Eva ist noch jung, als sie ihren Sohn zur Welt bringt und allein großzieht. Als sie dann Viktor kennenlernt, glaubt sie ihren Helden gefunden zu haben. Viktor ist Journalist und Schriftsteller und beeindruckt Eva mit großen Worten und Theorien. Dabei ist er vor allem eines: ein meisterhafter Manipulator, ein Soziopath, krankhaft eifersüchtig und cholerisch. Als er es schafft, Eva nach Deutschland zu locken, wird alles nur noch schlimmer. Er misshandelt Eva brutal, doch diese scheitert immer wieder mit dem Versuch, sich zu befreien. Milica Vučkovićs außergewöhnlicher Roman war in ihrer Heimat ein großer Publikumserfolg, weil er das romantisch verklärte Bild von der großen Liebe witzig und unbarmherzig hinterfragt.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
MarieOn
5/5
09.04.2025
eBook (ePUB)
Faszinierende Geschichte, ein Augenöffner
Die Mutter hat wegen Eva die Uni nicht geschafft und muss jetzt jeden Tag hinter dem Obst- und Gemüsestand stehen. Sie hasst dieses langweilige Kaff Zeleznik und neigt insgesamt zu Unzufriedenheit. Der Vater hatte es geschafft. Zwar war er arbeitslos, bis die kleine Eva zwei war, aber dann fand er eine Anstellung als Turnlehrer in dem langweiligen Kaff. Sie verkauften die Wohnung in Belgrad und zogen in das langweilige … Als Vera kam, war sie das nächste Einzelkind in der Familie. Die Mutter hatte sie zehn Jahre nach Eva nur für sich selbst geboren.
Luka war ein guter Kerl, fand Eva, aber ein Ärztekind. Er war nicht durch Pfützen gesprungen wie sie und so wurde die Pfütze zwischen ihnen unüberwindbar. Sie besorgte sich einen Job mit höherem Gehalt und eine eigene Wohnung. Kurz kam Nenad bei ihr unter, weil er sich scheiden ließ. Sie schlitterten in eine Beziehung und nach drei Jahren musste er ausziehen, weil Eva ihre eigene Stimme wieder einmal hören wollte. Eva lernte Tomislar kennen und alles stimmte auf Anhieb, bis er sie wegen seiner Entscheidungsunlust so nervte, dass sie zu ihren Eltern zurückging, aber da war sie schon Marios Mutter.
Auf einer Firmenfeier lernte sie Viktor kennen, Adonis höchstpersönlich. Sie mochte nicht, wenn Männer zu gut aussahen, weil das immer über Unzulänglichkeiten hinwegtäuschte, aber Viktor war auch Journalist und Schriftsteller und außerdem Manipulator, Soziopath, krankhaft eifersüchtig und cholerisch, aber das stand nicht auf seiner makellosen Stirn geschrieben.
Fazit: Milica Vuckovic hat eine großartige Geschichte erzählt. Großartig, weil sie etlichen Frauen aus der Seele spricht. Ihre Protagonistin lernt einen Mann kennen, der charismatisch und charmant ist, dass er zu viel trinkt, merkt sie zuerst nicht, weil sie einfach mittrinkt. Jedes Mal, wenn er laut oder handgreiflich wird, entschuldigt er sich überschwänglich und tränenreich, kriecht mit kleinen oder größeren Aufmerksamkeiten zu Kreuze, je nachdem wie groß der Schaden ist, den er verursacht hat. Und dann sind da auch wieder die guten Gespräche und seine faszinierende Lebendigkeit und Wertschätzung im Wechsel mit seiner Übellaunigkeit, den Beschimpfungen und Erniedrigungen. Immer wenn sie so weit ist zu gehen, packt er Geschichten über seine schlimme Mutter, den armen Bruder oder den verlorenen Vater aus und leiert ihr echtes Mitgefühl aus dem Kreuz. Mich fasziniert diese Geschichte so sehr, weil sie ganz genau die Mechanismen zeigt, derer sich solche Menschen bedienen, zeigt warum es Frauen so schwerfällt Reißaus zu nehmen. Zuckerbrot und Peitsche höhlen die Hauptdarstellerin, die aus ihrer Sicht erzählt, zunehmend aus. Vortrefflich gelungen finde ich auch, dass die Autorin eine gute Prise Humor und Selbstironie einstreut, das Drama wäre sonst kaum zu ertragen. Und doch wäre ich zu gerne zwischenzeitlich ins Buch gesprungen, um ihr beizustehen, so wütend hat mich das Agieren des Täters gemacht. Wieder so ein ultrawichtiges Buch über Gewalt gegen Frauen und noch dazu so richtig gut lesbar und unterhaltsam. Wieder ein Augenöffner für die Gefahren bedürftiger Frauen.
SimoneF
5/5
29.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
aufwühlend und intensiv
Dieses Buch wäre beinahe an mir vorbeigegangen, weil ich anhand des Titels eine völlig andere Geschichte erwartet hatte. Doch zum Glück habe ich doch einen zweiten Blick darauf geworfen.
Eva wächst in einem kleinen Dorf bei Belgrad auf, die erste Ehe, aus der ihr kleiner Sohn Mario stammt, ist unglücklich und endet früh. Sie lernt Viktor kennen, verliebt sich in den athletischen jungen Mann, der wortgewandt ist und den intellektuellen Schriftsteller gibt, aufgeklärt, feministisch und modern. Doch hinter der Fassade steckt ein hoch manipulativer, zutiefst egoistischer Charakter, der es versteht, Eva klein zu halten, zu kontrollieren und ihr Schuldgefühle einzureden. Die Situation wird schlimmer, als die beiden gemeinsam nach Deutschland gehen. Eva kommt nicht von Viktor los, obwohl Körper und Psyche rebellieren, sie lässt sich immer wieder von seiner selbstmitleidigen Art einlullen und sich von ihm etwa durch Gaslighting manipulieren. Ihre Beziehung ist ein ständiges Auf und Ab und aus physischer und psychischer Gewalt und tränenreichen Versöhnungen, die Viktor zu inszenieren versteht.
Milica Vučković schreibt in der Ich-Perspektive, direkt und unmittelbar, so dass man als Leser:in ganz nahe an Eva dran ist, fast so, als säße sie neben einem und erzählte ihre Geschichte. Hierdurch habe ich Evas Leben ganz besonders intensiv wahrgenommen, und es hat mich richtig aufgewühlt. Ich war wütend auf Viktor, wollte ihm am liebsten mal so richtig die Meinung sagen, und gleichzeitig Eva bei den Schultern packen und sie aufrütteln.
Besonders erschüttert hat mich Milica Vučkovićs Bemerkung in der Danksagung, dass der Roman großteils auf dem Lebensweg einer Freundin von ihr beruht.
Für mich war dieses Buch eine unverhoffte, aber sehr bewegende Entdeckung. Noch immer stecken sehr viele Frauen in toxischen Beziehungen, und Bücher wie dieses führen eindringlich deren Mechanismen vor Augen. Es bleibt zu hoffen, dass sie die Augen öffnen und dabei helfen, Alarmsignale frühzeitig zu erkennen und auszubrechen. Ich möchte Milica Vučkovićs Roman daher unbedingt weiterempfehlen. Gerade die Leser:innen von Lana Lux‘ „Geordnete Verhältnisse“ könnten auch „Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen“ sehr schätzen.
Frankenfrosch
4/5
30.04.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Liebe, oder was?
Kennt ihr das, wenn Euch das Lesen eines Buches fast körperlich schmerzt? Wenn man schon sieht, wie eine Katastrophe sich anbahnt, man aber machtlos ist? Innerlich schüttelt man über manche Szene den Kopf, wäre man doch schlauer, erfahrener, emanzipierter und stärker. Und eine kleine Stimme im Kopf fragt: wirklich? All diese Gefühle löst Milica Vučković Roman 'Der tödliche Ausgang von Sportverletzungen' in mir aus. Sie beschreibt in diesem Buch eine Beziehung. Allerdings eine toxische Beziehung. Eine Beziehung mit einem manipulativen Narzisten, der die Klaviatur der emotionalen Erpressung virtuos beherrscht. Von außen betrachtet, ist alles logisch und man begreift oft nicht, warum eine junge selbstständige Frau, wie Eva, nicht merkt, was für ein Mensch Viktor ist. Und kurze Zeit später ertappt man sich dabei, wie man seine eigene Beschäftigung unterbricht um den Partner einen Gefallen zu tun. Wie man vielleicht leiser wird, wenn er gestresst nach Hause kommt. Natürlich macht man es gerne, aus vielerlei Gründen. Doch der Grat ist dünn. All dies zeigt dieser schmerzhafte, berührende und deshalb so wichtige Roman in einer sprachlich vollkommenen Schlichtheit, die genau deshalb mitten ins Herz trifft.
yellowdog
4/5
29.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Leben mit einem Soziopathen
Hier gibt es eine interessante serbische Autorin erstmals auf Deutsch zu entdecken. Milica Vučković beschreibt eine toxische Beziehung.
Eva ist eine junge alleinerziehende Mutter, die den egozentrischen Viktor kennen lernt, der sie und das Baby mit nach Deutschland nimmt.
Schon bald erweist sich Viktor als Kontrollfreak, der Eva physisch und psychisch misshandelt. Er hat soziopathische Züge und versteht es, Eva zu manipulieren.
Das Buch ist geprägt durch die Erzählperspektive mit Eva als Icherzählerin. Sie erzählt ruhig, manchmal fast gelassen, bis dann die eskalierenden Momente kommen. Trotz ein paar Versuche kann Eva sich nicht von Viktor lösen.
Das Thema der toxischen Beziehung ist weiterhin relevant und die Autorin schafft es sprachlich Ausdruck dafür zu finden.
Natalie
3/5
22.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Hatte andere Erwartung
Das Buch ist unbestritten gut, allerdings kann ich den Titel nicht nachvollziehen und ich finde es nicht spaßig und nicht witzig, so wie eingangs beschrieben. Im Gegenteil es ist tragisch und macht wütend. Deshalb die Enttäuschung, weil durch Titel und Einleitung auf der Thalia Seite (wenn man das Buch ausgewählt hat) andere Erwartungen gesetzt werden. Das Ende war ebenfalls für mich enttäuschend...ich kann mir keinen Reim darauf machen. Zieht Eva jetzt einen Schlussstrich oder nicht? Aber vielleicht bin ich nicht kreativ genug...
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