Abgrundtief glücklich - über die Kraft der Freundschaft und die Gleichzeitigkeit von Gefühlen
Der Tod ihres geliebten Opas stürzt Romy in eine Krise. Ihr fehlt der Halt, mit nichts fühlt sie sich mehr verbunden. Alles um sie herum scheint dunkel zu sein - bis Jakob auftaucht, den sie bei einer Party kennengelernt hat. Ihm gelingt es, sie an etwas Wichtiges zu erinnern: daran, dass es einem gleichzeitig sehr schlecht und sehr gut gehen kann; daran, dass es auch an dunklen Tagen Licht gibt. Als sie sich gemeinsam um eine kranke Taube kümmern - das Lieblingstier von Romys Opa -, kommen sie einander näher. Irgendwann ist die Taube gesund, breitet ihre Flügel aus. Wird es auch Romy gelingen, neuen Lebensmut zu finden?
Ein beeindruckender Roman über die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und die Hoffnung, in der Welt Halt zu finden.
Elli Kolb trifft das Lebensgefühl ihrer Generation.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
4/5
27.10.2025
eBook (ePUB)
Comfort Read
So ein tolles Buch! Ich hätte noch ewig weiterlesen können um zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht. So gut wie alle Charaktere in dem Buch hatten eine tolle und schöne Charakterentwicklung, die mir auch wieder aufgezeigt hat, dass man nie weiß, was in dem anderen gerade vorgeht, und wie viel ein wenig Verständnis, Geduld und Empathie bewirken kann. Die Gefühlswelt von Romy wird ganz fantastisch beschrieben, ich konnte mich sehr gut in sie hineinversetzen. Besonders gefallen haben mir natürlich die Stars dieses Buches: die Tauben! Es war so wundervoll, so viel über diese Vögel zu lernen und sie in ihren Eigenheiten kennenzulernen - vor allem wenn ich weiß, dass alle Beschreibungen auf echten Tauben basiert, die die Autorin kennengelernt hat. Romys Taube ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der ein cozy Read haben möchte, mit viel Gefühl und tollen Charakteren.
Bewertung
5/5
19.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
So schön
Romy fühlt sich nicht gut. Ihrem Opa geht es zunehmend schlechter, ihre Mutter will nichts von ihr wissen. Sie fühlt sich allein gelassen, für niemanden wichtig. Dann lernt sie Jakob kennen. Sie mag ihn aber hat Angst, Angst wieder verlassen zu werden. Von ihrem Opa hat Romy die Liebe zu Tauben mitbekommen. Sie findet eine kranke Taube, kümmert sich liebevoll um sie. Jakob hilft ihr dabei. Sie mag es, wenn er in ihrer Nähe ist. Zusammen sind sie ein gutes Team. Doch darf sie so fühlen? Eigentlich ist sie traurig und jetzt ist alles richtig verwirrend.
Ein so berührender und feinfühliger Roman ist Elli Kolb hier gelungen. Romy ist so authentisch. Sie ist verzweifelt, zuversichtlich, hoffnungsvoll, ängstlich und traurig. Und das alles zur gleichen Zeit. Das kann schon ganz schön verwirrend sein. Die Sprache ist dezent poetisch, zart. Passt perfekt zur Thematik. Elli Kolb erhebt nicht den Zeigefinger und will uns die Welt erklären. Sie will Mut machen und zeigen, dass alle Gefühle in Ordnung sind. Das man die Trauer nicht wegschieben soll, sondern fühlen darf, solange wie es eben dauert.
So süß wie die beiden sich um die Taube kümmern und es auch Romy immer besser geht. Ganz unverhofft sind Jakob und die Taube in ihr Leben getreten. Und so kann es auch an den dunkelsten Tagen etwas Licht geben und vielleicht sogar Neues entstehen.
Eine ganz große Empfehlung möchte ich für dieses feinsinnigen Roman aussprechen.
Bewertung
5/5
04.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Emotional berührend
Als ihr Opa stirbt fällt Romy in ein Loch der Trauer - wie soll ihr Leben nun weitergehen, wenn auf einmal irgendwie alles anders ist?
Während dieser schweren Tage lernt sie zwei unerwartete neue Freunde kennen: Jakob, für den sie Gefühle entwickelt, sowie eine kranke Taube, die ohne ihre Hilfe vermutlich nicht überleben würde.
Dies ist kein super spannendes Buch, aber trotzdem wollte ich immer weiter lesen. Die Geschichte überzeugt vielmehr mit ihren ruhigen Tönen und emotionalen Beschreibungen.
Gerade wenn man selbst schon mal getrauert hat, sind viele Momente hier beinahe schmerzhaft vertraut. Es ist nicht dramatisch, aber entfaltet trotzdem große Wirkung.
Wir haben nur eine Handvoll Charaktere, was ich für die Länge der Geschichte auch sehr passend empfand. Jede:r von ihnen ist auf ganz eigene Art einzigartig, mit kleinen "Macken" und Angewohnheiten. Im Fokus bleibt aber Romy als Ich-Erzählerin und sie hat auf mich auch komplett authentisch gewirkt, von ihren Gefühlen bis hin zu ihrem Alter. Besonders toll fand ich auch, dass sich der Erzählstil ihren Gedanken angepasst hat, in manchen Momenten komplett wild, in anderen poetisch mit kleinen Weisheiten.
Generell mochte ich den Schreibstil auch sehr, in jedem Kapitel gab es mindestens eine Textstelle, die ich besonders schön oder berührend fand und mehrmals gelesen habe.
Ein weiteres Highlight waren die Tauben für mich - diese gibt es auch in der Realität und das hat man wirklich gemerkt. Ich habe viel Neues über Tauben gelernt, ohne mich eine Sekunde zu langweilen, und diese sind mir sogar noch mehr ans Herz gewachsen als vorher.
Insgesamt eine wundervolle ruhige Erzählung über (tierische) Freundschaften und Liebe und wie diese die Dunkelheit der Trauer erhellen können.
MarieOn
5/5
23.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was wirklich wichtig ist im Leben
Kathleen fragt Romy, ob sie noch auf einen Sprung mit zu Lola kommt, die eine Party feiert. Eigentlich ist Romy nicht nach feiern, denn ihr Herzensmensch ist heute Morgen ins Krankenhaus gekommen. Egon, Romys Großvater, hatte den dritten Herzinfarkt. Romy kann eh nichts machen, ihrem Gedankenkarussell keinen Widerstand leisten und so geht sie mit.
Schon im Flur treffen sie auf viele Leute. Romy drückt sich an ihnen vorbei, sie will in die Küche und erst mal ankommen. Stille. Sie schiebt sich ein Stück Quiche in den Mund und bemerkt aus den Augenwinkeln eine Bewegung. Jemand kommt herein und gießt sein Getränk nach. Sie betrachtet ihn und spürt die Anziehung, die von seiner Ausstrahlung ausgeht, diese Energie, die ihr bisher immer gefehlt hatte, als würde ihre innere Kompassnadel sich in seine Richtung justieren. Gerade als sie erfährt, dass er Jakob heißt, stürmt eine Frau mit Dreadlocks in die Küche und zitiert ihn ins Wohnzimmer.
Romy war zehn, als ihre Mutter sie bei Egon abgab. Sie fing noch einmal von vorne an und studierte. Ihren Vater hatte Romy nie richtig kennengelernt und dann hatten wohl beide die Nase voll von ihr.
Wenn Egon stirbt, ist niemand mehr da, der sich an meine Kindheit erinnert. S. 32
Und dann passiert es wirklich. Das Krankenhaus ruft Romy an, sie müsse schnell kommen. In seinem Zimmer angekommen sieht sie seine fahle Haut, die eingefallenen Wangen. Wie kann ein Mensch sich so schnell verändern? Romy setzt sich zu Egon ans Bett und nimmt seine Hand, lauscht auf seinen Atem, der immer wieder aussetzt. Dann verändert sich die Atmosphäre im Raum, die wenigen Farben leuchten intensiver, als könne Romy klarer sehen. Sie war diesen kurzen Moment abgelenkt und merkt erst jetzt, dass Egon gestorben ist. Sie hatte doch noch so vieles sagen wollen. Romy springt auf, rennt aus dem Zimmer, den langen Flur entlang, bis auf die Straße und nach Hause.
Fazit: Elli Kolb hat in ihrem zweiten Buch das Thema Verlust und Einsamkeit verhandelt. Ihre Protagonistin wächst bei ihrem liebevollen Großvater auf, der seine Leidenschaft für Tauben auf die Enkelin überträgt. Romy hat erfahren, wie sich Bezugspersonen immer wieder von ihr abwendeten und die Erkenntnis gewonnen, dass sie nicht liebenswert ist. Es mangelt ihr an dem Gefühl einer Daseinsberechtigung. Ihre fragile Persönlichkeit neigt zu Melancholie, fehlendem Lebenssinn und kleinen Dramen. Ihre resolute Mitbewohnerin Kathleen packt die Dinge gern gleich an und deren beste Freundin mit dem reichen Vater, der augenscheinlich nichts wehtut, stichelt gerne und behandelt ihre Mitmenschen herablassend. Jakob der Fels in der Brandung, der Interesse an Romy bekundet, die sich jedoch auf niemanden mehr einlassen will, weil es so wehtut, wenn der andere wieder geht. So viel zum Plot. Und dann ist da noch diese eine Taube, die von Romy gerettet und gepäppelt wird. Ich liebe die Beobachtungsgabe von Elli Kolb. Sie hat vier junge Menschen gezeichnet, die versuchen, ihren Weg im Leben zu finden. Alle vier sind ein bisschen versehrt, genau wie die Stadttauben, die ums Überleben kämpfen, aber man sieht es ihnen nicht an. Die Autorin entblättert die Verletzungen und weckt damit mein Mitgefühl. Der Roman entfaltet eine leise Kraft, die mein Herz berührt und mich an etwas ganz Wichtiges erinnert: Das, was wirklich zählt im Leben. Liebe, Wertschätzung und Zuneigung. Ein ganz warmer Roman, der auf Kitsch oder Pathos verzichtet und ganz sanft in die Seele eindringt. Sehr gelungen.
Ich habe auch ihren ersten Roman (9 Grad) sehr gemocht.
Kwinsu
aus Salzburg
5/5
21.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ruhig und feinfühlig: ein Highlight!
Sie war warm, sie kannte und herzte uns, aber eigentlich gehörte sie ganz woanders hin, zu anderen Tauben, in die Luft, sie wollte frei sein, wir alle wollten frei sein, und für mich gehörten Liebe und Freiheit auch irgendwie zusammen." (S. 208)
Romy trauert: ihr geliebter Opa Egon ist gestorben, jener Mann, der für sie war wie ein Vater, der sie großgezogen hat und ihr so viele Dinge über das Leben beibrachte. Sie weiß gar nicht recht, wie sie mit diesem Schicksalsschlag umgehen soll, reißt er sie doch in ein tiefes Gefühl der Einsamkeit. Doch gleichzeitig lernt sie Jakob kennen und er steht ihr zur Seite. Gemeinsam pflegen sie eine verletzte Taube gesund und das Band zwischen ihnen wird stärker. Bald jedoch muss sich Jakob verabschieden und ihre beider Zukunft bleibt ungewiss...
Ich muss sagen wie es ist: Elli Kolb gehört zu meinen Lieblingsautorinnen. Wie kaum eine andere schafft sie es meines Erachtens, die Realität in Romanform wiederzugeben. Ihre Figuren sind dermaßen authentisch, dass sie sich fast anfühlen wie Freund*innen. All die Gefühle, die ruhig, feinfühlig und vor allem unaufgeregt beschrieben werden, sind sehr nachvollziehbar. Hier gibt es kein Schwarz oder Weiß, das Leben bringt alle Facetten mit sich. Da kann Trauer gemeinsam mit Verliebtsein existieren, Mitgefühl mit Ärger, Sich-abgelehnt-fühlen mit Geborgenheit. Ich habe "9 Grad", den ersten Roman der Autorin, schon sehr geliebt, ob der Ehrlichkeit und Nachvollziehbarkeit, "Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen" ist mir fast noch mehr ans Herz gewachsen. Mag sein, dass das auch mit den Tauben zu tun hat.
Wir lernen sehr viel über diese missverstandenen Vögel, doch niemals belehrend, sondern natürlich eingewoben in die Geschichte. Genauso viel erfahren wir über den Schmerz der Trauer, das Gefühl, nicht zu wissen wie man mit dem Tod umgehen soll, den langsamen Aufbau von romantischen Gefühlen, der nicht einheitlich geschieht, das feste Band der Freundschaft genauso wie über Enttäuschungen familiärer Natur. All das in einem Tempo, das ruhig voranschreitet, niemals scheint ein zeitliches Ungleichgewicht. Der Kreislauf des Lebens, mit seinen Höhen und Tiefen, ehrlich anhand einer Geschichte um Trauer, Freundschaft, Enttäuschung, Hoffnung und Mitgefühl dargestellt.
Mein Fazit: "Das Leuchten des Himmels an dunklen Tagen" ist ein tiefgehender Roman über die Zerrissenheit der Gefühlswelt, wenn Trauer und Hoffnung sich vereinen. Mit feinfühliger und ruhiger Art erleben wir die Geschichte um Protagonistin Romy, die von Beziehungen zu unterschiedlichen Menschen und Tieren handelt. Für mich ein absolutes Jahreshighlight und eine Empfehlung an alle, die unaufgeregte, tiefgehende und authentische Geschichten mögen.
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