An einem ohnehin finsteren Tag im Herbst 1670 geraten Ortsvorsteher Dieffenbach und einer der vorderen Bauern im oberhessischen Dauernheim, der Leibeigene Johannis Edler, bös‘ aneinander. Ihr Landesherr im Bingenheimer Schloss will die Abgaben erhöhen, doch das Bauernvolk weiß jetzt schon kaum über den nächsten Winter zu kommen. Edlers Gerechtigkeitssinn ringt mit der Fügsamkeit seines Standes. Erstmals will er sich widersetzen. Während sein besonnener Schwiegervater ihn gerade noch einfangen kann, nimmt Edlers leidenschaftlicher Erstgeborner die Sache schließlich allein in die Hand …
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Leseratte
aus Frankfurt
5/5
12.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
André Hülsbömer hat mit…
André Hülsbömer hat mit seinem Werk „Winterling“ einen Heimatroman der besonderen Art geschaffen, der weit über die typischen Klischees des Genres hinausgeht. Als Besitzer und Betreiber des Auenlandhofs in Dauernheim, einem historischen Bauernhof, der heute Biergarten, Hofcafé, Seminarhof sowie Hotel ist, begibt sich Hülsbömer auf eine historische Spurensuche und eröffnet dem / der Leser*in ein eindrucksvolles Bild des Bauernlebens „aus finsteren Zeiten“ – genauer gesagt des 17. Jahrhunderts - einer Zeit, die von Hunger, Not, Krieg, Seuchen und sozialen Konflikten geprägt war. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Bauer Johannis Edler. Die Geschichte setzt ein, als der Ortsvorsteher Dieffenbach ihm eröffnet, dass der Landgraf Wilhelm-Christoph von Bingenheim die Abgaben für die Bauern drastisch erhöht. Edler ist verzweifelt, denn er weiß nicht, wie er und das Dorf das Geforderte aufbringen soll. Hülsbömer schildert Edler als redlichen, grundsympathischen Menschen, der gleichwohl nicht glattgebügelt ist, sondern Ecken und Kanten besitzt. Er ist klug und weitsichtig und hat stets das Wohl der Dorfgemeinschaft vor Augen. Sein Kampf gegen korrupte Ortsvorsteher, geldgierige Landgrafen, die Unvernunft seiner Mitmenschen und last not least auch gegen missliche Wetterbedingungen machen ihn zu einem Charakter, den der / die Leser*in so schnell nicht vergisst. Auch die Nebenfiguren sind hervorragend ausgearbeitet: Das betrifft vor allem den Ortsvorsteher Dieffenbach sowie den Landgrafen Wilhelm-Christoph von Bingenheim, denen Hülsbömer sogar einige urkomische Seiten abzugewinnen weiß. Ein herausragendes Merkmal von „Winterling“ ist die umfassende historische Recherche, die Hülsbömer betrieben hat. Er vermittelt nicht nur wichtige Informationen über die politischen Verhältnisse des Landkreises im 17. Jahrhundert, sondern auch über viele alltägliche Aspekte des Bauernlebens. So erfährt der Leser / die Leser*in eine Menge Interessantes über die Bedeutung des Brunnenbaus, die Techniken des Färberwesens und die Kunst der Obstbaumveredelung. Diese Details machen das Buch zu einer fesselnden Lektüre und die damalige Welt für den heutigen Leser erlebbar. Hülsbömer gelingt es, die Lebensbedingungen klar und eindrücklich darzustellen, sodass der Leser / die Leserin in die raue Realität des Bauernlebens hineingezogen wird, einschließlich der Herausforderungen durch Wind und Wetter, der harten Arbeit und den Abhängigkeiten von den Launen der Herrschenden. Diese wird besonders deutlich in der Schilderung einer Jagdgesellschaft – einem der Highlights innerhalb des Buchs. Hülsbömer gelingt es eindrucksvoll, die damit verbundenen Absurditäten und Zumutungen für die Bevölkerung zu schildern – ich habe noch nie etwas Derartiges gelesen. Ergänzt wird das Werk durch eine historische Karte Dauernheims sowie einen Anhang mit historischen Hintergrundinformationen und einem Register vergessener oder ungebräuchlicher Wörter, das auch eine ganze Reihe witziger Schimpfworte umfasst. Ich vermute, dass es Hülsbömer viel Spaß gemacht hat, Wörter wie Dappschoof, Nieselpriem oder aal Rumplmuck zusammenzutragen und diese dann innerhalb des Buchs in witzige Szenen einzubinden. „Winterling“ ist ein herausragendes Werk, das historische Fakten mit einer packenden Erzählung und eindrucksvollen Charakteren verbindet. Das Besondere daran ist, das sich Hülsbömer auf Spurensuche vor der eigenen Haustür begeben hat. Wenn ich heute durch Dauernheim oder Ortschaften wie Echzell, Bingenheim oder Ortenberg fahre – ich habe aus privaten Gründen öfter dort zu tun – sehe ich diese Orte mit ganz anderen Augen. „Winterling“ und seine Charaktere verleihen den vertrauten Bildern neue Tiefe, jede Straße und jedes Gebäude erinnert an die Erzählungen, die Hülsbömer mit viel Liebe zum Detail und historischer Kenntnis ausgearbeitet hat. Diese Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart lässt mich die lokale Geschichte – im Kleinen wie im Großen – auf eine ganz neue Art erleben.
Jürg K.
5/5
11.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrücklich und interessant
Das wunderbare Coverbild erzeugt bereit eine düstere Stimmung beim Betrachter. In der Geschichte wird man von André Hülsbömer in das 17. Jahrhundert zurück versetzt. An einem düsteren Tag 1670 geraten sich der geraten Ortsvorsteher Dieffenbach un einer der Bauern, Johannis Edler, im oberhessischen Dauernheim aneinander. Landesherr im Bingenheimer Schloss will die Abgaben erhöhen. Dagegen lehnen sich die Bauern auf. Edler will sich widersetzen. Sein Schwiegervater kann ich gerade noch davon abhalten. Sein erstgeborener nimmt die Sache schliesslich selbst in die Hand. Diese sehr gut recherchierte Geschichte wird spannend erzählt. Man erkennt die Herausforderung und Umbrüche die in dieser Zeit. Beim Lesen taucht man ein in die Welt von Jannis Edler. Die damalige Zeit wird hier sehr gekonnt wiedergegeben und man erkennt die Härte und die Herausforderungen, die an die Leute von damals gestellt wurden. Für mich ist dieses Buch ein wunderbarer historischer Roman mit grossartigen Protagonisten und man beginnt beim Lesen über die damalige Zeit nachzudenken. Man kann sagen, dies ist ein Zeitzeugnis das man lesen sollte.
Bewertung
aus Oberursel
5/5
18.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
kein
Da ich historische Romane liebe, zufällig aus der Gegend komme, oder zumindest aus der Nähe, in der der Roman spielt, und der Klappentext gut klang, habe ich hier zugegriffen. Und hey, das Cover ist toll, stimmungsvolle Winterlandschaft, tolles Bild!
Wir sind im Jahre 1670, im Winter, das Wetter ist dauerschlecht mit Kälte und Regen, und in den Niddaauen ist nur Schlamm und schlechtes Vorankommen. Ich hatte schon auf Seite 1 das Gefühl, direkt dabei zu sein – 350 Jahre später ist es dort bei anhaltendem schlechtem Wetter haargenauso ungemütlich :-) . Hauptschauplatz des Geschehens ist der kleine Ort Dauernheim, ganz grob in der heutigen Wetterau bei Friedberg. Den dortigen Auenlandhof bewohnt und bewirtschaftet der Bauer Johannis Edler mit seiner Familie (und dort wohnt auch heute der Autor – er weiß also, wovon er schreibt :-) ). Die Edlers sind Leibeigene, auch wenn sie einen eigenen Nachnamen pflegen; und die Geschichte wird zwar aus einer auktorialen Perspektive erzählt, aber wir sind über große Strecken ganz dicht bei Johannis und in seinem Denken dabei.
Und jetzt muss ich gerade mal überlegen, was es zur Handlung zu sagen gibt, denn tatsächlich ist der Roman knappe 500 Seiten lang, aber so wahnsinnig viel passiert eigentlich nicht. Die Zeiten sind nach dem 30jährigem Krieg hat, wenn nicht übel („finstere Zeiten“ sagt auch gleich das Cover), und zwar für alle, Bauern, Handwerker, Klerus und Adel leiden gleichzeitig unter Verarmung und Missernten, aber natürlich sitzt der Adel am längeren Hebel und beutet das Volk unerbittlich aus. Und wenn dann noch ein korrupter Ortsvorsteher seine eigenen Säckel noch füllt, wird es prekär für die Bevölkerung....
Der Autor, bzw. durch ihn Jannis Edler, schildert uns diese Lage sehr ausführlich und sehr bildhaft. Und natürlich wird die Schilderung sehr lebendig allein dadurch, dass viel Lokalkolorit hier erscheint – logisch, Herr Hülsbömer ist nicht nur „local“, sondern auch Historiker, und kennt sich aus. Das macht auch einen Großteil des Charmes dieses Buches aus, finde ich. Es werden auch viele alte hessische Begriffe verwendet, für die es ein recht ausführliches Glossar am Ende des Buches gibt.
Von der tatsächlichen Handlung her ist der Roman nicht sooo ergiebig; die oberhessischen Landesherren zu Darmstadt brauchen Geld (denn hey – Jagen und Gesellschaftsleben sind teuer, vor allem mit einer Gattin, die gerne Hof hält), das Eintreiben desselben übernehmen am Ende des Tages die lokalen Schultheiße, und in Dauernheim ist das ein ziemlich übler Kerl namens Dieffenbach, der nebenbei seine Gattin terrorisiert. Kleiner Spoiler: toxische Beziehungen und häusliche Gewalt sahen damals genauso sch**** aus wie heute. Spannender Nebenstrang übrigens, die Dieffenbacher Ehegeschichte. Und nun muss ich mal Bezug auf den Klappentext nehmen, ich dachte nämlich, jetzt kommt hier ein Knaller, wenn der Dieffenbacher mit Edler Junior aneinandergerät, aber leider ist dem dann doch nicht so – hier weckt der Klappentext (zumindest bei mir) Erwartungen an Action und Abenteuerszenen, die dann doch nicht kommen. Ich fand den Erstgeborenen nicht wirklich leidenschaftlich, und irgendwas in die Hand genommen, das auch Folgen hat, nun, das war auch nicht der Fall. Ich mag das nicht so wirklich, wenn der Klappentext bei mir falsche Erwartungen weckt, deshalb erwähne ich das hier.
Allerdings: ich fand den Roman nichtsdestotrotz extrem gut und spannend. Er war durchaus speziell, Hülsbömers Stil ist eigen; man kann das Buch jetzt nicht page-turner.mässig durchsuchten, er schreibt mit Stil, mit Gefühl für die Zeit, mit einer gewissen beschreibenden Langsamkeit (und das meine ich positiv), und mit wenig Dialogen. Dialoge treiben eine Handlung ja auch immer voran, und da haben wir hier eher weniger von; es wird viel gedacht, sinniert, beschrieben, der Autor nimmt sich Zeit, die Gegend und die Atmosphäre zu beschreiben. Mainstream ist das nicht, und das hat mir sehr gut gefallen. War mal etwas anderes, und hat mich wirklich gepackt. Geschichtsunterricht live sozusagen.
Wobei – Ha! - eins ist mir mehrfach aufgefallen: der Autor erwähnt des öfteren Bad Homburg, und der Ort hat sein „Bad“ erst 1912 bekommen. Vorher war das einfach Homburg. Ich alte Klugscheißerin aus Oberursel direkt daneben muss das jetzt erwähnen :-) .
Fazit: Ein Roman nicht für jedermann, aber wer sich für Geschichte interessiert, speziell für den 30jährigen Krieg und die Nachkriegszeit, ist hier genau richtig. Ich gebe 4,5 von 5 Sternen
clematis
4/5
26.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Edler
Zwanzig Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg herrschen im oberhessischen Dauernheim immer noch Not und Elend. Nach Brandschatzungen, Pest und Typhus gelingt es den Leibeigenen kaum, über den nächsten Winter zu kommen, wer alt und schwach ist oder noch ein kleines Kind, wird zuerst vom Tod geholt. Als der Landgraf die Steuern abermals erhöht, zürnt Bauer Edler dem Ortsvorsteher Dieffenbach und will sich endlich zur Wehr setzen.
In wunderbarer Weise, versehen mit längst vergessenen Wörtern, wie sie um 1670 jedoch üblich waren, erzählt André Hülsbömer die Geschichte des Johann Henrich Edler. Ruhig und besonnen, wie es auch zur Hauptfigur passt, schreitet das Geschehen gemächlich voran. Mit bildhaften Beschreibungen und lebensechten Szenen versetzt der Autor seine Leser in eine völlig andere Zeit, lässt den beschwerlichen Alltag von damals spürbar werden. Mit sorgfältig recherchierten Details und wahren Begebenheiten wird dieser fiktive Roman bestens verquickt, sodass ein authentisches Ganzes entstehen kann. Inhaltlich geht es um einen umsichtigen und vorausschauend agierenden Bauern, Jannis Edler, und den Ortsvorsteher Dieffenbach, der sich gerne einmal einen Vorteil verschafft. Wie lange soll man sich vom Schultheiß und vom Landgrafen knechten lassen? Während der Schwiegervater zur Ruhe gemahnt, ersinnt Jannis einen Plan, dem aber noch sein ältester Sohn zuvorkommt. Mit durchaus anschaulichen Einzelheiten, aber keineswegs langweilig, begleiten wir das Leben im Dorf, die Landwirtschaft, das Handwerk, die Hausarbeit, erleben hartes Tun und karge Mahlzeiten, junge Mädchen, die mit fünfzehn schon verheiratet werden und Burschen, die auf Wanderschaft geschickt werden, weil am elterlichen Hof kein weiteres Maul gestopft werden kann. Düster, wie der Tag, an dem diese Geschichte beginnt, aber auch hoffnungsvoll, wie sie endet, erstreckt sich so ein Lebensweg im 17. Jahrhundert über die Jahre.
Ein überaus interessanter Roman, welcher durch seine eindringliche Erzählweise und die vielen Informationen vorab und hinterher punktet. Leseempfehlung für all jene, die auf historische Genauigkeit Wert legen.
Bewertung
5/5
19.05.2025
eBook (ePUB 3)
Eine Reise in die Vergangenheit
Das Buch nimmt den Leser mit in eine Zeit ins 17. Jahrhundert.
Es geht um das Leben der Leibeigenen und Bauern auf der einen und das Leben des Adels auf der anderen Seite..
Als Leser kann man in Jannis Edlers Welt eintauchen. Die damalige Zeit wird in diesem Buch sehr gut dargestellt.
Man spürt die Schwierigkeiten und Anforderungen, mit denen die Menschen damals konfrontiert waren
Es beginnt an einem tristen Novembertag im Jahr 1670
Der Dorfälteste Dieffenbach und der Leibeigene Johannis Edler geraten, in einen handfesten Streit.
Die .Spannungen sind authentisch geschildert
Mir gefällt das Buch gut und ich empfehle es gern
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