Die Geschichte des Traditionsunternehmens Bahlsen bietet einen seltenen Einblick in die ansonsten verborgene Welt des deutschen Mittelstandes.Bahlsen, das steht nicht nur fast synonym für das Genussmittel Keks, sondern ist tatsächlich auch dessen »Erfinder« in Deutschland. Es war der Firmengründer Hermann Bahlsen, dessen Wortschöpfung »Keks« (vom englischen »Cakes«) es 1915 in den Duden schaffte. Bis heute verfügt das in Hannover ansässige Traditionsunternehmen über einige der bekanntesten Marken für Nahrungsmittel in Deutschland. Dabei steht es aber auch für einen Unternehmenstyp, der zwar zentral für die deutsche Wirtschaft ist, über dessen Geschichte wir jedoch wenig wissen: Den Mittelstand. Wie hat er sich zum Nationalsozialismus gestellt? Wie denken und handeln Familienunternehmer angesichts der politischen und ökonomischen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts? Wie gestalteten sie das Verhältnis zu ihren Mitarbeitern? Unter welchen Bedingungen wurden insbesondere die ausländischen Zwangsarbeiterinnen im »Dritten Reich« behandelt?Hartmut Berghoff und Manfred Grieger gehen diesen Fragen auf Grundlage bislang nicht ausgewerteter Quellen nach. Die Autoren behandeln die Geschichte des Hauses Bahlsen vom späten Kaiserreich bis zur Bundesrepublik und bieten damit detaillierte Einblicke in die Wirtschafts- und Politikgeschichte sowie die Sozial- und Konsumgeschichte einer Zeit voller herausfordernder Umbrüche.
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aus Stadthagen
4/5
18.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannende historische Aufarbeitung eines deutschen Unternehmens
Die vorliegende Arbeit ist eine Auftragsforschung - nichts destotrotz ist sie neutral und geht nicht nur der Rolle Bahlsens im Nationalsozialismus auf den Grund, sondern umfasst auch die Jahre davor und danach. Die wissenschaftliche Abhandlung liest sich dabei nicht trocken, sondern bietet einen faszinierenden Einblick in ein mittelständisches Unternehmen, das sich durch hohe Anpassungsfähigkeit auszeichnet. Die Autoren formulieren es in der Zusammenfassung sehr schön: "Man suchte die geschäftlichen Chancen der jeweiligen Systeme und versuchte Eingriffe in die eigene Sphäre zu begrenzen". Als Quellen diente unter anderem das erstmals vollständig geöffnete Bahlsen Archiv. Man kann sich so ein wirklich umfassendes Bild machen.
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