Weimar 1979. Als Renée zum Architekturstudium zugelassen wird, kann sie ihr Glück kaum fassen. Die Plätze sind heiß begehrt, die Zulassungsbedingungen hoch. Von Beginn an ist unter ihren Mitstudierenden ein Mädchen, das sie besonders fasziniert. Uta, die Tochter des erfolgreichen Rostocker Stadtarchitekten, ist das größte Zeichentalent des Jahrgangs und mit unbändiger Energie und überbordender Fantasie gesegnet. Renée, die aus einfachen Verhältnissen kommt, lässt sich nur zu gern von ihr zeigen, wie scheinbar unüberwindliche Grenzen zu sprengen sind. Doch etwas stimmt nicht in dieser Freundschaft. Über Uta scheint ein Schatten zu liegen, der immer größer wird ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Sophia
5/5
12.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wo sind die Grenzen einer Freundschaft? Aufwühlender, berührender Roman
Renée hat ihr Abitur in der Tasche und wird 1979 in Weimar zum Architekturstudium zugelassen. Voller Vorfreude macht sie sich auf den Weg in die fremde Stadt auch wenn es im Wohnheim beengt ist und das Geld oft knapp, fühlt sie sich mit der Zeit immer wohler. Vor Beginn des ersten Semesters ist Renée oft in einer Studentenkneipe mit Livemusik unterwegs. Einmal bemerkt sie eine hübsche junge Frau, um die sich viele Studenten scharen und die sehr beliebt scheint. Es stellt sich heraus, dass sie die Tochter eines bekannten Rostocker Stadtarchitekten ist und Uta heißt. Renée und sie freunden sich an, da beide im Erstsemester Architektur studieren und die meisten Kurse gemeinsam belegen. Mit der Zeit benimmt sich Uta immer seltsamer und ein immer größer werdender Schatten legt sich über Uta und die Freundschaft der beiden.
Das Cover finde ich wunderschön und nach dem Lesen auch passend gestaltet. Der Einstieg ins Buch fällt leicht, man begleitet Renée in ihren ersten Tagen an der Universität und erfährt auch etwa über ihr Leben und ihre Vergangenheit. Michaela Beck gelingt es unglaublich gut, eine lebendige Atmosphäre zu schaffen, sodass man sich immer in jeden Charakter hinein fühlen kann und man einen guten Eindruck der Umgebung bekommt.
Renée ist einem sympathisch auch wenn sie oft etwas naiv und blauäugig durchs Leben läuft. Uta blieb für mich die meiste Zeit undurchsichtig, was sehr gut Renées Zwiespalt verdeutlicht, den sie in der Freundschaft zu Uta spürt. Als Leser wird einem beim Lesen immer klarer, was mit Uta los ist, was auch der heutigen Zeit geschuldet ist. Vor über vierzig Jahren waren psychische Probleme und damit verbundene Störungen und Krankheiten noch ein Tabuthema.
Das Buch macht deutlich, was sich in der Psychologie und der Akzeptanz in der Gesellschaft bis heute getan hat: auch wenn man offener mit psychischen Problemen umgeht, gibt es noch einige Baustellen um auch einerseits die Hemmschwelle verringern, sich Hilfe zu suchen, andererseits auch die Gesellschaft für solche Themen zu sensibilisieren.
Auch viele andere wichtige und aktuelle Themen werden im Buch aufgegriffen: das Leben in Weimar zur damaligen Zeit, Selbstakzeptanz, die Grenzen einer Freundschaft aber auch Abtreibung und Misogynie.
Ein kleiner Kritikpunkt sind für mich die Längen, die das Buch hat, was den Lesefluss an einigen Stellen etwas gestört hat.
Nichtsdestotrotz hat Michaela Beck einen tollen Roman geschrieben, der immer noch aktuelle und wichtige Themen aufgreift und eine ungleiche Freundschaft beleuchtet. Von mir gibt es eine klare Empfehlung!
4,5/5 Sternen
Bewertung
5/5
15.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr spannende Geschichte über eine Freundschaft in den 80er Jahren
Ich habe dieses Buch wahnsinnig schnell gelesen, obwohl ich erst Vorbehalte hatte. Es spielt noch in der DDR, in Weimar. Aber es kommt ganz ohne die übliche Ost-Tristesse und ohne Staasi- oder Dopingthemen aus. Im Gegenteil, diese Geschichte einer Freundschaft, die sich zwischen den beiden Studentinnen Renée und Uta entwickelt, könnte überall passiert sein. Denn zwischen den beiden geschehen seltsame Dinge, die in einer Freundschaft eigentlich nicht Thema sein sollten. Warum das dennoch so ist, hat Michaela Beck sehr feinfühlig und auch spannend erzählt. Und wir erleben beim Lesen hautnah mit, wieso und wodurch diese Freundschaft gefährdet ist. Absolut empfehlenswert!
Bewertung
5/5
13.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein wirklich sehr berührendes Buch mit überraschender Geschichte. Ich bin tief berührt. Vor allem von diesem Thema.
Meine Tochter … hat leider auch diese Krankheit und von … sein jüngerer Bruder hat sich mit 27 das Leben genommen, weil er es nicht mehr aushielt. und es hängt immer davon ab, wie es einem geht, wie und wann man die Medikamente regelmäßig nimmt. Macht man es nicht, kann jederzeit wieder alles ausbrechen. Das ist das Schlimme. Wobei ich es verstehen kann, denn ich würde es genauso probieren, mit immer weniger Medikamenten klar zu kommen und denken, ich hätte alles unter Kontrolle......
Und wie Renée so lange im Unklaren blieb, nicht wusste, was los ist.... wieviel leichter wäre es doch auch für sie gewesen, wenn man Bescheid gewusst hätte. Und leider trifft es oft die Begabten, die Talentvollen, die Sehnsuchtsvollen, die Genialen mit voller Wucht. Und tatsächlich ist es ja auch eine Stoffwechselkrankheit. Das ist ein Thema. Das war doch so überraschend aufgebaut, so als wenn sich die Schlinge zu zieht.... Huh! Was für ein Leben, was für eine Geschichte, und alles in Weimar!
Bewertung
5/5
11.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was für ein wunderbares Buch!
Ich schreibe wenig auf solchen Seiten, aber in diesem Fall ist es mir ein echtes Bedürfnis. Warum? Nun, Michaela Beck gelingt mit ihrem Buch "Das Laute im Leisen" erneut ein tiefgründiges und einfühlsames Werk, das mich auf intensive Weise berührt – ebenso packend wie ihr Generationenroman "Das Licht zwischen den Schatten", das jeder der die deutsche- deutsche Geschichte "begreifen" möchte, unbedingt lesen sollte. Die Autorin hat die bemerkenswerte Fähigkeit, autobiografische Erlebnisse in eine universelle Geschichte zu verweben, die sowohl persönlich als auch gesellschaftlich relevant ist.
Ihre feine Sprache und der federleichte Erzählstil machen auch dieses Buch zu einem Leseerlebnis, das in seiner Eindringlichkeit lange nachklingt.
Wie auch schon in ihrem vorherigen Roman zeichnet sich Becks Schreiben durch eine eindrucksvolle Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe aus. Sie schafft es, den Leser in eine Welt zu entführen, in das Leben anderer einzutauchen.
"Das Laute im Leisen" ist ein absolut lesenswertes Buch, das in seiner zarten, aber intensiven Erzählweise fesselt und lange nachhallt. Wer Michaela Becks Werke kennt, wird auch hier die meisterhafte Balance zwischen leiser Erzählkunst und kraftvollen Emotionen schätzen.
Heike B.
5/5
10.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Zeitreise in die 70er und 80er Jahre in Weimar
Mit diesem Buch habe ich eine Zeitreise gemacht – zurück in die Zeit meiner Jugend und des Studienanfangs in Weimar! Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen und bin regelrecht in unsere damalige Welt eingetaucht. Michaela Beck hat eine spannende Geschichte entwickelt, die nicht nur ein Zeitzeugnis ist, sondern auch eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Zeit des Erwachsenwerdens mit all ihren schönen und schwierigen Seiten. Beim Lesen wurde die Stadt Weimar der Ende 70er und Anfang 80er Jahre wieder zum Leben erweckt und bei mir viele verschüttete Erinnerungen hervorgeholt.
Auch die Ausstattung des Buches ist sehr ansprechend; für Bücherliebhaber, die auch ein visuelles und haptisches Erlebnis zu schätzen wissen, eine Empfehlung!
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