Katharina Feist-Merhaut möchte am Beispiel ihrer Großma sterben üben. Sie beobachtet, fragt, notiert exzessiv die Großmuttersätze, bricht ab, um an anderer Stelle weiterzumachen. Die Großma stellt sich bereitwillig zur Verfügung. Sie teilt ihre Erfahrung, erzählt mit viel Schmäh von ihren verstorbenen Männern, den Saunadamen, den Schmerzen und den liebevoll umsorgten Blumen. Und sie fordert die Erzählerin heraus: Was willst du verstehen über den Tod?
Auf der Suche nach möglichen Antworten stellt sich die Enkelin der Vergangenheit, ihren bisherigen Erfahrungen mit dem Sterben, dem Doppelsuizidversuch der anderen Großeltern. Währenddessen verschlechtert sich der gesundheitliche Zustand der Großma und ihre Bedürfnisse treten in den Vordergrund.
Katharina Feist-Merhaut hat sieben Jahre lang an „sterben üben“ geschrieben. Das Ergebnis ist ein berührendes Debüt, das sich unerschrocken großen Fragen widmet: Wie lernen wir sterben? Welchen Einfluss haben unsere Erfahrungen und Prägungen? Wie können wir uns umeinander kümmern? Welche Rolle spielt die Familie dabei und gibt es Alternativen? „sterben üben“ zeichnet sich aus durch seine Unmittelbarkeit, Nähe und Unverstelltheit. Eine Lektüre mit beeindruckend großer Wirkung.
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Einfühlsamer, sensibler Roman
Buch_im_Koffer aus Münster am 30.05.2025
Bewertungsnummer: 2503355
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Sterben üben – geht das überhaupt? Und ist es überhaupt das Sterben selbst, das „geübt“ werden könnte, oder vielmehr das Altwerden, gebrechlicher oder gar krank werden, die Gewissheit, dass das Lebensende naht? Und macht das Üben überhaupt irgendeinen Sinn, wo doch jedes Sterben anders und persönlich ist, wir das Ende gar nicht kennen?
Katharina Feist-Merhaut hat sich sehr intensiv diesem Üben gewidmet. Ganze 7 Jahre, in denen sie sich dem Sterben genähert hat, und das nicht allein, sondern gemeinsam mit ihrer Großma, die sie bereitwillig in ihrem Suchen nach Antworten und Erfahrungen begleiteten durfte.
Sie nähert sich von unterschiedlichen Seiten, kreist das Unergründliche, dieses nicht-Greifbare ein. Sucht Antworten in der Literatur, sammelt alle noch so kleinen Momente mit der Großma. Dann wieder führt sie einem Interview gleich Gespräche und kurze Dialoge, in der die alte Dame über ihre verstorbenen Ehemänner und Freundinnen, über Saunaabende und ihre Liebe zu Blumen berichtet. Aber auch über Tod, Sterben, Krankheit spricht und einzelne Textpassagen kommentiert. Die Enkelin beobachtet Routinen, führt Listen, sammelt den Alltag ein. Und sie setzt sich mit ihren eigenen Erinnerungen und Erfahrungen auseinander, mit dem Suizid der anderen Großeltern, der Rolle von Tochter und Enkelin. Und während man als Leserin das Gefühl hat, diese offenen und ehrlichen Wahrheiten könnten der Autorin gar nicht detailliert und direkt genug sein, so spürt man zum Ende hin, beim Kümmern, Dasein, auf-Abruf-sein, wie sehr diese Care Arbeit dann an den Kräften zehrt und bei all der Liebe, Fürsorge und dem gegenseitigen Vertrauen auch zur (temporären) Last werden kann.
Katharina Feist-Merhaut hat einen wunderbar sensiblen, tiefgründigen und einfühlsamen Text verfasst, der weit über ein Beobachten hinausgeht. Das Hinterfragen und Überschreiten von „gefühlten“ Tabugrenzen öffnet Perspektiven auf die letzte Lebensphase, die mir durchaus sehr nahegingen und mich gleichzeitig irritierten. Gerade weil sie meine persönlichen Grenzen überschritt und Worte formulierte, wo ich nicht einmal Gedanken zulassen wollte. Aber genau hier liegen die Antworten und Wahrheiten des Romans. „So, genug vom Sterben, momentan lebe ich noch.“ Und später im Text „Ich lebe. Ich lebe. Ich lebe noch“
Ein ganz großer Text, ein kurzes Buch, das ich als sehr lang und tief empfunden habe. Leseempfehlung.
Einfühlsamer, sensibler Roman…
Buch_im_Koffer am 30.05.2025
Bewertungsnummer: 2941862
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfühlsamer, sensibler Roman -Sterben üben – geht das überhaupt? Und ist es überhaupt das Sterben selbst, das „geübt“ werden könnte, oder vielmehr das Altwerden, gebrechlicher oder gar krank werden, die Gewissheit, dass das Lebensende naht? Und macht das Üben überhaupt irgendeinen Sinn, wo doch jedes Sterben anders und persönlich ist, wir das Ende gar nicht kennen? Katharina Feist-Merhaut hat sich sehr intensiv diesem Üben gewidmet. Ganze 7 Jahre, in denen sie sich dem Sterben genähert hat, und das nicht allein, sondern gemeinsam mit ihrer Großma, die sie bereitwillig in ihrem Suchen nach Antworten und Erfahrungen begleiteten durfte. Sie nähert sich von unterschiedlichen Seiten, kreist das Unergründliche, dieses nicht-Greifbare ein. Sucht Antworten in der Literatur, sammelt alle noch so kleinen Momente mit der Großma. Dann wieder führt sie einem Interview gleich Gespräche und kurze Dialoge, in der die alte Dame über ihre verstorbenen Ehemänner und Freundinnen, über Saunaabende und ihre Liebe zu Blumen berichtet. Aber auch über Tod, Sterben, Krankheit spricht und einzelne Textpassagen kommentiert. Die Enkelin beobachtet Routinen, führt Listen, sammelt den Alltag ein. Und sie setzt sich mit ihren eigenen Erinnerungen und Erfahrungen auseinander, mit dem Suizid der anderen Großeltern, der Rolle von Tochter und Enkelin. Und während man als Leserin das Gefühl hat, diese offenen und ehrlichen Wahrheiten könnten der Autorin gar nicht detailliert und direkt genug sein, so spürt man zum Ende hin, beim Kümmern, Dasein, auf-Abruf-sein, wie sehr diese Care Arbeit dann an den Kräften zehrt und bei all der Liebe, Fürsorge und dem gegenseitigen Vertrauen auch zur (temporären) Last werden kann. Katharina Feist-Merhaut hat einen wunderbar sensiblen, tiefgründigen und einfühlsamen Text verfasst, der weit über ein Beobachten hinausgeht. Das Hinterfragen und Überschreiten von „gefühlten“ Tabugrenzen öffnet Perspektiven auf die letzte Lebensphase, die mir durchaus sehr nahegingen und mich gleichzeitig irritierten. Gerade weil sie meine persönlichen Grenzen überschritt und Worte formulierte, wo ich nicht einmal Gedanken zulassen wollte. Aber genau hier liegen die Antworten und Wahrheiten des Romans. „So, genug vom Sterben, momentan lebe ich noch.“ Und später im Text „Ich lebe. Ich lebe. Ich lebe noch“ Ein ganz großer Text, ein kurzes Buch, das ich als sehr lang und tief empfunden habe. Leseempfehlung.
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