Ballybrady, ein pittoreskes irisches Dorf zwischen grünen Hügeln und atemberaubender Küste. Hier lebt Grace allein und zurückgezogen und verbringt ihre Tage mit Schwimmen, Quilten und ihrem Hund. Grace ist eine Naturgewalt; ruppig und scharfzüngig, aber mit Zartgefühl kennt sie die Gefahren der stürmischen See ebenso gut wie die Abgründe des menschlichen Herzens. Um Geld zu verdienen, vermietet sie ein Cottage an Touristen. Touristen wie Evan. Nach dem Verlust seiner Tochter hat er keine Ahnung, wie er weiterleben soll. Seine Ehe droht zu zerbrechen, er trinkt zu viel und arbeitet zu wenig. Eine Woche weit weg von allem, dann will er sich wieder als zuverlässiger Gatte, Vater und Geschäftspartner bewähren. Doch er ist erst wenige Tage in Ballybrady, als der Lockdown kommt. Das Leben steht still – und plötzlich gerät etwas in Bewegung. Denn Evan muss sich nicht nur mit sich und seiner Trauer, sondern auch mit Grace und den anderen eigenwilligen Dorfbewohnern auseinandersetzen, und er trifft dabei auf Menschen, die ihm zeigen, was wirklich wichtig ist.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Sabine
aus Köln
5/5
05.09.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Mitternachtsschwimmer
Grace lebt zurückgezogen in einem kleinen Dorf an der irischen Küste. Sie verbringt ihre Tage mit Schwimmen, Quilten und ihrem Hund – sie hat jedoch eine ruppige Art unf wird deshalb von Anderen argwöhnisch betrachtet. Um Geld zu verdienen, vermietet sie ein Cottage an Touristen – so lernt sie Evan kennen, dessen Ehe vor dem Aus steht und der eine Auszeit sucht. Der Lockdown verlängert dann unfreiwillig seinen Aufenthalt, und fast schon zwangsweise muss nicht nur er sich seinen Problemen stellen, sondern auch Grace sich mit den anderen Dorfbewohnern auseinandersetzen.
Es ist ein leiser und berührender Roman über Verlust und Trauer, Liebe und Freundschaft, aber auch über Hoffnung und die Möglichkeiten, die eine Gemeinschaft bieten kann. Mich hat der Roman auf mehreren Ebenen begeistert – zum einen ist es die Atmosphäre in dem kleinen irischen Küstendorf, die die Autorin wunderbar eingefangen hat. Die raue Küste, das tosende Meer, aber auch die eigenwilligen Charaktere machen alles sehr greif- und nahbar. Grace ist ein Mensch, den man erst kennenlernen muss, um ihn zu mögen – sie ist oft harsch, anderen gegenüber auch verletzend, eigenbrötlerisch und undurchschaubar. Warum sie so ist, erklärt sich im Weiteren, entschuldigt es aber natürlich nur bedingt. Man lernt sie aber auch von einer liebevollen Seite kennen, und diese mochte ich sehr gerne – diese Blicke in ihr Herz, das sie gut und gerne vor anderen versteckt, haben mich lächeln lassen und mir Freude gebracht. Evan ist ganz anders als sie – völlig verzagt und ohne Hoffnung kommt er in dem Cottage an, sieht keine Lösung für sich und seine Probleme, und auch alles Sinnieren und Grübeln bringt ihn nicht weiter. Da braucht es dann Anstöße von außen – zum einen die Pandemie, die ihn zwingt, sich mit der Situation zu arrangieren, zum anderen sein gehörloser Sohn Luca, der unverhofft zu ihm stößt und von dem er – so jung er ist – einiges lernt.
Zum anderen hat mich dann die Entwicklung der Geschichte begeistert – die Autorin hat die Beziehungen der verschiedenen Figuren zueinander toll ausgearbeitet – alle entwickeln sich irgendwie weiter, bei keinem herrscht Stillstand; und im Gegensatz dazu scheint aber die Welt durch die Pandemie stillzustehen. Ich mochte diesen Gegensatz sehr, und obwohl er doch sehr groß ist, fand ich alles wirklich glaubhaft und nachvollziehbar. Am Ende lösen sich zwar nicht alle Probleme im Nichts auf, trotzdem gibt es Hoffnungsschimmer, so dass ich nach Beenden ein gutes Gefühl hatte, gerade auch weil ich mich den Charakteren verbunden fühlte.
Der Schreibstil ist toll – sehr gefühlvoll ohne dabei aber kitschig oder blumig zu sein. Die Autorin schafft es mit wenigen Worten, die Figuren zu gestalten, ihnen eine eigene Stimme zu geben, so dass man sich gut in sie hineinversetzen kann – egal, ob es die etwas widerspenstige Grace, der sensible gehörlose Luca oder der verzweifelte Evan ist. Farbgewaltige Beschreibungen von Land und Leuten haben bei mir viele Bilder erzeugt, so dass ich mich inmitten des Geschehens gefühlt habe - und am liebsten sofort nach Irland reisen würde.
Brigitte Carlsen hat das Hörbuch toll gelesen – sie hat eine dunkle Stimme, die sich für mich sehr vertraut und emotional angefühlt hat und die die Atmosphäre wunderbar einfangen konnte. Ein toller Plot mit wunderbarer Atmosphäre, großartig gelesen von Brigitte Carlsen – von mir daher auf jeden Fall eine Empfehlung.
Wortschätzchen
aus Kreis Heidelberg
5/5
02.09.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Überraschend, tiefgründig, weise
Im kleinen Küstendorf Ballybrady lebt Grace, die sich mit Quilten und dem Vermieten ihres Elternhauses etwas Geld verdient, sehr zurückgezogen. Ihr neuester Mieter ist Evan, der durch einen schweren Schicksalsschlag völlig aus der Bahn geworfen wurde und nun zur Ruhe kommen möchte, aber auch seiner Frau die Gelegenheit geben möchte, wieder zu ihm zu finden. Doch Corona macht allen einen Strich durch die Rechnung und Evans Aufenthalt dehnt sich länger aus, als gedacht. Ohne dass sie es wissen, ist das nicht nur für Grace und Evan heilsam.
Dieser Roman ist unbeschreiblich weise. Ganz sanft behandelt Roisin Maguire Themen, die sehr schwierig sind und so manchen Leser oder Hörer stark triggern könnten. Ich möchte sie hier dennoch nicht nennen, um niemanden zu spoilern. Mir gingen die Themen sehr nahe, aber ich fand sie so gut behandelt, dass die vorgenannte heilende Wirkung auch auf mich über ging. Meine Gedanken und Gefühle machten sich selbständig und überschlugen sich und lösten Knoten, auch wenn es andere Themen betraf. Die Weisheit dieses Buches ist größer und weitreichender, als sein Inhalt. Wow!
Grace ist eine schrullige und dennoch herzensgute Person, die man gleichzeitig liebt und fürchtet. Die Liebe überwiegt aber! Die Dorfbewohner sind komplett klischeehaft angelegt und genau deshalb perfekt getroffen. Evan wirkt zunächst sehr verweichlicht, doch mit der Zeit eröffnen sich Zusammenhänge, die alles erklären. Ganz tief gräbt die Autorin, bis sie den tiefsten Punkt des Schmerzes trifft und die Wurzel des Übels mit einem heftigen, aber heilsamen Ruck herauszieht. Nichts ist am Ende mehr so, wie es anfangs schien oder auch war und es gibt Enden, die man nicht erahnt hätte und Anfänge, die man sich kaum hätte wünschen können. Ja, so ist das im Leben tatsächlich immer wieder und das hat Maguire unsagbar schön zu Papier gebracht.
Doch auch die Gegend, die irische Küstenlandschaft, zeichnet sie ohne zu viel Gerede detailreich und so klar, dass man sie direkt vor Augen hat. Dies zusammen mit den Figuren und den Ereignissen ergibt ein Buch, das mit ganz vielen wunderbaren magischen Momenten zeigt, wie schön das Leben sein kann, wenn wir nur hinsehen, auch wenn wir gerade eine schlimme Phase durchmachen. Es zeigt, dass das, was wir sehen, fühlen und erleben, nicht immer die Wahrheit ist, dass eine Tatsache von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich wahrgenommen werden kann. So macht das Buch Mut, gibt Kraft, lässt innehalten und nachdenken und bereichert enorm. Muss man einfach lesen oder hören! Gelesen haben die WhatsApp-Nachrichten meiner Meinung nach mehr Charme, aber Brigitte Carlsen hat den Roman einfach wunderbar eingelesen. Fünf strahlend leuchtende Sterne!
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
02.09.2024
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Eine eindrucksvolle Erzählung
MITTERNACHTSSCHWIMMER
Roisin Maguire
Wundervoll gelesen von Brigitte Carlsen
Roisin Maguire erzählt in „Mitternachtsschwimmer“ die bewegende Geschichte von Evan, einem Mann, der nach einem schweren Schicksalsschlag alles versucht, um seine zerbrechende Familie zu retten. Um seiner Frau Raum zu geben, zieht er sich in ein abgelegenes Cottage an der irischen Küste zurück. Doch aus den geplanten wenigen Tagen wird durch den plötzlichen Ausbruch des Coronavirus und den darauf folgenden Lockdown ein längerer Aufenthalt.
Evan, der zerbrechliche Großstädter, wird von den Einheimischen des kleinen Küstenortes Ballybrady zunächst mit Argwohn betrachtet. Auch er selbst hat Schwierigkeiten, sich in die Gemeinschaft einzufinden, und die kühle, unnahbare Art seiner Vermieterin Grace verstärkt sein Gefühl der Isolation. Doch als sein achtjähriger gehörloser Sohn Luca unerwartet vor seiner Tür steht, wird Evan mit der Herausforderung konfrontiert, sich erneut als Vater zu beweisen. Überrascht stellt er fest, dass ausgerechnet Grace, die ihm anfangs so fremd und verschlossen erschien, eine besondere Verbindung zu Luca aufbaut.
Evan steht im Zentrum dieses Romans, und seine Entwicklung ist berührend und tiefgehend. Seine innere Zerrissenheit und die langsame Annäherung an seinen Sohn und die Dorfbewohner werden von Maguire feinfühlig und mit großer atmosphärischer Dichte dargestellt. Die irische Küstenlandschaft, die Maguire so lebendig beschreibt, dient hingegen als Spiegel für Graces eigene innere Landschaft – rau, stürmisch, aber auch voller stiller Schönheit und Leben.
Ganz besonders gelungen waren die Charakterzeichnung und die einfühlsame Schilderung der kleinen, schönen Momente zwischen Evan, Luca und Grace.
Fazit:
Der „Mitternachtsschwimmer“ ist eine eindrucksvolle und bewegende Erzählung über Verlust, Heilung und die Suche nach einem Neuanfang, die ich sehr gerne abwechselnd gelesen und gehört habe.
4½/ 5
Bewertung
4/5
14.09.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Lebenskluge Erzählung
Es soll eine lebenskluge Geschichte sein, die dafür wirbt weder anderen Menschen vorzuschreiben, wie sie zu sein haben, noch es sich selbst vorschreiben zu lassen. Diese Botschaft kommt bei mir auch an, aber das Buch bringt dafür leider ein paar Opfer.
Allen voran fehlt mir die Fröhlichkeit in der Geschichte. Sie liest sich sehr drückend und pessimistisch, obwohl sie das eigentlich gar nicht ist. Trotzdem nimmt mir das etwas die Freude an dem Buch und verhindert, dass mich das Erzählte fesselt. Ebenso wie der fehlende Spannungsbogen. Die Handlung schreitet recht gleichförmig voran, ohne mich wirklich auf die Folter zu spannen, was am Ende herauskommt. Auch das sorgt dafür, dass ich nicht wirklich in den Bann gezogen werde. Außerdem sind mir die Figuren etwas zu klischeehaft und extrem dargestellt.
Deswegen hat mir das Hörbuch zwar gut gefallen, aber es hat mich nicht umgehauen und ist keines meiner Highlights.
drawe
aus Landau
3/5
05.11.2024
Hörbuch-Download (MP3)
Ein ruhiger Roman um Freundschaft und Miteinander
Mein Hör-Eindruck:
Ein idyllisches Ambiente: ein kleines Fischerdorf an der Irischen See, direkt am Meer gelegen, in der Nähe von Belfast. Hier begegnen sich zwei traumatisierte Menschen.
Da ist einmal Evan, der Stadtmensch, der mit schweren beruflichen und vor allem privaten Problemen klarkommen muss und sich von einem Aufenthalt auf dem Land Linderung erhofft. Und da ist Grace, die nach einer Entführung nach London (Näheres bleibt diffus) verändert wieder ins Dorf kommt und zur Einzelgängerin wurde.
Damit ist der grundlegende Gegensatz deutlich gesetzt, der im Laufe des Romans kontinuierlich ausgebaut wird. Die Dörfler verachten die verweichlichten Stadtmenschen, die sich zieren, im eisig kalten Meerwasser zu schwimmen. Touristen sind leichtsinnig und bringen ihrer Ansicht nach nur Lärm und Chaos in das Dorf. Umgekehrt bedient die Autorin das Klischee der rauen, aber herzlichen Landbewohner, von denen jeder auf seine Art schrullig ist, und sie weist einigen eine Rolle im Roman zu.
Die Handlung entwickelt sich sehr langsam und kleinschrittig. Die Autorin malt einige Szenen liebevoll aus, sie lässt sich Zeit mit der Beschreibung von Details und macht damit das deutlich, was der Stadtmensch Evan hier erlebt: Entschleunigung. Es ist vor allem das Meer, dem ihr Interesse gilt: seinen Farben, dem Wellengang, seinen Stimmungen, aber auch seinen Gefahren. Hier gelingen der Autorin atmosphärisch dichte, bildhafte Beschreibungen.
Die ruhige Abfolge der Tage wird durch verschiedene Rettungsaktionen unterbrochen, bei denen die Gegensätze Stadtmensch/Landmensch weiter vertieft werden. Deutlich Schwung in die Handlung bringt die Ankunft von Evans kleinem hörbehindertem Sohn, der das Interesse der Dorfbewohner weckt und letztlich dazu führt, dass er und Evan in die Dorfgemeinschaft aufgenommen werden.
Corona und der Lockdown bilden zwar den Hintergrund der Handlung, aber der Lockdown hat nur die Funktion, den Verbleib des Stadtmenschen im Dorf glaubhaft zu machen. Das Ende des Romans lässt vieles offen – aber wer denkt schon bei so viel Idylle an praktische Fragen der Existenz?
Der Roman wird sehr schön vorgelesen von Brigitte Carlsen. Das warme Timbre ihrer Stimme passt perfekt zum Inhalt.
Fazit: ein ruhiger Roman um Freundschaft und menschliches Miteinander.
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