Philipp hat gelernt, sich am Riemen zu reißen, den Mund zu halten und niemandem auf die Nerven zu gehen. Er ist fast achtzehn und steht kurz vor dem Abi. Sein Vater, ein erfolgreicher Chirurg, hat eine neue Freundin und »stemmt die Welt«, während seine Mutter nur noch ab und zu verschwommenen in seinen Gedanken auftaucht. Halt findet Philipp bei seinem besten Freund Lorenz, mit dem er fast alles teilt, bis auf seine unklaren Erinnerungen an einen Hund oder seine wilde Liebe zu Studentin Mascha. Als die Polizei anruft und wieder einmal nach Philipps Mutter sucht, muss er sich entscheiden, ob er weiterhin unsichtbar bleiben will oder endlich für sich selbst einsteht.
Annika Büsing hat ein zartes, genau beobachtetes Buch über eine Familie geschrieben, die an der psychischen Erkrankung der Mutter fast zerbricht. Ganz nah kommt sie dem Denken, Fühlen und Leben ihrer Figuren. Wie durch ein Vergrößerungsglas blickt Wir kommen zurecht darauf, was Familie sein kann. Die, in die man hineingeboren wird und die, die man sich wählt.
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Schwieriges Familienleben
Christopher Bahn (Mitglied der Book Circle Community) am 12.08.2025
Bewertungsnummer: 2565518
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Annika Büsing hat wieder einen tollen Roman geschrieben, der von einer scheinbar gut situierten Familie handelt, in der die Mutter jedoch an einer psychischen Erkrankung leidet. Der Umgang damit und das Familienleben mit einer neuen Freundin des Vaters wird aus der Sicht des Sohnes erzählt, dessen Leben kurz vor dem Abitur den zweiten Erzählungsstrang darstellt. Wie alle Bücher der Autorin sehr gut und flüssig geschrieben. Sehr empfehlenswert.
Leseempfehlung
Fee04 am 27.02.2025
Bewertungsnummer: 2424491
Bewertet: eBook (ePUB 3)
„Wir kommen zurecht“ von Annika Büsing
Verlag: Steidl
Ein Roman, der leise beginnt, aber mit voller Wucht nachhallt.
„Unter Gottes weitem Himmel einfach verloren.“ (Pos. 1113/2)
Philipp ist ein 17jähriger Abiturient, der bei seinem Vater und dessen Freundin wohnt. Seine Mutter ist psychisch krank, und sein Vater, ein angesehener Chirurg kommt mit der Tatsache nicht klar. Er versucht zwar immer wieder halbwegs seiner Ex-Frau zu helfen, sofern sie sich bei ihnen meldet, für Philipp hingegen ist es ein sehr emotionaler und schwieriger Weg, mit seiner unberechenbaren Mutter zu kommunizieren .
Er musste viel zu früh lernen stark zu sein und nun versucht der junge Mann zwischen Unsichtbarkeit und Eigenständigkeit seinen Weg zu finden.
Feinfühlig und mit klarer, ruhiger Sprache schreibt Annika Büsing über ein schweres Thema. Eine Familie und eine Kindheit im Schatten einer psychisch erkrankten Mutter.
Ein Vater, der Gefühle schlecht zeigen kann und ein junger Mann, der versucht, irgendwie seinen eigenen Weg zu gehen. Die Geschichte zeigt auf, was Philipp stärkt und was gerade wichtig ist, in seinem Leben.
Er beginnt eine lockere Beziehung mit Mascha, einer jungen Frau, die selbstbewusst, widersprüchlich und etwas älter ist als Philipp und ihre eigenen Ziele verfolgt.
Selten lässt sie sich mit ihm in der Öffentlichkeit sehen und doch merkt auch Mascha,
dass Philipp manchmal „durchsichtig“ wirkt. Anziehend fand er vor allem, dass sie ihn nicht brauchte.
Ein fester Halt ist auch Lorenz, sein bester Freund. Obwohl Philipp nicht über seine tief verborgenen Erinnerungen an Episoden mit seiner Mutter spricht, ist sein Freund immer für ihn da. Lorenz bedrängt ihn nicht, er nimmt Philipp, wie er ist.
Die Autorin zeigt auf, dass es verschiedene Wege gibt, ein Zuhause zu finden. Nicht nur die klassische Familie, sondern auch die Beziehungen, die man selbst knüpft.
Die Geschichte zeigt uns, dass man trotz Verlusten und Widrigkeiten im Leben täglich neue Wege einschlagen kann.
Die Protagonisten sind authentisch und nahbar, als Leser:in konnte ich mich gut in die Emotionen einfühlen. Philipps Sehnsucht nach einer intakten Familie ist spürbar und man fühlt seine Einsamkeit.
Seine Mutter Astrid ist ein Freigeist, in manischen Phasen möchte sie in Kommunen leben und Philipp mitnehmen, damit er barfuß laufend in der Natur aufwachsen kann.
Lothar, Philipps bodenständiger, erfolgreicher Vater konnte dies auf keinen Fall zulassen und der Streit innerhalb der Familie um das kleine Kind begann. Nie waren Familienangelegenheiten in ihrer Familie einfach gewesen. Alles wurde durch seine Mutter kompliziert.
Annika Büsings Roman ist herzerwärmend, zart und voller Hoffnung. Der Schreibstil ist klar, strukturiert und fesselnd. Ihre Art, das Thema psychische Erkrankung innerhalb der Familie und Familie im Generellen zu beschreiben ist absolut gelungen. Man wird in eine Familie hineingeboren und doch gibt es Möglichkeiten eine „eigene“ Familie mit Herzensmenschen zu gründen.
Ein stiller, eindringlicher Roman, den ich gerne empfehle.
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