Die deutsche Zweistaatlichkeit brachte Künstler hervor, die auf beiden Seiten aneckten und trotzdem da wie dort erfolgreich waren. Brandt schuf in Ost- und in Westberlin Giebelbilder und gestaltete U-Bahnhöfe, war Architekt, Designer, Gebrauchsgrafiker, Bühnenbildner, Maler. Er bewies seine sprühende Schöpferkraft auf vielen Gebieten – und hier als begnadeter Erzähler eines Werkes, das als Autobiografie bezeichnet, aber als Roman gelesen werden kann. Eine Lektüre, die gefangen nimmt mit kinematografischer Bildhaftigkeit und der zuweilen sarkastischen Wahrnehmung von Menschen, Himmel und Erde, inbegriffen selbstironische Betrachtungen; eine durchgehende Ermunterung, Neigungen und Talente zu pflegen und gegenüber Widerständen zu behaupten. Als der letzte Punkt im Manuskript gesetzt war, verstarb Lutz Brandt im Januar 2024. Günter Höhne, der seinen Nachlass betreut, fügte dem Text markante Bilder des außerordentlich kreativen Künstlers bei. Entstanden ist ein Buch, das alle Sinne anspricht.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
j.h.
aus Berlin
5/5
02.03.2025
Buch (Taschenbuch)
MALSTOCK, REISSBRETT UND FASSADEN – Lebenserinnerungen von Lutz Brandt
Lutz Brandt (1938-2024) war ein vielfältig tätiger Berliner Gestalter und Künstler, dessen Hinterlassenschaften noch heute im Berliner Stadtbild präsent sind – ohne dass der Urheber bekannt ist. Die von Günter Höhne (*1943) herausgegebenen, von Brandt noch als Manuskript abgeschlossenen Lebenserinnerungen (Untertitel: Mein Berliner Künstlerleben) ermöglichen durch zahlreiche farbige Bilderstrecken umfangreiche Einblicke in fantasievolle Kunst am Bau ebenso wie Gemälde und Bühnenbilder. Damit einher gehen bruchstückhafte Erinnerungen an prägende Lebensereignisse. Ein handschriftlicher „Lebenslauf“ ist ebenso dokumentiert. Dessen Inhalt ist nur teilweise im ausführlicheren ausformulierten Text enthalten.
Gewissermaßen als Zeitkolorit finden sich auch Alltagserinnerungen wie diese: „Zuerst ist es 1976/77 nur ein Gerücht, ein Flämmchen, ein kleines Flackerfeuerchen, aber mit dem Potenzial eines Flächenbrandes: Es sollen Golfs kommen, tausend oder zehntausend VW-Golf sollen importiert werden! Diese Nachricht trifft die PKW-Einöde DDR wie ein Kometeneinschlag. Da ist derjenige ganz weit vorn in der Warteschlange, der einen „Späher“ an der Neuwagenfront hat. Ich selbst bin eigentlich kraftfahrzeugtechnisch gut versorgt mit meinem Shiguli, und der ist gut verkaufbar. Sein Neupreis lag bei rund zwanzigtausend Mark, und er würde auf dem Gebrauchtwagenmarkt jetzt so zwischen dreißig- und vierzigtausend Mark einbringen.“ (S. 62)
Das im Verlag neues leben erschienene Buch wird abgeschlossen von einem Lutz Brandt würdigenden Nachwort des langjährigen Freundes Günter Höhne sowie Erinnerungen an die Beisetzung im März 2024 von Verleger Frank Schumann.
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