Jedes fünfte Kind hat eine Diagnose oder einen Verdacht auf Autismus, ADHS, Hochbegabung, Legasthenie, Dyskalkulie, Dyspraxie oder AVWS. Die bekannte Grundschulpädagogin Saskia Niechzial fokussiert sich auf die Stärken neurodivergenter Kinder, ohne ihre Schwierigkeiten aus dem Blick zu verlieren, und unterstützt so die ganze Familie. Was ist zu tun, wenn das Kind sich falsch fühlt, wenn es überfordert ist von seinem »Gefühlsvulkan« oder wenn es in der Schule nicht mitkommt? Kompetent, verständnisvoll und sehr persönlich (auch zwei ihrer Kinder und sie selbst sind neurodivergent) gibt Niechzial Alltagshilfen und Coping-Strategien an die Hand. Sie zeigt Eltern, wie sie das Selbstbild und die Selbstständigkeit ihrer Kinder unterstützen können und wo und in welchen Netzwerken und Anlaufstellen sie Informationen zu Therapiewegen, Medikamenten und Fördermöglichkeiten finden.Auch für Lehrpersonen bietet sie Rat und Unterstützung.
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Eine goldene Krone für Potenziale der Neurodivergenz
Bewertung am 30.12.2024
Bewertungsnummer: 2374760
Bewertet: Hörbuch-Download
Beim ersten Durchblättern des Buches von Saskia Niechzial wird mir schnell bewusst, dass diese Lektüre der Neurodivergenz als Begriff eine neue Perspektive verleiht. Brennende Fragen wie: „Woran erkenne ich neurodivergente Kinder? Wie sieht ein teils unumgänglicher Weg zur Diagnostik aus? Was brauchen neurodivergente Eltern und Kinder im Alltag und in der Schule?“ werden sehr differenziert, mit einem gut gefüllten Werkzeugkoffer und einem umfangreichen Repertoire an Strategien beantwortet. Speziell gefällt mir der kontinuierliche, verständnis- und hoffnungsvolle Blick auf die Neurodivergenz. Ich meine beim Lesen zu spüren, dass Saskia Niechzial genau weiss, wie es sich anfühlt, mit grösster Anstrengung in einem starren System mitzuschwimmen und immer wieder - teils kurz vor dem Ertrinken – nach etwas Luft zu schnappen. Es ist ein langer, strömungsreicher Weg, diese Schwimmstrecke in der Begleitung neurodivergenter Kinder und Jugendlichen, welcher aber unendlich bereichernd ist.
Traurig und zugleich positiv unterstützt fühle ich mich bei der Beschreibung von Saskia Niechzials Gefühls des Alleinseins. Allein zu sein als selbst neurodivergente Personen, die irgendwie nie so richtig hineinpasst. Allein zu sein als Lehrperson, die bestmöglichst versucht, allen Lernenden gerecht zu werden – auch individuellen Bedürfnissen von neurodivergenten SchülerInnen. Allein zu sein als erziehungsberechtigte Person, die nur das Beste für ihr Kind möchte, aber schon länger spürt, dass das eigene Kind irgendwie andere Bedürfnisse hat, und die nichts falsch machen möchte. Der stets stärkenorientierte Blick auf neurodivergente Kinder macht es mir als Bezugsperson beim Lesen einfacher, dieses Alleinsein besser auszuhalten und gleichzeitig eine gewisse Verbundenheit zu einem grösseren Ganzen zu verspüren, die mir so oft fehlt.
Ich fühle mich beim Leben liebevoll und stärkend begleitet, sei es beim schwierigen Prozess von der Diagnose bis zu adäquaten Copingstrategien für Goldkinder in Schule und Alltag. Ich habe ein neues Urvertrauen auf das eigene Bauchgefühl gewonnen, welches mir zukünftig helfen wird, Reaktionen aus der neuronormativen Welt besser gegenüberzutreten bei Aussagen wie: „Das haben doch alle Kinder einmal! Das ist bestimmt nur eine Phase! Da musst du aber mal durchgreifen…“
Schlüsselpunkt dieses Buches ist für mich das Kapitel „Knackpunkt Schule“ mit der abrupten Reduzierung körperlicher Bewegungsmöglichkeiten im neuen schulischen Umfeld. Ein zentraler Ableitungsmechanismus fällt für neurodivergente Kinder weg und die aufgebaute Anspannung verliert ein wichtiges Ventil. So entstehen erste Herausforderungen in der Schule, welche sich auch primär nur zu Hause zeigen können. Denn die feinen Antennen und die zusätzlich andere Reizaufnahme, -verarbeitung und -regulation von neurodivergenten Kindern braucht ein Ventil, das sich individuell entladen können muss. Erste Maskingeffekte können auch entstehen, wenn Goldkinder krampfhaft versuchen, sich der neuronormativen Welt anzupassen. Dies ist aber nur mit einem sehr hohen Energieaufwand möglich, der schnell in psychischen Zusammenbrüchen enden kann.
Danke, Saskia Niechzial, dass du dieses Mutmachbuch für alle, die neurodivergente Kinder begleiten, geschrieben hast. Goldkinder vielmehr in ihren Potenzialen und Stärken zu begleiten und zu verstehen, dass neurodivergente Kinder anders wahrnehmen, erscheint mir eine zukünftig wichtige Haltung gegenüber der Neurodivergenz. Deshalb ist dieses Buch eine Pflichtlektüre für alle PädagogInnen, medizinischen und therapeutischen Fachpersonen sowie betroffenen Eltern, die neurodivergente Goldkinder in ihrer individuellen Entwicklung begleiten. Sie erhalten konkrete Hinweise für erste Anzeichen sowie praktische Strategien für Schule Alltag, die ich nicht missen möchte.
Bestes Buch zum Thema!
Bewertung am 02.10.2024
Bewertungsnummer: 2306526
Bewertet: Hörbuch-Download
Schon der Titel macht Lust, dieses Werk zu erkunden, er verspricht eine zugewandte, positive Herangehensweise an das Thema Neurodivergenz und er hält sein Wort. Saskia Niechzial hält sich bei ihrer umfassenden Stoffsammlung nicht mit unnötigem Ratgeber-Blabla auf, was ähnliche Titel oft so unerfreulich macht. Zudem überlässt sie, außer beim Vorwort, in Felicity Grist einer professionellen Sprecherin den Vortrag ihrer Gedanken. Eine gute Entscheidung, wobei sie selbst auch gut liest, was nicht auf alle Autoren zutrifft. Inhaltlich ist ihr Buch ein Universal-Nachschlagewerk zum aktuellen Wissensstand über ADS/ADHA/Autismus/Hochbegabung und Co. - systematisch gegliedert und umfassend. Zudem gibt es immer wieder Hinweise, wo man weiterlesen kann, falls einen das aktuelle Kapitel gerade nicht so betrifft. Das Buch wendet sich an Niechzials Kollegen und Kolleginnen (Lehrer) und Eltern, die sich dafür interessieren, wie sie erkennen können, ob eventuell eine Symptomatik vorliegt, wie und wo man das diagnostiziert bekommt. Und schließlich, am wichtigsten: Wie man im Fall einer Diagnose am besten mit Betroffenen umgeht, um sie zu fördern, aber auch, um die eigenen Nerven zu schonen, denn so viel sei verraten: Wenn man ein "besonderes" Kind hat, ist das oftmals mit viel Diplomatie nach Außen und viel Geduld im Inneren verbunden. Niechzials Buch macht das deutlich und hinterlässt seine Leser mit Optimismus, das Andere, das Besondere an seinem Kind mit neuen Augen zu sehen. Und das ist viel wert.
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