Ihre Freiheit ist Anne das Wichtigste. Die Eltern haben sie immer ermutigt, sie wurde Schauspielerin, auch in Beziehungen blieb sie ungebunden. Bis sie Richard trifft, der bunt-elegant gekleidet ist, als Bäcker arbeitet und Anne mit Croissants, seinem Witz und Charme beeindruckt - und der als Geflüchteter aus Kenia einen prekären Status hat. Richard ist so anders, dass Anne ihre Freiheit schnell für diese besondere Liebe aufgibt. Dann kommt Thando auf die Welt, die Dinge ändern sich, Sorgen und Zweifel mischen sich ein: Meint Richard es wirklich ernst? Ist sein Lebensstil nicht doch zu eigenwillig? Sind die Klüfte zwischen den beiden nicht doch so gewaltig, dass die Liebe sie nicht mehr überbrücken kann? Und was ist mit Annes eigenem Drang nach Freiheit? Valery Tscheplanowa erzählt von einer Liebe, die Grenzen sprengt und trotz aller Widrigkeiten zu bestehen versucht. Sie entwirft ein glühend intensives Bild der Beziehungen unserer Zeit, der Widersprüche zwischen Freiheit und Familie, Geborgenheit und Individualität - und der Liebe in ihrer ewigen komplizierten Schönheit.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
mimitatis_buecherkiste
aus Krefeld
5/5
13.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gegensätze
»Mit Richard aber bekam sie eine Kontur. Sie war die Freundin eines schwarzen Mannes. Sie stand zu ihm, ging an seiner Hand, sie stellte sich dem Unbekannten.« (Seite 74)
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Anne hat gerade die Schauspielschule beendet, als sie auf Richard trifft. Sie, die freiheitsliebende Tochter aus der Mittelschicht, er der schillernde Paradiesvogel, immer bunt gekleidet, ein Geflüchteter aus Kenia, der geduldet wird, finden zusammen. Von Anfang an prallen Welten aufeinander, Anne will fragen, Richard antwortet nicht. Als Anne nach einer dreimonatigen Beziehung schwanger wird, steht mehr im Raum als die Frage, ob das Liebe ist.
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»Manchmal hatte Anne den Eindruck, dass Richard Worte zuwider waren. Das Suchen nach ihnen in einer fremden Sprache, die sowieso nie ausdrücken würde, was er empfand.« (Seite 71)
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Ein Zufall, ein kurzer Blick, das Ungewohnte und Unbekannte, der Reiz und der Nervenkitzel des Fremden und Neuen. Was geschieht danach, wenn der erste Glitzer der Verliebtheit schwindet, die rosarote Brille durch die mit der gewöhnlichen Fassung ersetzt wird und die Welt einen fordert, weil der Alltag gemeistert werden muss? Kulturen prallen aufeinander, die weggeräumten Päckchen der Kindheit öffnen sich und vergangene Schmerzen, Taten und Gräuel fordern ihren Tribut. Ist Liebe hier das Zauberwort?
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Wer Vorurteile hat, fühlt sich hier bestätigt, wer nicht voreingenommen ist, bekommt ebenfalls recht. Es gibt neben der Schwarzweiß-Malerei nämlich eine ganze Palette an Farben, die die Liebe mit sich bringt. Ein zarter, leiser Roman, der dadurch umso lauter zu den Leserinnen und Lesern spricht. Und genau das gefällt mir!
Buch_im_Koffer
aus Münster
5/5
09.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zwei Menschen, zwei Welten
Anne und Richard lernen sich durch einen Zufall kennen. Schnell ziehen sie zusammen. Bald schon ist ein Kind unterwegs. Die Beziehung beginnt zu kriseln. Klingt alles ziemlich normal und oft gehört? Mag sein, aber Anne und Richard sind kein „normales“ Paar. Anne, junge Schauspielerin, der ihre Freiheit und Selbständigkeit stets das wichtigste im Leben war. Richard, der Bäcker, aus Kenia kommend mit unklarem Aufenthaltsstatus in Deutschland. Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten; für die Freiheit, Hunger, Besitz, Wohlstand vollkommen verschiedene Lebenswirklichkeiten bedeuten. Und doch vereint in einem Gefühl von … Liebe? Als dann Thando zur Welt kommt, verschieben sich die Töne innerhalb der Beziehung, es kommt zu Disbalancen, Richard bricht aus seinem „Deutschen“ Leben aus, Anne sehnt sich nach mehr Unabhängigkeit. Und doch ist da eine Verbundenheit, die beide immer wieder zueinander treibt. Aber reicht das?
So unterschiedlich doch die gelebten Realitäten der beiden „nebeneinander her“ sind, so nah sind sie sich doch im Zusammenhalt und in der Loyalität zueinander. Valery Tscheplanowa hat diese Dynamik innerhalb der Beziehung von Anne und Richard sehr feinfühlig, kritisch und realitätsnah eingefangen. Ihre Figuren sind auf emotionale und doch distanzierte Art so gut und tiefgehend beschrieben; die vollkommen verschiedenen Welten, in denen die beiden aufgewachsen sind, werden zum Bestandteil der sich entwickelnden Beziehung. Einfach, weil sie alles erklären und doch so viel offen lassen. Ganz, ganz großartig, wie die Autorin diese Entwicklungen in und zwischen ihren Figuren eingefangen hat.
Mich hat dieser Roman emotional sehr berührt, einerseits, weil mir die Beziehung von Anne und Richard sehr nahe ging. Andererseits aber auch, weil Valery Tscheplanowa auf sehr ehrliche und nahbare Art die Gegensätze zwischen den Welten, zwischen Deutschland und Kenia, nein, irgendeinem „Herkunftsland“, großartig eingefangen und umgesetzt hat.
Jürg K.
5/5
18.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrücklich, lebensnah
Für Anne ist Freiheit das Wichtigste. Sie wurde Schauspielerin und auch in Beziehungen blieb sie ungebunden. Bis sie Richard kennenlernt. Er ist Bächer und versorgt Anne mit Croissants und beeindruckt sie mit deinem Witz und Charme. Als Geflüchteter aus Kenia hat er einen prekären Status. Er ist anders und Anne gibt ihre Freiheit auf. Dann kommt Thando auf die Welt, die Dinge ändern sich, Sorgen und Zweifel kommen auf. Valery Tscheplanowa erzählt eine Liebesgeschichte, die emotional vielschichtig ist. Es ist eine Beziehung die sich zwischen den Polen von Freiheit, Bindung, Herkunft, Zugehörigkeit, Leidenschaft und Zweifel bewegt. Das Lesen dieser sehr eindrücklich geschilderten Geschichte ist fesselnd. Bald kommt die Frage auf, kann Liebe alles überwinden? Man taucht als Leser tief in die Gedankenwelt der Protagonistin ein. Es werden auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die ihre Beziehung prägen angesprochen. Dies ist ein Roman der über eine Liebe, die sich gegen Widerstände behaupten will, berichtet. Ein Buch das zum Nachdenken anregt.
Christopher Bahn
Book Circle Community
5/5
04.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ungleiche Liebe
Ein feiner Roman über ein unglaubliches Paar: Er Bäcker aus Afrika, sie Schauspielerin, zusammen ein kleines Kind. Der Kampf um die Liebe in dieser ungleichen Beziehung ist das Thema des Buches, das angenehm unaufgeregt daher kommt. Ein schönes, Inhaltsreiches Buch für besondere Stunden. Sehr empfehlenswert.
Bories vom Berg
aus München
2/5
03.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vom Zufall der Geburt
Der zweite Roman der Schriftstellerin und Schauspielerin Valery Tscheplanova weist mit seinem fragenden Titel deutlich auf seine Thematik hin, dem in der Belletristik scheinbar unerschöpflichen Genre der Liebe. Aber welche Facetten kann die in Russland geborene und seit ihrem achten Lebensjahr in Deutschland lebende Autorin denn diesem ewigen Thema noch abgewinnen? Im Interview hat sie zu ihrem neuen Roman erklärt: «Ich wollte beschreiben, was für Gepäck Menschen in die Liebe mitbringen». Gemeint hat sie jene Altlasten, die ja in der Regel spätestens nach drei Monaten Liebestaumel erkennbar würden. «Dieses Mitgebrachte wollte ich porträtieren und sagen: Das ist erstmal kein Hindernis». Stimmt das, fragt man sich!
Anne hat ein Studium als Schauspielerin absolviert und sich am Deutschen Theater in Berlin beworben. Sie liebt ihre Freiheit über alles, was dazu geführt hat, dass sie auch in ihren Beziehungen zu Männern immer ungebunden geblieben ist. Ihrem letzten Lover, als Informatiker ein Nerd durch und durch, hat sie gerade den Laufpass gegeben. Als sie bei einer Fahrt mit der U-Bahn auf einen bunt gekleideten Farbigen aufmerksam wird, der in seiner selbstbewussten Präsenz alle Blicke auf sich zieht, setzt sie sich in seine Nähe. Dann steigt ein Typ mit einer Gitarre zu und beginnt zu spielen, Anne lauscht ihm fasziniert und wirft fünfzig Cent in den herum gereichten Pappbecher. Nachdem sie ausgestiegen ist, ruft ihr jemand nach: «Excuse me, Miss». Der Farbige erklärt ihr auf Englisch, dass ihm gefallen habe, wie sie gerade eben der Musik zugehört hat. Sie kommen ins Gespräch, beim Trennen schreibt er eine Nummer auf seine Hand, sie soll sie fotografieren, wenn sie möchte. Natürlich ruft sie Richard dann auch an, und sie werden sehr schnell ein Paar. Er arbeitet in einer Bäckerei und verwöhnt sie gleich beim ersten Treff mit leckeren Backwaren, sie ziehen dann auch schon bald zusammen. Als Anne bald darauf schwanger wird, entschließt sie sich erst in der Abtreibungs-Klinik, unmittelbar vor dem Eingriff, dass sie das Kind doch lieber austragen will, - Karriere hin oder her!
In Rückblenden wird erzählt, wie Anne als Teenager unter massiven Essstörungen gelitten hat. Zuerst an Bulimie, bei der sie bis auf die Knochen abgemagert ist, dann aber auch an unstillbarer Fresssucht, die sie immer fetter werden lies und immer unattraktiver. Richard erzählt ihr nur sehr ungern aus seinem Leben. Erst nach und nach kann sie ihm entlocken, dass er aus einem riesigen Slumviertel in Nairobi stammt und unter desaströsen familiären Verhältnissen groß geworden ist. Durch einen glücklichen Zufall gelangte er in die italienische Botschaft, wo man ihm bei der illegalen Einreise nach Deutschland geholfen habe. Er lebte nur mit Duldungsstatus in Berlin und rechnete jederzeit mit seiner Abschiebung, ein Trauma, unter dem er sehr gelitten hat, - das nun aber durch seine Vaterschaft beseitigt ist. Mit der Geburt des Kindes ändert sich auch fast alles für Anne, sie allein ist es, die nun das Geld verdient. Richard tut so gut wie nichts mehr, kauft sich teure Klamotten und ist oft tagelang weg, er feiert in Nachtclubs ab und betrügt Anne nach Strich und Faden. Auslöser für seine Hemmungslosigkeit ist seine traumatische Jugend, die er nun geradezu zwanghaft zu kompensieren sucht. Es ist sein «Päckchen», das er als Altlast mit in die Beziehung gebracht hat, was Anne, zum Schrecken aller, letztendlich akzeptiert.
Durchaus bereichernd sind die Passagen des Romans, wo vom Theater erzählt wird, vor allem als Anne die Hauptrolle in «Alice im Wunderland» spielt. Was da aber zum eigentlichen Thema erzählt wird, das hat psychologisch leider wenig Tiefgang. Die beiden Protagonisten bleiben nämlich im Verhältnis zueinander in ihrem schwierigen Alltag stecken, daran ändert auch das Kind nichts. «Du kannst nicht alles mit seiner Herkunft relativieren» redet Annes Schwester ihr ins Gewissen. «Ihr führt die Beziehung hier in Deutschland, unter den Gegebenheiten, die hier herrschen, und hier nutzt er dich aus». Von wegen «erstmal kein Hindernis», wie die Autorin erklärt hat, eine Katharsis fehlt nämlich in ihrem überkonstruierten Roman vom Zufall der Geburt!
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