Obwohl Heinrich Steinfest beinah „am Fließband“ Bücher schreibt, sind sie in der Regel ein Garant für unterhaltsame Geschichten mit Niveau. So auch „Das schwarze Manuskript“?
Grob umrissen handelt die Geschichte von Ashok Oswald, Typ Selfmademan (mit allen Konsequenzen: Ehe in die Brüche gegangen; Personal entlassen bzw. beurlaubt: so eigenbrötlert es sich ganz gut), der während seiner morgendlichen Runde durchs Schwimmbecken von drei Fremden unter Androhung von Gewalt „gebeten“ wird, ein Manuskript herauszugeben. Das hatte Oswald vor Jahren von einem verkrachten Autor zur Verwahrung bekommen, sich aber nie dafür interessiert. Mit dem Auftauchen der Fremden ändert sich das schlagartig – und Ashok macht sich auf die Suche …
Was für eine Geschichte! Lässt man sich auf Steinfest ein, ist man an sich schon „gewarnt“, dass man sich auf einiges an Originalität gefasst machen darf, aber hier toppt er alles bisher von ihm Gelesene. Es beginnt mit den Figuren: Ashok, dessen auf das Sanskrit zurückgehender Name Programm ist für Steinfests Figur; Peter Bischof, der Autor des Manuskripts; Deegan aus der Forschergruppe sowie zahlreiche Figuren, denen Ashok auf seiner Reise begegnet. Dass Ashok jahrzehntelang ein Manuskript verwahrt, für das er sich nicht interessiert, und plötzlich, als er es abgenommen bekommt, Interesse dafür zeigt, ist nur allzu menschlich und durch seine veränderten Lebensumstände nachvollziehbar. Dass Steinfest diese Suche ein bisschen überspitzt erzählt, dürfte seinen Fans klar sein. Die Geschichte strotzt nur so vor schräg-bizarren Einfällen: von der Nacht im Umzugskarton über die Szene am Pool bis zu Auflösung, was an Bischofs Manuskript so besonders war. Die Botschaft scheint: Lass dich aufs Leben ein, folge deinen Wurzeln, materieller Reichtum bringt bedingt weiter. Ob sie das letztlich wirklich ist, ist jedoch nachrangig, denn worum es (mir) bei Steinfest geht, ist sein unnachahmlicher Schreibstil: wortreich, (im besten Sinne) mäandernd, ungewöhnlich, gewagt, bildhaft, ironisch, anspielungsreich, pointiert – besonders. Sicherlich sollte man diese Erzählweise mögen und manchmal braucht es ein wenig, bis man drin ist. Doch wen das nicht stört bzw. wer etwas Ungewöhnlicheres, nicht zwingend stringent Erzähltes, lesen will, wird mit „Das schwarze Manuskript“ bestens bedient.
Originell
A.Basan aus Garbsen am 01.09.2025
Bewertungsnummer: 2583596
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch liest sich wie eine ausführliche Abhandlung über die bekannte Frage, ob die Kunst das Leben imitiert oder doch eher anders herum, wie Oscar Wilde meint.
Wie immer in Steinfests Romanen geraten die Figuren in allerlei wunderliche bis groteske Situationen, die zum Ende hin aber alle irgendwie einen Sinn ergeben.
So wacht der Held Ashok Oswald, seines Zeichens CEO eines großen multinationalen Konzerns, eines Morgens in einem Ikeakarton auf, um bald darauf von einer Frau und zwei Männern bedroht zu werden. Oswald war kurz vorher von seiner zweiten Frau verlassen worden, hatte seinem Leibwächter gekündigt und fühlte sich nun frei. Die drei ungebetenen Besucher fordern das schwarze Manuskript mit dem Titel "Hunger"von ihm, das seit Jahrzehnten zur Aufbewahrung in seinem Keller schlummert. Oswald übergibt es nur zu gerne, doch damit ist es natürlich nicht getan. Die Schatten der Vergangenheit suchen ihn heim und er begibt sich bald darauf auf eine seltsame Reise, die sich zu einer Odyssee auswächst.
Steinfests Stil wirkt etwas antiquiert, ist aber mit seinen Vergleichen und Formulierungen äußerst originell. Wer gerne abseits der ausgetretenen Pfade liest, ist hier bestens bedient. Andere werden vielleicht verständnislos den Kopf schütteln. Mir hat es auf jeden Fall gefallen.
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