Vor einem Panorama überwältigender Natur – drei unnachgiebige Frauen einer sámischen Familie kämpfen um ihre Heimat
Jedes Jahr im Frühling kehren sie nach dem Winter in ihr »Sommerland« am See im Nordwesten Schwedens zurück. Doch in diesem Frühjahr ist alles anders: Als die dreizehnjährige Iŋgá mit den Rentieren, Mutter und Tante das Tal erreicht, ist ihr Dorf versunken. Birken, Hütten, das Hab und Gut der Familie und vor allem das Grab des Vaters – alles unter Wasser, rücksichtslos geopfert für die Wasserkraftproduktion und den Profit der Städte im Süden. Es beginnt ein jahrzehntelanger Kampf gegen die Mächtigen des Landes, der nicht nur die drei Frauen, sondern das ganze sámische Dorf vor eine Zerreißprobe stellt.
Elin Anna Labba erzählt die weitgehend unbekannte Geschichte ihrer Gemeinschaft und schafft ein unvergessliches Zeugnis für das Recht auf Selbstbestimmung und die tiefe Verbundenheit von Mensch und Natur. Ein hochaktueller Roman von ungeheuer erzählerischer Kraft.
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Keine leichte, aber sehr gute Kost
Bewertung aus Heyerode am 10.07.2025
Bewertungsnummer: 2535955
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Soooo ein wundervolles Buch - welches eine Geschichte erzählt, die noch lange in mir nachklang. Die Art und Weise wie das Buch geschrieben ist fand ich kraftvoll und literarisch sehr ansprechend und hochwertig. Das ist nicht mal so daher geschrieben, es wirkt alles andere als einfach, dennoch liest es sich sooo angenehm und kurzweilig und geht ins Herz.Es sind drei Frauen, drei starke Charaktere, die um ihre Heimat kämpfen. Wir befinden uns in Schweden, die Natur und das typisch Schwedische kommt sehr gut in der Geschichte zur Geltung, man kann sich davon tragen lassen. Gemeinschaft ist ein Thema und auch Verluste sowie Rücksichtslosigkeit und noch viel mehr.Ein wirklich lesenswertes Buch - sollte man sich zu Gemüte führen.#elinannalabba#dasechodersommer#fischerverlag
Beeindruckender Einblick in die Lebensbedingungen der Samí
anushka aus Berlin am 23.06.2025
Bewertungsnummer: 2522773
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Als die 13-jährige Ingá im Jahr 1941 mit ihrer Mutter Rávdná und Tante Ánne in das Sommerland an einem See in Nordschweden zurückkehrt, steht ihr samisches Dorf unter Wasser. Für die Energiegewinnung wurde der Stausee geflutet, jedoch ohne die Ankunft des Nomadenvolk abzuwarten. Die Mutter kann noch durch das steigende Wasser in ihre Torfkote waten, um die wichtigsten Dinge zu retten. Ansonsten verlieren sie alles von dem wenigen, das sie besitzen. Da der schwedische Staat die Samí als nicht sesshaft betrachtet, dürfen sie kein Land besitzen, bekommen weder Kredite noch Genehmigung für einen Hausbau und müssen gezwungenermaßen ihre althergebrachte Lebensweise beibehalten, selbst wenn sie sich gern an die Moderne anpassen würden.
Über die Jahre hinweg begleitet man die drei Frauen und ihre Gemeinschaft in ihrem beschwerlichen Leben, wie sie es schon seit Jahrhunderten tun. Dabei ist die Geschichte oft schwermütig, aber gleichzeitig sehr atmosphärisch. Es gibt keinen wirklichen Spannungsbogen, außer die wiederholten Erhöhungen des Staudamms, die ein ums andere Mal den Verlust des Sommerweidelands und der Lebensgrundlage bedeuten. Man bekommt einen sehr tiefen Einblick in die Lebensweise der Samí, ihrer Gesellschaftsstruktur und ihren andauernden Kampf gegen die Diskriminierung durch die Regierung. Die Autorin zeigt deutlich auf, welche Ungerechtigkeit gegenüber ethnischen Minderheiten und indigenen Völkern in Europa auch im 20. Jahrhundert stattfand und wahrscheinlich immer noch stattfindet. Es ist interessant, aber gleichzeitig auch bedrückend zu lesen, an welchem Existenzminimum und mit wie wenig Mitteln die drei Frauen leben. Jede Flutung des Sees vertreibt zunächst die Fische und bedroht somit die Existenzgrundlage. Und auch wenn die Dorfgemeinschaft schon immer an diesem See lebte, so stellt er doch immer eine dunkle Bedrohung war und wird als mystisch und gefährlich wahrgenommen.
Ohne große Gesten, aber dennoch entschlossen, stellt sich Rávdná zunehmend gegen die Regeln der Regierung. Dabei war für mich frustrierend, wie sehr sich hingegen Ingá in die ausweglose Situation ergibt und die Unterdrückung hinnimmt, so wie eigentlich das gesamte restliche Dorf. Insgesamt sind die Figuren nicht sehr nahbar, da der Ausdruck tiefer Emotionen scheinbar zumindest in diesem Dorf wenig üblich ist.
Insgesamt war ich überrascht, wie sehr mich das Buch am Ende gefesselt hat, obwohl es keinen nennenswerten Spannungsbogen gibt. Die Naturbeschreibungen machen den Roman sehr atmosphärisch, wenn auch nicht immer im positiven Sinne. Hier wird die Natur nicht romantisiert, aber dennoch ein naturnahes Leben intensiv beschrieben. Die Autorin kümmert sich dabei wenig darum, ihre Geschichte leicht verdaulich zu präsentieren, so enthält das Buch viel direkte Rede in der samischen Sprache und auch viele Begriffe (beispielsweise für Kleidungsstücke), die nicht ohne Weiteres bekannt sind und erst nachgeschaut werden müssen. Das Buch liefert dafür allerdings keinen Glossar mit. Das macht das Buch für mich jedoch noch lebensnäher. Es wird auch dadurch lebensnah, dass es reale historische Ereignisse aufgreift, die zwar fiktional, aber deswegen nicht weniger ergreifend erzählt werden. Die Geschichte hat mich tief beeindruckt und sehr mitleiden lassen.
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