Eine Familie aus Kyjiw verkauft russische Spezialitäten in Leipzig. Wodka, Pelmeni, SIM-Karten, Matrosenshirts - und ein irgendwie osteuropäisches Zusammengehörigkeitsgefühl. Wobei, Letzteres ist seit dem russischen Überfall auf die Ukraine nicht mehr zu haben. Die Mutter steht an der Seite Putins. Und ihr Sohn, der keine Sprache mehr als die russische liebt, keinen Menschen mehr als seine Mutter, aber auch keine Stadt mehr als Kyjiw, verzweifelt. Klug ist es nicht von ihm, mitten im Krieg in die Ukraine zurückzufahren. Aber was soll er tun, wenn es nun einmal keinen anderen Weg gibt, um Mama vom Faschismus und den irren russischen Fernsehlügen zurückzuholen?Ein Hörbuch, wie nur Dmitrij Kapitelman es schreiben kann: tragisch, zärtlich und komisch zugleich.Das Hörbuch wird auf eindringliche und unverwechselbare Art gelesen vom Autor selbst.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Rei Shimura
3/5
09.04.2025
Hörbuch-Download (MP3)
Sprachliche Verwirrung
Es gibt Bücher die muss ich unbedingt lesen und bei manchen ist es mir egal ob ich das Buch selbst lese oder es vorgelesen bekomme. Es gibt auch Bücher, die ich zuerst gelesen habe und mir danach das Hörbuch angehört habe. Normalerweise bin ich bei dem Thema Buch oder Hörbuch sehr flexibel. Bei diesem Buch bin ich im Nachhinein aber sehr froh, dass ich mich für das Hörbuch entschieden habe.
Dies liegt vor allem daran, dass der Autor, der auch der Sprecher des Hörbuches ist, sehr viele russische und auch ukrainische Wörter verwendet. Ich habe die Vermutung, dass ich beim Lesen große Schwierigkeiten damit gehabt hätte. Man könnte jetzt behaupten, dass es vielleicht besser gewesen wäre, wenn die Wörter und Ausdrücke übersetzt worden wären. Dann wäre aber meiner Meinung nach ein wichtiger Teil der Geschichte weggefallen und das Buch hätte an Authentizität verloren.
Das Dmitrij Kapitelman kein ausgebildeter Sprecher ist, merkt man im Laufe der Zeit immer wieder. An manchen Stellen wirkt es ein wenig holprig, das macht das ganze aber nur umso sympathischer. Die Stimmmelodie von Dmitrij habe ich als sehr angenehm empfunden und ihm wirklich gerne zugehört.
Doch nun kommen wir zum wichtigsten: Zum Inhalt des Buches und meinem Eindruck davon. Selten ist mir die Bewertung von einem Buch so schwergefallen. Denn obwohl ich mir ausnahmsweise mehrere Tage Zeit gelassen habe und wirklich intensiv über das gehört nachgedacht habe, weiß ich noch immer nicht, was ich davon halten soll.
Ich denke, dass ich im Großen und Ganzen schon verstanden habe, was der Autor mir mit seinem Werk sagen möchte. Und auch wenn ich es nicht aus persönlicher Erfahrung kenne, ich sein Gefühl der Entfremdung nachvollziehen kann. Ich fand es unglaublich faszinierend und tragisch mitzuverfolgen, wie der Krieg in der Ukraine Familien und Freunde entzweit. Allerdings habe ich so einige Probleme mit dem vom Autor gewählten Stilmittel. Seine übertrieben bildliche Sprache, in der dann plötzlich Fische oder Maschinengewehre zu sprechen beginnen, haben mich doch sehr verwirrt und ratlos zurückgelassen.
Eine Empfehlung kann ich nicht wirklich für das Buch aussprechen, ich wüsste nämlich nicht, wem ich das Buch empfehlen sollte. Abraten möchte ich aber auch niemanden, denn auf einer gewissen Ebene hat mich das Buch doch berührt und zum Nachdenken gebracht.
Beat (also schnon Ü55)
aus Meilen
5/5
28.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gutes Buch mit sehr spezieller Sprache
Ich kann diese Verbundenheit zur Russischen Sprache nicht so richtig nachvollziehen, ich habe auch nicht verstanden, wieso meine Nachbarin Russisch in der Schule lernen wollte. In meiner Jugend wollte ich zwar einmal Russlandkorrespondent der NZZ werden, doch ich bin sehr froh, dass nichts daraus geworden ist! Der arme Herr Kapitelman muss sich nicht nur mit seiner Liebe zur Russischen Sprache herumplagen, sondern als Jude auch noch mit den Neonazis in Sachsen. Und dann geht er zurück nach Kiew und beschreibt diesen schrecklichen Krieg mit einer Sprache die zur ganzen Absurdität desselben extrem passt.
Bewertung
5/5
28.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Autobiographische Geschichte mit Humor und Tiefgang
Für mich war „Russische Spezialitäten“ ein Buch, das mich wirklich bewegt hat – leise, eindringlich, manchmal schmerzhaft, aber immer voller Menschlichkeit und Humor.
Dmitrij Kapitelman nimmt uns mit in einen kleinen Laden in Leipzig – ein Ort voller Düfte, Erinnerungen und Konserven der Vergangenheit. Dort verkauft seine Familie seit Jahrzehnten russische Spezialitäten: Wodka, Kwas, Pelmeni. Für viele Kund*innen ist dieser Ort ein Stück Heimat.
Doch die Welt verändert sich. Erst Corona, dann der Krieg in der Ukraine – und plötzlich steht nicht nur die Welt still, sondern auch die Familie des Erzählers vor einer Herausforderung. Der Vater versinkt langsam in Vergessen, die Mutter klammert sich an die Propaganda aus Moskau, während der Sohn – zerrissen, suchend – versucht, seinen eigenen Weg zu finden.
Die Sprache des Buches ist besonders. Kapitelman schreibt humorvoll und klug, mit einem feinen Gespür für Zwischentöne und absurde Momente. Trotz der politischen Schwere ist da immer auch etwas Leichtes, etwas, das Hoffnung macht.
In den Kapiteln wechseln die Sprachen, zwischen Deutsch, Russisch, Ukrainisch – wie Gedanken, die sich nicht entscheiden wollen, wohin sie gehören. Und genau das ist der Punkt: Identität ist nie eindeutig.
Besonders bewegend fand ich, wie Kapitelman von seiner Familie erzählt – ehrlich, ohne zu beschönigen. Man spürt in jeder Zeile, dass da viel Liebe ist, auch wenn sie manchmal verborgen ist unter Schmerz, Angst und politischen Meinungsverschiedenheiten.
„Russische Spezialitäten“ ist ein schmales Buch mit großer Wucht. Es erzählt von Wurzeln und Entwurzelung, von Zugehörigkeit und Fremdheit, von Zerrissenheit – und vom Versuch, Brücken zu bauen, wo Gräben drohen.
Ein Buch, das ich jeder und jedem ans Herz legen möchte, der sich für Familie, Identität und das Menschsein in schwierigen Zeiten interessiert.
Von mir eine klare Empfehlung.
bookloving
5/5
10.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
*Ein humorvoller Blick auf kulturelle Wurzeln und politische Gräben*
Mit seinem neuen beeindruckenden Roman "Russische Spezialitäten" beweist Dmitrij Kapitelman erneut sein Talent, bewegende persönliche und schwierige politische Themen unterhaltsam und höchst humorvoll zu vermitteln.
Eindringlich beleuchtet er aktuelle, vielschichtige Themen wie Familie, Zugehörigkeit, Herausforderungen des Lebens zwischen Kulturen und Entwurzelung sowie politische Spaltung in den angespannten Zeiten des Krieges.
Der 1986 in Kiew geborene Autor, der als Kind mit seiner Familie als jüdische Einwanderer nach Deutschland kam, greift erneut auf Erlebnisse und Erfahrungen aus seiner eigenen Lebensgeschichte zurück und lässt diese in seinen stark autobiografisch geprägten Roman einfließen.
Im Mittelpunkt der zweigeteilten Geschichte steht der junge Protagonist und Ich-Erzähler Dima, dessen ukrainischstämmige Familie in Leipzig einen Laden für russische Spezialitäten betreibt. Seit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine befindet sich Dima als explizierter Putin-Gegner in einem unlösbaren Dilemma, denn während er sich mit seiner ukrainischen Heimatstadt Kiew verbunden fühlt, schlägt das Herz seiner geliebten Mutter unverändert für Russland. Der schwelende innerfamiliäre Konflikt führt zu einer wachsenden Kluft zwischen Dima und seiner Mutter, die sich seiner Meinung nach zuviel von russischer Propaganda beeinflussen lässt. In die Rahmenhandlung hat Kapitelman geschickt rückblickende Episoden mit unterhaltsamen Erlebnissen rund um den Laden seiner Eltern eingeflochten.
Im zweiten, deutlich ernsteren und beklemmenderen Teil begleiten wir den Protagonisten auf einer emotional aufreibenden Reise in seine Heimatstadt Kiew, wo er mitten im Kriegsgebiet die entsetzlichen Auswirkungen des Krieges hautnah miterlebt.
Kapitelmans faszinierender Schreibstil zeichnet sich durch eine einzigartige Mischung aus Warmherzigkeit, charakteristischem Humor und originellen Wortschöpfungen aus. Insbesondere seine witzigen Wortspiele und ungewöhnlichen Formulierungen sind Zeichen seiner sprachlichen Kreativität und verleihen seiner Geschichte eine unverwechselbare, lebendige Note.
Trotz der ernsten, nachdenklich stimmenden Thematik gelingt es ihm, tragische Situationen mit urkomischen Elementen zu durchsetzen, und der Geschichte eine angenehme Leichtigkeit zuverleihen, die uns immer wieder schmunzeln lässt.
Der Autor beschreibt einfühlsam die komplexen Familienbeziehungen und Herausforderungen der Migration sowie den alltäglichen Schwierigkeiten, in einem neuen Land fernab der Heimat Wurzeln zu schlagen. Eindringlich widmet er sich der Frage nach kultureller Identität und Zugehörigkeit in einer labilen Welt voller Konflikte, Abgrenzung und Spaltung. Kapitelman gelingt es hervorragend, insbesondere die innere Zerrissenheit vieler Menschen mit multikulturellem Hintergrund authentisch und facettenreich darzustellen. Durch geschickte Perspektivwechsel und eingeschobene innere Monologe fällt es nicht schwer, die Gedankenwelt der Figuren und ihre inneren Konflikte nachzuvollziehen.
Kapitelman zeichnet ein vielschichtiges Bild der komplexen Auswirkungen des russisch-ukrainischen Konflikts auf familiäre Beziehungen. Er veranschaulicht eindringlich, wie politische Ideologien und Propaganda bis in den engsten Familienkreis vordringen und tiefe Gräben zwischen den Familienmitgliedern schaffen können. Am Beispiel des verhärteten Konflikts zwischen Mutter und Sohn gelingt es ihm hervorragend, die schmerzhafte Realität gespaltener Loyalitäten und stark belasteten Familienzusammenhalts in Zeiten geopolitischer Krisen greifbar zu machen.
Zugleich ist es aber auch eine berührende Geschichte über Generationskonflikte und eine Liebeserklärung an die desillusionierten und alternden Eltern, die bei ihrer hoffnungsvollen Suche nach neuer Heimat doch nie ganz angekommen sind. Trotz aller Differenzen unterstreicht Kapitelman sehr gelungen die Bedeutung von Liebe und Verständnis über kulturelle und generationelle Grenzen hinweg.
FAZIT
Ein ebenso bewegender wie unterhaltsamer Roman, der aktuelle politische und persönliche Themen mit Humor und Tiefgang behandelt.
Eine klare Leseempfehlung für alle, die nach einer Geschichte suchen, die zum Nachdenken anregt und gleichzeitig das Herz berührt!
bookloving
aus Munich
5/5
10.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
*Ein humorvoller Blick auf…
*Ein humorvoller Blick auf kulturelle Wurzeln und politische Gräben* Mit seinem neuen beeindruckenden Roman "Russische Spezialitäten" beweist Dmitrij Kapitelman erneut sein Talent, bewegende persönliche und schwierige politische Themen unterhaltsam und höchst humorvoll zu vermitteln. Eindringlich beleuchtet er aktuelle, vielschichtige Themen wie Familie, Zugehörigkeit, Herausforderungen des Lebens zwischen Kulturen und Entwurzelung sowie politische Spaltung in den angespannten Zeiten des Krieges. Der 1986 in Kiew geborene Autor, der als Kind mit seiner Familie als jüdische Einwanderer nach Deutschland kam, greift erneut auf Erlebnisse und Erfahrungen aus seiner eigenen Lebensgeschichte zurück und lässt diese in seinen stark autobiografisch geprägten Roman einfließen. Im Mittelpunkt der zweigeteilten Geschichte steht der junge Protagonist und Ich-Erzähler Dima, dessen ukrainischstämmige Familie in Leipzig einen Laden für russische Spezialitäten betreibt. Seit dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine befindet sich Dima als explizierter Putin-Gegner in einem unlösbaren Dilemma, denn während er sich mit seiner ukrainischen Heimatstadt Kiew verbunden fühlt, schlägt das Herz seiner geliebten Mutter unverändert für Russland. Der schwelende innerfamiliäre Konflikt führt zu einer wachsenden Kluft zwischen Dima und seiner Mutter, die sich seiner Meinung nach zuviel von russischer Propaganda beeinflussen lässt. In die Rahmenhandlung hat Kapitelman geschickt rückblickende Episoden mit unterhaltsamen Erlebnissen rund um den Laden seiner Eltern eingeflochten. Im zweiten, deutlich ernsteren und beklemmenderen Teil begleiten wir den Protagonisten auf einer emotional aufreibenden Reise in seine Heimatstadt Kiew, wo er mitten im Kriegsgebiet die entsetzlichen Auswirkungen des Krieges hautnah miterlebt. Kapitelmans faszinierender Schreibstil zeichnet sich durch eine einzigartige Mischung aus Warmherzigkeit, charakteristischem Humor und originellen Wortschöpfungen aus. Insbesondere seine witzigen Wortspiele und ungewöhnlichen Formulierungen sind Zeichen seiner sprachlichen Kreativität und verleihen seiner Geschichte eine unverwechselbare, lebendige Note. Trotz der ernsten, nachdenklich stimmenden Thematik gelingt es ihm, tragische Situationen mit urkomischen Elementen zu durchsetzen, und der Geschichte eine angenehme Leichtigkeit zuverleihen, die uns immer wieder schmunzeln lässt. Der Autor beschreibt einfühlsam die komplexen Familienbeziehungen und Herausforderungen der Migration sowie den alltäglichen Schwierigkeiten, in einem neuen Land fernab der Heimat Wurzeln zu schlagen. Eindringlich widmet er sich der Frage nach kultureller Identität und Zugehörigkeit in einer labilen Welt voller Konflikte, Abgrenzung und Spaltung. Kapitelman gelingt es hervorragend, insbesondere die innere Zerrissenheit vieler Menschen mit multikulturellem Hintergrund authentisch und facettenreich darzustellen. Durch geschickte Perspektivwechsel und eingeschobene innere Monologe fällt es nicht schwer, die Gedankenwelt der Figuren und ihre inneren Konflikte nachzuvollziehen. Kapitelman zeichnet ein vielschichtiges Bild der komplexen Auswirkungen des russisch-ukrainischen Konflikts auf familiäre Beziehungen. Er veranschaulicht eindringlich, wie politische Ideologien und Propaganda bis in den engsten Familienkreis vordringen und tiefe Gräben zwischen den Familienmitgliedern schaffen können. Am Beispiel des verhärteten Konflikts zwischen Mutter und Sohn gelingt es ihm hervorragend, die schmerzhafte Realität gespaltener Loyalitäten und stark belasteten Familienzusammenhalts in Zeiten geopolitischer Krisen greifbar zu machen. Zugleich ist es aber auch eine berührende Geschichte über Generationskonflikte und eine Liebeserklärung an die desillusionierten und alternden Eltern, die bei ihrer hoffnungsvollen Suche nach neuer Heimat doch nie ganz angekommen sind. Trotz aller Differenzen unterstreicht Kapitelman sehr gelungen die Bedeutung von Liebe und Verständnis über kulturelle und generationelle Grenzen hinweg. FAZIT Ein ebenso bewegender wie unterhaltsamer Roman, der aktuelle politische und persönliche Themen mit Humor und Tiefgang behandelt. Eine klare Leseempfehlung für alle, die nach einer Geschichte suchen, die zum Nachdenken anregt und gleichzeitig das Herz berührt!
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