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Huris Ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt 2024

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Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

28.08.2025

Herausgeber

Holger Fock + weitere

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

398

Maße (L/B/H)

21,8/14,8/3,5 cm

Gewicht

572 g

Farbe

Schwarz / Melone

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

Holger Fock + weitere

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7518-1031-9

Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

28.08.2025

Herausgeber

Verlag

Matthes & Seitz

Seitenzahl

398

Maße (L/B/H)

21,8/14,8/3,5 cm

Gewicht

572 g

Farbe

Schwarz / Melone

Auflage

1. Auflage

Übersetzt von

  • Holger Fock
  • Sabine Müller

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-7518-1031-9

Herstelleradresse

Matthes & Seitz Verlag
Großbeerenstraße 57A
10965 Berlin
DE

Email: info@matthes-seitz-berlin.de

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Allen Drohungen zum Trotz

Bories vom Berg aus München am 28.02.2026

Bewertungsnummer: 3060908

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Für seinen im Jahre 2025 auf Deutsch erschienenen, dritten Roman «Huris» erhielt der in Algerien geborene und 2020 in Frankreich eingebürgerte Schriftsteller Kamel Daoud als erster algerisch-stämmiger Autor den Prix Goncourt. Er zählt in Frankreich zu den maßgebenden zeitgenössischen Autoren und ist für seine harsche Kritik am Islam bekannt, auch was dessen latente Frauenfeindlichkeit anbelangt. Der intellektuelle Autor wurde deshalb, ähnlich wie sein inhaftierter Landsmann Boualem Sansal, sowohl in Deutschland als auch in Frankreich, vor allem aber in seinem Heimatland mit Drohungen, Klagen und Prozessen überzogen. Der vorliegende Roman ist in Algerien natürlich verboten, er verstößt gegen Artikel 46 der «Charta für Frieden und nationale Versöhnung», aus dem Daoud im Vorspann ausführlich zitiert. Darin werden Verstöße gegen das Schweigegebot über den Bürgerkrieg ausdrücklich unter Strafe gestellt. Der Buchtitel bezieht sich übrigens auf die großäugigen, verführerischen Jungfrauen, die den islamischen Märtyrer, als Belohnung quasi, im Jenseits erwarten, als lebendes Geschenk, als Sache also, - frauenfeindlicher geht es wohl kaum! Dieser Roman ist ein Fanal gegen die Grausamkeiten des Bürgerkriegs 1992-2002 in Algerien, dem so genannten «Finsteren Jahrzehnt». Protagonistin des Romans ist die 26jährige «Aube», was «Morgendämmerung» bedeutet. Sie erzählt aus ihrer speziellen Perspektive als Opfer einer Gewalttat von islamistischen Milizen quasi mit zwei Stimmen, mit einer durch ihre schlimme Verletzung am Hals kaum hörbaren äußern und einer umso deutlicheren inneren Stimme. Sie kann deshalb auch keine feste Nahrung aufnehmen, ihre Mutter aber versucht alles und bereist die ganze Welt in dem Glauben an ein medizinisches Wunder. Jetzt ist Aube schwanger, der Vater des Kindes ist ein Fischer, der sich nach Europa abgesetzt hat. Sie traut sich nicht, es ihrer Mutter zu sagen, denn sie ist fest dazu entschlossen, die in ihr heranwachsende Tochter vor dieser von Männern beherrschten Welt zu bewahren, - die dafür erforderlichen Abtreibungspillen hat sie sich bereits besorgt. In weiten Teilen stilistisch als innere Rede angelegt, beginnt Aube in diesem Roman mit einer an ihr ungeborenes Kind gerichteter Stimme zu erzählen, was sie alles erlebt und wahrgenommen hat in ihrem Leben. Sie betreibt einen Friseursalon in der Küstenstadt Oran, der ihr einige Freiheiten beschert, wenn sie den Frauen mit neuer Frisur zu Attraktivität verhilft. Sie suchen bei ihr aber zuweilen auch Zuflucht vor Missachtung, Ungerechtigkeit und Gewalt der Männer. Denn die Stellung der Frauen innerhalb der algerischen Gesellschaft ist nach wie vor prekär, sie werden sogar als Schandfleck wahrgenommen von den muslimischen Machos. Dem Imam der gegenüber gelegenen Moschee ist ihr Salon ein Dorn im Auge wegen der bei ihr herrschenden, liberalen Gesinnung, dem das frauenfeindliche, strenge Reglement der Moslems bekanntermaßen unversöhnlich gegenüber steht. Aube wird am Tag des großen Opferfestes an einer Autobahn von zwei Männern ausgeraubt und danach von einem freiheitlich denkenden Buchhändler aufgegabelt. Die junge Frau ist verzweifelt: «Ich bin jetzt eine Herumtreiberin, eine Landstreicherin. Ideale Beute für Männer in diesem Land, die von Jungfrauen und immerwährenden Entjungferungen träumen. Eine Frau, die keinem Mann gehört, nicht ihrem Vater, ihrem Bruder, ihrem Gatten, nicht einmal ihrem Sohn, wird ‹Herumtreiberin› genannt. Die Männer sagen, sie sei ein unbebautes Gelände». Der ebenso tabulose wie schockierende Plot dieses mit diversen Zeitsprüngen recht ausufernd erzählten, arabeskenreichen Romans kreist um die spannende Frage, wie sich die innerlich zerrissene Aube letztendlich entscheidet, wohin ihre tastende, existentielle Sinnsuche sie denn führen wird. Kernthema allerdings ist das Erinnern an Zeiten eines lang andauernden Schreckens, dem der Autor sich hier unbeirrt angenommen hat, allen Drohungen zum Trotz.

Allen Drohungen zum Trotz

Bories vom Berg aus München am 28.02.2026
Bewertungsnummer: 3060908
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Für seinen im Jahre 2025 auf Deutsch erschienenen, dritten Roman «Huris» erhielt der in Algerien geborene und 2020 in Frankreich eingebürgerte Schriftsteller Kamel Daoud als erster algerisch-stämmiger Autor den Prix Goncourt. Er zählt in Frankreich zu den maßgebenden zeitgenössischen Autoren und ist für seine harsche Kritik am Islam bekannt, auch was dessen latente Frauenfeindlichkeit anbelangt. Der intellektuelle Autor wurde deshalb, ähnlich wie sein inhaftierter Landsmann Boualem Sansal, sowohl in Deutschland als auch in Frankreich, vor allem aber in seinem Heimatland mit Drohungen, Klagen und Prozessen überzogen. Der vorliegende Roman ist in Algerien natürlich verboten, er verstößt gegen Artikel 46 der «Charta für Frieden und nationale Versöhnung», aus dem Daoud im Vorspann ausführlich zitiert. Darin werden Verstöße gegen das Schweigegebot über den Bürgerkrieg ausdrücklich unter Strafe gestellt. Der Buchtitel bezieht sich übrigens auf die großäugigen, verführerischen Jungfrauen, die den islamischen Märtyrer, als Belohnung quasi, im Jenseits erwarten, als lebendes Geschenk, als Sache also, - frauenfeindlicher geht es wohl kaum! Dieser Roman ist ein Fanal gegen die Grausamkeiten des Bürgerkriegs 1992-2002 in Algerien, dem so genannten «Finsteren Jahrzehnt». Protagonistin des Romans ist die 26jährige «Aube», was «Morgendämmerung» bedeutet. Sie erzählt aus ihrer speziellen Perspektive als Opfer einer Gewalttat von islamistischen Milizen quasi mit zwei Stimmen, mit einer durch ihre schlimme Verletzung am Hals kaum hörbaren äußern und einer umso deutlicheren inneren Stimme. Sie kann deshalb auch keine feste Nahrung aufnehmen, ihre Mutter aber versucht alles und bereist die ganze Welt in dem Glauben an ein medizinisches Wunder. Jetzt ist Aube schwanger, der Vater des Kindes ist ein Fischer, der sich nach Europa abgesetzt hat. Sie traut sich nicht, es ihrer Mutter zu sagen, denn sie ist fest dazu entschlossen, die in ihr heranwachsende Tochter vor dieser von Männern beherrschten Welt zu bewahren, - die dafür erforderlichen Abtreibungspillen hat sie sich bereits besorgt. In weiten Teilen stilistisch als innere Rede angelegt, beginnt Aube in diesem Roman mit einer an ihr ungeborenes Kind gerichteter Stimme zu erzählen, was sie alles erlebt und wahrgenommen hat in ihrem Leben. Sie betreibt einen Friseursalon in der Küstenstadt Oran, der ihr einige Freiheiten beschert, wenn sie den Frauen mit neuer Frisur zu Attraktivität verhilft. Sie suchen bei ihr aber zuweilen auch Zuflucht vor Missachtung, Ungerechtigkeit und Gewalt der Männer. Denn die Stellung der Frauen innerhalb der algerischen Gesellschaft ist nach wie vor prekär, sie werden sogar als Schandfleck wahrgenommen von den muslimischen Machos. Dem Imam der gegenüber gelegenen Moschee ist ihr Salon ein Dorn im Auge wegen der bei ihr herrschenden, liberalen Gesinnung, dem das frauenfeindliche, strenge Reglement der Moslems bekanntermaßen unversöhnlich gegenüber steht. Aube wird am Tag des großen Opferfestes an einer Autobahn von zwei Männern ausgeraubt und danach von einem freiheitlich denkenden Buchhändler aufgegabelt. Die junge Frau ist verzweifelt: «Ich bin jetzt eine Herumtreiberin, eine Landstreicherin. Ideale Beute für Männer in diesem Land, die von Jungfrauen und immerwährenden Entjungferungen träumen. Eine Frau, die keinem Mann gehört, nicht ihrem Vater, ihrem Bruder, ihrem Gatten, nicht einmal ihrem Sohn, wird ‹Herumtreiberin› genannt. Die Männer sagen, sie sei ein unbebautes Gelände». Der ebenso tabulose wie schockierende Plot dieses mit diversen Zeitsprüngen recht ausufernd erzählten, arabeskenreichen Romans kreist um die spannende Frage, wie sich die innerlich zerrissene Aube letztendlich entscheidet, wohin ihre tastende, existentielle Sinnsuche sie denn führen wird. Kernthema allerdings ist das Erinnern an Zeiten eines lang andauernden Schreckens, dem der Autor sich hier unbeirrt angenommen hat, allen Drohungen zum Trotz.

Der Wert des Lebens einer Frau

Bewertung am 18.08.2025

Bewertungsnummer: 2570893

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Algerien. Vor Jahrzehnten wurde der Krieg gegen die Franzosen erfolgreich geführt. Vor weniger langer Zeit herrschte 10 Jahre lang Bürgerkrieg. Im ersten Krieg gab es Helden, im zweiten Opfer, an die nicht erinnert werden kann. Aube zeugt jedoch von den Verbrechen: Eine lange Narbe prangt an ihrem Hals. Der Bürgerkrieg hat Aube nicht nur ihre Familie, sondern auch ihre Stimme geraubt. Doch sie hat eine starke innere Stimme. Voller Worte und Poesie. Diese Worte richtet sie an ihr ungeborenes Kind. Doch um alles erklären zu können muss sie sich der Vergangenheit stellen. "Huris" - die Jungfrauen im Paradies. So spricht Aube ihr Kind an. Und erklärt ihm, dass das Leben für Frauen in Algerien stattdessen die Hölle ist. Das Buch ist reich an Poesie durch die kraftvolle innere Stimme der Protagonistin. Ich fürchte allerdings, dass das in der Deutschen Übersetzung nicht so stark vermittelt werden kann, wie im Französischen Original. Das letzte Drittel war eine Herausforderung für mich. Denn plötzliche Sprünge zwischen Handlungen und Personen haben mich von der eigentlichen Geschichte entfernt. Dran bleiben lohnt sich aber, das Ende entschädigt für den schwächeren Teil.

Der Wert des Lebens einer Frau

Bewertung am 18.08.2025
Bewertungsnummer: 2570893
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Algerien. Vor Jahrzehnten wurde der Krieg gegen die Franzosen erfolgreich geführt. Vor weniger langer Zeit herrschte 10 Jahre lang Bürgerkrieg. Im ersten Krieg gab es Helden, im zweiten Opfer, an die nicht erinnert werden kann. Aube zeugt jedoch von den Verbrechen: Eine lange Narbe prangt an ihrem Hals. Der Bürgerkrieg hat Aube nicht nur ihre Familie, sondern auch ihre Stimme geraubt. Doch sie hat eine starke innere Stimme. Voller Worte und Poesie. Diese Worte richtet sie an ihr ungeborenes Kind. Doch um alles erklären zu können muss sie sich der Vergangenheit stellen. "Huris" - die Jungfrauen im Paradies. So spricht Aube ihr Kind an. Und erklärt ihm, dass das Leben für Frauen in Algerien stattdessen die Hölle ist. Das Buch ist reich an Poesie durch die kraftvolle innere Stimme der Protagonistin. Ich fürchte allerdings, dass das in der Deutschen Übersetzung nicht so stark vermittelt werden kann, wie im Französischen Original. Das letzte Drittel war eine Herausforderung für mich. Denn plötzliche Sprünge zwischen Handlungen und Personen haben mich von der eigentlichen Geschichte entfernt. Dran bleiben lohnt sich aber, das Ende entschädigt für den schwächeren Teil.

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Huris

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