Rettet die Kindheit
Wie die digitale Welt unsere Kinder in Besitz genommen hat – und was wir tun können, damit sie wieder Lust am Spielen, Lernen und Leben gewinnen
Maja Lundes leidenschaftlicher, persönlicher Aufruf zu einem kritischeren Umgang mit digitalen Medien, besonders bei Kindern und Jugendlichen
Norwegen war Vorreiter bei der Digitalisierung. Schon ab der 1. Klasse wurden an Schulen Handys eingesetzt. Doch erste Langzeitstudien stellen die Technologie und ihre Folgen für die kindliche Entwicklung und das psychische Wohlbefinden insgesamt infrage. Was können wir von Norwegen lernen? Maja Lunde, Bestsellerautorin, Medienwissenschaftlerin und Mutter von drei Kindern, beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema, wissenschaftlich und persönlich. Leidenschaftlich, aber ohne moralischen Zeigefinger zeigt sie einfach umzusetzende Maßnahmen, mit denen Eltern die Smartphone-Nutzung ihrer Kinder (und oft auch ihre eigene) reduzieren können. Ungekürzte Lesung mit Simone Kabst
6h 59min
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Gebt unseren Kindern ihre Kindheit zurück!
lesenmitausblick am 30.01.2026
Bewertungsnummer: 3030806
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Immer wieder geht es in den Nachrichten darum, was digitale Medien und Social Media mit unseren Kindern machen. Dabei sagen die einen, ein möglichst früher Umgang mit digitalen Medien ist wichtig. Die anderen möchten sie von ihren Kindern fernhalten. Während Deutschland noch dabei ist, die Schulen zu digitalisieren, machen Länder wie Norwegen einen Schritt zurück.
Ich beschäftige mich seit einiger Zeit sehr intensiv mit dem Thema, denn meine Beobachtungen in der Schule beunruhigen mich doch sehr. Deshalb habe ich mit großem Interesse das Buch „Rettet die Kindheit“ der norwegischen Bestsellerautorin Maja Lunde gelesen. Ich mag ihre Bücher sehr, deshalb interessiert mich auch ihre Meinung zu „Wie die digitale Welt unsere Kinder in Besitz genommen hat und was wir tun können, damit sie wieder Lust am Spielen, Lernen und Leben gewinnen.“ Ihr Sachbuch basiert in großen Teilen auf ihrer Meinung, ihren eigenen Beobachtungen in Familie und Umfeld und einer akribischen Auswertung von Fallstudien und Forschungsergebnissen im In- und Ausland. Das Buch ist im btb Verlag erschienen.
Aus dem Norwegischen übersetzt hat Ina Kronenberger. Das Buch unterteilt sich in fünf Abschnitte: 1. Eine neue Kindheit 2. Was entgeht unseren Kindern? 3. Wie konnte es dazu kommen? 4. Was tun? 5. Wo anfangen?
Maja Lunde zitiert zu Beginn der Kapitel aus ihrem liebsten Kinderbuch, nämlich Michael Endes „Momo“. Ein Kampf findet statt um unsere Zeit und um die Zeit unserer Kinder.
Im ersten Kapitel legt Lunde dar, wie sich die Kindheit unserer Kinder gewandelt hat im Vergleich zu unserer. Sie verbringen deutlich weniger Zeit im Freien mit dem freien Spiel, der Alltag ist durchgetaktet, Bildschirme sind überall zu jeder Zeit verfügbar und binden unsere Aufmerksamkeit durch Algorithmen. Wenn unsere Kinder auf Netflix, You Tube oder irgendeiner App sind, spielen sie nicht. Fehlt ihnen die Zeit für Langeweile und freien Lauf ihrer Gedanken, entgehen ihnen die Voraussetzungen für ihr Spiel, denn gute Ideen entstehen, wenn man nicht unterhalten wird. Auch die Konzentrationsfähigkeit leidet, ebenso wie Interaktionen untereinander, wenn jede/r allein vor seinem Bildschirm hockt. Fehlender Blickkontakt, fehlender Hautkontakt, Einbüßen wichtiger Sozialisierung. In diesem Zusammenhang sind auch zunehmende psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen zu beobachten. Das Zusammensein mit anderen, die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, sich anpassen, Rücksicht nehmen, den Blick auf andere richten, nicht nur auf sich selbst – das heißt also zusammenfassend freundlich sein – all das geht verloren. Durch algorithmusgesteuerte Inhalte geht unseren Kindern Freiheit verloren!
Ich finde das alles sehr besorgniserregend und kann viele Argumente von Maja Lunde aus meiner Erfahrung in der Arbeit mit Kindern in der Schule leider bestätigen. Es muss etwas passieren. Das Smartphone nimmt unseren Kindern die Kindheit. Lernen findet im Spiel, in Bewegung, draußen statt; nicht vor einem Bildschirm.
Lunde wertet hierzu viele Quellen und Forschungsberichte aus und sammelt am Ende auch Vorschläge, wie wir nun gegensteuern können. Ich finde das Buch sehr lesenswert. Denn es geht um ein Thema, das uns als Gesellschaft betrifft und über das wir mehr reden müssen. Wir müssen unsere Kinder schützen. Und, da bin ich völlig bei Maja Lunde, das geht nur, wenn die Kindheit weitgehend ohne Bildschirme stattfinden darf.
Ein Buch, das alle gelesen haben sollten!
Bewertung aus Bamberg am 29.01.2026
Bewertungsnummer: 3028267
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
»Kindern schadet es, wenn sie nicht spielen. Doch die Kinder von heute haben keine Zeit mehr. Als wir ihr Leben mit digitalen Geräten gefüllt haben, haben wir ihnen gleichzeitig den Raum für das Wichtigste genommen, was Kinder machen sollten: ihre eigene Ausdrucksform finden, ihre eigene Sprache.«
Alles beginnt mit Michael Endes „Momo“. Eine Konstante, die sich durch das ganze Buch zieht, denn dieser Text handelt – wie bekannt – von der Zeit, die auch uns abhandengekommen ist.
Heute ist Zeit immer Mangelware.
„Ich muss nur mal kurz…“ Wer kennt ihn nicht, von sich selbst oder von anderen? Diesen kleinen harmlos daherkommenden Satz, der doch den Teufelkreis erneut ankurbelt.
Maja Lunde präsentiert mit diesem Buch kein Plädoyer, das einer alten, längst vergangen Zeit hinterher trauert, sondern einen wohl durchdachten Weckruf, dem man nicht zustimmen muss, aber unbedingt gelesen haben sollte, besonders wenn man eigene Kinder hat oder mit ihnen zusammenarbeitet.
Und auch wenn sich das Buch auf Kinder und Jugendliche beschränkt, wirkt das alles auch auf die erwachsenen Leser*innen, die sich kopfnickend vor dem Buch wiederfinden und ihr, bei nostalgischen Erinnerungen an die Kindheit, nur zustimmen können.
Denn unsere Kindheit war ebenfalls geprägt von einer gewissen Langeweile, die keine verschwendete Zeit war, sondern Kreativität und Interessen in jeglicher Hinsicht förderte sowie wirkliche, reale Kontakte.
Und wenn ich schreibe, dass sich dieses Buch wie ein Thriller oder wie ein spannender Instagram-Feed liest, von dem man nicht genug bekommt, ist das nicht übertrieben, denn es spiegelt uns gegenwärtiges Dasein auf schockierende Weise und doch ignorieren wir es gekonnt.
Täglich vier Stunden am Handy, bedeutet auf ein Leben hochgerechnet, ganze 14 Jahre! Ganz zu schweigen davon, dass viele Jugendliche weit über diesen vier Stunden liegen. Oder die Tatsache, dass Eltern Schlafproblemen ihrer Kinder mit Melatonin entgegenwirken, anstatt den wahren Auslöser – sämtliche Bildschirme – aus deren Schlafzimmern zu verbannen.
Dieses Buch ist wahrlich eine Konfrontationstherapie mit der eigenen Sucht, die wir wahrscheinlich alle haben, sich aber keiner eingestehen möchte.
Zum Abschluss der Lektüre schlägt Maja Lunde mögliche Verhaltensregeln gegen diese Bildschirmsucht vor.
Selten hat mich ein Buch so sehr zum Nach- und Umdenken angeregt! Eine unbedingte Leseempfehlung!
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