Der Wolf, vor langer Zeit bei uns ausgerottet, ist zurückgekommen. Auf leisen Pfoten, doch sorgt er immer wieder für lautstarke Diskussionen, da er als kräftiger Beutegreifer Nutztieren gefährlich werden kann. Obwohl der Wolf zu den am besten untersuchten Wildtierarten gehört und zahlreiche Monografien über ihn erschienen sind, gibt es weiterhin erheblichen Aufklärungsbedarf. Dieses Buch zeigt den Wolf in erster Linie im Alpenraum und insbesondere aus der Perspektive der Schweiz. Fotos aus anderen Teilen des riesigen Verbreitungsgebiets verschaffen Eindrücke der voneinander abweichenden Lebensbedingungen. Die Texte informieren und interpretieren, leuchten Hintergründe aus und beschreiben den Wolf als vielfältiges, verborgenes Wildtier, das in seiner Umwelt einschließlich des Menschen erhebliche Resonanzen auszulösen vermag.
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Bewertung
5/5
02.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sachlich, inhaltsreich, lesenswert, gut illustriert
Im Jahr 2022 erschien bereits ein Buch des Autors Heinrich Haller zum Kolkraben in gleicher Aufmachung. Der Autor war bis 2019 Direktor des in der Nähe von Zernez an der Grenze zu Italien liegenden Schweizerischen Nationalparks. Dieser wurde 1914 als erster Nationalpark der gesamten Alpen gegründet, blieb allerdings in der Schweiz auch bis heute der einzige, während später in Frankreich, Italien, Österreich und Slowenien sowie in den Berchtesgadener Alpen in Deutschland insgesamt 12 Nationalparks entstanden. H. Haller beschäftigt sich wissenschaftlich schon lange mit den großen Wildtieren der Alpen und seine Arbeit zum Kolkraben war – wie er selbst schreibt – eigentlich ein „Nebenprodukt“ dieser wissenschaftlichen Arbeit.
Nachdem der Wolf vor fast 100 Jahren auch in der Schweiz ausgerottet war, wurde 1995 der erste neue „Einwanderer“ im Unterwallis bestätigt. Im Italienischen Appeningebirge hatten bis Anfang des 20. Jahrhunderts etwa 100 Wölfe überlebt und sie haben das Gebirge recht schnell wieder flächendeckend besiedelt. Von dort aus gelang der Art über verschiedene Routen die Wiederbesiedlung des Alpenraumes. Eine weitere Ausbreitung wurde im Kanton Wallis allerdings zunächst konsequent unterbunden und erst im Jahr 2016 gab es in der Schweiz den ersten neuzeitlichen Wolfsnachwuchs. Und eines der ersten Gebiete mit Wolfsnachwuchs etablierte sich genau im Schweizerischen Nationalpark, dem „Hausgebiet“ des Autors.
H. Haller beschriebt gleich am Anfang die nach wie großen Widerstände gegen den Wolf in Bevölkerung und Politik in der Schweiz. 2023 lebten in der Schweiz und ihren Grenzgebieten wieder gut 30 Wolfsrudel und geschätzt insgesamt ca. 300 Tiere. Wesentliche Teile des Buches nehmen sehr gut zu lesende Ausführungen zur Lebensweise des Wolfes in verschiedenen Regionen der Erde ein. Dazu führten Forschungsaufenthalte den Autor u.a. in das nordöstliche Finnland, in den Yellowstone Nationalpark/USA sowie nach Ladakh, Nepal und Tibet im Himalaja. Allesamt Regionen, wo man das Leben mit dem Wolf v.a. auch unter Tierhaltern „wieder“ gelernt oder - wie in der Himalaja-Region - nie verlernt hat.
Neben vielen sehr interessanten Textseiten machen Fotos wie auch im Kolkraben-Buch des Autors wesentliche Teile des Buches aus. Das ungewöhnliche Format mit 31x24 cm erlaubt zahlreiche großformatige Fotos mit Wölfen und den verschiedenen Lebensräumen des Wolfes in den Schweizer Alpen und den oben genannten anderen Regionen der Erde. Dazu gehören auch wohl nahezu einmalige Fotos aus dem „Familienleben“ der Wölfe. Alle Fotos sind in Farbe und von hervorragender Qualität, aber man darf wie schon bei Kolkraben-Buch des Autors keinen „Hochglanzbildband“ erwarten. Der Druck erfolgte auf mattem, aber 135 g schweren und dickem Umweltpapier, was ein Durchscheinen der Fotos auf andere Seiten verhindert.
Um Konflikte mit Tierhaltern zu mildern, baut man auch in der Schweiz von Anfang an auf einen staatlich geförderten Herdenschutz durch entsprechende Zäunungen und Herdenschutzhunde. Aber auch das gezielte Töten „problematischer“ Wölfe ist in der Schweiz ein probates Mittel, auch um gezielt zu de-eskalieren. Über 50 Abschüsse wurden bis 2024 genehmigt, aber nur etwas mehr als die Hälfte konnte auch realisiert werden. Aber das damit u.a. verfolgte Ziel, die Wölfe zu „konditionieren“ und ihnen eine gewisse Scheu zu lassen, wurde in mehreren Regionen erreicht. In mehreren Gebieten mit gut etablierten Wolfsrudeln gab es danach mindestens 2 Jahre keine Übergriffe auf Nutztiere. Wie auch anderswo gehen in der Schweiz viele Übergriffe auf Nutztiere auf Einzelgänger zurück.
Deutlich kritisiert der Autor die rückschrittliche Wolfspolitik in Schweden, einem Land, in dessen weiten und menschenarmen Landschaften v.a. des Nordens eigentlich genug Platz für Wölfe sein sollte. Erst im letzten Jahr reduzierte des Schwedische Regierung den sogenannten „günstigen Erhaltungszustand“ im Sinne der EU-FFH-Richtlinie per Definition von 400 auf 200 Tiere landesweit!
Am Ende des Buches liefert der Autor ein umfangreiches Verzeichnis genutzter und weiterführender Literaturquellen, sortiert nach verschiedenen Themenbereichen.
Fazit des Autors: „Allgemein anerkannt sollte sein, dass Canis lupus Teil der einheimischen Wildfauna ist – mit ökologischen Leistungen, jedoch auch mit Konfliktpotenzial. Ich plädiere für weniger Polarisierung und mehr Gelassenheit. Der Wolf ist zurück: Wir müssen wieder lernen, mit ihm umzugehen – selbstverständlich respektvoll und fair.“
Bewertung
5/5
02.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Umfassende Informationen zum Thema Wolf
Alle die sich mit dem Thema "Wolf" beschäftigen und/oder davon betroffen sind sollten dieses Buch lesen. Sehr verständlich und gut leserlich geschrieben. Auch die Bilder sind sehr ansprechend und informativ.
Bewertung
aus Langnau im Emmental
5/5
28.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist ein Geschenk.
Das Buch ist ein Monument unter den Naturbüchern. Haller ist im wahrsten Sinn des Wortes bewandert und beschreibt den Wolf als das was er ist: Ein hochsensibles, scharfsinniges und anpassungsfähiges Raubtier. In kurzen Kapiteln beleuchtet er den Wert und Nutzen dieses Tieres in der Natur. Er tut dies sachlich, fundiert und stichhaltig, und unterlegt seine Texte mit beeindruckenden, zum Teil ergreifenden, in jedem Fall fabelhaften Bildern. Wie gesagt: Das Buch ist ein Geschenk.
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