Nordfinnland, 1859: Brita Caisa wird nach einer Liebesbeziehung mit einem verheirateten Mann von der Kirche verstoßen und muss ihren Heimatort verlassen. Sie setzt ihre beiden Söhne auf einen Rentierschlitten, nimmt ihre Skier und bricht in einem Tross auf zum norwegischen Eismeer. Dort, so heißt es, soll das Meer vor Fischen brodeln und es ausreichend Arbeit und Essen geben. Als sie unterwegs den Hofbesitzer Mikko kennen lernt und eine vorläufige Anstellung findet, spürt sie, dass sie sich mit ihm eine Zukunft vorstellen könnte. Doch die gegenseitige Zuneigung wird auf eine harte Probe gestellt. Poetisch und voller Intensität schildert Ingeborg Arvola eine junge Frau, die mit den Normen der Gesellschaft hadert und mutig ihren eigenen Weg geht. In einer Welt, geprägt von der nordisch-kargen Landschaft, der Bedeutung des Fischfangs, Gottesgläubigkeit und einer tiefen, von Mystik durchzogenen Verbindung zur Natur.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Andrea Karminrot
aus Berlin
5/5
08.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sanft und gewaltig
Der Aufbruch ist der erste Teil einer Trilogie. Es ist Winter 1859. Brita Caisa ist eine willensstarke und eigenständige Frau. Sie hat zwei uneheliche Söhne und keinen Mann. Und sie lebt in einem Dorf, in dem sie nicht bleiben kann. Brita wurde in der Kirche vor die gesammelte Bevölkerung gerufen und angeklagt, sich mit einem verheirateten Mann eingelassen zu haben. 4 Sonntage musste sie bei der Predigt stehen und ihr klar machen, wo sie in der Gesellschaft steht. Sie fühlt sich angeklagt, gedemütigt, so wird sie niemals einen Mann finden, der gut ist.
Der Aufbruch
Caisa will nicht bleiben, sie macht sich, mit ihren beiden Söhnen, auf den Weg an die Eismeerküste. Es ist Winter und man kommt außerordentlich gut mit dem Schlitten voran. Gezogen von einem braven Rentier und Brita auf Skiern, werden sie aufgehalten, weil Brita "heilende Hände" hat. Sie soll hier und dort jemanden vor dem Tod retten. Meist geht es gut, bis sie auf den Hof von Gretha und Mikko treffen. Dort strandet die kleine Familie und bleibt einige Zeit. Brita muss eine sehr schöne Frau sein. Und es dauert nicht lange, da kommen sich Mikko und Brita näher. Mit ihm könnte sie sich ein Leben vorstellen. Doch das widerspricht natürlich wieder den Konventionen. Sogar ihr älterer Sohn wird sauer und wendet sich ab.
Ingeborg Arvola, die Autorin
Die Autorin hat einen sanften und gewaltigen Roman geschrieben. Die Sätze sind fast ein bisschen mystisch, oder märchenhaft. Katharina Martl hat den Roman übersetzt, was ich mir nicht so einfach vorstelle. Arvola ist 1974 geboren und ist im hohen Norden Norwegens aufgewachsen. Der Roman "Der Aufbruch" ist, so sagt die Autorin, von ihrer eigenen Familie inspiriert.
Brita Caisa, ihre Hauptfigur, hat mich manchmal froh und sauer zurückgelassen. Aber auch die anderen "Mitspieler" waren mir nicht immer sympathisch und manchmal konnte ich die Reaktionen und Situationen nicht ganz nachvollziehen. Und doch hat der Roman mich gefesselt und ich erwarte die nächsten Teile. Spannend fand ich die Lebensumstände und die Beschreibungen der Natur, durch die Caisa und ihre Familie zum Eismeer zogen.
Silvi
aus Wismar
4/5
05.09.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Winterweg voller Mut und stiller Töne
ℝ
Als ich Der Aufbruch von Ingeborg Arvola gelesen habe, war ich sofort in dieser frostigen, kargen Landschaft Nordfinnlands gefangen. Die Autorin schafft es, mit wenigen Worten ein Bild zu zeichnen, das mich förmlich in die Stille der verschneiten Wälder und an die eisigen Küsten getragen hat. Dieses Setting hat mich von Anfang an begeistert – selten habe ich so plastisch gespürt, wie sehr Natur und Mensch ineinander verwoben sein können.
Die Geschichte um Brita Caisa hat mich berührt. Ihr Mut, trotz Verstoß und Verurteilung durch die Gesellschaft weiterzugehen, ist eindrucksvoll erzählt. Ich konnte gut nachvollziehen, wie schwer es ist, die Kinder mitzunehmen und gleichzeitig Hoffnung auf ein besseres Leben nicht zu verlieren. Die Reise wirkt fast wie ein innerer Spiegel: voller Zweifel, aber auch voller Kraft.
Was mir ein klein wenig gefehlt hat, waren manchmal die Nuancen bei den Nebenfiguren. Während Brita Caisa lebendig und greifbar wirkte, erschienen mir manche Charaktere neben ihr eher blass. Das ist schade, weil die Begegnungen unterwegs viel Potenzial für zusätzliche Tiefe gehabt hätten.
Trotzdem: Dieser Roman hat mich gefesselt. Er liest sich nicht nur wie eine spannende Lebensgeschichte, sondern auch wie eine Hymne an die Natur und die Freiheit, die man sich selbst erkämpfen muss. Der Aufbruch ist ein Buch, das mich noch länger beschäftigen wird – leise, intensiv und unbedingt lesenswert.
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