Die Herrenfriseurin Wera hat ein Problem: Ihr Mann, Jockey, ist tot. Jetzt muss sie sich um die Beerdigung kümmern. Es fehlt ihr an allem, doch besonders das Wichtigste muss sie auftreiben: Schuhe für den Sarg. Also macht Wera sich auf den Weg zu alten Kunden und Bekannten, zu Weg-
gefährten und verflossenen Liebschaften. Sie durchstreift die ganze Halbwelt der Stadt – und damit ihr vergangenes Leben. So wie sie sich all die Jahre durchgeschlagen hat, kommt sie auch jetzt an ihr Ziel: mit Friseurinnenschläue und einem losen Mundwerk. Wir begegnen einer Frau, die alles gesehen hat. Und unter deren Schlagfertigkeit sich die Trauer versteckt.
Mit Wera hat Zyta Rudzka eine trotzige Lebenskünstlerin geschaffen: Weder Armut noch Schicksalsschlag brechen ihren Willen. Dem Unglück begegnet sie mit scharfer Zunge, und auch in der Liebe fehlen ihr nie die Worte. Ihr Sprachwitz schöpft aus dem Erfindungsreichtum derer, die von der Hand in den Mund leben müssen – und der Kunst der Literatur. In ihrer meisterhaften Übersetzung zieht Lisa Palmes alle Register.
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Und Wera zeigt Zähne Die in…
Bories vom Berg aus München am 19.01.2026
Bewertungsnummer: 3022402
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Und Wera zeigt Zähne Die in ihrer Heimat hochgeschätzte Autorin Zyta Rudzka ist mit dem Roman «Lachen kann, wer Zähne hat» erstmals Gewinnerin des Nike-Preises 2023 geworden, dem höchsten Buchpreis in Polen. Ihr kürzlich auch auf Deutsch erschienener dritter Roman widmet sich wieder einer psychologisch sehr speziellen Thematik, denn als Psychotherapeutin versteht sie sich sehr gut darin, psychologische Grenzerfahrungen zu beschreiben. Wobei der Buchtitel anzudeuten scheint, dass im vorliegenden Buch das Lachen nur gelingen kann, wenn man Zähne zeigt, wenn man sich also wehrt gegen die Widrigkeiten des Lebens. Und bei Wera, der Protagonistin und Ich-Erzählerin des Romans, häufen sich die Probleme in erschreckender Weise. «Schuhe für einen Toten finden ist schwer» lautet der erste Satz, und weiter: «Totenschuhe und Schuhe fürs Leben, das sind zwei Paar Schuhe. Schuhe für einen, der grad gestorben ist, sind am besten ganz neu». Damit ist nicht nur die vordergründige Thematik des Romans umrissen, es wird auch gleich der narrativ prägende Ton vorgegeben, in dem nachfolgend von der Herrenfriseuse Wera ein tragisch-komisches Geschehen erzählt wird. Weras Mann, der früher mal als Jockey bei Pferderennen recht erfolgreich war, ist - endlich - gestorben. Ihre Beziehung habe eigentlich mehr aus Sex bestanden als aus guten Gesprächen, stellt sie fest, aber eine Ehe sei schließlich ja auch «kein Kulturzentrum». Und traurig ist sie wirklich nicht, er hat in den letzten Jahren nichts mehr getan, Wera allein musste ihn mit durchschleppen. Aber auch ihr geht es inzwischen schlecht, sie hat ihren geliebten Salon «Wera - Herrenfriseur» aufgeben müssen. Man hat sie sehr unfair regelrecht hinausgedrängt aus dem einst erfolgreichen Geschäft. Sie hatte viele Stammkunden, die ihr blind vertraut haben, was ihre Frisur angeht. Sie wurde von einem gut verdienenden Zahnarzt aus ihrem Geschäft verdrängt, der nun mit dem dümmlichen Spruch «Lachen kann, wer Zähne hat» auf einem Schild in seiner Praxis wirbt. Beerdigungen sind teuer, das muss sie nun erfahren, - und Schuhe besonders! Nachdem sie zuletzt fast alles ins Pfandhaus bringen musste, was sie und ihr Jockey besessen haben, macht sie sich nun auf den Weg zu Freunden, Bekannten und Ex-Liebhabern, um Geld aufzutreiben. Sie rückt auch dem Pfandleiher auf die Pelle, dem sie eine wertvolle Uhr des Großvaters in Kommission gegeben hat, die aber immer noch im Schaufenster liegt, also nicht verkauft ist. Der Weg führt sie auch zu Dawid, ehemals Inhaber eines Geschäftes für Damenwäsche, der seinen vielen Kundinnen mit großem Erfolg maßgeschneiderte BHs angeboten hat. «BHs von Dawid Zucker hab ich zwei» heißt es da. «Aber Maß genommen hat er an die tausend Mal. Er nahm gern an mir Maß. Immer mit den Händen. Er legte mir die Hände auf die Titten. Ich hatte immer gute Titten, nicht nur zum Maßnehmen». Aber nun ist auch Dawids Zeit vorbei, Billigware aus China hatte den Markt überschwemmt, er musste ebenfalls aufgeben. Dieser odysseeartige Streifzug durch die Stadt verweist in Rückblenden auf das Leben der schlagfertigen, nie um eine Antwort verlegenen Wera hin. Er beleuchtet auf amüsante Weise das Leben dieser toughen Frau, die sich partout nicht unterkriegen lässt, die sich immer hat durchschlagen können. Mit Willensstärke und scharfer Zunge gedenkt sie, den Widrigkeiten des Lebens auch diesmal zu trotzen. Und da sie kein Kind von Traurigkeit ist, notfalls eher zum Wodka greift als trübsinnig zu werden, kann sie ihren Jockey am Ende auch mit dem einzig angemessenen, guten Schuhwerk in die Erde versenken lassen. Man kann hierbei sicherlich nicht von einer konventionellen Handlung reden, der oft als innerer Monolog angelegte Plot ist ein Sammelsurium von skurrilen Begebenheiten und urkomischen Reflexionen der lebenslustigen Protagonistin. All das wirkt eher karikaturistisch in einem burschikos angelegten, primitiven Tonfall, der aber recht authentisch rüberkommt und die vulgäre Wera überaus sympathisch erscheinen lässt, - und weil sie Zähne zeigt, haben auch wir was zulachen als Leser!
Deprimierend!
Bewertung am 17.01.2026
Bewertungsnummer: 2982918
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Sprache des Buches ist sehr primitiv und vulgär,allerdings gewöhnt man sich beim Lesen daran. Die sehr derbe Sprache ist für die Protagonistin sehr passend und dafür zolle ich der Autorin und der Übersetzerin Respekt. Das muss man erst einmal hinbekommen....
Das Buch ist ohne Frage voller Einfälle und amüsanten Redewendungen und ich verstehe, warum das Buch bei Kritikern so gut ankommt.
Die Hauptperson Wera ist allerdings in einer fast aussichtslosen und ausweglosen Situation, so dass es mir als Leser keine Freude bereitet, ihr bei der Suche nach Sargschuhen für ihren Toten Mann zu folgen.
Das Buch tropft von Verzweiflung und Traurigkeit und mir hat das Lesen keine Freude bereitet, obwohl das Buch handwerklich gesehen hervorragend ist.
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