Das Schlimmste passiert dort, wo wir uns sicher fühlen: in der eigenen Familie. Was nach dem plötzlichen Tod des Vaters zunächst wie ein Erbstreit zwischen Geschwistern aussieht, wird für die ältere Schwester Bergljot zu einem Kampf um die jahrzehntelang verdrängte Wahrheit. Es geht nicht um Geld und Besitz. Es geht darum, wem die Vergangenheit gehört. Mit unverwechselbarer Konsequenz erzählt Vigdis Hjorth von der Sehnsucht nach Anerkennung, von der Kraft der Befreiung und von der Frage, ob wir unserer eigenen Geschichte vertrauen dürfen.
Mit »Ein falsches Wort« gelang Vigdis Hjorth der internationale Durchbruch. Der Roman löste in Norwegen einen Skandal um die Wahrhaftigkeit von Literatur aus, gewann eine Vielzahl von Preisen und festigte Hjorths Status als eine der bedeutendsten Autorinnen unserer Zeit, die 2023 für den International Booker Prize nominiert war und deren Werk in 20 Sprachen übersetzt ist.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
S.J.
5/5
24.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Besonders
Die Autorin besitzt die Gabe Gefühle so intensiv zu beschreiben,dass ich als Leserin einen tiefen Zugang zu ihrer Sicht auf die Ereignisse bekommen habe.
Das Buch hat mich sehr zum Nachdenken angeregt, auch über meine eigene Familiengeschichte.
Vigdis Hjorth ist für mich die Entdeckung des Jahres.
sleepwalker
5/5
27.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vigdis Hjorths preisgekröntem…
Vigdis Hjorths preisgekröntem Roman „Ein falsches Wort“ ist ein Buch, das mich persönlich tief berührt. Es war für mich kein Werk, das ich einfach so lesen konnte. Ich habe es gelesen, auf mich wirken lassen, noch einmal gelesen, darauf herumgekaut und es dann noch einmal gelesen. Wie schon in „Die Wahrheiten meiner Mutter“ war der Roman psychologisch dicht, packend – und belastend, denn, sollte jemals über meine eigene Familie ein Roman verfasst werden, dann wäre er wie „Ein falsches Wort“. Aber von vorn. Bergljot hat schon vor über 20 Jahren mit ihrer Familie gebrochen. Das Verhältnis zu ihren Eltern war schon lange schwierig, das zu ihren drei Geschwistern ebenfalls, nur mit einer ihrer Schwestern hält sie lose Kontakt, überwiegend läuft aber alles über ihre erwachsenen Kinder, denen sie die Verwandtschaft nicht vorenthalten möchte. Die Eltern beschließen ihren Nachlass zu regeln. Dass die beiden Schwestern Asa und Astrid die Ferienhütten bekommen sollen, zwingt Bergljot dazu, mit der Familie in Kontakt zu treten, denn statt die andere beiden Kinder im Wert der Hütten finanziell zu bedenken, hat der Vater diese wohl mit geringerem Wert schätzen lassen. Bergljot und Bård fühlen sich doppelt übergangen. In der Familie ist jedoch so viel vorgefallen, dass der Erbstreit um die Hütten schnell zur Nebensache verkommt. Als dann der Vater überraschend stirbt, muss sich Bergljot entscheiden: kämpft sie um das, von dem sie glaubt, dass es ihr zusteht und bleibt zur Familie auf Distanz oder geht sie in die Offensive. Dysfunktionale Familien sind wohl Vigdis Hjorths bevorzugtes Thema, nach „Die Wahrheiten meiner Mutter“ dreht sich auch „Ein falsches Wort“ um eine solche. Auch in diesem Buch steht viel mehr zwischen den Zeilen als darin. Das „Unaussprechliche“, was in der Familie vorgefallen ist, nimmt unterschwellig bedrückend viel Raum ein, sowohl in Bergljots Leben als auch im Buch. Es wird ein wahrer Eiertanz um das Thema herum veranstaltet, dabei geht sie selbst nach jahrelanger Therapie offen mit dem Trauma um, während der Rest der Familie es entweder ignoriert und totschweigt oder bagatellisiert. Die Mutter kann das Wort „Inzest“ nicht einmal aussprechen, ohne ihrer Tochter damit ein noch schlechteres Gefühl zu machen (sie spricht von „Inzescht“), nennt sie eine Lügnerin, weil sie die Tat/en nie angezeigt hat. Das Buch handelt von Ignoranz und Toxizität und über allem hängt eine dicke schwarze Wolke aus Schuld, Scham und Schweigen. Wie will man ein Kindheitstrauma aufarbeiten, wenn einem nicht zugehört und einem nicht geglaubt wird? Wie soll es zu einer Versöhnung kommen, wenn beide Seiten sich in Vorwürfen verrennen und keiner zu einer Aussprache bereit ist? Wie soll es gehen, wenn beide Seiten die Schuld nur bei den anderen suchen, wenn eine Seite bei der kleinsten Konfrontation mit Sui**d droht und jeder jeden emotional zu erpressen scheint? Ein falsches Wort kann den fragilen Familienfrieden zerstören. Das Buch beschreibt Bergljots Gedankenwelt, die Leserschaft wohnt praktisch mietfrei in ihrem Kopf. Zeitsprünge und wörtliche Rede sind nicht gekennzeichnet, das Buch besteht über weite Teile aus innerem Monolog und Gedankengängen. Man erlebt aus erster Hand mit, wie die Protagonistin ihre Gedanken und Erinnerungen immer und immer wieder wälzt. Dadurch wiederholen sich manche Dinge fast wortwörtlich, was einerseits anstrengend und manchmal langweilig wirkt, aber deutlich die Zerrissen- und Zerriebenheit Bergljots zeigt. Sprachlich ist es, wie von der Autorin gewohnt, bildhaft, manchmal allerdings ein bisschen anstrengend. Vor allem konnte ich mit der Protagonistin zwar mitfühlen, sympathisch fand ich sie in ihrer teilweise ausufernden Opferrolle und ihrem Selbstmitleid nicht. Das konnte meine Lesebegeisterung jedoch nicht schmälern. Ich empfehle es jedem, der sich in einer ähnlichen Situation fühlt. Der Gedanke, damit nicht allein auf der Welt zu sein, kann trösten. Fünf Sterne von mir.
Bewertung
aus Heyerode
5/5
02.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Kein falsches Wort geschrieben
Vigdis Hjorth - von dieser Autorin habe ich in der letzten Zeit schon ein Buch gelesen, heute möchte ich euch "Ein falsches Wort" vorstellen, eine Geschichte um einen Erbstreit zwischen Geschwistern, um es mal grob zu umreißen. Schließlich wird es ein Annähern an ein Jahrzehnte verdrängtes Geheimnis. Dieser Roman hat mich nachhaltig beeindruckt, muss ich ganz ehrlich sagen. Die Autorin geht in einer Art und Weise an ihre Romanidee heran, die mich mitgerissen hat, die mich an das Buch gefesselt hast. Sie analysiert brillant und geht diesem Thema auf den Grund. Kann diese Familie sich versöhnen, fragte ich mich - wie die Geschichte ausgeht - ich verrate es euch nicht, lest selbst.
Absolut lesenswert vom literarischen Standpunkt aus extrem gut geschrieben und auch inhaltlich perfekt !!!
ancla_books4life
aus Schwerte
5/5
24.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was für ein Familienroman!
**** Worum geht es? ****
Was einst eine Familie war, ist heute ein zerrütteter Haufen. Und wo man denkt, es kann kaum noch schlimmer kommen, da kommt dann der Erbstreit. Statt Trauer, ein Streit um Ferienhäuser. Wie konnte es soweit kommen?
**** Mein Eindruck ****
Ich habe das Buch vor mehreren Tagen beendet und noch immer geht mir die Geschichte unfassbar nahe. Die Gefühle und Gedanken in dem Buch lassen mich sprachlos zurück und gleichzeitig weiß ich, dass die Personen, die Situationen und die Gefühle, die die Autorin hier auf evaluierte Weise zu Papier gebracht hat, echt sind. Vielleicht ist es nicht eins zu eins meine Geschichte, oder deine Geschichte, aber es könnte sie sein. Unfassbar traurig und doch so wichtig gehört zu werden. Die Botschaften in diesem Buch sind universell, zeitlos und ein Spiegel der innersten Seele. Wir begleiten auf der Erzählebene den Erbstreit in diesem Familienroman über wenige Monate und doch erlebte ich ganze Leben. Die Autorin schafft es auf fabelhafte Weise, genau die richtigen Momente in der Kürze und Dramatik darzustellen, um mich ganz und gar an ihre Worte zu fesseln. Ich konnte das Buch und die Protagonistinnen nicht zurücklassen. Ich musste in einem Zug zum Ende kommen, nur um festzustellen, dass ich das Buch irgendwann anders nochmal anfangen werden muss. So ehrlich und so reichhaltig. Vigdis Hjorth ist eine Wucht. Sie hat sich mit diesem Werk in mein Herz geschrieben! Ein Highlight.
**** Empfehlung? ****
Du möchtest aus der Welt der Illusionen auftauchen und eine Realität erleben, in der du selbst sein könntest? Zeitgenössisches Familiendrama, das unter die Haut geht. Grandios, ein Must-Read!
Adele
aus Bremen
5/5
11.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Familie kann man sich nicht aussuchen
Vier Geschwister, Bard, Bergljot, Astrid, Asa, die Ich-Erzählerin Bergljot hat seit 20 Jahren keinen Kontakt zu den Eltern, lediglich zur älteren der beiden jüngeren Schwestern Astrid besteht sporadisch telefonischer Austausch.
Als mit zunehmendem Alter der Eltern zu Tage tritt, dass die beiden jüngeren Schwestern zwei Ferienhütten zu einem sehr geringen Schätzwert überschrieben bekommen haben, bricht der Älteste der Geschwister Bard mit der Familie und Bergljot wird erneut in die Konflikte der Familie involviert. Es wird deutlich, dass die Entscheidung der Eltern zur offensiven Bevorzugung der zwei jüngsten Geschwister nicht nur die Eltern - Kind - Beziehung betrifft, auch das Verhältnis der Geschwister untereinander, seine Konflikte und Verletzungen brechen auf. Nicht zuletzt bleibt auch die Beziehung zwischen Großeltern und Enkeln von dem Konflikt nicht unberührt.
Es ist das Erbe, welches letztlich den Anlass gibt, doch schnell wird deutlich, es ist ein Symptom nicht die Ursache, es ist ein Ausdruck der tiefen Konflikte und Verletzungen der Vergangenheit in der Familienkonstellation, der diese materialisiert, für alle sichtbar, nicht mehr ignorierbar macht.
So werden wir in ein falsches Wort Zeuge eines verdrängten und geleugneten Familientraumas, das sich so oder ähnlich allzu oft hinter verschlossenen Türen abspielt und damit nicht weniger traurig und schmerzhaft ist. Bergljots Emotionen sind in all ihrer Widersprüchlichkeit sehr authentisch eingefangen, zwischen Verletzung und Trauma auf der einen, Scham und übernommenen Schuldgefühlen auf der anderen Seite und über allem das Aufbegehren sich von all dem zu lösen, sie selbst zu sein, sein zu dürfen und glücklich zu sein. Und gleichzeitig wird deutlich, dass alle Familienmitglieder ihre eigene Wahrheit und Erinnerung haben, überlagert und geschwängert mit eigenen Emotionen und Verletzungen, die die Kommunikation immer schwieriger werden lassen.
Die Gegenwart in der gerade der Vater verstorben ist und die vergangen Monate zuvor mit der Eskalation des Erbstreits durch Bergljot reflektiert wird, findet Ergänzung in Erinnerungen aus der ferneren Vergangenheit bis zur Kindheit, in denen die Autorin Schicht für Schicht die Ursachen der Entfremdung und Kindheitsverletzungen freilegt.
Der Stil ist distanziert und eindringlich zugleich, in kurzen, pointierten Sätzen entwirft Vigdis Hjorth das Porträt einer dysfunktionalen Familie. In dieser schnörkellosen Sprache findet sich die Kargheit der Familiensituation wieder und spiegelt sie gekonnt.
Vigdis Hjorth zeigt uns mit ihrem Roman auf, wie tief Verletzungen innerhalb der Familie sitzen und wie mächtig sie sind, vergessen geglaubt, jederzeit und unerwartet imstande wieder aufzubrechen. Beim Lesen dachte ich immer wieder an Anna Karenina: alle glücklichen Familien sind gleich glücklich, jede unglückliche Familie ist es auf ihre Art. Und so zeigt uns Vigdis Hjorth eine Variation dieses Unglücks auf, in all seinen Facetten und mit einer wortmächtigen direkten, authentischen Sprache.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.