Lucy Walker kämpft im 19. Jahrhundert für ihren Traum, die Alpen zu erklimmen - damenhaft im langen Rock. Trotz gesellschaftlicher Hindernisse und einer unmöglichen Liebe zu ihrem Bergführer entdeckt Lucy in den Schweizer Bergen eine nie gekannte Freiheit. Ihre größte Sehnsucht ist das schauderhaft schöne Matterhorn, das im Schatten eines tödlichen Unglücks steht. Sie begibt sich in den gefährlichen Wettkampf, die erste Frau auf dem Gipfel zu sein. Ein mitreißender historischer Roman über die Frage, was wahre Stärke ist.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Gertie G.
aus Wien
5/5
20.09.2025
eBook (PDF)
Eine Hommage an eine fast Vergessene
Andrea Günther hat sich in diesem historischen Roman, der der Beginn einer Reihe sein soll, einer Pionierin in Sachen Bergsteigen angenommen: Es handelt sich um Lucy Walker (1836-1916), die Tochter des britischen Alpinisten Frank Walker, der mit seinem Sohn Horace bereits zahlreiche Gipfel bestiegen hat. Lucy ist ein Bewegungstalent, obwohl sie von Rheumaschüben geplagt wird. Zudem ist es Frauen auf Grund gesellschaftlicher Konventionen nicht erlaubt bequeme Kleidung zu tragen. Schnürmieder, Krinolinen, bodenlange bauschige Röcke aus vielen Lagen Stoff sowie dünnsohlinge Schuhe machen schon den Alltag beschwerlich. Doch Lucy setzt ihren Kopf durch. Anstatt wie von Tante und Mutter gefordert, die Schweizer Alpen von der Terrasse des feudalen Hotels aus zu betrachten, schlüpft sie in zwei Paar Socken und die Bergschuhe ihres Bruders. Gemeinsam mit Vater und Bruder, die von erfahrenen Bergführern, unter anderem Melchior Anderegg geführt werden, feiert sie nicht nur einen Gipfelsieg nach dem anderen sondern den Sieg über sich selbst sowie über Konventionen. Dabei kommt ihr der Ruf, dass Engländer spleenig sind, gerade recht.
Mit dem verheirateten Bergführer Melchior Anderegg entspinnt sich eine zarte verbotene Liebe. Als Lucy erfährt, dass die Amerikanerin Meta Breevort das Matterhorn besteigen will, kommt sie ihrer Konkurrentin zuvor und steht am 22. Juli 1871 auf dem Gipfel des höchsten Berg der Schweiz.
Lucy wird nie heiraten und, weil die Britische Alpine Club keine Frauen als Mitglieder akzeptiert, tritt sie dem 19067 gegründeten Ladies‘ Alpine Club bei und ist von 1913 bis 1915 dessen zweite Vorsitzende.
Meine Meinung:
Schon das Cover lädt ein, dieses Buch zu lesen und der Inhalt fesselt bis zur letzten Seite. Man kann Lucy Walkers Mut und Entschlossenheit (oder Sturheit?) nicht hoch genug einschätzen, in einer Zeit in der Frauen künstlich dumm gehalten und wie Ware gewinnbringend an einen vom Vater ausgesuchten Ehemann verschachert worden sind, sich diesen Konventionen entgegen zu stellen.
Wenn ich nur daran denke, mit welcher Ausrüstung die Männer damals die Alpen bezwungen haben sind, wird mir schon Angst und Bang. Und dann noch als Frau, immer daran denken müssend, keinesfalls die Knöchel zu zeigen, dafür nicht zu schwitzen, mit gerafften Röcken und tadelloser Frisur auf mehr als 4.000 Meter aufzusteigen. Wahnsinn! Schmunzeln musste ich, als Lucy von ihrer Mutter ansteckbare Löckchen erhält, um im Tal den Eindruck einer ordentlich frisierten Frau zu erwecken.
Ich habe ja schon einige Biografie und/oder Romane über Bergsteigerinnen gelesen, doch diese hat mir besonders gut gefallen. Autorin Andrea Günther hat hier Fakten und Fiktion geschickt zu einem leicht lesbaren und amüsanten historischen Roman verknüpft.
Gut gelungen ist der Autorin auch die Zweifel der Lucy Walker darzustellen, die sich den Vorurteilen der damaligen Gesellschaft entgegenstellt, aber doch beinahe den Einflüsterern, der einzige Daseinszweck einer Frau sei es, zu heiraten und Kinder zu bekommen, erliegt. Nachdem sie die Hochzeit mehrmals unter zum Teil fadenscheinigen Ausflüchten verschiebt, löst Henry Pernick zornig und enttäuscht die Verlobung.
So verschieden Lucy Walker, die Tochter aus guten Hause, und der Schweizer Bergführer Melchior Anderergg gewesen sind, so eint sie neben ihrer Liebe zu Bergen, dass weder nach ihr noch nach ihm, ein Gipfel, Grat oder eine Route benannt worden sind. Nach Meta Breevort ist in der französischen Dauphiné trägt der höchste Gipfel, der 3.675 Meter hohe Pointe Breevort ihren Namen. Pointe Walker in den Grandes Jorrasses ist nach Lucy Walkers Bruder Horace benannt.
Lucy Walkers bestieg innerhalb von 21 Jahren 59 Berge, darunter Eiger, Mönch, Jungfrau, Matterhorn und Ortler. Auf sechzehn Gipfel war sie die erste Frau. Ihre Leistungen sind fast vergessen, aber nur fast. Mit diesem historischen Roman wird ihr Beifall gezollt.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser Hommage an die britische Alpinisten Lucy Walker eine Leseempfehlung und 5 Sterne.
Bewertung
4/5
29.11.2025
eBook (PDF)
Hochinteressant und spannend
Der Inhalt dieses Buches ist hochinteressant und mit dem historischen Bezug spannend und beeindruckend. Ich wusste echt wenig über das Leben von Lucy Walker.
Ich kann es allen Berg-und Geschichtsbegeisterten sehr empfehlen.
Philiene
aus Süsel
4/5
23.09.2025
eBook (PDF)
Tolle Frau
Es gibt viele Bücher über junge Frauen, die sich nicht mit dem Rollenbild ihrer Zeit abfinden wollen und ihren Traum leben wollen. In diesem Buch geht es um Lucy, die den Traum hat Berge zu besteigen, aber zum Ende des Neunzehnten Jahrhunderts ist das für eine Frau unvorstellbar. Das geht schon mit der Kleidung los und endet beim typischen Rollenbild.
Andrea Günther erzählt bildgewaltig die Geschichte dieser besonderen Frau. Erzählt von ihrem Leben, ihrer Familie ihren Träumen. Aber auch von der Schönheit der Berge und dem typischen Zeichen der Zeit.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen, da er eine Geschichte erzählt die nicht oft in Romanen vorkommt, über eine Bergsteigerin habe ich zumindest noch nicht gelesen. Ich mag es wenn aus dem Leben von Menschen erzählt wird die wirklich gelebt haben, ihre Abdrücke hinterlassen haben, aber leider nicht sehr bekannt sind. Genau das ist hier der Fall und Lucy wird hier ein lebendiges Bilg gegeben.
Bewertung
5/5
11.05.2026
Buch (Taschenbuch)
Eindrücklicher Roman über eine starke Frau
Eine mutige und bewundernswerte Frau, die man auf ihrem Weg zur Gipfelstürmerin begleitet.
Beim Lesen hatte ich das Gefühl, mit Lucy gemeinsam die Berge zu bezwingen. Es ist erstaunlich, was sie geleistet hat und das in einer Zeit ohne Gondeln, Stahlseile zum Heben, Bergbekleidung, wie wir sie heute kennen.
Andrea hat wunderbar recherchiert und das Setting bild- und lebhaft beschrieben. Ihr Schreibstil ist flüssig und die Geschichte durchweg spannend. Ein empfehlenswertes Lesevergnügen.
Claudia
5/5
15.03.2026
eBook (ePUB 3)
eine starke Frau geht ihren Weg
Als Tochter und Schwester begeisterter Bergsteiger fährt Lucy zusammen mit der Familie alljährlich in die Schweiz. Als sie auf die Idee kommt, doch auch mal mit auf Berge zu steigen erfährt sie starke Unterstützung von ihrem Vater. Obwohl es zur damaligen Zeit sehr unschicklich für Damen der gehobenen Gesellschaft ist, sich körperlich zu ertüchtigen, erklettert Lucy zusammen mit Vater Frank, Bruder Horace und dem erfahrenen Bergführer Melchior Anderegg einen Gipfel nach dem anderen. Nur das Matterhorn gilt als unbezwingbar. Doch auch davon lässt sich Lucy nicht aufhalten und ist die erste Frau auf diesem besonderen Gipfel. Für ihren Bergführer hegt sie starke Gefühle, doch dieser ist verheiratet. Trotz dessen verbindet die beiden eine tiefe Freundschaft und ein großes Vertrauensverhältnis.
Dieser Roman ist eine Hommage an die fast vergessene Lucy Walker, die erste Frau auf dem Matterhorn und noch vielen anderen Gipfeln, Wegbereiterin für Frauen in den Bergen. Eine Dame die die Ketten, die ihr die Gesellschaft auferlegt, sprengt und doch Dame bleibt. Und auch den Bergführer Anderegg, dem nie die gebührende Beachtung geschenkt wurde, ist der doch "nur" ein Dienstbote gewesen.
Die Autorin schreibt bildhaft und zugleich nüchtern. Wie ein steiniger Berg und die grandiose Aussicht. Das eine schließt das andere nicht aus.
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