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Produktbild: Balkan-Odyssee, 1933-1941

Balkan-Odyssee, 1933-1941 Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa | Preis der Leipziger Buchmesse 2026

7

28,00 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei

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Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

28298

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

15.10.2025

Abbildungen

mit 38 Abbildungen und 2 Karten

Verlag

C.H. Beck

Seitenzahl

383

Maße (L/B/H)

21,6/14,8/3,2 cm

Gewicht

629 g

Farbe

Beige / Kaffee

Auflage

2

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-406-83634-3

Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

28298

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

15.10.2025

Abbildungen

mit 38 Abbildungen und 2 Karten

Verlag

C.H. Beck

Seitenzahl

383

Maße (L/B/H)

21,6/14,8/3,2 cm

Gewicht

629 g

Farbe

Beige / Kaffee

Auflage

2

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-406-83634-3

Herstelleradresse

C.H. Beck
Wilhelmstrasse 9
80801 München
DE

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  • Lesenswege

    5/5

    07.07.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Über den Balkan in die Freiheit?

    Seit 2015 ist der Begriff Balkan-Route ein Synonym für Flucht. Millionen Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, dem Iran, Albanien und aus diversen Ländern Afrikas flohen vor Krieg und Gefahr für ihr Leben über die Türkei, Griechenland, Albanien, Bulgarien und die heutigen Länder des früheren Vielvölkerstaats Jugoslawien nach Europa. Dass es diese Fluchtroute von 1933 bis 1941 in umgekehrter Richtung gab, ist dagegen wenig bekannt. Die Literatur hat sich intensiv mit den Fluchtwegen Richtung Westen, Frankreich, Spanien, England, Amerika beschäftigt. Der Balkan als Zufluchtsort bzw Transitzone ist dagegen ein relativ weißer Fleck im kollektiven Bewusstsein. Marie-Janine Calic hat das mit ihrem akribisch recherchierten Buch „Balkan-Odyssee“, für das sie den Preis der Leipziger Buchmesse 2026 bekommen hat, nun geändert. Grundlage ihrer Recherchen sind zahlreiche Briefe, Tagebucheinträge und Zeitzeugenberichte. Diese ausfindig zu machen und Zugang zu erhalten war alles andere als einfach, denn viele davon sind in Privatbesitz. Die Menschen, die ab 1933 Richtung Jugoslawien flohen, waren in ihrer Mehrzahl viel weniger bzw gar nicht bekannt, wohingegen die Crème de la Crème der Kunst und Kultur sich für das Exil in Frankreich, der Schweiz, England und den USA entschied. Etwa 55.000 Menschen flohen nach Jugoslawien und 50.000 nach Rumänien, die meisten von ihnen jüdisch, pekuniär schlecht aufgestellt, viele von ihnen mit dem Fernziel Palästina. Nicht, weil sie unbedingt dorthin wollten, sondern weil vor allem Jugoslawien so gut wie keinen Antisemitismus kannte und sehr aufnahmefreundlich war. Ein Touristenvisum genügte zur Einreise, und wer einmal dort war, konnte bleiben. Die jüdischen Hilfsorganisationen sorgten, so lange sie konnten, für den Unterhalt der Geflüchteten, sofern diese nicht arbeiten konnten, denn auch das war ihnen erlaubt. Die Autorin hat sich zahlreiche Einzelschicksale heraus gepickt, deren Wege sie bis zum Ende verfolgt hat - nicht alle hatten das Glück, mit dem Leben davon zu kommen. Diese Schicksale verknüpft sie erzählerisch mit den historischen Fakten. Dabei wartet sie mit vielen Details auf, was mir besonders gut gefällt. In fast allen Ländern gab es begrenzte Kontingente für die Aufnahme von Menschen, die Deutschland verlassen wollten bzw mussten - besser heute als morgen. Jugoslawien bildete da die große Ausnahme und war deshalb nach Kriegsbeginn der letzte Ausweg für jene, die noch geblieben waren, bis 1941 auch dort auf Grund des Sachzwangs der Bündnispolitik Schluss war. Die Schlinge hatte sich zugezogen. Durch die vielen persönlichen Geschichten liest sich der Text sehr flüssig und stellenweise beinahe wie ein Roman. Allerdings bleibt er immer sachlich, auch am Schluss, wo mit wenigen lakonischen Sätzen über das Ende der Odyssee und das Weiterleben nach dem Krieg Auskunft gegeben wird. Ein Personenregister, umfangreiche Quellenangaben und Fußnoten runden das Geschriebene ab. Wo immer möglich sind Fotos eingefügt. Die Vielzahl der herangezogenen Schicksale erfordert eine gewisse Konzentration beim Lesen und es tut der Lektüre gut, wenn sie relativ am Stück erfolgen kann. Marie-Janine Calic hat ein Buch vorgelegt, dass ich unter der Vielzahl meiner bereits gelesenen Titel zum Thema Flucht und Exil in der Zeit des Nationalsozialismus auf keinen Fall missen möchte. Marie-Janine Calic ist Professorin für südosteuropäische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Über ihr Fachgebiet hat sie bereits mehrere Bücher bei C.H. Beck veröffentlicht.

  • Johanna

    aus München

    5/5

    23.10.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Die weniger bekannte Fluchtroute – Geschichte und Geschichten

    Über „die große Flucht der Literatur“ nach Marseille im Jahr 1940 hat Uwe Wittstock eine beeindruckendes Buch geschrieben. Marie-Janine Calic verschiebt die Perspektive auf Südosteuropa und weitet den Blick. Ihr Sachbuch umfasst die Jahre 1933 bis 1941 und erzählt von den Flucht-Schicksalen einiger bekannter und vieler weniger bekannter deutschsprachiger Persönlichkeiten. „Die Exilforschung hat sie weitgehend übersehen. Doch viele Verfolgte retteten sich nicht in den demokratischen Westen, sondern in den vermeintlich rückständigen Osten, mindestens 55 000 allein nach Jugoslawien. […] Ihre einzige Gemeinsamkeit war, dass sie irgendwo auf dem Balkan strandeten, die meisten ohne Beziehungen, Sprachkenntnisse und Vermögen.“ Unter den bekannteren Personen, deren Schicksal Calic darlegt, sind die Schauspielerin Tilla Durieux, die Schriftsteller Manès Sperber und Franz Theodor Csokor und der Maler Richard Ziegler. Nicht weniger ergreifend sind die Opferbiographien der unbekannten Gestrandeten, denen Calic nachgeht. Sie schöpft aus vielen Briefen, Tagebüchern, Akten und anderen Dokumenten und legt Wert auf die Authentizität ihrer Darstellung: „Nichts wurde erfunden und kein Zitat verändert, um den Erzählfluss oder Spannungsbogen aufrechtzuerhalten.“ Geschichtsschreibung ohne journalistische oder romanhafte Aufbereitung. Die Fluchtgeschichten sind deshalb nicht weniger bestürzend. Bevor die Nazis die endgültige Vernichtung der Juden beschlossen, unterstützten sie deren Auswanderung im Rahmen ihrer Vertreibungspolitik. Der kriminelle „Judenschlepper“ Schleich wurde von ihnen sogar ganz offiziell zum „Reisebegleiter“ ernannt. Die jüdischen Hilfsorganisationen konnten nicht anders, als mit ihm zusammenzuarbeiten. Unterkünfte mussten besorgt werden, Einreisegenehmigungen und Transitvisa. Alles äußerst schwierig und gefährlich. Calic berichtet aber auch von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Jugoslawen und Albaner und der Unterstützung durch die jüdischen Gemeinden. Ohne die hätten etwa die Menschen des Kladowo-Transportes nicht so lange durchgehalten. Die Geschichte dieser Flüchtlingsgruppe ist besonders tragisch. Die Menschen saßen in einem jugoslawischen Donauhafen fest. Der Wintereinbruch 1939 verhinderte ihre schnelle Weiterreise. Versprochene Schiffe kamen nicht, 1941 dafür die Nazis, die sie ermordeten. Calic bettet die vielen ausgewählten dramatischen Fluchtgeschichten jeweils in die politischen Zeitläufte ein. Sie behandelt ausführlich die größeren Zusammenhänge des Weltgeschehens, die für die Flucht auf der Balkanroute von Bedeutung waren. Daneben wirken die eindringlichen Beschreibungen des „Alltags“ auf der Flucht zum Teil beinahe szenisch. Geschichte und Geschichten aus dem 20. Jahrhundert. Sehr lesenswert.

  • Bewertung

    3/5

    14.12.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Eine Odyssee zum Lesen

    Der Einstieg in das Buch war für mich super, mit einem Schicksal verknüpft steigen wir in die Flucht vor dem Nationalsozialismus in/ durch den Balkan. Doch immer mehr persönliche Schicksale werden uns vorgestellt und ich verliere den Überblick. Ich verliere auch die Freude am Buch, muss mich zwischenzeitlich wirklich dadurch quälen. Die Abschnitte, bei denen es um die Geschichte geht, Politik und wichtige Akteure überzeugt mich das Buch hingegen wieder. Insgesamt war es für mich leider kein Lesevergnügen, ich war regemäßig kurz vorm Abbruch. Das wurde nur durch die guten Abschnitte verhindert. Wenn man die Zahl der einzelnen Personen reduzieren würde, wäre mir definitiv geholfen. Dafür könnte das Ende vielleicht weniger abrupt kommen.

  • Bewertung

    aus Quickborn

    5/5

    13.05.2026

    eBook (ePUB)

    Hohe Detaildichte – unbedingt lesenswerte Geschichte des Balkans

    Auf der Rückseite des Covers ist folgendes zu lesen: „Der Theaterstar Tilla Durieux, die Schriftsteller Manès Sperber und Ernst Toller, der Dramatiker Franz Theodor Csokor, der Maler Richard Ziegler und viele andere - sie alle flohen vor Hitler nach Südosteuropa und fanden dort Unterschlupf. Doch diese erste Balkanroute ist heute so gut wie vergessen. Marie-Janine Calic ruft sie in Erinnerung und erzählt berührende Geschichten von Mut und Menschlichkeit, von Elend und Verrat, von Rettung und Untergang.“ Wahrscheinlich kann ich es weder kürzer noch treffender zu Beginn meiner Rezension formulieren, ich denke, dass der C.H.Beck Verlag mir dieses Zitat hier erlaubt. Mein Interesse an der Zeit des Nationalsozialismus ist groß, regelmäßig finde ich neue Bücher, insbesondere auch bei C.H.Beck Verlag, die sich mit Details der Auswanderung, des Exils, des Widerstandes befassen. Beispiele jüngster Zeit wären die Bücher von Uwe Wittstock, Uwe Neumahr oder Helmut Kiesel, die sich insbesondere mit Literaten und Künstlern im Exil beschäftigten. Vorrangig sind aber bei diesen und anderen Büchern Auswanderungsziele im Westen Europas, in den USA, Kanada oder Südamerika zu finden, seltener in der Sowjetunion oder China, Auswanderungen über die Balkanroute werden kaum beschrieben. Die Alija ins Gelobte Land Palästina wurde aber gerade über diese Route tausendfach versucht. Marie-Janine Calic hat sich die Recherche zu ihrem Buchthema nicht leicht gemacht, der Anhang (immerhin fast ein Drittel des gesamten Buches) zeigt dem Leser nicht nur die Archivquellen, sondern auch die literarischen Quellen, die eine Fundgrube für jeden Interessierten sind. Das Problem so gewaltiger Informationsquellen ist die Verarbeitung in einem Buch, dass ja doch in seinem Umfang begrenzt ist. Der Autorin ist es gelungen, ihr riesiges Detailwissen auf 383 Seiten (lt. Verlag) unterzubringen (zum Vergleich: Helmut Kiesels „Schreiben in finsteren Zeiten“ hat 1392 Seiten). Trotzdem hatte ich beim Lesen zeitweise das Gefühl, das die Detailtreue zu Abschweifungen führte und dadurch das Thema der Balkan-Odyssee etwas aus dem Fokus geriet. Als Beispiel dafür nenne ich das Kapitel Danzig, das die Vorgeschichte zu Felix Nasimows Flucht schilderte. Der Sprachstil der Autorin ist von ihrem wissenschaftlichen und präzisen Herangehen an die verschiedenen Situationen geprägt, ab und zu lockert sie den Ton, aber das passt aus meiner Sicht nicht so ganz in den Kontext. Ernst Tollers „Anleiern“ von Hilfsaktionen für die spanische Bevölkerung klingt schon sehr herablassend, und wenn die Nationalsozialisten Annemarie Wolff-Richter „auf dem Kieker“ hatten, verharmlost das die Lage etwas. Aber das sind auch schon die wenigen Kritikpunkte, die ich anzumerken habe. Besonders gut gefiel mir hingegen die ausführliche Darstellung der Balkanstaaten, ihrer geschichtlichen Entwicklung bis hin zu ihrer Haltung gegenüber Deutschland, Italien oder Großbritannien. Ob Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien oder Albanien, für mich waren die informativen Details zu diesen Ländern tatsächlich Neuland, wenn man von allgemeinem Wissen absieht, an das ich mich z. B. aus Götz Alys „Europa gegen die Juden“ erinnere. Dass insbesondere Jugoslawien kaum Judenhass und Antisemitismus entwickelte und erst nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht auf Hitlers Linie schwenkte, war mir so nicht bewusst. Die Machtspiele, die in den Balkanstaaten ausgetragen wurden, hatten eine Tragweite, die noch heute zu spüren ist. Auch die damaligen „Völkerverschiebungen“ sind nach wie vor präsent in den Köpfen der Betroffenen bzw. deren Nachfahren. Die Schilderung der Balkan-Odyssee anhand von Einzelschicksalen von bekannten wie auch völlig unbekannten Juden (z. B. Tilly Durieux, Lutz Katzenellenbogen, Walter Klein oder Felix Nasimow) ist sehr eindringlich und erschütternd. Die sogenannte Kladowo-Gruppe ist das herausragende Beispiel, wie jüdische Menschen zum Spielball der Geschichte, von Geldgier, Hass und Missgunst, von Unvermögen und Bestechung, von Korruption und letztendlich von vollkommener Gleichgültigkeit wurden. Gerade die persönlichen Zeugnisse, vor allem die Briefe, die der junge Walter Klein in seiner Verzweiflung schrieb, zeichnen ein schreckliches Bild dieser Jahre. Andererseits ist die Betonung der menschlichen Hilfsbereitschaft selbst in den ärmsten Dörfern, in die die Juden kamen, ungeheuer erleichternd. Ja, es gab Menschen, die aus Menschlichkeit halfen. Auch das sollte man nicht vergessen. Wie viele Juden es auf der Balkan-Route geschafft haben, bis nach Palästina und in Sicherheit zu kommen, das weiß ich nicht, wie viele es nicht geschafft haben, das kann man in diesem Buch sehr deutlich nachlesen. Ich habe das E-Book gelesen, der Vorteil besteht für mich nicht nur in der Anpassung der Schriftgröße an meine Wünsche, auch der schnelle Weg zu den Anmerkungen und zurück ist hilfreich. Der Titel „Balkan-Odyssee 1933 – 1945/ Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ ist punktgenau zutreffend, der Leser bekommt, was er erwartet. Das Cover zeigt mit Dubrovnik meine Lieblingsstadt auf dem Balkan, noch unberührt und unzerstört vom unbarmherzigen 20. Jahrhundert. All das war für mich ein guter Grund zuzugreifen. Ich empfehle zusätzlich auf YouTube die Buchvorstellung mit Prof. Dr. Marie-Janine Calic durch die Südosteuropa-Gesellschaft. Mir imponieren das geballte Wissen und die souveräne Art der Autorin sehr. Fazit: Eine anspruchsvolle und hochinteressante, weil auch hochaktuelle Lektüre für alle, die mehr über die Judenverfolgung und den Holocaust erfahren wollen. Dieses Buch sehe ich für die Zukunft als Standardwerk zur südosteuropäischen Geschichte. Die Auszeichnung mit dem Sachbuch-Preis der Leipziger Buchmesse 2026 ist absolut verdient. Leseempfehlung! Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.

  • drawe

    aus Landau

    5/5

    03.12.2025

    eBook (ePUB)

    Fluchtraum Balkan - tragisch, dramatisch, ein berührendes Buch!

    Mein Lese-Eindruck: 1933: Hitlers Machtergreifung führte zu großen Fluchtwellen, die sich auf den Routen nach Südfrankreich, Spanien und dann in die USA bewegten. Calic rückt hier eine eher vergessene bzw. weniger beachtete Route ins Zentrum: die Flucht über den Balkan mit dem Ziel, von einem der Seehäfen aus nach Palästina oder in überseeische sichere Länder zu gelangen. Die europäischen Länder verschlossen in den 30er Jahren ihre Grenzen für die Flüchtlinge bis auf Jugoslawien und Albanien – beides wenig entwickelte Staaten, die vor allem Wissenschaftler gerne aufnahmen, um den heimischen Nachwuchs auszubilden. Die ethnische und religiöse Zugehörigkeit spielte in diesen Staaten keine Rolle, weil sie in der Tradition des Osmanischen Reichs das Nebeneinander mehrerer Religionen und Ethnien gewohnt waren und Toleranz in der Verfassung verankert war. Calic nimmt in ihrem Buch viele Einzelschicksale in den Blick, die sie akribisch aus einer unendlichen Fülle an Primärquellen zusammenstellt: aus Tagebüchern, Briefen und Zeitungsartikeln. Der Leser begegnet bekannten Namen wie Manès Sperber, der Schauspielerin Tilla Durieux, dem Maler Richard Ziegler, dem Literaten Ernst Toller, er liest von vielen hochdotierten Wissenschaftlern wie dem Krebsforscher Blumenthal, dem Philosophen Liebert und anderen, von Künstlern, Schriftstellern und Journalisten – aber er liest auch von Unbekannten wie z. B. von Annemarie Wolff-Richter, die mit einem ganzen Kinderheim die Flucht antritt. Oder von Walter Klein, dessen Biografie das ganze Elend des Flüchtigen spiegelt. Walter Klein, ein junger Wiener, sitzt mit Tausenden anderer Flüchtlinge in Kladovo auf einem Seelenverkäufer auf der Donau fest, getrennt von seiner Familie, die Weiterfahrt wird ständig verschoben, weil Schiffe fehlen, und als die Donau zufriert, ist an kein Entkommen mehr zu denken. Das Entkommen wird auch aus politischen Gründen schwieriger: Jugoslawien und Griechenland werden besetzt, und weil Deutschland das rumänische Erdöl braucht, schließt Rumänien seine Grenzen für die Flüchtlingen. Walter Klein wird schließlich von der Wehrmacht erschossen. Mit solchen Einzelschicksalen zeigt Calic die Dramatik und Tragik der Flucht über den Balkan, die nur für wenige in Palästina endete. Gleichzeitig hat sie aber die Gesamtlage und die Zeitgeschichte im Blick, und es gelingt ihr hervorragend, die sehr verwirrende Gemengelage in klaren Zügen zu vermitteln und immer mit dem Schicksal der betroffenen Menschen zu verbinden. Das Buch wendet sich an den historisch interessierten Laien, und gerade diese Verbindung aus berührenden Einzelschicksalen und de Zeitgeschichte ist es, die das Buch zu einer wichtigen, fesselnden Lektüre machen. Diesem Buch wünsche ich viele viele Leser.

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