Der herausragende Debütroman der US-Poetry-Slammerin Elizabeth Acevedo
Xiomara hat ihre Worte immer für sich behalten, so wie ihre strenggläubige Mutter es verlangt. In ihrem Viertel in New York übernehmen stattdessen Fäuste das Reden. Doch X hat Geheimnisse: ihre Gefühle für Aman aus ihrer Klasse; ihr Notizbuch voller Gedichte, das sie unter dem Bett versteckt – und ein Slam-Poetry-Club, der all diese Geheimnisse ans Licht bringen wird. Denn auf der Bühne bricht Xiomara schließlich ihr Schweigen und verlangt, von allen gehört zu werden.
Für Fans von Angie Thomas und Sarah Crossan
Übersetzt von der deutschen Poetry-Slammerin Leticia Wahl
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Ausdrucksstark
Jenny Wons aus Bergheim am 30.01.2026
Bewertungsnummer: 3030341
Bewertet: Buch (Paperback)
Mit Poet X legt Elizabeth Acevedo einen außergewöhnlichen Jugendroman vor, der sich bewusst von klassischen Erzählformen löst und stattdessen vollständig in Versform erzählt wird. Was zunächst vielleicht abschreckend wirken könnte – besonders für Leser:innen, die sonst wenig Berührung mit Lyrik haben – entpuppt sich schnell als große Stärke des Buches. Die poetische Form verstärkt die emotionale Wucht der Geschichte und macht Poet X zu einem intensiven, eindringlichen und zugleich sehr zugänglichen Leseerlebnis.
Handlung
Im Zentrum der Geschichte steht die fünfzehnjährige Xiomara Batista, eine afrolateinamerikanische Jugendliche, die mit ihrer Familie in Harlem, New York, lebt. Ihr Alltag ist geprägt von strengen Regeln, religiöser Kontrolle und einem ständigen Gefühl des Beobachtetwerdens – insbesondere durch ihre tiefgläubige Mutter, die fest davon überzeugt ist, dass ein gottgefälliges Leben der einzige richtige Weg für ihre Tochter ist. Xiomara soll „brav“, angepasst und keusch sein, während ihre eigene Stimme und ihre Bedürfnisse immer wieder unterdrückt werden.
Parallel dazu erlebt Xiomara all das, was viele Jugendliche in diesem Alter beschäftigt, jedoch aus einer sehr spezifischen, weiblichen Perspektive: Sie setzt sich mit ihrem Körper auseinander, der von ihrer Umwelt früh sexualisiert wird, mit unangenehmem Catcalling, Übergriffen und dem Gefühl, nicht über sich selbst bestimmen zu dürfen. Hinzu kommen erste romantische Gefühle, wachsende Zweifel an der Religion sowie das schmerzhafte Bewusstsein, dass sie nicht das Leben lebt, das sie sich selbst ausgesucht hat. Die Poesie wird für sie zum einzigen Ort, an dem sie ehrlich sein kann – ein geschützter Raum, in dem sie ihre Wut, ihre Angst und ihre Hoffnung verarbeitet.
Charaktere
Xiomara ist eine äußerst authentische und starke Protagonistin. Sie ist laut, wütend, verletzlich und kreativ – eine junge Frau, die sich nicht länger kleinmachen lassen will, aber noch nicht weiß, wie sie sich behaupten kann. Ihre innere Entwicklung ist einer der größten Pluspunkte des Romans: Man begleitet sie dabei, wie sie langsam lernt, ihrer eigenen Stimme zu vertrauen und sich selbst ernst zu nehmen.
Auch die Nebenfiguren sind vielschichtig angelegt. Besonders die Beziehung zur Mutter ist schmerzhaft realistisch dargestellt. Die Mutter ist keine eindimensionale Antagonistin, sondern eine Frau, die aus Angst, Liebe und religiöser Überzeugung heraus handelt – und dabei großen Schaden anrichtet. Der Zwillingsbruder steht im starken Kontrast zu Xiomara: Obwohl sie sich nahe stehen, wird deutlich, wie unterschiedlich Jungen und Mädchen innerhalb derselben Familie behandelt werden. Der Vater bleibt eher im Hintergrund, was seine emotionale Abwesenheit umso deutlicher macht. Diese Figurenkonstellation unterstreicht die zentralen Konflikte des Romans auf glaubwürdige Weise.
Schreibstil und Erzählform
Der in Versform geschriebene Stil ist ohne Zweifel das herausragendste Merkmal von Poet X. Acevedo arbeitet mit kurzen, prägnanten Gedichten, die weder kompliziert noch schwer zugänglich sind. Gerade diese Einfachheit sorgt dafür, dass die Emotionen ungefiltert beim Lesen ankommen. Statt langer Beschreibungen erhält man unmittelbare Einblicke in Xiomaras Gedankenwelt, wodurch eine starke Nähe zur Protagonistin entsteht.
Die Slam-Poetry-Elemente verleihen dem Text zusätzlich Kraft und Rhythmus. Man spürt, dass Worte für Xiomara nicht nur Ausdrucksmittel, sondern Überlebensstrategie sind. Acevedo beweist hier eine bemerkenswerte Fähigkeit, mit wenigen Zeilen ganze Lebensrealitäten darzustellen und große Themen wie Glaube, Identität, Sexismus und Selbstbestimmung auf den Punkt zu bringen.
Themen und Wirkung
Poet X behandelt zahlreiche relevante und gesellschaftlich wichtige Themen: weibliche Selbstbestimmung, Körperwahrnehmung, religiöser Druck, kulturelle Erwartungen, familiäre Konflikte und die Suche nach der eigenen Identität. Besonders hervorzuheben ist dabei, wie selbstverständlich marginalisierte Perspektiven sichtbar gemacht werden. Xiomaras Erfahrungen als afrolateinamerikanisches Mädchen stehen im Mittelpunkt, ohne erklärt oder relativiert zu werden – sie dürfen einfach sein.
Das Buch wirkt aufklärend, ohne belehrend zu sein, und schafft es, Empathie zu erzeugen, unabhängig davon, ob man selbst ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder nicht. Gerade deshalb eignet sich Poet X auch hervorragend als Schullektüre oder als Buch, das Diskussionen anstoßen kann.
Fazit
Poet X ist ein kraftvoller, mutiger und emotionaler Roman, der zeigt, wie wichtig es ist, die eigene Stimme zu finden – und sie auch zu benutzen. Die ungewöhnliche Erzählform, die starke Protagonistin und die thematische Tiefe machen dieses Buch zu einer besonderen Leseerfahrung, die lange nachhallt. Trotz der intensiven Themen liest sich das Buch schnell und flüssig und bleibt dabei stets berührend und ehrlich.
4 von 5 Sternen!
Stark!
Bewertung am 01.09.2024
Bewertungsnummer: 2281446
Bewertet: eBook (ePUB 3)
Dieses Buch hat mich so sehr berührt, dass es mir schwer fällt Worte dafür zu finden...
Xiomaras Seele ist anders, als es sich ihre Mutter wünschen würde. Statt an Gott zu glauben, hinterfragt sie die Bibel. Statt eifrig zu beten entwickelt sie Interesse an Jungs. Statt zu schweigen und ein braves Mädchen zu sein, schreibt sie Geschichte, dessen Bedeutung lauter schreien, als es ein gesprochener Satz je könnte...
Dieses Buch fühl sich an, als würde man das Tagesbuch eines Teenagers lesen, die von ihrem engsten Umfeld so sehr in eine Schublade gepackt wird, dass sie gar nicht gar nicht anders kann, als zu platzen. Die Worte sind so ehrlich, dass man selbst nicht drum herum kommt, Parallelen bei einem selbst zu sehen.
Xiomara ist eine starke Frau, die nichts mehr möchte, als einfach mal zu ruhen und auch Verletzlichkeit zeigen zu dürfen. Mal sie selbst zu sein, statt das Ebenbild dessen, was andere von ihr erwarten.
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