausforderung und so wie die Protagonist*innen im stetigen Wandel. Milly beobachtet, reflektiert, passt sich an, bewahrt. Pip wütet, driftet, rebelliert. Immer wieder treffen sie im Laufe ihres Lebens aufeinander, aber vielleicht ist die gemeinsame Zukunft irgendwann undenkbar, wenn es schon zu viele Erinnerungen gibt.
Christine Dwyer Hickey erzählt die Geschichte detailreich und nah an den Figuren in verschiedenen Zeitabschnitten, die Dialoge öffnen London wie eine Theater-Bühne. Das ist große Kunst. Die Liebesgeschichte entfaltet sich entlang der Szenen höchst realistisch an den Figuren und all ihrer Ambivalenz, wenig sentimental, manchmal fast ausweglos und dann wieder voller Hoffnung.
Es häufen sich leider in der Übersetzung die Worte «mampfen», «schlüpfen» und «schnuppern», die mich als pingeligen Sprachmenschen in ihrer Redundanz aus dem Lesefluss bringen.
Dennoch ist das große irische Literatur aus dem Unionsverlag, einem meiner liebsten Verlage überhaupt.
Große Leseempfehlung!
Alrik Gerlach
aus NordWestMecklenburg
5/5
27.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwei Herzen in einem rauen London
Was für ein Roman — und was für ein Schlag in die Magengrube des Erwachsenenlebens. Christine Dwyer Hickey zieht die Bühne groß auf: London 1979, zwei verlorene Iren, ein Boxring voller Hoffnungen und jede Menge Dreck unter den Nägeln. Milly und Pip stolpern ineinander wie zwei verlorene Leute, die zufällig denselben Bahnhof verpasst haben. Das ist kein kitschiges Liebeslied, das ist ein rauer, leiser Blues über Menschen, die sich immer wieder finden und doch nie vollständig halten können.
Die Sprache trifft genau den Punkt: nicht geschminkt, manchmal verletzend ehrlich, und mit einem Humor, der meist zwischen den Zeilen sitzt und einem dann plötzlich lacht, wenn man eigentlich weinen wollte. Szenen wie kleine Polaroids — kurz, messerscharf, mit einem Geruch von Straßenlaternen und billigem Kaffee. Besonders stark: die Darstellung von Einsamkeit, die hier nicht melodramatisch auftritt, sondern alltäglich, lästig, fast wie ein verwaschenes Hemd, das man nie wegschmeißt.
Einziger kleiner Makel: Gegen Ende schleicht sich gelegentlich eine Erzählfreude ein, die den Fokus strecken will — ein paar Szenen wirken etwas zu ausladend. Trotzdem bleibt das Fundament stabil: Charaktere, die atmen, die Fehler machen, die wehtun. Wer auf ehrliche, melancholische Literatur steht, die nicht mit Effekten um sich schmeißt, sondern mit Herz und einem schelmischen Grinsen, wird hier große Freude haben. Für alle, die Geschichten mögen, die nachklingen — dieses Buch bleibt noch lange im Kopf.
Lesenswege
5/5
02.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Geschichte von Liebe und Einsamkeit
Aus dem Englischen von Kathrin Razum. Milly und Pip, der eigentlich Phillip heißt, begegnen sich 1979 erstmals in einem Londoner Pup, in dem Milly hinter dem Tresen steht. Beide sind jung, beide sind Iren im Londoner Exil. Es ist eine Begegnung fürs Leben und gleichzeitig auch nicht, denn Zufälle, die falschen Ereignisse im falschen Augenblick verhindern, dass sie ein Paar werden, obwohl jedes Wiedersehen im Verlauf von beinahe 40 Jahren eine neue Chance sein könnte. Könnte, denn das Leben, das beide beutelt, kommt immer wieder dazwischen. Dabei verläuft Millys Leben über lange Phasen relativ konstant, sie fühlt sich wohl in London und hat in Mrs Oaks Pub für lange Zeit ein Zuhause gefunden. Pip dagegen wird vom Leben herumgetrieben und ist nirgendwo zu Hause.
Was diesen Roman so ungeheuer spannend und atmosphärisch macht ist die Art, wie Christine Dwyer Hickey die Geschichte dieser beiden einsamen Seelen erzählt. Die Perspektiven wechseln sich ab, wobei Milly von 1979 an in mehreren Schritten chronologisch mit eingearbeiteten Rückblicken zu Wort kommt und Pip auf der Basis seines Seins im Jahr 2017 komplett in der Rückschau auf sein Leben blickt. Dabei fügen sich ganz langsam kleine eingefügte Details wie Puzzleteile ineinander zu einem Gesamtbild, welches erst am Schluss das gesamte Panorama dessen, was beiden widerfahren ist, entfaltet. Viele kleine Ereignisse, im Augenblick des Geschehens vermeintlich unbedeutend, offenbaren ihren Einfluss auf das weitere Leben erst auf lange Sicht. Für mich ist das ganz großes Kino. Ich fühlte mich beiden Figuren sehr nahe und habe sie gerne über die vier Jahrzehnte begleitet. Gleichzeitig ist der Roman auch eine Hommage an London, indem er bezeugt, wie sich die Stadt über vier Dekaden verändert hat. Die Kultur der Pubs ist im Niedergang begriffen, Investoren kaufen alles auf, reißen es ab und errichten Glasfassaden in einer jetzt futuristisch anmutenden Stadt. Nachbarschaften verändern sich, Menschen sterben oder ziehen weg, weil die Veränderung kein Zuhause mehr bietet. Dieser Roman gehört um Besten, was ich dieses Jahr gelesen habe.
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
25.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Komplizierte Liebe in London
Ein spannendes, aber doch ruhiges Buch über zwei Iren, die sich Ende der 70er Jahre in London treffen, sich verlieren und erst nach 40 Jahren wieder zusammen kommen. Als Boxer und Bardame haben beide einen außergewöhnlichen, aber auch nicht untypischen Lebenslauf für irische Einwanderer. Mir hat die dichte Atmosphäre und die Beschreibung der Charaktere sehr gut gefallen. Sehr empfehlenswert.
lauras_garden_of_books
4/5
12.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Charakterportrait vor einem Stück Zeitgeschichte
Dieser Roman las sich für mich wie Filmklassiker.
Es ist ein Charakterportrait zweier Menschen, verbunden von einer Liebe vor einem Stück Zeitgeschichte und der Zeitspanne von 38 Jahren.
Milly, ein 18-jähriges Mädchen, das Irland verlässt und beginnt in London in einem Pub zu arbeiten und Pip, ebenfalls aus Irland stammend, der im benachbarten Boxclub an seiner Sportlerkarriere feilt und nach dem Training den Tag im Pub ausklingen lässt. Zwei Charaktere, die sich treffen, mit der Zeit mehr kennen und lieben lernen, denen die Umstände aber nicht wohlgesinnt waren und die nie richtig zueinandergefunden haben. Diese Liebesgeschichte bietet zwar den Aufhänger, dennoch ist es kein Liebesroman, sondern es geht um die Lebensgeschichte dieser beiden Charaktere.
Christine Dwyler Hickey hat eine sehr interessante Erzählweise gewählt.
Die Kapitel aus Millys Sicht starten im Jahre 1979 und bewegen sich dann immer in Jahressprüngen vorwärts. Pips Kapitel finden alle im Jahr 2017 statt, nachdem er mit 60 Jahren aus der Entzugsklinik entlassen wird und eine letzte Chance bekommen hat, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Milly begleiten wir chronologisch durch die Jahre hinweg, Pip begleiten wir bei seiner „Chance“, die eben auch beinhaltet, über sein Leben und Handeln nachzudenken und dadurch auch voll von Erinnerungen ist, an denen er uns als Lesende teilhaben lässt. Beide Perspektiven verbinden sich nahtlos und fügen sich sanft ineinander, dass man dem Leben der beiden trotz der Zeitsprünge nachvollziehbar folgen kann.
Dies ist kein plotgetriebener Roman, sondern es geht ausschließlich um die Charaktere, ihre Gefühlswelt, ihre Erlebnisse, das Zwischenmenschliche und ihre Wege, die sich immer wieder mal kurz kreuzen, nur um sich dann wieder schmerzvoll und abrupt zu trennen. Für mich war es daher ein entspannter Read, sich in ihren Lebensgeschichten zu verlieren, die Handlung plätschert vor sich, dennoch war ich gespannt, ob die beiden am Ende nicht doch noch zueinander finden werden.
Auch die politischen Hintergründe in dieser Zeit spielen hin und wieder eine Rolle, und was die terroristischen Aktivitäten der RAF für Auswirkungen für die irisch abstammenden in England lebenden Menschen gehabt haben.
Die Perspektiven von Pip mochte ich etwas lieber und kam ihm emotional näher als Milly. Für Milly habe ich zwar Mitgefühl entwickelt, dennoch kam ich mit ihrer Art und ihren Entscheidungen manchmal nicht so klar. Und auch wenn Pip kein einfacher Charakter war, so schätzte ich ihn sehr für seine Bemühungen im Jahr 2017 für seine Taten geradezustehen, die Scherben aufzukehren und das, was übrig ist, wieder zusammenzuflicken, sich auszusöhnen und neue Wege zu gehen.
Wer gerne solche charaktergetriebenen ruhigen Romane vor einem Stück Zeitgeschichte liest, sollte hier auf jeden Fall mal reinschauen.
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