Über Einsamkeit, den Wunsch nach Selbstbestimmung und den Mut, sein Leben zu verändern Akiko hat sich getraut, wovon andere in ihrer Firma kaum zu träumen wagen: Ihren sicheren und gut bezahlten Job zu kündigen. Seitdem ist sie frei - und erst einmal orientierungslos. Ihr einziger Freund, der Hikikomori Kento, ist zu sehr mit sich und seinen Ängsten beschäftigt, um ihr eine große Hilfe zu sein. Akiko macht sich allein auf die Suche nach ihrem Vater, der die Familie kurz nach ihrer Geburt verließ. Sie reist in das ländliche Japan, weit weg von der pulsierenden Großstadt Tokio. Hier lebt der Mann, den ihre verstorbene Mutter einst geliebt hat. Als Akiko vor ihm steht, erwartet sie zunächst eine bittere Enttäuschung: Nichts ist wie erhofft. Doch dann nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung. Akikos Reise ist lang und voller Umwege, doch mit jedem Schritt, jeder neuen Herausforderung entdeckt sie etwas mehr von der Kraft, die in ihr steckt.
Ein kraftvoller Roman über eine Reise zu den eigenen Wurzeln, über Einsamkeit, Liebe und das stille Glück vom Autor des Weltbestseller Das Herzenhören.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
Orell Füssli Book Circle Community
4/5
10.05.2026
eBook (ePUB)
Ein literarischer Kurzurlaub in Japan
Nachdem mich “Akikos stilles Glück” bereits begeistert hat, war ich sehr gespannt auf die Fortsetzung. Jan-Philipp Sendker versteht es auch in “Akikos lange Reise” hervorragend, eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen. Die Beschreibungen sind so bildhaft und lebendig, dass man beim Lesen das Gefühl hat, selbst durch Japan zu reisen und die Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen.
Die Protagonistin Akiko bleibt weiterhin eine sympathische Begleiterin, auch wenn sie in diesem Band für meinen Geschmack ein wenig zu „übertrieben alternativ“ gezeichnet wurde. Das wirkte stellenweise etwas forciert. Im direkten Vergleich zum Vorgänger gab es die ein oder andere langatmige Passage, die den Lesefluss ein wenig gebremst hat.
Insgesamt ist es jedoch eine sehr empfehlenswerte, entschleunigende Lektüre. Wer Lust auf eine literarische Reise nach Japan hat und eine ruhige Erzählweise schätzt, wird dieses Buch genießen. Es ist das perfekte Buch zum Abschalten und Träumen.
Eduard Häfliger
aus Menzingen
4/5
05.01.2026
eBook (ePUB)
Akikos lange Reise
Der zweite Roman von Jan-Philipp Sendkers neuer Japanreihe. Erneut eine wunderbar verfasste Geschichte. So wie man es von ihm gewohnt ist. Mit viel Tiefgang und Anregung zur Selbstreflexion.
Esther N.
Book Circle Community
5/5
04.01.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine stille Reise voller Mut und Empathie
Akikos lange Reise von Jan-Philipp Sendker ist der zweite Band einer Reihe, die mit Akikos stilles Glück begann. Wieder nimmt uns der Autor mit nach Japan und öffnet eine Tür zu einer Welt, die vielen von uns fremd ist – und doch so nah wirkt. Es ist ein stiller, poetischer Roman, der von Mut, Empathie und der Suche nach innerem Frieden erzählt.
Sendkers Sprache ist klar und zugleich voller feiner Nuancen. Er versteht es, die japanische Kultur respektvoll und atmosphärisch einzufangen, ohne jemals belehrend zu wirken. Besonders beeindruckend ist die Charakterzeichnung der Hauptfigur: Akiko ist bodenständig, mutig und voller Verständnis für andere. Sie urteilt nicht vorschnell, sondern hört zu, versucht zu begreifen – eine Haltung, die in unserer schnelllebigen Welt fast schon revolutionär wirkt. Ihre Gedanken und Gefühle sind so authentisch beschrieben, dass man sich leicht mit ihr identifizieren kann.
Die Stärke des Romans liegt in seiner Ruhe. Wer Action und rasante Wendungen sucht, wird hier nicht fündig. Doch wer bereit ist, sich auf eine kontemplative Reise einzulassen, wird reich belohnt: mit Einsichten über das Leben, über menschliche Nähe und über die Kraft des Zuhörens. Für mich war es ein Geschenk, dank Sendker in eine fremde Kultur einzutauchen und dabei etwas über Japan zu lernen.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
14.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Von alten Mustern und neuen Wegen
Akikos lange Reise von Jan-Philipp Sendker knüpft nahtlos an den Vorgänger an. Akiko hat ihren Job aufgegeben und damit Zeit gewonnen – doch diese Freiheit ist zunächst eine Leerstelle. Sie findet keinen Rhythmus, auch das Schreiben will nicht gelingen. Schritt für Schritt wird deutlich: Freiheit ist kein Zustand, sondern etwas, das gestaltet werden will.
Im Zentrum steht Akikos Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft. Die Suche nach ihrem leiblichen Vater ist weniger eine biografische Notwendigkeit als ein innerer Zwang. Sie erkennt, dass Herkunft prägt, aber nicht definiert, und dass Wahrheit immer vom Blickwinkel abhängt. Der Roman urteilt nicht, er umkreist; er nähert sich vorsichtig, im Bewusstsein, dass es keinen eindeutigen Kern gibt.
Eine eindrucksvolle Parallele zwischen Akiko, ihrem Vater und Kento offenbart die psychologische Tiefe der Geschichte: Alle drei kämpfen mit dem Gefühl von Unzulänglichkeit. Kreativität – Schreiben, Musik, Handwerk – spiegelt ihre inneren Ansprüche, doch was entsteht, scheint nie zu genügen. Erst Kento gelingt es, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Seine Erkenntnis, dass Zufriedenheit nicht das Ziel, sondern womöglich das Ende von Entwicklung wäre, markiert einen Wendepunkt – für ihn selbst, aber auch für Akiko. Die Rollen verschieben sich: Aus dem Zurückgezogenen wird ein Mutmacher, aus der Vorsichtigen eine, die sich tastend vorwärts bewegt.
Die Beziehung zwischen Akiko und Kento bleibt wohltuend unaufgeregt. Nähe entsteht nicht aus Bedürftigkeit, sondern aus gegenseitigem Respekt. Kento erweitert Akikos Blick, stellt Fragen, ohne Antworten zu verlangen. Er drängt nicht, sondern traut ihr etwas zu – eine leise, aber nachhaltige Form von Unterstützung. Auffällig ist, wie stark er sich seit dem ersten Band verändert hat: Er tritt wieder in die Welt hinaus, reflektiert seine Vergangenheit, stellt sich seinen Ängsten und arbeitet konsequent an sich selbst. Wie genau dieser Wandel zustande kommt, bleibt offen, was seine Entwicklung umso eindrucksvoller macht. Auch Akiko wirkt auf ihre Umgebung – etwa auf ihre Freundin Naoko – und inspiriert so andere, eigene Schritte zu wagen.
Ein weiteres zentrales Motiv ist Freiheit. Immer wieder stellt der Roman die Frage, was sie bedeutet – und für wen. Was für den einen Schutz ist, kann für den anderen ein Käfig sein. Akiko durchläuft dabei eine intensive emotionale Entwicklung: Von anfänglicher Wut, Enttäuschung und Unsicherheit – besonders im Umgang mit ihrer Familie – gewinnt sie allmählich Klarheit über sich selbst. Schritt für Schritt lernt sie, ihre eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen.
Am Ende ist Akikos lange Reise ein stiller Selbstfindungsroman – von Umwegen, vom Aushalten widersprüchlicher Gefühle, von Wut und Dankbarkeit, Enttäuschung und Akzeptanz. Ein Buch, das sanft nachklingt, voller Weisheit und Wärme, und das zeigt, wie man in der Welt, in der Familie und im eigenen Herzen ankommen kann. Zwar ist Akiko noch nicht angekommen – aber sie ist unterwegs, und man möchte sie weiter begleiten.
speedy208
Book Circle Community
5/5
31.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Friedhof der Gefühle
Ein sehr gelungener 2.Teil. Leser nehmen wieder Teil am Leben der knapp 30jährigen Akiko im modernen, leistungsorientierten Japan bzw. Tokio. Man schlendert mit ihr durch die Stadtviertel, setzt sich neben/mit ihr in die Züge, bummelt nachts durch die Strassen und lernt dabei viel über Sake, Essen - nicht nur Sushi! - und die Gepflogenheiten des Landes. Das Buchpersonal (Akiko, ihre Freundin Naoko, Freund Kento) wird diesmal ergänzt durch Naokos bislang unbekannten Vater, Grossvater und dessen Lehrling. Eine Zeit der Annäherung, Missverständnisse, begrabener Träume, Enttäuschung, aber auch des Ankommens.
War Akiko im ersten Teil noch die fleissige, pflichtbewusste, naive Tochter, die sich an ihre Mutter orientierte und mit dieser eine Einheit bildete, sind es hier die Gefühle, die eine wichtige Rolle spielen. So erfährt Akiko auch, dass die Mutter zwar immer von Paris geträumt hat, aber offensichtlich spürte, dass die Verwirklichung dieses Traums, die Reise dahin, sie enttäuscht hätte. Dasselbe scheint auch die Entfremdung zu ihrem Vater, der gegen eine Enttäuschung in der Beziehung (zu seiner kleinen Familie) nicht gefeit war und stattdessen diese verliess. Ihm ganz ähnlich auch Kento, Akikos einzelgängerischer Freund; dieser versteht die Beweggründe von Akikos Vater sogar! Dennoch nähern sich Vater und Tochter, ohne vieler Worte, im Laufe des Buchs aneinander an - auch dank des Schlaganfalls des Grossvaters!
Der Autor nimmt uns mit in die Schönheit Japans, seiner Menschen, seiner Kultur, seiner Natur: neu, unbekannt, reizvoll. Obwohl aus der Ich-Perspektive geschrieben seiner weiblichen Protagonistin Akiko, hat man nur eine Nano-Sekunde lang das Gefühl, da schimmert doch der Mann als Autor durch - aber gelungen.
Der “Friedhof der Gefühle” ist im Buch real, verwirrt Akiko zunächst, überrascht sie dann, lässt sie darüber nachdenken. Grabsteine im Wald, die mit “Trauer”, “Freude”, “Glück” usw. benannt sind , ist eine Art Allegorie auf begrabene/vergessene/schmerzhafte Gefühle. Aber klar, es passt, weil ja Akikos Vater ein (bildender) Künstler ist, der Keramiken macht - die Botschaft, der Grundgedanke kommt an. Der Versuch, sich den “verlorenen” Gefühlen zu stellen, sich davon zu lösen und neue Hoffnung zu schöpfen. Ein weises, gut durchdachtes Buch, das Lust auf den 3.Band macht.
Die gereifte Akiko hängt nicht mehr Träumen nach, sondern - wenn überhaupt - realisiert sie, stellt sich ihnen. Sie hat keine Gewissensbisse (wegen Kündigung), ist zufrieden(er), aber dennoch nicht ganz geheilt vom Stachel der Enttäuschung, dass ihre Mutter ihr jahrelang ihr ihren richtigen Vater vorenthalten hat. Sie versteht mittlerweile das Zusammenspiel Einsamkeit-Gefühle-Familie besser. Sie kann sogar der Mutter verzeihen, dass sie in diesem “Mietvater” eine Art Heimathafen, die starke Schulter, Sicherheit fand, die ihre Einsamkeit in der Kindheit erträglicher machte.
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