Ein frühes Meisterwerk des Nature Writing, zauberhaft bebildert von Andrea Wan.
Ausgehend von ihrer siebenunddreißig Hektar großen Farm in Ohio, die Josephine Johnson und ihr Mann in Wildnis zurücküberführt haben, beobachtet sie Monat für Monat die sich verändernde Landschaft mit der Präzision einer Naturforscherin und der Sprache einer Dichterin. Die Pracht der Landschaft blitzt auf, der unaufhaltsame Zyklus von Wachstum und Vergänglichkeit, es wimmelt von kleinen und großen Lebewesen, die parallel zu den Menschen in und mit der Natur existieren. Es entsteht eine poetische wie lebendige Reflexion, die das Wunder und die Kraft der Natur genauso einfängt wie die Zeichen ihrer Zerstörung, ihre Schönheit und Sterblichkeit ebenso greifbar macht wie die mit ihr verbundene Hoffnung. Ursprünglich 1969 veröffentlicht, hat Josephine Jonson mit diesem Buch eine zeitlose wie brillante Chronik der Jahreszeiten geschaffen.
Das erfolgreichste Buch der Pulitzer-Preisträgerin Josephine Johnson, erstmals auf Deutsch – ein immerwährender Kalender über die Schönheit der Jahreszeiten in zwölf Monats-Kapiteln.
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Als Josephine Johnson sich in…
VolkerM am 01.11.2025
Bewertungsnummer: 3017408
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Als Josephine Johnson sich in ihr altes Haus auf dem Land zurückzieht, fern der hektischen Welt der Städte, ist sie sich bewusst, dass die Natur auch hier einen aussichtslosen Kampf ficht. Es ist das Jahr 1968 und die Umwelt- und Klimaschäden, denen wir heute begegnen, waren noch unvorstellbar, aber Johnson ahnt bereits die Zukunft und möchte ihr kleines Stück Wald, 16 Hektar in Ohio, einem Bundesstaat im Zentrum der USA, am liebsten so konservieren, wie er ist. Mit all seiner ungebändigten Wildheit, mit einer großen Vielfalt an Tieren und Pflanzen, und seinen ausgeprägten Jahreszeiten. Sie beschreibt den Jahreszyklus in ihrer lebendigen Oase, wo sich Opossum und Blauhäher, Schwarznatter und Eisvogel, Waschbär und Schreieule begegnen, sie beobachtet die Zugvögel und die Entwicklung der Blumen und Bäume und hat ein besonderes Gespür für die Stimmungen der Jahreszeiten, vom kalten Licht des Februar bis zum Farbenfeuerwerk des Herbstes. Und trotz der Fülle des Lebens, das sie umgibt, durchzieht ihre Texte eine stille Melancholie. Josephine Johnson ist zu dem Zeitpunkt keineswegs eine alte Frau, sie ist 58, aber wenn man ihre Selbstbeschreibung liest, sieht man eine Greisin vor Augen. Vielleicht ist es diese unbändige Kraft jungen Lebens, das sich ständig vor ihrem Fenster abspielt, wie auf einer großen Bühne, dass sie das Gefühl nicht los wird, alt zu sein. Sie ist sich auch der Bedrohung der Natur immer bewusst. Ob das die verschmutzten Flüsse sind, die Abgase der weit entfernten Fabriken, die angespülten Flaschen und Dosen – ihr Paradies wird von allen Seiten belagert. Der Text pendelt zwischen elegischen Naturbetrachtungen, die beim Leser Begeisterung auslösen, wie ökologisch vielfältig dieses kleine Stück Land ist (oder war?), welche Farbenpracht sich darbietet und wie fein ausbalanciert die Lebensräume und ihre Bewohner koexistieren. Und dann kippt die Stimmung regelmäßig, wenn Josephine Johnson die Bedrohung am Horizont ahnt, wie Saurons Festung Barad-dûr im Lande Mordor. Man muss das Wechselbad mögen. „Ein Jahr in der Natur“ ist jedenfalls kein ausschließliches Loblied auf die Schönheit der Schöpfung. Dieses Buch steht zweifellos für eine Form von frühem Umweltaktivismus, weil es klar benennt, wie der Mensch die Natur schädigt und aus dem Lot bringt. Dass Josephine Johnson hier als Feministin erkennbar wird, habe ich in keiner Weise bemerkt, außer dass der Verlag offensiv damit wirbt. Die Übersetzung ist aus meiner Sicht weniger gelungen. Der Sprache fehlt ein Gefühl für Rhythmus und Melodie, sie klammert sich formal sehr an das Original, das erkennbar lyrische Qualitäten hat. Da finden sich dann so unpassende Lösungen wie „das Hört-Hört der Kardinäle“, das sich im englischen Original „the hear-hear of the cardinals“ liest und natürlich lautmalerisch den Balzruf der Kardinäle nachahmt. Solche Irreleitungen aufgrund mangelnden Verständnisses für den Sinn (nicht die Worte) habe ich einige zu finden geglaubt. Sowas kennt man von ChatGPT, aber von einer Übersetzerin...?
Schöne Naturbeschreibung
Christopher Bahn (Mitglied der Book Circle Community) am 30.09.2025
Bewertungsnummer: 2611439
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine wunderschöne Wiederentdeckung, traumhaft anmutende Illustrationen. Die Autorin hat die einzelnen Monate auf ihrer Farm beobachtet und eine poetische Beschreibung des Gesehenen vorgelegt. Interessant fand ich auch die Auflistung der einzelnen Pflanzen und Tiere, die in dem Monat dominant waren. Sehr schöne Lektüre und sehr empfehlenswert.
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