Liebe Elina, du bist gegangen und ich kann nichts finden. Keinen Brief, keinen Zettel, keine Nachricht. Du hast mir dein Warum nicht anvertraut. Hast du nichts hinterlassen, weil du mir nicht weh tun wolltest? Oder, weil du mir besonders weh tun wolltest? Die Stille, die mich jetzt umgibt, lässt mich zweifeln. Ich zweifle an allem, was du je zu mir gesagt hast, stelle alle guten Tage, jedes Lachen infrage. ...
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5.0/5.0
Bewertung
5/5
19.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn plötzlich nichts mehr ist, wie man es kannte...
"War ich schuld?" - ist eine der zentralen Fragen, die die Hauptperson in "Als du dich mir wegnahmst" quält, nachdem sie vom Suizid ihrer besten Freundin Elina erfährt. Sie steht vor der schier unlösbaren Aufgabe, den Verlust ihrer Freundin zu verarbeiten, in ihrem eigenen Leben "weiterzumachen". Als Leser*innen dürfen wir die Hauptperson auf diesem persönlichen Weg begleiten. Zwischen den Vorschlägen und Erwartungen, die ihr überfordertes Umfeld ihr von außen überstülpen will, und der brodelnden Flut völlig unterschiedlicher Gefühle und Gedanken in ihrem Inneren, wird immer wieder klar: Die Hauptperson kommt nur weiter - Schritt für Schritt - wenn sie bereit ist, die ihr bekannten Vorstellungen von Freiheit, Schuld, Leben und Lebenssinn, Freundschaft und Vertrauen, allesamt über Bord zu werfen, zu hinterfragen, sich neu aufzustellen. Die Hauptfigur, die uns ihren Namen nicht offenbart, wenngleich sie uns so tief in ihr Inneres schauen lässt, lädt uns - unwissentlich - ein, uns selbst herausfordernden Fragen und Gefühlen zu stellen, hinter allgemeingültige Definitionen zu gucken. Gerade auch beim Thema Trauer wird sehr deutlich, wie hoch individuell sich jenes ausgestaltet und wie selbstwirksam es werden kann, obwohl es gesellschaftlich oft weggedrückt und gemieden wird.
Dieser Briefroman hat mich in einen Strudel jedmöglicher Empfindungen entführt, an dessen Ende ich erleichtert geweint habe. Definitiv keine leichte Kost, aber eine nahrhafte. Ich bin dankbar, dieses Buch entdeckt und gelesen zu haben und finde, dass es - obwohl das womöglich ironisch erscheinen mag - in gewisser Weise auch eine Liebeserklärung an das Leben ist.
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