Eines Tages bleibt Frieda beim Synchronsprechen im Studio die Stimme weg, die Worte haften nicht mehr. Jonas, ihr Freund, vermittelt ihr die Möglichkeit, an der portugiesischen Algarve ein Hotel zu hüten, das über den Jahreswechsel schließt. Allein mit Hotelhund Otto, dem Hausmeister und Handwerkern hat Frieda nicht viel zu tun: Strandspaziergänge, Einkaufen, Kochen, Schauen. Sie lüftet Zimmer und ihre Gedanken. Das Hotel Paraíso ruft bei ihr Erinnerungen an einen anderen Ort wach, an dem sie sich wohlfühlte, aber nicht bleiben konnte: die Tankstelle in einem niedersächsischen Dorf, wo sie aufwuchs, bis sie irgendwann erfuhr, warum sie trotzdem nicht dazugehörte. Und während Frieda in Portugal darauf wartet, dass Jonas nachkommt, wird eine Frage immer drängender: Kann das Dazwischen ein Zuhause sein?
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Susanne Poehls
5/5
25.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein wunderbares Buch
Dieses Buch ist einfach nur ganz fein und wunderbar. Es passiert nicht wirklich viel in der Handlung, das liegt in der Natur der Sache, wenn man ein leeres Hotel hütet. Aber die Gedanken, die die Hauptfigur sich macht und wie sie ihre Umgebung, die Natur und die Menschen um sich herum wahrnimmt, das ist schon etwas ganz besonders. Sie denkt über ihr Leben nach und das Leben im allgemeinen. Dabei gibt es so viele schöne Gedanken, dass man sich fast auf jeder zweiten Seite einen Satz merken möchte. Außerdem ist das Buch auch noch wunderbar flüssig zu lesen und es strahlt eine gewisse Ruhe aus, die mir beim Lesen gut getan hat. Dazu entstehen durch die poetische Sprache viele Bilder im Kopf, wenn man über die Sätze nachdenkt. Einfach ein ganz bezauberndes Buch, eine klare Leseempfehlung von mir.
Europeantravelgirl
5/5
10.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Allein an der Algarve
„Fernweh und Heimweh sind Sehnsüchte. Beide fühlen sich an, als habe jemand im Herz ein Fenster offen gelassen.“
Winter an der Algarve. Eine Frau allein in einem Hotel in Portugal. Aber ist man jemals wirklich allein? Bald muss die Erzählerin feststellen, dass sie jede Menge Gepäck dabeihat. Altlasten, Zweifel. Auch begründet in ihrer Herkunft, denn sie wurde von ihrer Familie als Kind angenommen. Je leiser es an der Algarve wird, desto lauter werden die Gedanken und drängen mit Vehemenz an die Oberfläche. Denn schließlich ist sie nicht nur zur Entspannung hier, sondern als Notbremse. Burn-out sagen die einen. Doch egal wie man es nennen mag, eine Synchronsprecherin mit Sprachproblemen ist ein Widerspruch in sich. Und dann taucht ein geheimnisvoller nächtlicher Besucher auf.
Der Roman von Arezu Weitholz besticht vor allem durch seine wunderbare Sprache und die weitschweifenden, klugen Gedanken. Ein bemerkenswerter Satz jagt den nächsten, und ich komme kaum noch hinterher, mir all die gelungenen Formulierungen zu markieren. Zwischendurch wird es mir zu viel. Einige Sätze scheinen dann zu gewollt, zu gesetzt. Doch in der Summe überzeugt der gar nicht stille Roman, denn das Karussell dreht sich und wirft uns wunderbare und vielfältige Gedanken hin wie Konfetti im Karneval.
Was mir noch gefiel?
Die Sinnlichkeit der Wahrnehmung. Die Hingabe zum Genuss auch einfachster Dinge.
Ein schöner Roman voller großartiger Sätze und Gedanken.
Europeantravelgirl
5/5
10.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Allein an der Algarve…
Allein an der Algarve „Fernweh und Heimweh sind Sehnsüchte. Beide fühlen sich an, als habe jemand im Herz ein Fenster offen gelassen.“ Winter an der Algarve. Eine Frau allein in einem Hotel in Portugal. Aber ist man jemals wirklich allein? Bald muss die Erzählerin feststellen, dass sie jede Menge Gepäck dabeihat. Altlasten, Zweifel. Auch begründet in ihrer Herkunft, denn sie wurde von ihrer Familie als Kind angenommen. Je leiser es an der Algarve wird, desto lauter werden die Gedanken und drängen mit Vehemenz an die Oberfläche. Denn schließlich ist sie nicht nur zur Entspannung hier, sondern als Notbremse. Burn-out sagen die einen. Doch egal wie man es nennen mag, eine Synchronsprecherin mit Sprachproblemen ist ein Widerspruch in sich. Und dann taucht ein geheimnisvoller nächtlicher Besucher auf. Der Roman von Arezu Weitholz besticht vor allem durch seine wunderbare Sprache und die weitschweifenden, klugen Gedanken. Ein bemerkenswerter Satz jagt den nächsten, und ich komme kaum noch hinterher, mir all die gelungenen Formulierungen zu markieren. Zwischendurch wird es mir zu viel. Einige Sätze scheinen dann zu gewollt, zu gesetzt. Doch in der Summe überzeugt der gar nicht stille Roman, denn das Karussell dreht sich und wirft uns wunderbare und vielfältige Gedanken hin wie Konfetti im Karneval. Was mir noch gefiel? Die Sinnlichkeit der Wahrnehmung. Die Hingabe zum Genuss auch einfachster Dinge. Ein schöner Roman voller großartiger Sätze und Gedanken.
Bewertung
aus Oberursel
5/5
06.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
nachdenklich und schön
Ein kleines feines Büchlein mit nur 176 Seiten, das mir entgangen wäre, wenn ich es nicht empfohlen bekommen hätte. Das Cover hätte ich irgendwie übersehen, den Autor kannte ich noch nicht – wäre schade drum gewesen!
Also, Frieda, irgendwas Ü50 (und damit eigentlich genau meine Zielgruppe :-)) ist im Burn-Out. Ihre Stimme versagt, sie muss eine Job-Pause nehmen. Ihr Freund Jonas vermittelt ihr einen Housesitterjob; oder vielmehr einen Hotelsitter-Job: an der portugiesischen Algarve wird Frieda für ein paar Wochen zwischen den Jahren das Hotel Paraíso hüten, das in dieser Zeit geschlossen hat. Sie wird den dazugehörigen Hund Otto hüten und Bauarbeiten beaufsichtigen; und vor allem: sie wird Zeit für sich selbst haben und über sich und ihr Leben nachdenken können.
Und das war eigentlich auch schon der Inhalt diese Buches im Kurzformat :-) Und mir hat es so gut gefallen, dass ich die „Lang-Variante“ auf jeden Fall auch weiter empfehle. Der Roman ist in Friedas Ich-Perspektive verfasst, und sie lässt hier ihr Leben Revue passieren. Sie ist ein Adoptivkind, aufgewachsen in einer niedersächsischen Familie, die die dortige Tankstelle führte, und auch wenn es der Autor, respektive Frieda, nie zu 100 Prozent klarstellt, scheint es eine Auslandsadoption gewesen zu sein – jedem außer Frieda selbst war wohl glasklar, dass sie schon rein optisch nicht ins Familienbild gepasst hat. Ja, und so hat Frieda immer schon das Gefühl gehabt, nie so recht ins Bild zu passen. Darüber hat sie jetzt Zeit zum nachdenken, während sie mit Otto lange Spaziergänge im stürmischen portugiesischem Winterwetter unternimmt und sich mit dem alten Hausmeister des Hotels anfreundet. Und auch über ihre Beziehung zu Jonas und ihrer Schwiegermutter Lilly, die die ewige Jugend pachten will, denkt Frieda nach und berichte uns Lesern davon...und wir können uns mit vielem identifizieren, denn kennt nicht jeder das Gefühl, irgendwann und irgendwo nicht dazu gepasst zu haben und umrundet zu sein von merkwürdigen Leuten, die sich Familie nennen?
Ja, hat mir gefallen, diese Lektüre, viele schöne Gedanken, eingepackt in eine kleine Story, die mir persönlich gerade jetzt, wo ich selbst von einem Aufenthalt an der Algarve zurück gekommen bin, besonders gut gefallen hat. Flüssig geschrieben, der Stil durchaus ein wenig anspruchsvoller – hat für mich alles gepasst.
Und natürlich gibt es Hoffnung: das leben ist schön und geht weiter!
Bewertung
5/5
09.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr berührend
„Heimweh hat man, wenn man sich nach einem Ort sehnt, an dem man sich geborgen fühlt. Fernweh hat man, wenn man nicht weiß, wo der sein soll, dieser Ort. Fernweh ist Heimweh nach Irgendwo.“
Ein wunderbar nachdenklicher und poetischer Roman über die Suche nach sich selbst.
Frieda verliert sich immer mehr und ihr wird alles zu viel. Durch ihren Freund Jonas bekommt sie die Möglichkeit über die Weihnachtszeit ein Hotel mitsamt Hund zu hüten. Dort ist sie ganz allein mit ihren Gedanken, reflektiert ihr bisheriges Leben und hat endlich mal die Möglichkeit durchzuatmen und Gedanken zu Ende zu denken.
Ein sehr ruhiger, nachdenklicher Roman in einer wunderbar poetischen Sprache. Man sollte ihn ganz in Ruhe und voller Genuß lesen, damit man nichts überliest. Ein Roman übers Alleinsein, fehlende Zugehörigkeit und darüber zu sich selbst zu finden.
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