Melanie hat vermutlich nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen: Sonst wäre sie nicht die zweite Ex eines reichen Mannes mit internationalem Lebensstil, der bei Ehefrau Nummer drei angekommen ist und die gemeinsame Tochter Adele nach Neuseeland mitgenommen hat. Melanies Alltag in Wien ist eine holprige Angelegenheit: Ohne Unterhaltsanspruch plagen sie Geldnöte und ohne ihr fernes Kind plagt sie die Sehnsucht. Doch sie ist nicht allein: Melanie jobbt in einem feministischen Hotelprojekt, sie hat wirklich gute Freundinnen und irgendwann wird ja auch Adele nach Europa zurückkehren. Warmherzig und mutmachend zeigt Mieze Medusa, dass Zusammenhalt und Humor mit Geld nicht zu bezahlen sind – und dass das Leben ohne falsche Entscheidungen verdammt langweilig wäre …
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Eva
5/5
02.04.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Rhythmisch, rasant, politisch, sehnsuchtsvoll. Sich verlieren und wiederfinden.
Wien kocht. Wien gart. Wien ist ein Hitzetiegelschmelztopf. Hochsommer. Melanie zerfließt. Vor Hitze, vor Sehnsucht. Gefühle hat sie genug. Eine gute Portion Wut. Auf ihren Ex-Lebenspartner Vincent, der die gemeinsame Tochter Adele mit nach Neuseeland genommen hat. Auf die soziale Ungerechtigkeit. Auf Adele. Manchmal. Auf die Selbstgerechten. Auf die Machos. Auf sich selbst.
Melanie liebt. Sie liebt ihre Tochter über die Weltkugel hinweg und checkt stündlich das Handy nach Nachrichten. Sie liebt ihren Job im feministischen Hotel, der sie über die Runden bringt, sie liebt die Alm ihres Cousins Theo, sie liebt ihre Mutter, die in Spanien lebt und sie liebt es, sie selbst zu sein. Mit vergangenheit. Mit Geschichte. Mit allen Fehlern, die sie gemacht hat. Sie haben sie hier hin gebracht. Hätte sie es vorher gewusst, hätte sie es genauso gemacht.
Die Stadt ist eine Landkarte aus Inseln. Sam und Ines, ihre Herzensfreundinnen. Selina, die Kollegin, der Raff. Die Chefin. Und dann ist da alles, was nicht Stadt ist. Die Alm. Die Tante Renate. Schon wieder die Erinnerung. Denn Melanie ist mehr. Sie fragt nicht laut aber leise.
Mieze Medusa rauscht durch die Sprache, erfindet Worte, malt Bilder, Farben, Hitze, Licht, Gefühle, Musik. Die Figuren haben Humor, Scharfsinn, Tief- und Weitblick, wenn sie die relevanten Fragen wälzen: wer die Welt regiert, wie der Wohlstand verteilt ist, was Stadtplanung antreibt, welche Grenzen digitale Kommunikation hat, und warum Freundschaft und Solidarität die Säulen unseres Daseins sind.
Das ist Wien, das sind fröhliche Klischees, das ist Wiener Schmäh, das ist Kultur und Popkultur, das ist Sprachkultur und Wortgenuss und Großstadtwahn. Rhythmisch, laut, wild und frei.
Ich liebe das Tempo, die Worte, den Text. Mieze Medusa schreibt von unglaublichen Frauen, öffnet die Arme und strotzt nur so vor Empathie. Für alles, was das Leben ausmacht. Seine Widersprüche, seine Schönheit, die Trauer, die Wut, die Liebe, den Mut.
Christopher Bahn
Book Circle Community
4/5
06.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wertvolle Freunde
Die Protagonistin findet sich nach Trennung von ihrem Mann und Abreise ihrer Tochter in einem feministischen Hotelprojekt wieder und wird unterstützt durch einen warmherzigen Freundeskreis. Am Ende des Buches hat sie das Wiedersehen mit ihrer Tochter in Aussicht und bereut trotz einiger Fehltritte Uhr Leben nicht. Das Buch ist in kleine Kapitel unterteilt und hat einen ziemlichen Sprachwitz. Der Inhalt ist ziemlich alltäglich und damit wenig spannend, an dem auch das Buch leidet. Ansonsten eine durchaus angenehme Lektüre.
bookmark_mess
4/5
03.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Alltagsheldinnen-Story mit Herz, Humor und einer Portion Wiener Charme.
Melanie lebt nicht das perfekte Insta-Life (nicht mehr), eher das Gegenteil: alleinerziehend ohne Kind (Adele ist in Neuseeland!), pleite, Ex-Frau Nummer zwei. Aber sie hält sich über Wasser, mit Humor, viel Herz und einem feministischen Hotel, das mehr Zuhause ist als Arbeitsplatz. Ihre Freundinnen? Goldwert. Und wenn alles zu viel wird, gibt’s da noch ihren Cousin, ein in die Jahre gekommener Surfer-Dude mit einer Alm, die wie ein kleiner Reset-Knopf funktioniert.
Mieze Medusa nimmt uns mit in ein Leben, das unperfekt, wild und wackelig ist, aber genau deshalb so lebendig.
Das Buch fühlte sich an wie ein Kaffee mit einer langjährigen Freundin. So einer, bei dem man sich sofort verstanden fühlt, auch wenn man sich ewig nicht gesehen hat. Melanie ist chaotisch, nicht immer logisch, aber sowas von echt. Ihre Sehnsucht nach Tochter Adele, die einmal um den Globus entfernt ist (geht es denn noch weiter?), tat beim Lesen richtig weh. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen, genauso wie ihre beiden Seelenfreundinnen Sam und Irene.
Die Szenen im Hotel Adele? Fast ein bisschen heimelig für mich. Ich war gedanklich sofort wieder mittendrin in meinen eigenen 15 Jahren Hotellerie und wenn wieder Hotellerie, dann so ein Hotel. Ganz toll beschrieben und speziell. Liebs. Und das Setting in Wien? Perfekt. Urban, manchmal schroff, manchmal charmant. Eben wie Melanie selbst.
Keine riesigen Plottwists, kein Drama deluxe, aber dafür so viel Atmosphäre, Wärme und Lebensnähe, dass man sich einfach fallen lassen kann in dieser kleinen großen Geschichte.
Eine Alltagsheldinnen-Story mit Herz, Humor und einer Portion Wiener Charme. Für alle, die das Leben feiern wollen auch (oder gerade), wenn’s mal schiefgeht.
"Manchmal ist Scheitern einfach nur eine andere Form von Mut."
MarieOn
3/5
24.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Temporeich und viele Themen
Melanie kann nicht schlafen. Sie denkt an ihre Adele, die mit Vincent nach Neuseeland gegangen ist. Sie liegt auf dem Rücken, die Arme locker seitlich. Die Donau zieht an ihrem inneren Auge vorbei, dort wo sie immer mit dem Rad entlang fährt. Die Wachau mit Weinbergen, die aussehen wie Reisfelder in Hanglage. Es war ein Familienentscheid zwischen Melanie, Vincent, Adele und Sally, Vincents neuer Partnerin. Melanie hat nachgegeben. Woher hätte sie auch wissen sollen, dass diese Pandemie den Planeten lahmlegen wird.
Bei Ines und Sam kann sie sich ausquatschen. Ines ist mit Herbert verheiratet. Sie haben ein Haus, zwei liebe Mädchen, geordnete finanzielle Verhältnisse und eine stabile Ehe. Melanie würde Ines hassen, wenn sie sie nicht so lieb hätte. Dass sie Ines so lieb hat, hat mit Sam fast soviel zu tun wie mit Ines.
Sie hatte die beiden auf einem Power-Lunch, getarnt als Gartenparty, kennengelernt auf der Vincent eingeladen war. Vincents Freunde verstanden sich als Weltbürger, die unter sich bleiben wollten. Und so schlenderte Melanie ziellos durch die Gäste, bis sie an Sam hängen blieb. Sie amüsierten sich köstlich miteinander und als sie laut lachten, stieß Ines dazu, um zu erfahren, was so komisch wäre. Ab da trafen sie sich öfter zu dritt.
Melanie arbeitet in dem Hotel, das den gleichen Namen trägt wie ihre Tochter. Die Zimmer sind schick eingerichtet und tragen alle einen Namen berühmter Frauen. Den Job hat sie durch Ines ergattert.
Fazit: Mieze Medusa, Rapperin, Spoken World Performerin und Autorin aus Wien hat ihren vierten Roman veröffentlicht. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich eine unterhaltsame Geschichte über eine Frau aus einfachen Verhältnissen, die, Pretty Woman like, einen Mann mit viel Geld trifft, ihr Studium hintanstellt und schwanger wird. Der Kindsvater verlässt sie nach wenigen Jahren für eine andere. Das Kind lebt bei ihm in Neuseeland und bricht der Mutter das Herz. Fortan muss sie ihr Leben selbst stemmen. In den Nebenrollen: zwei beste Freundinnen, ein Cousin, gleichzeitig Weltenbummler und Surfboy, eine Mutter auf dem Jakobsweg. Nebenschauplätze: eine arbeitsintensive Almhütte nebst Baumbestand und eine Drag Parade in Schottland. Nebenereignisse: Corona, Inflation, Hitzewellen, Klassismus und Umweltkipppunkt. Das war mir und meinem autistischen Gehirn, das nicht multitaskingfähig ist, thematisch zu viel. Die Stimme der Autorin ist temporeich und quecksilbrig. Vielleicht zeigt die Geschichte aber auch einfach, wie es um das Leben der meisten Menschen mittleren Alters bestellt ist, schnell und oberflächlich und ich bin einfach da rausgewachsen. Deshalb kann ich mir vorstellen, dass dieses Buch für viele Leser*innen einen echten Unterhaltungswert hat und deswegen empfehle ich es hier gerne.
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