Paula Spencer lebt endlich ihr eigenes Leben. Sie ist Mutter, Großmutter, Witwe, trockene Alkoholikerin und Überlebende. Sie hat einen Job bei der Reinigung, der ihr Spaß macht, einen Mann - Joe -, mit dem sie ihre Gedanken teilen kann, Freundinnen, die sie so nehmen, wie sie ist, und vier erwachsene Kinder, die ihre eigenen Familien haben. Sie hat sich den Geistern ihrer Vergangenheit widersetzt und blickt nach vorn. Bis alles durcheinandergebracht wird, als ihre älteste Tochter Nicola vor der Tür steht. Paulas Vorzeigetochter ist auf einmal fest entschlossen, alles hinter sich zu lassen. In den kommenden Tagen vertraut Nicola ihrer Mutter nach und nach an, was diese Krise ausgelöst hat. Mutter und Tochter stellen sich dem lädierten aber wunderschönen Zusammenspiel dessen, was sie einander bedeuten.
Fesselnd und schonungslos ehrlich: Die Frauen hinter der Tür ist eine bewegende Mutter-Tochter-Geschichte mit starken Frauenfiguren in Roddy Doyles unverwechselbarem Stil. Das gleichnamige Hörbuch erscheint bei GOYALiT.
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Intensives Lese und Hörvergnügen
Edith Berger am 07.07.2025
Bewertungsnummer: 2533044
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Seit ihre Kinder ausgezogen sind, lebt Paula allein. Ihr dramatischer Lebenslauf gibt ihr viele Möglichkeiten der Selbstreflexion. Auch ihre älteste Tochter Nicola ist ein Garant, dass sie diesen schmerzhaften Auseinandersetzungen nicht entkommt. Paula ist trockene Alkoholikerin. Und obwohl noch viel zu jung, war es immer Nicola, die für ihre Geschwister und vor allem Paula gesorgt hat. Nicola hat aufgewischt und gesäubert und verbunden wenn Paula vom gewalttätigen Ehemann verletzt wurde. Durch ihre Trinkerei war Paula meist nicht zurechnungsfähig. In einem, der wenigen, nüchternen Augenblicken bekommt sie mit, dass ihr Ehemann und Vater ihrer Kinder, sich Nicola ekelhaft nähert. Erst da, viel zu spät schafft Paula es, ihren Ehemann hinauszuwerfen. Eines Tages steht Nicola vor Paulas Tür. Viele unausgesprochenen Dinge, schwelende Aggressionen, zarte Zuneigungen zwischen Mutter und Tochter kommen auf den Tisch.
Bildreich und mitreißend
MarieOn am 02.04.2025
Bewertungsnummer: 2455515
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Nicola hat ihr Tee besorgt. Sie trinkt ihn selten, bereitet ihn aber zu. Besser eine Tasse als ein Glas in der Hand. Obwohl, früher hätte sie ihren Gin oder Wodka auch aus dem Kohleeimer gesoffen. Es waren nicht immer Gläser zu finden, aber das hat sie nicht abgehalten. Nicola ist ihre Göttin, wie sie geht, sich kleidet, der Welt entgegentritt. Nicola hat als Älteste der vier Geschwister viel miterlebt, was zwischen ihrer Mutter und dem Vater passierte, mehr als ein Kind sehen sollte. Ihre Mutter Paula war mit einem Dieb verheiratet und brauchte jahrelang, um ihre Identität zurückzuholen.
Als Leo Varadkar vor einem Jahr das Land in den Lockdown führte, hatte Paula sich das erste Mal bereit gefühlt, fähig dazu. Vorbereitet. Den anderen einen Schritt voraus. Ihr ganzes Leben bestand seit Jahren aus Einschränkungen. Wie lange blieb sie, wenn sie sich mit anderen traf? Was trank sie, während die anderen Alkohol tranken?
Nicola war dabei, als Paula ihrem Vater die Bratpfanne überzog und ihn aus dem Haus jagte. Sie hatte immer wieder versucht zu gehen, mal mit und mal ohne die Kinder, es aber nie geschafft. An dem Tag, als Nicola vor ihrer Tür steht und ihr sagt, dass sie nicht zurück zu Tony und den Kindern geht, nie mehr, versteht Paula gar nichts mehr.
„Hat er dich geschlagen?“ „Nein, Mum“
„Hat er die Kinder schlecht behandelt?“ „Nein“
„Willst du darüber sprechen, Süße?“ „Nein“
Es ist das Muster, das in mich gepflanzt ist. „Der arme Mann, armer Tony, ganz allein mit den Kindern“. „Der arme Charlo“. Selbst nachdem er mich fast totgeprügelt hatte, dachte ich, dass ich das wohl verdient haben musste, dass es an mir lag.
Fazit: Roddy Doyle hat eine Geschichte über häusliche Gewalt geschaffen, die mich in ihren Bann geschlagen hat. Die Erzählstimme ist ruhig, es brodelt eher unter der Oberfläche. Nach und nach zeigen sich, in den Dialogen zwischen der Protagonistin und ihrer Tochter, die grausamen Einzelheiten. Die Gespräche sind so authentisch, dass ich quasi mit den beiden Frauen in Paulas Küche sitze und gebannt zuhöre. Wirklich gut herausgearbeitet hat der Autor Paulas Schuldgefühle, die ganze bittere Scham, weil sie den Kindern wahlweise zu sehen gab, wie sie schwerst misshandelt wurde oder komatös besoffen auf dem Sofa lag. Die Tochter liebt und hasst ihre Mutter. Beide spielten ihre Rollen des Frauenbildes, das sie interniert haben. Die Tochter hatte gelernt, stark sein zu müssen, sich zu kümmern, nichts abzugeben und sich mit dem Schein derer, die alles im Griff haben, zu umgeben. Die Mutter hatte gelernt, dass sie für alles verantwortlich ist, hat alle Schuld auf sich genommen und sich in Selbsthass gesuhlt. (Hervorragend dargestellt durch Paulas innere Dialoge) Als die Tochter dann alles hinschmeißt, konkurriert die Mutter mit ihr, bevormundet sie und fühlt sich in der Rolle der selbstgerechten Märtyrerin wohl. Es knallt zwischen den unterschiedlichen Frauen und wird so schmerzhaft ehrlich und verbindend, dass am Ende der Raum, in dem ich sitze, heller wirkt und die Luft sauberer riecht. Das war so echt und bildreich und einfühlsam und mitreißend und und und. Großes Kino!
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