Nach der Hölle des Zweiten Weltkriegs will der engagierte junge Jurist Henry Mahler als Privatermittler für Gerechtigkeit sorgen. Dabei stößt er auf das Schicksal der jüdischen Familie Lassally: Eduard Lassally, das Oberhaupt der Hamburger Handelsdynastie, wurde in der Nazizeit eingeschüchtert und enteignet - und soll schließlich Selbstmord begangen haben. Sein Sohn Oswald glaubt diese Geschichte nicht. Gemeinsam suchen Henry und Oswald nach den Schuldigen, die die Lassallys ins Unglück stürzten. Und geraten damit in höchste Gefahr ...
Deutschland nach der Kapitulation: Die Mörder sind noch unter uns. Und sie wetzen wieder ihre Messer.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Gertie G.
aus Wien
5/5
06.01.2026
eBook (ePUB 3)
Eine klare Leseempfehlung
Michael Jensen, dessen historischen Kriminalromane rund um die Brüder Sass sowie jene um Jens Druwe, der auch hier, im aktuellen Krimi eine Rolle spielt, ich gelesen habe, nimmt mich mit in das Nachkriegsdeutschland.
Oswald und Hertha Lassaly gehören zu den wenigen, von den Nazis Vertriebenen, die nach Hamburg zurückkehren. Er hat mit der Hansestadt und Deutschland noch eine Rechnung offen: Er will einerseits das geraubte Eigentum der Familie zurück und andererseits den angeblichen Selbstmord seines Vaters Eduard aufgeklärt wissen.
Doch der befreundete Anwalt, der schon seinen Vater betreut hat, macht ihm wenig Hoffnung, denn die Firma, ein Kaffeeimport und die Familienbank, sind „verkauft“ worden, was durch Dokumente belegbar ist. Dass der Kaufpreis durch Drohungen auf einen Bruchteil des Wertes gedrückt worden ist, interessiert niemanden. Um Beweise dafür zu finden, dass einerseits der Kauf Betrug und der Selbstmord seines Vaters Mord war, wird der Kriegsheimkehrer und Privatermittler Hans Mahler beauftragt, Dokumente und Zeugen aufzutreiben. Mahler scheint dafür sehr gut geeignet, hat er doch vor dem Zweiten Weltkrieg Jura studiert, aber nicht abgeschlossen und als Gegner der Nazis selbst im Gefängnis. Allerdings wird Mahler von seinen eigenen Dämonen geplagt wird, ist doch seine Frau seit dem, als „Operation Gomorrha“ bekannten, Bombardement Hamburgs verschollen.
Je tiefer Hans Mahler in die Familiengeschichte der Lassallys eintaucht, desto mehr wird ihm bewusst, dass die Täter von damals durchwegs wieder in ihren alten Positionen arbeiten. Oswald und Hertha Lassaly sind zurück unter Mördern.
Meine Meinung:
Der Krimi beruht auf der wahren Familiengeschichte der jüdischen Familie Lassally aus Hamburg, die, wie Hunderttausende andere auch, systematisch gedemütigt, ausgeplündert, ihres Eigentums beraubt, teilweise in den Selbstmord getrieben und als sie nichts mehr hatten, was Nazi-Deutschland nützlich sein konnte, in den diversen Vernichtungslagern ermordet worden sind. Nur wenigen Mitglieder dieser jüdischen Familien ist es, wie Oswald Lassally, gelungen, das Land zu verlassen und noch viel weniger kehren in das Land der Mörder zurück.
Hans Mahler muss erkennen, dass die alten Parolen vom Durchhalten und der Volksgemeinschaft sind noch fest in den Köpfen der Menschen verankert ist. Zudem haben sie neue wie „nach vorne schauen“, „Wir haben auch gelitten.“ und „Wir haben nichts gewusst!“ gebildet haben und in einer Art Dauerschleife wiederholt werden. Schrecklich zu lesen ist das Selbstverständnis mit der Täter/Opferumkehr betrieben wird. Die Mehrzahl der Deutschen sieht sich als Opfer der Alliierten und der jüdischen Weltverschwörung. Unrechtsbewusstsein in kaum vorhanden, weshalb es kaum möglich ist, geraubte Gegenstände und Wohnungen den ursprünglichen Eigentümern zurückzugeben.
Michael Jensen hat mit diesem historischen Krimi die düstere und beklemmende Stimmung im Nachkriegsdeutschland sehr gut eingefangen. Die wahre Geschichte von Eduard Lassally und seiner Familie ist penibel recherchiert. Wie schon in den historischen Krimis rund um die Brüder Sass und um Kriminalkommissar Jens Druwe lässt sich dieser hier ebenso sehr gut lesen, auch wenn er keine leichte Kost ist. Zartbesaiteten Lesern könnte die eine oder andere Grausamkeit vielleicht Probleme bereiten.
Die Figur des Hans Mahler bietet sich gemeinsam mit dem Thema förmlich an, als Reihe weiter entwickelt zu werden. Denn leider ist die Familie Lassally kein Einzelfall.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem historischen Krimi aus dem Nachkriegsdeutschland 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Philiene
aus Süsel
5/5
12.12.2025
eBook (ePUB 3)
Spannend und informativ
Zurück unter Mördern ist ein spannender Roman, der sich mit Verbrechen der Naziezeit beschäftigt.
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Einmal 1950. Hier geht es um den Juristen Henry Mahler der im zweiten Weltkrieg alles verloren hat und sich jetzt mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Als er von dem Kaufmann Oswald Lassaly den Auftrag erhält die Ungereimtheiten die es in der Vergangenheit von dessen Familie in der Naziezeit aufzuklären, beginnt er zu recherchieren und stößt dabei auf Wiederstand, Schweigen und Altlasten....
In Rückblicken wird die Geschichte von Lassaly und seiner Familie erzählt. Hier geht es um den Aufsteigenden Antisemitismus und die langsame aber unaufhaltsam Enteignung des Familienunternehmens.
Der Roman ist spannend und gleichzeitig informativ. Es geht tief hinein in die Ungerechtigkeiten die damals passiert sind und zeigt auf wie damals vorgegangen wurde. Gleichzeitig geht es darum wie viele ehemalige Parteimitglieder unbescholten weiter in guten Jobs gearbeitet haben und wie schwer es war etwas über diese Zeit zu erfahren.
Ein sehr lesenswerter Roman
Bewertung
Thalia Book Circle Community
4/5
07.04.2026
eBook (ePUB 3)
Zurück im Abgrund
Zurück unter Mördern hat mich ziemlich schnell gepackt – nicht mit großen Effekten, sondern mit dieser unterschwelligen Unruhe, die sich nach und nach aufbaut. Schon nach den ersten Kapiteln hatte ich das Gefühl, dass hier nichts wirklich sicher ist und jede Figur ihre eigenen Schatten mit sich herumträgt.
Was mir besonders gefallen hat: Die Geschichte lebt nicht nur vom Fall an sich, sondern von den Menschen dahinter. Der Protagonist wirkt auf mich greifbar, mit Ecken, Zweifeln und einer Vergangenheit, die immer wieder durchscheint. Genau das macht ihn für mich spannend, weil er eben nicht nur „ermittelt“, sondern auch mit sich selbst ringt. Diese Mischung aus äußerer Spannung und innerem Konflikt hat mich beim Lesen sehr mitgenommen.
Der Schreibstil ist direkt und klar, ohne unnötige Ausschmückungen – und gerade das passt gut zur düsteren Grundstimmung. Die Kapitel sind so aufgebaut, dass ich immer noch „nur eins“ weiterlesen wollte. Es gibt Wendungen, die mich überrascht haben, aber auch solche, bei denen ich eine Ahnung hatte. Für mich war das eine gute Balance.
Ein kleiner Punkt: An manchen Stellen hätte ich mir noch etwas mehr Tiefe in den Nebenfiguren gewünscht. Einige bleiben eher im Hintergrund, obwohl sie eigentlich Potenzial gehabt hätten, die Geschichte noch stärker zu tragen.
Trotzdem hat mich das Buch insgesamt wirklich gut unterhalten. Es ist spannend, ohne reißerisch zu sein, und düster, ohne ins Extreme abzudriften. Genau diese Mischung mag ich.
Zurück unter Mördern ist für mich ein solider, intensiver Thriller, der vor allem durch seine Atmosphäre und die Figur im Mittelpunkt überzeugt. Ich habe das Buch gern gelesen und bin definitiv neugierig, wie es weitergeht.
Yvonne
aus Frankfurt am Main
4/5
26.12.2025
eBook (ePUB 3)
Blutbefleckte Erde und dennoch Heimat
Oswald Lassally kehrt 1950 mit seiner Frau zurück nach Deutschland. Während des Naziregimes ist er nach Brasilien ausgewandert, er war der einzige in seiner Familie, der es geschafft hat. Sein Vater, ein angesehener Kaffeeimporteur und -produzent hatte, wie auch alle drei Söhne, als Juden unter den Repressalien zu leiden. Dieses führte zu Enteignung und Tod. Eduard Lassally wollte eigentlich auswandern und den Standort verlegen, dieses gelang ihm aber letztlich nicht mehr. Angeblich hat er deshalb Selbstmord begangen. Oswald glaubt nicht daran und beauftragt den Privatdetektiv Mahler mit Recherchen. Mahler, selbst vom Krieg gezeichnet, nimmt den Auftrag an. Dies gestaltet sich aber schwierig und war in der Zeit auch nicht ungefährlich. Jeder hatte etwas zu verbergen und auch an hohen Stellen waren bisweilen immer noch die Leute mit früherer Gesinnung tätig. Auch wenn die Allierten versuchten dieses auszumerzen, viele Akten und Beweise waren letztlich zerstört oder wurden noch nach dem Krieg zerstört. So gab es doch noch viele Seilschaften. Hierin lässt der Autor den Leser tief blicken. Zum einen gibt er Einblicke in die Aneignung der Vermögenswerte durch die Nazis in einem Erzählstrang im Nationalsozialismus, zum anderen begleitet man Mahler und auch Oswald Lassally in 1950 bei der Recherche. Der Roman ist sehr flüssig geschrieben und lässt sich gut lesen. Er lässt tief blicken. Der Autor erzählt in seinem Nachwort von seinen Recherchen über die Familie Lassally, die wirklich gelebt hat. Diese Recherchen merkt man auch beim Lesen. Es wirkt sehr authentisch, auch wenn ich mir manchmal noch mehr Emotionen bei den handelnden Personen gewünscht hätte. Die Geschichte fesselt, insbesondere dadurch, dass der Autor einen Einblick in die Gedankenwelt eines Verfolgten gibt, der trotzdem nach Kriegsende wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Den Roman empfehle ich allen historisch interessierten Lesern, insbesondere denjenigen, die einen tieferen Einblick in die Nachkriegszeit und die immer noch herrschenden Seil- und Machenschaften möchten.
Bewertung
aus Freudenberg
5/5
22.05.2026
Buch (Taschenbuch)
total spannend
Inhaltsangabe
Die Schrecken des Krieges werfen lange Schatten.
Nach der Hölle des Zweiten Weltkriegs will der engagierte junge Jurist Henry Mahler als Privatermittler für Gerechtigkeit sorgen. Dabei stößt er auf das Schicksal der jüdischen Familie Lassally: Eduard Lassally, das Oberhaupt der Hamburger Handelsdynastie, wurde in der Nazizeit eingeschüchtert und enteignet – und soll schließlich Selbstmord begangen haben. Sein Sohn Oswald glaubt diese Geschichte nicht. Gemeinsam suchen Henry und Oswald nach den Schuldigen, die die Lassallys ins Unglück stürzten. Und geraten damit in höchste Gefahr.
Deutschland nach der Kapitulation: Die Mörder sind noch unter uns. Und sie wetzen wieder ihre Messer.
Meine Meinung:
Ich hatte große Erwartungen an diese Lektüre und wurde nicht enttäuscht.Michael Jansen hat mich mit dieser Lektüre sofort in den Bann gezogen.Ich lernte den Juristen und Privatermittler Henry Mahler kennen.Ich blieb eine Weile bei ihm und erlebte dabei viele interessante Momente.Der Schreibstil ist leicht,locker und flüssig.Es gibt 2 unterschiedliche Zeitebenen.Das hat mir sehr gut gefallen.Die Protagonisten wurden sehr gut beschrieben und ich konnte sie mir gut vorstellen.Es gab viele unterschiedliche Charaktere welche bestens ausgearbeitet wurden.Der Autor beschäftigt sich in diesem Buch mit den Themen Judenschicksale und Nazizeit.Geschickt baut er diese in die Lektüre ein.Durch die guten Recherchen des Autors habe ich viel Wissenswertes über diese Themen erfahren.Durch die ruhige aber dennnoch fesselnde Erzählweise wurde ich förmlich in die Geschichte hinein gezogen.Vieles hat mich sehr berührt ,bewegt und zum Nachdenken angeregt.Es geht um Gerechtigkeit,Schuld und Verantwortung.Mir hat diese Lektüre sehr gut gefallen.
Auch das Cover ist sehr ansprechend und schon beim ersten Anblick bekommt man Lust zum lesen.Für mich rundet es das brilliante Werk ab.Von mir gibt es eine glatte Leseempfehlung.
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