Emilia, die Tochter eines Edelsteinschleifers, ist verliebt in den Lehrjungen Elias. Ihr von Geldnöten geplagter Vater jedoch verspricht seine Tochter Paul Gabler. Als Elias davon erfährt, verlässt er Waldkirch und begibt sich, wie auch Paul, auf die Walz. Während seine Wege ihn bis ins ferne Antwerpen führen, wo er bei einem jüdischen Diamantschleifer lernt, dreht sich in der Heimat alles um den Zusammenschluss der Steinschleiferbruderschaft mit den Freiburger Meistern. Nach einigen Schicksalsschlägen ehelicht Emilia schließlich Pauls Bruder. Doch dann kehren Elias und Paul zurück …
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Toller historischer Roman
Ben @Buchkomet am 22.11.2025
Bewertungsnummer: 2660489
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Man hat bei historischen Romanen ja oft sofort die üblichen Bilder im Kopf: alte Berufe, ein bisschen Herzschmerz, ein bisschen Drama, weite Landschaften. Aber Johanna von Wild zeigt, dass da noch viel mehr geht. Sie nimmt einen in „Der Zauber der Edelsteine“ mit in eine Welt, die so detailreich und lebendig erzählt ist, dass man sich selbst dabei erwischt, wie man gern mal einen Blick in die Werkstatt eines Edelsteinschleifers werfen würde.
Im Mittelpunkt steht Emilia, Tochter eines Edelsteinschleifers aus Waldkirch. Verliebt in Elias, den Lehrjungen ihres Vaters, aber gefangen in den Plänen der Erwachsenen. Der Vater steckt in Geldnöten und verspricht sie kurzerhand Paul Gabler. Als Elias das erfährt, bricht er auf, weil er spürt, dass er seinen eigenen Weg gehen muss. Seine Reise führt ihn bis nach Antwerpen, wo er bei einem jüdischen Diamantschleifer lernt, eine Welt, die ganz anders funktioniert als die Heimat, in der sich inzwischen politisch und handwerklich vieles verändert. Der Zusammenschluss der Steinschleiferbruderschaft mit den Freiburger Meistern sorgt für neue Spannungen und Umbrüche.
Auch Emilia erlebt Schicksalsschläge, trifft Entscheidungen, die sie nie treffen wollte, und heiratet schließlich Pauls Bruder. Während sie versucht, ihr Leben in neue Bahnen zu lenken, holt sie die Vergangenheit wieder ein, als Elias und Paul zurückkehren.
Was mich besonders überzeugt hat: Die Figuren wirken absolut authentisch. Die Orte sind atmosphärisch beschrieben und die Einblicke in die Welt der Edelsteinschleiferei sind nicht nur gut recherchiert, sondern auch spannend erzählt. Der Schreibstil ist locker und leicht, genau so mag ich es.
Im Nachwort zeigt die Autorin außerdem, welche Figuren und Ereignisse historisch belegt sind und wo die Fiktion beginnt. Solche Einordnungen geben dem Ganzen noch einmal richtiges Gewicht und zeigen, wie viel Arbeit und Recherche hinter dem Roman steckt.
Besonders gelungen fand ich, wie vielschichtig die Geschichte von Emilia und Elias erzählt wird. Neben den persönlichen Wegen bekommt man auch politische Entwicklungen, soziale Spannungen und die Bedeutung des Handwerks mit. Sogar die Käserei, ein Thema, das man hier vielleicht nicht erwartet hätte, fügt sich erstaunlich gut ein.
Am Ende bleibt für mich vor allem eins: ein Roman, der historische Atmosphäre, menschliche Schicksale und faszinierendes Handwerkswissen zu einer stimmigen und faszinierenden Geschichte verbindet. „Der Zauber der Edelsteine“ ist für mich eine klare Empfehlung für alle, die historische Romane mögen.
Eine Reise ins Mittelalter mit romantischer Liebesgeschichte
Silke - Buchgespür - am 09.07.2025
Bewertungsnummer: 2535604
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Manchmal liest man ein Buch und merkt plötzlich: Moment mal, das fühlt sich gar nicht wie ein historischer Roman an. Das lebt, atmet, riecht nach Alltag, nach echtem Leben. Genau so ging es mir mit „Der Zauber der Edelsteine“. Ich bin eigentlich nicht die klassische Mittelalter-Leserin, aber hier hat mich alles gepackt. Und das liegt vor allem daran, wie beiläufig und natürlich Geschichte hier erzählt wird.
Da tauchen Themen auf wie Zünfte, Marktordnungen, Handwerkskunst, Bruderschaften, sogar Hauswirtschaft und Landwirtschaft, aber nicht trocken oder schulbuchartig, sondern wie nebenbei. Es passiert einfach, weil es zum Leben der Figuren gehört. Für mich als Lehrerin ist das ein kleines Highlight, denn genau so wünsche ich mir Geschichte im Unterricht: nicht als Faktenliste, sondern als Erlebnis.
Emilia, Elias, Rupert sind mir sofort ans Herz gewachsen. Besonders Rupert, der still so viel Gutes tut. Selbst Paul, der erst der “andere” ist, wird irgendwann nachvollziehbar und überraschend greifbar. Die Nebenfiguren sind keine Statisten, sondern echte Menschen mit Eigenheiten und Tiefe. Man spürt in jeder Szene, wie viel Liebe die Autorin in ihre Figuren gesteckt hat.
Die Sprache ist klar, schnörkellos und angenehm zu lesen. Es gibt keine Längen. Und obwohl sich die Liebesgeschichte Zeit lässt, wartet man nicht darauf, dass endlich etwas passiert. Im Gegenteil, man genießt den Weg dorthin, weil jeder Schritt davon spannend, gefühlvoll und atmosphärisch ist.
Und als Edelstein-Fan? War ich natürlich sofort Feuer und Flamme. Die Beschreibungen des Schleiferhandwerks sind so faszinierend, authentisch und detailliert recherchiert, dass ich am liebsten selbst eine alte Schleifscheibe angefasst hätte.
„Der Zauber der Edelsteine“ ist nicht nur ein historischer Liebesroman. Es ist ein gefühlvolles und spannendes Werk mit Herz und Verstand. Und ganz nebenbei lernt man auch noch was, ohne dass es sich so anfühlt. Fantastisch!!!
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