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Das Schwarz an den Händen meines Vaters Roman | Longlist Deutscher Buchpreis 2025

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Beschreibung

Produktdetails

Verkaufsrang

714

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

12.03.2025

Verlag

S. Fischer Verlag

Seitenzahl

192

Maße (L/B/H)

20,5/13,1/2,6 cm

Gewicht

275 g

Farbe

Lichtgrau

Auflage

6. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-10-397657-1

Beschreibung

Rezension

[...] ein Dorfroman, ein Familienroman, ein Suchtroman. [...] voller Empathie und Liebe, der uns zeigt, es ist eben nicht jedes Leben golden. [...] Ein ganz, ganz großartiges Buch. ("WDR 4 Buchtipp")
[...] hart, direkt und doch zugleich zärtlich. [...] eine besondere erzählerische Kraft ("Börsenblatt")
[...] Schätte gelingt Eindrückliches: Ihr Buch ist einfühlsam und präzise, tieftraurig und doch nie pathetisch. Ein Roman, der nahegeht, ohne kitschig zu werden. ("Junge Welt")
[...] hat mich sehr beeindruckt, dieses Buch. ("SRF Literaturclub")
So alkoholisiert und perspektivlos auch durch die Gegend gewankt wird, so nüchtern geschrieben und herausragend beobachtet ist dieser tolle Text. ("Kulturnews")
Man merkt, dass hier eine Schriftstellerin am Werk ist, die ihr Handwerk von Grund auf gelernt hat. ("Altenaer Kreisblatt")
[...] echte Literatur, prall gefüllt mit Leben [...]. Ein Sog entsteht, die Geschicht von Motte [...] ist so zwingend, so eindringlich, so wahrhaftig ("Altenaer Kreisblatt")
Unter der lässigen, lakonischen Sprache brodelt es. Manche Sätze treffen wie aus dem Nichts. ("Der Standard")
Ein Buch, das in diesem Frühjahr eigentlich in aller Munde hätte sein können. Lest es jetzt im Sommer, ihr werdet es nicht bereuen! ("Podcast rababumm")
[...] eine bewegende Auseinandersetzung mit dem Trinken, Selbstakzeptanz, Fürsorge und Abschied. ("Missy Magazine")

Produktdetails

Verkaufsrang

714

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

12.03.2025

Verlag

S. Fischer Verlag

Seitenzahl

192

Maße (L/B/H)

20,5/13,1/2,6 cm

Gewicht

275 g

Farbe

Lichtgrau

Auflage

6. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-10-397657-1

Herstelleradresse

FISCHER, S.
Hedderichstraße 114
60596 Frankfurt
DE

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  • Bewertung

    5/5

    16.02.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein erschütterndes Buch über die Macht des Alkohols

    „Als ich beginne zu trinken, trinke ich keinen Schnaps. Ich trinke buntes, süßes Zeug. Ich sage Dinge, die ich nüchtern niemals sagen würde und die sich nicht mehr zurücknehmen lassen.“ Die Erzählerin, von ihrem Vater liebevoll „Motte“ genannt liebt ihren Vater über alles. Der Vater ist Arbeiter, Trinker und Spieler. Sie sieht und beschreibt ihn so wie er ist. Nach der Arbeit schrubbt er sich ausgiebig die Hände, aber die Spuren seiner Arbeit bleiben. „So starre ich auf seine Hände, während er isst. Montags grau, über die Woche immer dunkler. an Freitagen ist das Schwarz in jede Rille seiner Hornhaut gekrochen, das spröde Nagelbett tiefrot.“ Die Tochter erlebt, wie der Vater durch seine Alkoholsucht sich und die Familie zerstört. Ihre Liebe für ihn bleibt. Sie erkennt auch die Hilflosigkeit der Mutter, die an der Situation zerbricht. Ihr Bruder und sie wollen ein besseres Leben führen. „Wir schwören uns gegenseitig, ganz anders zu werden.“ Aber sie setzt das „Erbe“ der Familie fort. „Ich verliebe mich in einen trinkenden Mann, weil es wie zu Hause ist. Ich kenne das.“ „Ich trinke, bis ich nicht mehr sprechen kann. Ich trinke, bis alles dumpf und leise ist. Ich trinke, bis nichts mehr weh tut.“ Dieses Buch bietet einen erschütternder und schonungslosen Einblick in den Zerfall einer Familie über Generationen und die Macht des Alkohols, der Menschen zerstört. Beeindruckend ist die leise, liebevolle Erzählweise der Autorin ohne jede Bewertung. Ein Text voller Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit.

  • Bewertung

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    04.02.2026

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Intensives Familienporträt, das unter die Haut geht...

    »Motte« wird die Ich-Erzählerin von ihrem Vater genannt. Der Vater ist Arbeiter, Spieler, Trinker. Eigentlich hat Motte sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann, beim Spielen alle Verstecke kennt und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen, der von der Werkshalle ins Büro versetzt wird, damit er sich nicht volltrunken die Hand absägt. Und das mit dem Alkohol, sagt die Mutter, war eigentlich bei allen Männern in der Familie so. Auch Motte trinkt längst mehr, als ihr gut tut. Schon als Kind hat sie beim Schützenfest Kellnerin gespielt und die Reste getrunken, bis ihr warm wurde. Jetzt, als junge Frau, schläft sie manchmal im Hausflur, weil sie mit dem Schlüssel nicht mehr das Schloss trifft. Ihr Freund stützt sie, aber der kann meistens selbst nicht mehr richtig stehen. Nur ihr Bruder, der Erzieher geworden ist, schaut jeden Tag nach ihr. Als bei ihrem Vater Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, sucht Motte nach einem Weg, sich zu verabschieden – vom Vater und vom Alkohol. »Das Schwarz an den Händen meines Vaters« von Lena Schätte ist ein bewegender Roman über das Aufwachsen in einer Familie, die in den sogenannten einfachen Verhältnissen lebt und die zugleich, wenn es darauf ankommt, zusammenhält. Es ist ein harter, zarter Roman über die Liebe zu einem schwierigen Vater und den Weg ins Leben. (Verlagsbeschreibung) Dieser Roman stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2025. Im Roman erzählt Lena Schätte liebevoll aber schonungslos vom Aufwachsen der Ich-Erzählerin Motte in einer Familie, die vom Alkoholismus geprägt ist - über Generationen hinweg. Mit autobiografischen Anteilen aber ebenso mit fiktiven Details gewährt die Autorin szenische Einblicke in eine Arbeiterfamilie mit einem trinkenden Vater, nicht chronologisch, sondern wechselnd in den Zeiten, pendelnd zwischen der Kindheit und der Gegenwart Mottes, die mittlerweile selbst alkoholsüchtig ist und einen Freund hat, der ebenso viel trinkt.  "Wenn er von der Arbeit nach Hause kommt am späten Nachmittag, riecht er nach Schweiß und Maschinenöl. Eine Stunde lang dürfen wir Kinder ihn nicht ansprechen. “Papazeit” nennt Mama das und drückt sich zischend den Zeigefinger auf den Mund." Auf dem Dorf ist Trinken Alltag, auch für Motte. Sie arbeitet als Putzfrau in einem Krankenhaus. In ihrer freien Zeit betrinkt sie sich oft bis zur Besinnungslosigkeit - so kennt sie es von ihrem Vater. Sie versucht dagegen anzukämpfen, aber es fällt ihr sehr schwer. Und dann bekommt ihr Vater eine Krebsdiagnose, Heilung ausgeschlossen, der Tod ist nah. Motte beginnt nach einem Weg zu suchen, sich von ihrem Vater zu verabschieden und überdenkt ihr bisheriges Leben. Was macht ein Trinkerhaushalt aus einem Kind?  “Als ich noch ein Kind bin, denke ich oft, ich habe zwei Väter. Den einen nüchternen, der schnell rennen kann und gute Verstecke kennt, der auf alle Fragen eine Antwort weiß und wenn nicht, sich eine gute ausdenkt. Und dann gibt es noch den anderen Vater, der sich darüberlegt und ihn verschwinden lässt.”  Motte erinnert sich an die zahllosen Enttäuschungen, die ihr der Vater zugefügt hat. An ihren Schmerz. Und trotzdem hört sie nie auf, ihn zu lieben und sich um ihn zu kümmern. Diese Ambivalenz, die Gleichzeitigkeit der Dinge - auf der einen Seite Liebe, Nähe, Zuneigung, Vertrauen, auf der anderen Seite aber der Bruch, die Enttäuschung und die ständige Unsicherheit - greift tief ein in das Seelenleben eines Kindes und hinterlässt unauslöschliche Spuren. Hinzu kommt die Verzweiflung angesichts des zunehmenden Verfalls des Vaters und der eigenen Hilflosigkeit, irgendetwas daran zu ändern. Die Sprache ist einfach und geradlinig, schnörkellos, lakonisch, dicht, leise, präzise. Dennoch erreicht einen die Erzählung, lässt einen mitschwingen, ohne jegliche Larmoyanz, getragen durch die Stärke der Bilder. In wenigen Zeilen oft nur gelingt es der Autorin, komplexe Gefühlslagen vor Augen zu führen: große Kunst.  In kurzen Kapiteln gelingt Lena Schütte ein intensives Familienporträt, das unter die Haut geht. Leseempfehlung! © Parden

  • kaffeeelse

    aus D

    5/5

    15.12.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Der Alkohol Wieder ein Buch…

    Der Alkohol Wieder ein Buch von der Longlist und wieder ein Knaller. Ein Blick auf die Alkoholsucht. Klar, dass dies mich einfängt. Arbeite ich doch seit vielen Jahren in der Psychiatrie und natürlich habe ich viele Menschen mit genau diesem Krankheitsbild kennengelernt. Ich wollte immer in die Psychiatrie und ich habe diesen Schritt/diese Entscheidung nie bereut. Die Umstände in der Medizin, die sich in den vielen Jahren merklich zum Negativen verändert haben, sind ein Grund zum Verzweifeln. Ja. Aber nicht die Arbeit. Nicht die Psychiatrie. Ich bin ein empathischer und gefühlsbetonter Mensch. So zu sein hat zwei Seiten, wie fast alles im Leben. Man empfindet und kann reagieren. So reagieren, dass es dem Gegenüber etwas bringt, zeigen, dass man Verständnis hat und gleichzeitig auch ein Vielleicht ermöglichen. Ein Vielleicht, was schlussendlich der Patient umsetzen muss. Eine Aktion, die aus dem Verständnis der Erkrankung erwächst, erwachsen muss. Aber gerade dies ist ein sehr schwerer Schritt. Die zweite Seite bei einem empathischen Wesen ist, dass man für dieses Fühlen einen Preis zu zahlen hat. Denn dieses Empathisch sein macht auch Türen auf. Türen, die dem Negativen Einlass gewähren. Mit dem man dann zu kämpfen hat! Aber man ist ja hier, um zu lernen. Und so lernt man dann. Weil man es muss und will. Denn das Leben ist schön, wie Frieda sagte! Die ja mit dem Alkohol auch ihre Erfahrungen gemacht hat. Lena Schätte ist wie ich Psychiatriekrankenschwester. Sie kennt das psychiatrische Erleben. Sie kennt die psychiatrischen Erkrankungen. Sie kennt die Suchterkrankungen. Und sie schreibt in diesem Buch darüber. Intensiv, schonungslos und sehr berührend! „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ ist ein Blick auf einen suchterkrankten Vater, genauso ist es aber auch ein Blick auf die gesamte Familie. Denn psychiatrische Erkrankungen betreffen den Erkrankten, aber auch das gesamte Umfeld. Psychiatrische Erkrankungen infiltrieren die Umgebung mehr, als es die meisten anderen Erkrankungen tun. Hier erkrankt ein Mensch, betroffen sind aber Viele mehr. Und dies macht psychiatrische Erkrankungen so ungemein tückisch, bösartig und dunkel. Lena Schätte beschreibt hier einen sehr negativen Prozess. Dies mag die Lesenden sicherlich sehr anfassen. Dennoch entbehrt es nicht einer tiefen Wahrheit. Psychiatrische Erkrankungen töten. Auch dies ist ein Grund, dass ihnen endlich ein angemessener Platz in unserer Gesellschaft gebührt. Denn es sind eben nicht die Anderen, die krank werden. Es sind wir alle! Und dies müssen wir begreifen. Nur so lassen sie sich minimieren. Hier ist in den letzten Jahren schon einiges passiert. Die Anzahl der Psychosen geht meiner Meinung nach etwas zurück, vielleicht liegt das an der nunmehr verbesserten medizinischen Versorgung, so dass einerseits eher reagiert wird und auch durch verbesserte Medikationen schlimme Verläufe minimiert werden konnten. Bei den depressiven Erkrankungen und bei den Suchterkrankungen sehe ich eher eine Anhäufung. Ein Verständnis kann hier helfen, Veränderungen in der Gesellschaft zum Beispiel, ein empathischeres Menschenbild in D, etwas weniger Druck in unserer Gesellschaft und etwas weniger starres Denken. Fromme Wünsche. Ich weiß. Gerade jetzt. Aber eine Information kann hier durchaus helfen. Und in der Literatur finde ich gerade in den letzten Jahren viele Beispiele, die ein Verständnis von psychiatrischen Erkrankungen ermöglichen. So auch dieses Buch hier. „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ von Lena Schätte. Ein Blick auf einen alkoholkranken Vater, ein Blick auf seine Tochter, die ähnliche Verhaltensweisen zeigt. Ein Blick auf den Alkohol, dem wir ja in unserer Gesellschaft einen großen Platz einräumen. Wir alle. Ich ebenso. Und der etwas mit uns macht. Was wir alle wissen. Aber manchmal ist es schwer. Und ein Glas hilft beim Entspannen. Wer kennt es nicht? Doch es gibt sie. Diejenigen, die es nicht kennen. Nicht mehr kennen. Diejenigen, die der Suchtspirale entkommen sind. Denn genau das geht. Es ist schwer, sehr schwer. Aber es ist möglich. Das sollte man nicht vergessen. Denn Entspannen kann man auf vielerlei Weise. Auch das zeigt ja dieses Buch, die Möglichkeit des Entkommens! Das Buch „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ von Lena Schätte reiht sich in die anderen Positiv-Erfahrungen aus der Longlist ein, ich werde weiter der Longlist nachforschen und viele weitere Schätze finden. Wie auch „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ ein Schatz ist. Lesen!

  • Kaffeeelse

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    14.12.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Der Alkohol

    Wieder ein Buch von der Longlist und wieder ein Knaller. Ein Blick auf die Alkoholsucht. Klar, dass dies mich einfängt. Arbeite ich doch seit vielen Jahren in der Psychiatrie und natürlich habe ich viele Menschen mit genau diesem Krankheitsbild kennengelernt. Ich wollte immer in die Psychiatrie und ich habe diesen Schritt/diese Entscheidung nie bereut. Die Umstände in der Medizin, die sich in den vielen Jahren merklich zum Negativen verändert haben, sind ein Grund zum Verzweifeln. Ja. Aber nicht die Arbeit. Nicht die Psychiatrie. Ich bin ein empathischer und gefühlsbetonter Mensch. So zu sein hat zwei Seiten, wie fast alles im Leben. Man empfindet und kann reagieren. So reagieren, dass es dem Gegenüber etwas bringt, zeigen, dass man Verständnis hat und gleichzeitig auch ein Vielleicht ermöglichen. Ein Vielleicht, was schlussendlich der Patient umsetzen muss. Eine Aktion, die aus dem Verständnis der Erkrankung erwächst, erwachsen muss. Aber gerade dies ist ein sehr schwerer Schritt. Die zweite Seite bei einem empathischen Wesen ist, dass man für dieses Fühlen einen Preis zu zahlen hat. Denn dieses Empathisch sein macht auch Türen auf. Türen, die dem Negativen Einlass gewähren. Mit dem man dann zu kämpfen hat! Aber man ist ja hier, um zu lernen. Und so lernt man dann. Weil man es muss und will. Denn das Leben ist schön, wie Frieda sagte! Die ja mit dem Alkohol auch ihre Erfahrungen gemacht hat. Lena Schätte ist wie ich Psychiatriekrankenschwester. Sie kennt das psychiatrische Erleben. Sie kennt die psychiatrischen Erkrankungen. Sie kennt die Suchterkrankungen. Und sie schreibt in diesem Buch darüber. Intensiv, schonungslos und sehr berührend! „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ ist ein Blick auf einen suchterkrankten Vater, genauso ist es aber auch ein Blick auf die gesamte Familie. Denn psychiatrische Erkrankungen betreffen den Erkrankten, aber auch das gesamte Umfeld. Psychiatrische Erkrankungen infiltrieren die Umgebung mehr, als es die meisten anderen Erkrankungen tun. Hier erkrankt ein Mensch, betroffen sind aber Viele mehr. Und dies macht psychiatrische Erkrankungen so ungemein tückisch, bösartig und dunkel.  Lena Schätte beschreibt hier einen sehr negativen Prozess. Dies mag die Lesenden sicherlich sehr anfassen. Dennoch entbehrt es nicht einer tiefen Wahrheit. Psychiatrische Erkrankungen töten. Auch dies ist ein Grund, dass ihnen endlich ein angemessener Platz in unserer Gesellschaft gebührt. Denn es sind eben nicht die Anderen, die krank werden. Es sind wir alle! Und dies müssen wir begreifen. Nur so lassen sie sich minimieren. Hier ist in den letzten Jahren schon einiges passiert. Die Anzahl der Psychosen geht meiner Meinung nach etwas zurück, vielleicht liegt das an der nunmehr verbesserten medizinischen Versorgung, so dass einerseits eher reagiert wird und auch durch verbesserte Medikationen schlimme Verläufe minimiert werden konnten. Bei den depressiven Erkrankungen und bei den Suchterkrankungen sehe ich eher eine Anhäufung. Ein Verständnis kann hier helfen, Veränderungen in der Gesellschaft zum Beispiel, ein empathischeres Menschenbild in D, etwas weniger Druck in unserer Gesellschaft und etwas weniger starres Denken. Fromme Wünsche. Ich weiß. Gerade jetzt. Aber eine Information kann hier durchaus helfen. Und in der Literatur finde ich gerade in den letzten Jahren viele Beispiele, die ein Verständnis von psychiatrischen Erkrankungen ermöglichen.  So auch dieses Buch hier. „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ von Lena Schätte. Ein Blick auf einen alkoholkranken Vater, ein Blick auf seine Tochter, die ähnliche Verhaltensweisen zeigt. Ein Blick auf den Alkohol, dem wir ja in unserer Gesellschaft einen großen Platz einräumen. Wir alle. Ich ebenso. Und der etwas mit uns macht. Was wir alle wissen. Aber manchmal ist es schwer. Und ein Glas hilft beim Entspannen. Wer kennt es nicht?  Doch es gibt sie. Diejenigen, die es nicht kennen. Nicht mehr kennen. Diejenigen, die der Suchtspirale entkommen sind. Denn genau das geht. Es ist schwer, sehr schwer. Aber es ist möglich. Das sollte man nicht vergessen. Denn Entspannen kann man auf vielerlei Weise.  Auch das zeigt ja dieses Buch, die Möglichkeit des Entkommens! Das Buch „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ von Lena Schätte reiht sich in die anderen Positiv-Erfahrungen aus der Longlist ein, ich werde weiter der Longlist nachforschen und viele weitere Schätze finden. Wie auch „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ ein Schatz ist. Lesen! 

  • MarieOn

    5/5

    18.11.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Alkohol- und Co-Abhängigkeit

    Motte hat viel von ihrer Mutter gelernt: Männer, die Schnaps trinken, werden aggressiv und Biertrinker plaudern gern Geheimnisse aus. Eine Frau sollte immer Fluchtgeld gebunkert haben, in einem alten Stiefel im Schrank oder in einer Dose im Gefrierfach, auf der Linsensuppe steht. Sie sollte jederzeit die Kinder nehmen und abhauen können. Motte sagt zuweilen in der Kneipe Sachen, die sie nüchtern nie gesagt hätte, ihrem Freund ist das peinlich. Das mit dem Trinken fing schon früh an. Auf den Schützenfesten ihrer Kindheit, wenn sie Kellnerin spielte, dann trank sie die Reste, bis diese wohlige Wärme aus dem Bauch heraufstieg. Jetzt gerade schafft sie es montags nicht zur Arbeit, erzählt von Todesfällen in der Familie oder Magen-Darm-Infekten. Ihre Freunde gehen lieber ohne sie aus. Das war doch früher ganz normal, sagt die Großmutter. „Wir Frauen haben am Monatsende vor den Fabriktoren gestanden und unseren Männern die Lohntüten abgenommen, sonst hätten sie alles in die Kneipe getragen“. Wenn der Vater von der Arbeit nach Hause kam, wurde still zu Abend gegessen. Weder ihr Bruder noch sie erzählten, wer sie in der Schule geschubst hatte oder wen sie geküsst hatten. Die Mutter legte den Zeigefinger auf die Lippen, der Vater stierte stumpf und glasig vor sich hin. Am Sonntag spielten sie immer draußen, damit der Vater lange ausschlafen konnte. Sie verliebt sich in einen trinkenden Mann, weil sie das kennt. Sie weiß, wie man lügt und einen Mann zurechtrückt, so dass er morgens geduscht und kerzengerade am Küchentisch sitzt. Wie sie ihm Angst machen kann, damit er glaubt, dass sie ihn verlässt, bis die Drohung sich abnutzt. Fazit: Lena Schätte, ausgezeichnet mit dem W.-G.-Sebald-Literaturpreis, hat eine Protagonistin geschaffen, die auf ihr Leben zurückblickt. Sie ist mit ihrem Bruder in „einfachen“ Verhältnissen aufgewachsen. Alkohol hat in ihrer Familie seit Generationen die größte Rolle gespielt. Sie erlebte den trinkenden Vater in allen Facetten, auf den die gesamte Familie Rücksicht nahm. Interessant, wie die Autorin die Co-Abhängigkeit gezeigt hat. Die Traumatisierung und die genetische Disposition treiben die Protagonistin selbst, in jungen Jahren in harte Abstürze durch Alkoholexzesse. Ich mochte, wie gut die Autorin das ganze Drama gezeigt hat, ohne pathetisch zu werden. Die Geschichte ist nicht chronologisch. Sondern in kleinen Anekdoten aneinandergereiht, das macht das Lesen in diesem Fall interessant, weil es die heftigeren Szenen immer wieder auflockert. Mir hat auch gefallen, dass die Autorin auf Gewalt verzichtet. Hier geht es wirklich um den zerstörerischen Aspekt der Sucht durch eine politisch und gesellschaftlich anerkannte Droge, die die Macht hat, ganze Familien und Existenzen zu zerstören und mehr braucht es gar nicht. Es ist so wichtig, diese Krankheit zu thematisieren, für die die Betroffenen am wenigsten können. Völlig verständlich, dass dieses exzellent transportierte Thema einen Platz auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2025 gefunden hat.

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