Auch zu Zeiten, als man noch im Sonntagsstaat ins Stadion ging, war die Fußballwelt nicht heil. Schiris bekamen Ärger mit den Fans, Spieler verweigerten sich, Ergebnisse waren abgekartet. Selbst Nacktflitzer kannte man schon. Ungewöhnliche Vorfälle, teils brisante, auch lustige oder tragische, gab es auf dem Feld, auf den Rängen, in den Kabinen und hinter den Bürotüren der Sportverantwortlichen. In aller Regel kamen sie nicht an die Öffentlichkeit. Der Journalist Frank Müller hat recherchiert und Spieler, Trainer, Sportfunktionäre befragt. Entstanden ist ein unterhaltendes und zugleich dokumentierendes Buch, das den Fokus auf kaum bekannte Fußballgeschichte und -geschichten aus DDR-Zeiten richtet. Dabei wird der Bogen von Spielmanipulationen über seltsame Erlebnisse der Akteure bis hin zum sprachlosen Dynamo-Chef Mielke gespannt. Das Buch erhellt aber nicht nur bislang Unbekanntes, sondern greift kursierende Geschichten auf, die in der Schilderung von unmittelbaren Zeugen oder den Protagonisten selbst noch einmal in neuem Licht erscheinen. Dazu bietet ein Glossar über die Stadien, in denen all das passierte, Groundhoppern einen verlässlichen Führer.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
j.h.
aus Berlin
5/5
06.06.2025
Buch (Taschenbuch)
ABSEITS UND ANDERE FALLEN – Seltsame Begebenheiten aus dem Fußball-Osten
Frank Müller (*1957) spielte selbst aktiv Fußball – unter anderem für Chemie Leipzig. Seit 1986 arbeitete er als freier Journalist und war auch Autor mehrerer Fußball-Sachbücher. Im vorliegenden Band versammelt er in über 60 Kapiteln kurzweilig Erinnerungen und Legenden um 40 Jahre DDR-Fußball, die in der Regel niemals das Licht der Öffentlichkeit erblickten. Recherchen und Interviews mit Spielern, Trainern und Sportfunktionären ergeben ein differenziertes Bild auf eine gewiss nicht immer heile Fußballwelt. Im Anhang sind auf 70 Seiten in Wort und Bild die wichtigsten Stadien der DDR-Oberliga dokumentiert.
Das unterhaltsame Buch aus dem Verlag neues leben ist all jenen Lesern zu empfehlen, die ihre Erinnerungen an den Fußball-Osten nochmals Revue passieren lassen oder vervollständigen wollen.
Manuela15
5/5
30.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Abseits und andere Fallen“…
Abseits und andere Fallen“ ist ein Muss für alle, die sich gerne mit der DDR-Geschichte des Fußballs auseinandersetzen und darüber hinaus für jeden Fußballfan oder Sportinteressierten. Zu den gut recherchierten Texten und spannenden Berichten über teils unbekannte und skurrile Ereignisse mischen sich zahlreiche Bilder, die die Thematik des Buches untermauern. Es ist kaum zu glauben, was im Fußball alles hinter den Kulissen passiert, von dem man vorm Fernseher oder im Stadion meist nichts mitbekommt. Zusätzlich ist es wirklich informativ gestaltet und gibt Einblicke in die Sportgeschichte Ostdeutschlands. Eine absolute Empfehlung für Ostalgiker.
Gisela.1318
5/5
30.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Und plötzlich wird DDR-Fußball…
Und plötzlich wird DDR-Fußball spannend! Selbst als vollkommen unbedarfter Leser, der sich weder mit Fußball noch mit der DDR-Geschichte sonderlich gut auskennt, wird man von Frank Müllers „Abseits und andere Fallen“ von den ersten Zeilen an abgeholt. Einerseits ist es die Erzählkunst des Autors – für ein Fußball-Buch von einem ehemaligen Fußballer erstaunlich elegant, niemals von oben herab, selten wertend und stets unterhaltsam. Andererseits sind es die akribisch gesammelten Geschichten der Protagonisten von damals und die vielen Bilder aus den Archiven, die den Leser in die Zeit und die Thematik eintauchen lassen. Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Funktionäre, deren Namen man nie zuvor gehört hatte, werden auf diese Weise für kurze Zeit zu Vertrauten, die einen Schwank aus ihrer Vergangenheit erzählen. Diese Erinnerungen werden von Autor Frank Müller dabei so schön auf den Punkt gebracht, dass die jeweiligen Episoden selten länger als zwei Seiten sind und keine Langeweile aufkommen kann. Dass die Politik und die Stasi nie weit waren, ist bei einem DDR-Fußball-Buch keine Überraschung. Amüsante Episoden in der direkten Begegnung weiß der Autor trotzdem zu erzählen. Gut geschrieben und reich bebildert!
Bewertung
5/5
28.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Absolute Empfehlung!
„Abseits und andere Fallen“ ist ein Muss für alle, die sich gerne mit der DDR-Geschichte des Fußballs auseinandersetzen und darüber hinaus für jeden Fußballfan oder Sportinteressierten. Zu den gut recherchierten Texten und spannenden Berichten über teils unbekannte und skurrile Ereignisse mischen sich zahlreiche Bilder, die die Thematik des Buches untermauern. Es ist kaum zu glauben, was im Fußball alles hinter den Kulissen passiert, von dem man vorm Fernseher oder im Stadion meist nichts mitbekommt. Zusätzlich ist es wirklich informativ gestaltet und gibt Einblicke in die Sportgeschichte Ostdeutschlands. Eine absolute Empfehlung für Ostalgiker.
Manuela404
5/5
24.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Und plötzlich wird der DDR-Fußball wieder spannend!
Selbst als vollkommen unbedarfter Leser, der sich weder mit Fußball noch mit der DDR-Geschichte sonderlich gut auskennt, wird man von Frank Müllers „Abseits und andere Fallen“ von den ersten Zeilen an abgeholt. Einerseits ist es die Erzählkunst des Autors – für ein Fußball-Buch von einem ehemaligen Fußballer erstaunlich elegant, niemals von oben herab, selten wertend und stets unterhaltsam. Andererseits sind es die akribisch gesammelten Geschichten der Protagonisten von damals und die vielen Bilder aus den Archiven, die den Leser in die Zeit und die Thematik eintauchen lassen. Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Funktionäre, deren Namen man nie zuvor gehört hatte, werden auf diese Weise für kurze Zeit zu Vertrauten, die einen Schwank aus ihrer Vergangenheit erzählen. Diese Erinnerungen werden von Autor Frank Müller dabei so schön auf den Punkt gebracht, dass die jeweiligen Episoden selten länger als zwei Seiten sind und keine Langeweile aufkommen kann.
Inhaltlich dreht es sich, vermutlich wegen der biografischen und sportlichen Herkunft des Autors, vornehmlich um die Leipziger Clubs Chemie und Lok, ihre permanente Konkurrenz und nicht ganz lupenreine Eingriffe von oben. Weil Lok Leipzig offenbar ein Lieblingskind der Führung war, mussten andere Vereine, allen voran Chemie, ihre Top-Spieler nicht selten an Lok abgeben. Selbst durften sie aber auch nicht zu gut werden. So geschah es dann schon mal, dass Top-Kicker plötzlich ihre Einberufungsbefehle bekamen… Allerhand Schiebereien werden auch in anderen Zusammenhängen geschildert, jedoch ohne mit dem Finger auf die böse DDR zu zeigen.
Dass die DDR-Clubs auch international punkten konnten, und nicht nur im Ostblock, erfährt man ebenfalls aus der Geschichte des 1. FC Lok Leipzig, der 1973/74 beim UEFA-Pokal auftrumpfen und renommierte Teams wie AC Turin, Wolverhampton Wanderers, Fortuna Düsseldorf und Ipswich Town aus dem Turnier kicken konnte und erst durch Tottenham Hotspur im Semifinale gestoppt wurde.
Dass die Politik und die Stasi nie weit waren, ist bei einem DDR-Fußball-Buch keine Überraschung. Amüsante Episoden in der direkten Begegnung weiß der Autor trotzdem zu erzählen. So etwa über Stasi-Chef Erich Mielke, der als großer Fan vom Berliner FC Dynamo fast alle Heimspiele seines Vereins besuchte und gern auch laut kommentierte. So etwa, als ihm etliche Entscheidungen des Schiedsrichters bei einem Spiel der Dynamos gegen den FC Karl-Marx-Stadt mißfielen und er laut von der Tribüne brüllte und der damalige DDR-Auswahltrainer Károly Sós
lautstark konterte: »Seien Sie ruhig, Sie haben keine Ahnung von Fußball.« Die Menge schwieg betreten, schließlich hätte sich sonst niemand getraut, Mielke so in die Parade zu fahren. Dieser aber antwortete kleinlaut: »Man wird doch wohl in diesem Staat noch seine Meinung sagen dürfen.«
Alles in allem ein kurzweiliges Lesevergnügen, sowohl für Kenner als auch für Laien. Gut geschrieben und reich bebildert! Das vorliegende Buch ist übrigens der Nachfolger des ersten Teils unter dem Titel „Die Delegierten".
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