Nach außen hin führt Yara ein perfektes Leben: Sie hat ein abgeschlossenes Studium, einen guten Job, erzieht parallel die beiden Töchter und bereitet das Abendessen vor, wenn ihr Mann nach langen Arbeitstagen nach Hause kommt. Doch wieso fühlt es sich nicht richtig an? Woher kommen ihre Unzufriedenheit, ihre Wutausbrüche, ihre zunehmende Verzweiflung? Als Yara nach einem Zwischenfall auf der Arbeit gezwungen wird, eine Auszeit und psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen, kommt ein Stein ins Rollen und sie beginnt, sich ihren Gefühlen zu stellen. Evil Eye erzählt von der Bedeutung eines erfüllten Lebens und wie unsere unbewältigte Vergangenheit unsere Gegenwart beeinflusst.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
coffeeandpaperbacks
5/5
11.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
sehr gelungenes, einfühlsames buch
Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Buch so berührt. Evil Eye von Etaf Rum ist kein Roman, der laut ist oder mit großen Wendungen überrascht. Es ist eher dieses leise, eindringliche Gefühl, das bleibt, wenn man die letzte Seite umblättert.
Yara steckt zwischen zwei Welten. Palästinensische Wurzeln, amerikanischer Alltag, Erwartungen von allen Seiten und irgendwo dazwischen sie selbst, die einfach nur atmen will. Sie versucht, alles richtig zu machen, bis sie merkt, dass sie sich selbst dabei verliert.
Etaf Rum schreibt so ehrlich, dass man manchmal schlucken muss. Ich war oft genervt von Yaras Pessimismus, aber gleichzeitig konnte ich sie so gut verstehen.
Das Buch erzählt von Alltagsrassismus, kulturellem Druck, patriarchalen Strukturen und von all dem, was Frauen oft still ertragen. Es ist intensiv, traurig und trotzdem irgendwie hoffnungsvoll.
Am Ende hatte ich dieses Gefühl von Schwere und Klarheit gleichzeitig. Ein Buch, das nachhallt und das man nicht so schnell vergisst. Von Etaf Rum möchte ich auf jeden Fall mehr lesen.
Bewertung
5/5
26.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegender Roman über Identität, Trauma und Selbstfürsorge
Das Cover von Etaf Rums „Evil Eye“ hat mich direkt angesprochen und absichtlich den Klappentext gelesen habe, wusste ich: ich muss dieses Buch lesen. Etaf Rum gelingt mit ihrem Buch ein eindrücklicher, emotional vielschichtiger Roman über Herkunft, Trauma und das Ringen um Selbstbestimmung.
Im Zentrum steht Yara, eine palästinensisch-amerikanische Frau, die auf den ersten Blick ein tolles, „stabiles“ Leben führt: sie ist verheiratet, hat Kinder, einen Job als College-Dozentin – aber dennoch spürt sie eine innere Unruhe. Sie erwartet mehr vom Leben und von ihrer Beziehung, aber niemand in ihrem Umfeld kann es so richtig nachvollziehen. Alte Wunden brechen auf, als Yaras Wut, ihre Sehnsucht nach Freiheit und ihre Unzufriedenheit von den traditionellen Rollenerwartungen nicht länger verdrängt werden kann. Dabei beschreibt Etaf Rum die emotionale Innenwelt von Yara mit großer Feinfühligkeit: Man spürt die Enge, das Schweigen, die aufgestaute Angst und den leisen Widerstand. Auch Yaras depressive Symptomatik fängt Rum sehr gut ein.
Ich finde, dass Rum besonders gut das subtile Aufzeigen der Traumavererbung gelungen ist – über Generationen hinweg, über Mutter-Tochter-Beziehungen, kulturelle Zwänge und nicht ausgesprochene Wahrheiten. Die Stimme Yaras bleibt dabei glaubhaft und nahbar, auch wenn man ihr nicht immer zustimmen mag.
Trotzdem konnte mich der Roman nicht hundertprozentig überzeugen. Mir fehlte ein wenig Tiefe, die die Geschichte unvergesslich gemacht hätte. Mich hat auch sehr gestört, dass Rum die „typische“ Familienkonstellation erzählt, von der in der Gesellschaft immer ausgegangen wird: schwierige Schwiegermutter, dominanter Vater, die Tochter, die keine eigene Meinung haben „darf“. Daher fand ich, dass manche Motive etwas unterentwickelt geblieben sind, manche Wendungen waren fast zu erwartbar. Ein anderes Ende hätte mir in diesem Zusammenhang besser gefallen, aber ich spoilere nicht.
Dennoch bleibt „Evil Eye“ ein berührender, wichtiger Roman – vor allem, weil er die Komplexität weiblicher Identität in patriarchalen Strukturen so präzise erfasst, die es so leider auch noch gibt.
Xenia Malwina
aus VS
5/5
20.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Wut aushalten können … ❤️
„Wenn es nach mir ginge, dachte sie, würde ich mein Studium abschließen und einige Jahre um die Welt reisen, nur mit Rucksack, Notizbuch und Skizzenblock. Dann würde ich in jeder Stadt Museen und Bibliotheken besuchen, viel Zeit in Parks und Cafés verbringen mit einem Kaffee und einem Stift in der Hand, und meinen Platz in der Welt erforschen, indem ich mich durch diese Welt bewege und sie erlebe.“ - S. 79
Nach außen hin scheint ihr Leben perfekt, doch ihr Inneres ist aufgewühlt: Woher kommen die wiederkehrenden Wutanfälle, woher die immer größer werdende Verzweiflung? Warum fühlt sich so oft alles so falsch an? Yara war doch stets gut darin, angepasst zu sein, dankbar für ihre Privilegien und ein Leben, das sie für frei hielt - bis sie das nicht mehr konnte.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieses Buch hat mich gebrochen. @readwell.yasmin nannte es „die Wut erstmal aushalten können“ und für mich fasst das perfekt in Worte, was ich beim Lesen fühlte: Wut. Wie Yara wollte ich am liebsten etwas an die Wand werfen und es zerbrechen sehen, gleichzeitig wollte ich jeden 2. Satz in diesem Buch unterstreichen. Es war roh und echt, tragisch und heilsam, grausam und nah. Es erzählte von transgenerationalem Trauma, von Mutterschaft und Identität, von Heilung und Heimat. Und mit @etafrum lauschen wir einer Stimme Palästinas, so eindringlich, dass es wehtut; wohl wissend, dass gerade heute die Schreie Palästinas kaum gehört werden. Vielleicht tut das Buch gerade deswegen so, so weh.
Wenn ihr könnt, lest es, lest es unbedingt - werft zuvor bitte einen Blick in die Triggerwarnung. ❤️ Ich bin dankbar dafür, durch dieses Buch so viel dazugelernt zu haben. Und ich wünsche mir, dass es gesehen wird.
xxholidayxx
5/5
16.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein eindrucksvolles Portrait einer widerständigen Frau
„Evil Eye“ von Etaf Rum ist ein tiefgründiger Roman, der das Leben einer jungen Mutter und ihren Kampf mit inneren Dämonen und familiären Traumata beschreibt. Die Autorin, geboren in Brooklyn als Tochter palästinensischer Einwanderer, hat mit ihrem Debütroman „A Woman is No Man“ bereits einen New-York-Times-Bestseller geschaffen. Mit „Evil Eye“, das von NPR als eines der besten Bücher des Jahres ausgezeichnet wurde, festigt Rum ihren Ruf als starke literarische Stimme, die Herkunft, Identität und individuelle Lebensgeschichten auf einzigartige Weise verbindet.
Worum geht’s genau?
Yara lebt nach außen hin ein scheinbar perfektes Leben: Sie ist gut ausgebildet, hat einen Job, zieht ihre zwei Töchter groß und kümmert sich um den Haushalt. Doch innerlich ist sie zerrissen. Ihre Unzufriedenheit, Wutausbrüche und Verzweiflung lassen sie nicht los. Nach einem Vorfall bei der Arbeit muss sie eine Pause einlegen und beginnt eine psychologische Therapie, die ihr hilft, die ungelösten Probleme aus ihrer Kindheit und die emotionalen Verletzungen, die sie von ihren Eltern übernommen hat, zu verstehen. Dabei wird deutlich, wie tief Kindheitstraumata in unser Erwachsenenleben eingreifen und sogar an die nächste Generation weitergegeben werden können.
Meine Meinung
„Evil Eye“ ist für mich ein außergewöhnliches Buch, das nicht nur die Oberfläche menschlicher Konflikte kratzt, sondern tief in die komplexe Psyche einer Frau eintaucht, die zwischen Anspruch und Realität zerbricht. Besonders beeindruckt hat mich, wie Etaf Rum das Thema Kindheitstrauma aufgreift und die intergenerationale Weitergabe von Schmerz und Konflikten zeigt. Ein zentrales Motiv ist dabei die Erkenntnis, dass unverarbeitete Erlebnisse aus der Kindheit das Verhalten im Erwachsenenalter stark beeinflussen können – wie Yaras Therapeutin Esther erklärt:
„Kindheitstraumata gehen so tief, dass man sie als Erwachsene sogar dann an die nächste Generation weitergeben kann, wenn man die besten Absichten hat“ (S. 316).
Diese Aussage bringt das Kernproblem des Romans auf den Punkt und macht deutlich, wie schwer es ist, aus diesem Kreislauf auszubrechen.
Die Figuren, allen voran Yara und ihr Ehemann Fadi, sind authentisch und vielschichtig dargestellt. Die toxische Dynamik zwischen den beiden wird eindringlich und zugleich schmerzhaft realistisch beschrieben. Fadi wirkt oft unsensibel und abwertend, was Yara zusätzlich isoliert und verletzt. Sein Satz:
„Du bist schon immer neben der Spur gewesen, daran bist nur du allein schuld“ (S. 310),
offenbart die emotionale Härte und Ablehnung, mit der Yara konfrontiert wird. Solche Szenen machen deutlich, wie belastend und zerstörerisch toxische Beziehungen sein können. Gleichzeitig zeigt der Roman auch, wie schwer es ist, sich aus solchen Verstrickungen zu lösen, wenn man sich selbst ständig hinterfragt –
„Und dann habe ich zum ersten Mal gedacht: Diese Stimme in meinem Kopf, das bin nicht ich. Und dann habe ich gedacht: Was, wenn diese Stimme sich irrt?“ (S. 343).
Dieses Zitat illustriert eindrucksvoll die innere Zerrissenheit Yaras und den Kampf mit Schuldgefühlen und Selbstzweifeln.
Das Buch thematisiert darüber hinaus wichtige soziale und psychische Probleme wie Depressionen, häusliche Gewalt und Suizidgedanken, weshalb es auch eine Triggerwarnung enthält. Etaf Rum gelingt es, diese schweren Themen mit viel Feingefühl und Empathie zu behandeln, ohne dass der Leser sich überwältigt fühlt. Stattdessen entsteht eine Hoffnung, dass Heilung möglich ist, wenn man den Mut hat, sich den eigenen Verletzungen zu stellen:
„Den wichtigsten Schritt haben Sie schon gemacht, indem Sie hierherkommen und mit jemandem reden“ (S. 316).
Dieser Satz steht sinnbildlich für den Weg der Selbstreflexion und Veränderung, den Yara beschreitet.
Besonders berührend fand ich auch die Rückblicke auf die Geschichte ihrer Familie und die palästinensische Nakba, die nicht nur eine historische Tragödie beschreibt, sondern als Metapher für den „Fluch der Vergangenheit“ dient, der die Familiengeschichte überschattet. Diese Einbettung in ein größeres historisches und kulturelles Narrativ verleiht dem Buch zusätzliche Tiefe.
Fazit
„Evil Eye“ ist ein bewegender, eindringlicher Roman, der mit sensibler Sprache und tiefen Einblicken in familiäre und psychische Konflikte überzeugt. Etaf Rum schafft es, komplexe Themen zugänglich und nachvollziehbar zu machen, ohne dabei zu belehren. Aufgrund der starken Figurenzeichnung und der authentischen Darstellung schwieriger Themen vergebe ich 4,5 von 5 Sternen.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
06.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Erwartungen der anderen nicht mehr erfüllen
"Alles in ihrem Leben war eine Aufeinanderfolge von Dingen, die sie eigentlich gar nicht machen wollte, Erwartungen, zu deren Erfüllung sie sich verpflichtet fühle: Sie hatte geheiratet, um ihrem Elternhaus entfliehen zu können. Sie war in eine Kleinstadt nach North Carolina gezogen, weil ihr Mann dort arbeitete. Sie hatte Kinder bekommen, weil die Frauen in ihrem Leben das schon immer so machten. Sie hatte einen öden Job angenommen, weil er mit den Stundenplänen ihre Kinder vereinbar war. Hatte sie alles nur getan, um der Welt etwas zu beweisen, oder sich selbst? Hatte sie sich selbst beweisen wollen, dass sie ihren eigenen Weg gehen konnte, oder die Traditionen aufzugeben? Dass sie beides haben konnte, Freiheit und Familie, ohne das eine für das andere opfern zu müssen?
Doch warum fühlte es sich trotzdem so an, als hätte sie etwas geopfert? Warum ließ sie das zu?
Als ihr die Antwort klar wurde, kaute Yara auf der Innenseite ihrer Wange, bis der Schmerz sie beruhigte. Sie hatte es zugelassen, weil sie von klein auf gelernt hatte, dass Gehorsam ein größeres Gefühl von Sicherheit bot als Freiheit."
Die junge Protagonistin Yara in Etaf Rums Roman “Evil Eye” ist Tochter palästinensischer Einwanderer in Amerika, hat zwei Töchter, ist verheiratet und arbeitet als Kunstdozentin. Obwohl sie sich selbst als privilegiert betrachtet, besonders im Gegensatz zu ihrer Mutter früher, ist sie unzufrieden mit ihrem Leben. Sie wollte immer frei sein, als Künstlerin arbeiten und reisen. Nichts davon kann sie umsetzen. Sie ist unzufrieden, alles fühlt sich falsch an und sie neigt zu Wutausbrüchen und Niedergeschlagenheit. Nach außen hin funktioniert sie, innerlich ist sie unruhig. Yara ist alleine mit ihren Gefühlen, sie hat keine Freundschaften außerhalb der Ehe.
Als Yara nach einem Zwischenfall auf der Arbeit gezwungen wird, eine Auszeit sowie psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen, muss sie sich ihren Gefühlen und dem Trauma ihrer Kindheit stellen. Doch dies fällt Yara sehr schwer.
“Worte sind mir schon immer schwer gefallen. Manches lässt sich durch Sprache einfach nicht ausdrücken.”
“William sagt, durch das Schreiben lasse sich das Unaussprechliche in eine Geschichte verwandeln. Aber ich will keine Geschichte erzählen. Ich will mich befreien.”
Nach und nach begreift Yara, dass sie so nicht weitermachen kann. Es ging ihren Eltern damals und geht ihrer Familie, ihrem Umfeld immer noch hauptsächlich darum, dass sie die kulturell geprägten Rollenbilder, Erwartungen und Verpflichtungen erfüllt.
“Wss würden die Leute denken? Es wäre zwecklos gewesen, weiter mit ihm darüber zu reden, da die Meinung andere Leute im grundsätzlich mehr wert war als die Wünsche seiner eigenen Tochter. Ihre Brüder dagegen hatten ihre Träume ungehindert verwirklichen dürfen.”
Als Yara ihren Job verliert, ist sie erst verzweifelt. Doch dank einer neuen Therapeutin, sich entwickelnden Freundschaften und mithilfe eines Tagebuchs gelingt es ihr, die transgenerationalen Traumata zu durchbrechen und den Mut für ein selbstbestimmtes Leben zu finden.
"‘Dein Ruf ist alles, was Du in dieser Welt hast’, sagte Baba. ‘Sonst hast Du nichts.’
‘Oh doch’, erwiderte Yara. ’Du hast deinen Anstand. Deine Familie. Die Gewissheit, dass du ein ehrbares Leben führst. Und du hast die Chance, ehrlich zu dir selbst zu sein. Und deinen Kindern ein gutes Vorbild zu sein und sie in einer liebevollen Umgebung aufzuziehen. ’Sie wischt sich die Tränen von der Wange. ‘Wen kümmert es, was die Leute denken, wenn du nicht das Rückgrat hast, in den Spiegel zu schauen?’"
„Evil Eye“ ist ein ruhiges, feinfühliges und sehr intensives Buch, das mich von Anfang an in den Bann gezogen hat. Ich mochte den Schreibstil der Autorin sowie Aufbau des Romans sehr. Dank der Tagebucheinträge konnte man sich noch mehr in Yara hineinversetzen.
Gegen Ende geht alles ein wenig schnell im Vergleich zum vorher eher langsamen Aufbau, dennoch hat mich „Evil Eye“ voll überzeugt. Ein Roman über patriarchale Strukturen, psychische Gesundheit, kulturelle Identität und Herkunft, Mutterschaft und vieles mehr.
Von mir gibt es hier eine ganz klare Leseempfehlung!
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