Mit einem dumpfen Laut landet das Notizbuch auf dem Teppich. Auf der ersten Seite ist fast alles mit schwarzem Filzstift ausgemalt worden. Die Stellen, die ausgelassen wurden, bilden Buchstaben. Kunstvoll verschnörkelte Buchstaben. "Welcome to my Ghost World", begrüßen sie mich. Life sucks, soviel weiß die siebzehnjährige Lu. Am liebsten will sie nichts mit der Welt zu tun haben und mit ihrem Groll auf die Menschen allein sein. Das kann sie vergessen, als Kaya auftaucht und Lu um Hilfe bittet herauszufinden, was ihr zugestoßen ist - denn Kaya ist ein Geist und niemand außer Lu kann sie sehen. Ein grauenhaftes Geheimnis, eine Bedrohung kaum erkennbar und eine Freundschaft, die Grenzen überwindet.
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Über das Leben (danach)
Bewertung am 27.05.2026
Bewertungsnummer: 3150889
Bewertet: eBook (ePUB)
Inhalt:
Mit einem dumpfen Laut landet das Notizbuch auf dem Teppich. Auf der ersten Seite ist fast alles mit schwarzem Filzstift ausgemalt worden. Die Stellen, die ausgelassen wurden, bilden Buchstaben. Kunstvoll verschnörkelte Buchstaben. „Welcome to my Ghost World“, begrüßen sie mich. Life sucks, soviel weiß die siebzehnjährige Lu. Am liebsten will sie nichts mit der Welt zu tun haben und mit ihrem Groll auf die Menschen allein sein. Das kann sie vergessen, als Kaya auftaucht und Lu um Hilfe bittet herauszufinden, was ihr zugestoßen ist – denn Kaya ist ein Geist und niemand außer Lu kann sie sehen. Ein grauenhaftes Geheimnis, eine Bedrohung kaum erkennbar und eine Freundschaft, die Grenzen überwindet.
Die Protagonistin Lu ist der typische Teenie, der nicht zur hippen Szene gehört:
intelligent, miesepetrig, rebellisch und einzelgängerisch, besonders weil sie aufgrund ihrer Mütter viel auszuhalten hat. Doch eines Tages findet sie ein verstecktes Buch und damit hat sie eine unfreiweillige Begleitung erhalten, die verstorbene Kaya. Nach anfänglicher Abneigung gegen die neue Situation lässt sie sich aber darauf ein, ihr zu helfen, und die Todesursache zu klären, damit vor allem auch Kayas Schwester ihren Frieden machen kann und Kaya aus der Zwischenwelt entlassen wird.
Bei der Recherchearbeit lernt Lu neue Freunde kennen, verliert alte endgültig und wächst trotz aller Probleme, die von toxischer Männlichkeit, die sich durch Gewalt gegen Frauen äußert, Mobbing und Queerfeindlichkeit reichen, über sich hinaus.
Schon die Grundidee, ein misanthropischer Teenager trifft auf einen Geist, der Aufklärung verlangt, zeigt, dass der Roman weniger an klassischen Horror interessiert ist als an psychischen Zuständen, Isolation und zwischenmenschlicher Verletzlichkeit. Auf eine große Ladung Emotionen alleine aufgrund der vielfältig behandelten Themen solltet ihr euch gefasst machen.
Eine der größten Stärken des Romans scheint seine emotionale Rohheit zu sein. Lu wird nicht als „sympathische“ Standardheldin entworfen, sondern als wütende, erschöpfte junge Person, die mit der Welt abgeschlossen hat. Gerade diese Unangepasstheit verleiht der Figur Glaubwürdigkeit. Strefford interessiert sich offensichtlich für Außenseiterfiguren, die nicht sofort Heilung oder Erlösung finden. Dadurch entsteht ein Tonfall, der viele typische Young-Adult-Romane vermeidet: weniger romantisierte Melancholie, mehr echte Frustration und soziale Überforderung. Besonders gelungen wirkt dabei, dass Lu nicht einfach „cool düster“, sondern emotional widersprüchlich erscheint – verletzlich, aggressiv, ironisch und resigniert zugleich.
Thematisch bewegt sich der Roman stark im Spannungsfeld zwischen Einsamkeit und Verbindung. Kaya fungiert dabei nicht nur als Mystery-Element, sondern auch als Spiegel für Lus innere Isolation. Der Geist ist erzählerisch interessant, weil er gleichzeitig übernatürliche Figur und Symbol für verdrängte Traumata ist. Das Motiv der „unsichtbaren Person“, die nur von Lu wahrgenommen wird, lässt sich als Metapher für psychische Belastungen lesen: Wer leidet, fühlt sich oft selbst geisterhaft – anwesend und doch abgeschnitten von der Welt.
Auch die Atmosphäre scheint ein zentraler Reiz des Buches zu sein. Die Bildsprache des Notizbuchs, die dunklen Andeutungen und die schleichende Bedrohung erzeugen offenbar eher einen melancholisch-unheimlichen Sog als klassischen Thrill. Die Autorin setzt eher auf emotionale Spannung als auf spektakuläre Wendungen. Dadurch wirkt das Buch vermutlich intensiver auf Leserinnen und Leser, die Figurenpsychologie und Stimmung schätzen, könnte aber für Menschen, die einen klar strukturierten Kriminalfall oder Horrorroman erwarten, stellenweise zu introspektiv sein.
Was ich besonders toll an dem Buch finde, ist, dass es trotz queeren Themen nicht dieses typische Coming-Out-0815-Geschichte ist. Im Gegenteil, Lu ist zwar lesbisch und wird von zwei Müttern aufgezogen, aber es geht nicht im typischen Sinne um ihre 6uelle Orientierung, sondern gibt den queeren Figuren einfach Raum für ihre eigene „Alltägliche“ Geschichte, was ich persönlich einfach schön finde. Zudem rückt die Autorin statt „romantischer Spannung“ Themen wie Vertrauen und gegenseitiges Verstehen in den Mittelpunkt. Dadurch erhält die Beziehung zwischen Lu und Kaya vermutlich mehr emotionale Tiefe, weil sie nicht in bekannte Romance-Muster kippt.
Sprachlich scheint Strefford einen direkten, gegenwartsnahen Stil zu verwenden, der stark aus Lus Perspektive lebt. Die Sprache dürfte weniger literarisch-verspielt als emotional unmittelbar sein. Das passt zur Figur, birgt aber auch Risiken: Ein sehr stark subjektiver Ton kann mitunter repetitiv wirken, wenn sich Gedankenmuster und Emotionen häufig wiederholen. Gleichzeitig ist genau diese Unmittelbarkeit wahrscheinlich der Grund, warum viele Leser den Roman als authentisch empfinden.
Fazit:
Vordergründig ein Jugendroman, aber eher eine Geistergeschichte mit psychologische Selbstsuche, ohne sich auf einfache Antworten einzulassen. Das Buch scheint besonders dort stark zu sein, wo es Wut, Entfremdung und die Sehnsucht nach echter Nähe beschreibt. Weniger überzeugend könnte es für Leserinnen und Leser sein, die von Mystery-Literatur mehr äußere Handlung und weniger emotionale Innenschau erwarten. Gerade diese kompromisslose Konzentration auf verletzte Figuren macht den Roman jedoch eigenständig – und vermutlich nachhaltiger als viele formelhafte Young-Adult-Titel.
Du bist ein Teenie, rebellisch und löst mit einem Geist seinen Mordfall
Bewertung am 09.05.2025
Bewertungsnummer: 2486721
Bewertet: eBook (ePUB)
4/5 ⭐️ Ich habe dieses Buch von @catherine.strefford sehr gerne gelesen. Anfangs brauchte ich etwas, um mit Lus ironischem Chara warm zu werden, aber als ich an meine eigenen Teenagerjahre gedacht habe, hat es dann geklappt.
Viele wichtige Themen Mobbing, Homophobie und mentale Gesundheit sind darin enthalten und trotzdem liest sich das Buch nicht zu schwer. Ab der Hälfte wurde es dann richtig spannend und hatte mich vollkommen eingesogen ✨
Ich hatte schon so eine Vermutung, wer in den Todesfall verwickelt ist und lag richtig. Allerdings will ich natürlich nicht Spoilern, aber wenn man das Buch zu Ende gelesen hat, ergibt sich das Cover einen Sinn
Allerdings fand ich den eigentlichen Feind/die Feindin (haha, ich verrate das Geschlecht nicht, damit ihr nicht Bescheid wisst und es lesen müsst) etwas sehr böse und hätte mir da etwas mehr Grautöne gewünscht.
Generell hat mich das Buch aber wirklich gut unterhalten. Es hat viele nachdenkliche Momente, die mich zum innehalten und schmunzeln gebracht haben.
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