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Der Schlüssel würde noch passen Moskauer Erinnerungen | Die bedeutende Oppositionelle über Russlands Geschichte und Politik

3

25,00 €

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Rezension

"Das Besondere an Irina Scherbakowas Erinnerungsbuch ist die Perspektive der unmittelbar Betroffenen, aus der sie erzählt. Unsentimental und sachlich beschreibt sie die inneren und äußeren Kämpfe angesichts der heranziehenden neuen Diktatur." ("Kulturkompass Mecklenburg-Vorpommern")
"Es ist ein abgrundtief trauriges Buch. Der klugen, gebildeten Scherbakowa ist eines so klar wie anderen russischen Emigraten in Berlin auch [...]. Sie alle wissen, dass sie Moskau zu Lebzeiten wohl nicht mehr sehen werden." ("DER STANDARD")
"Die Lektüre des Berichts dieser prominenten Zeitgenossin über das Heranwachsen einer Bedrohung, deren weltpolitische Folgen unabsehbar sind, ist in hohem Maße empfehlenswert." ("Frankfurter Rundschau")

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

03.11.2025

Abbildungen

farbige Illustrationen

Verlag

Droemer Knaur

Seitenzahl

328

Maße (L/B/H)

21,5/14,1/3,5 cm

Gewicht

508 g

Farbe

Seidengrau / Anthrazit

Auflage

4. Auflage

Originaltitel

N. N.

Übersetzt von

Jennie Seitz + weitere

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-426-44666-9

Rezension

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

03.11.2025

Abbildungen

farbige Illustrationen

Verlag

Droemer Knaur

Seitenzahl

328

Maße (L/B/H)

21,5/14,1/3,5 cm

Gewicht

508 g

Farbe

Seidengrau / Anthrazit

Auflage

4. Auflage

Originaltitel

N. N.

Übersetzt von

  • Jennie Seitz
  • Ruth Altenhofer

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-426-44666-9

Herstelleradresse

Droemer HC
Landsberger Straße 346
80687 München
DE

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  • Alrik Gerlach

    Thalia Book Circle Community

    5/5

    30.12.2025

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ein Leben gegen das Vergessen

    Man schlägt dieses Buch auf und merkt nach wenigen Seiten: Das ist kein gemütlicher Rückblick, das ist ein Lebensprotokoll mit offenen Nerven. Irina Scherbakowa schreibt nicht, um zu gefallen, sondern um festzuhalten, was sonst verloren geht. Gedanken schießen durch den Kopf wie: Wie viel Mut passt eigentlich in ein einziges Leben? Zwischen Moskauer Küchen, politischen Hoffnungen und bitteren Enttäuschungen entfaltet sich eine Geschichte, die gleichzeitig persönlich und erschreckend exemplarisch ist. Kein Pathos, keine Selbstverklärung. Stattdessen Erinnerungen, die manchmal leise daherkommen und dann plötzlich treffen wie eine kalte Hand im Nacken. Immer wieder dieses Gefühl: Geschichte ist nichts Abstraktes, sie sitzt mit am Tisch. Besonders stark wirkt, wie selbstverständlich Scherbakowa Verantwortung denkt. Bürgerrechte, Aufarbeitung, Widerstand – das sind hier keine großen Begriffe, sondern tägliche Entscheidungen mit echtem Risiko. Beim Lesen wächst Bewunderung, aber auch ein unangenehmes Ziehen im Bauch. In Westeuropa redet man gern über Haltung, hier wird gezeigt, was sie kostet. Das Buch hat kluge, ruhige Momente, dann wieder Passagen voller Bitterkeit und Müdigkeit. Und genau darin liegt seine Kraft. Kein Abgesang, keine Abrechnung, sondern ein ehrlicher Blick auf ein Leben, das an die Idee geglaubt hat, dass Erinnerung etwas verändern kann. Am Ende bleibt man still sitzen, klappt das Buch zu und denkt: Der Schlüssel würde noch passen – aber die Tür dahinter ist schwerer geworden. Ein Buch, das nachwirkt, fordert und lange im Kopf bleibt.

  • Bewertung

    aus Quickborn

    4/5

    19.06.2026

    eBook (ePUB 3)

    Sippenhaft für „Ausländische Agenten“

    Irina Scherbakowa ist in Deutschland das Gesicht von Memorial geworden, schon lange vor ihrem Buch sah ich sie in Interviews und Zeitungsartikeln. Das – von allen schon lange befürchtete – Verbot dieser bedeutenden Menschenrechtsorganisation in Russland schockte mich nicht, aber es machte mich traurig. Dreißig Jahre mühevolle und engagierte Arbeit waren dahin. Auch der anteilige Friedensnobelpreis 2022 war in meinen Augen nur noch nachträglicher Trost. Der Ukrainekrieg ließ auch meinen Fokus abschweifen von den innerrussischen zu den Kriegsschauplätzen. Ich brauchte noch die Nominierung zum Deutschen Sachbuchpreis als Anstoß, um endlich dieses Buch zu lesen. Die Autorin beginnt ihre „Moskauer Erinnerungen“ mit ihrer frühesten Kindheit, Urlaube auf der Krim, Leben in Moskau, die Eltern, die Jahre des Stalinismus nach dem Krieg sind ihre Kindheit, die endet nicht mit dem Tod von Stalin, auch nicht mit Chruschtschows Geheimrede, aber sie geht über in eine sowjetische Jugend, sie ist 23 Jahre alt als Breschnew stirbt. Für mich war dieser erste Teil, der rund ein Drittel des Buches beansprucht, nicht sehr erkenntnisreich, über die Jahre der Stalindiktatur mit all ihren Auswirkungen auf die Menschen im Land habe ich schon so viele Bücher gelesen, Filme gesehen, es überrascht mich kaum noch etwas. Ich legte das Buch erst einmal beiseite, denn über Memorial, über das ich wesentlich weniger wusste, erfuhr ich erst einmal nichts. Beim zweiten Anlauf hat es mich dann doch gepackt und ich habe das Buch mit großem Gewinn schnell zu Ende gelesen. Gern hätte ich noch etwas mehr über Memorial erfahren, aber das hätte vielleicht den Rahmen gesprengt. Besonders beeindruckt hat mich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die sich über das weite Land bis in kleine Dörfer erstreckte. Der Aufruf, aus der Geschichte der Familie zu berichten, nachzuforschen, was Familienangehörigen in der Stalinzeit geschehen war, was die Familien aushalten mussten, das war eine geniale Idee. Dass daraus rund 40.000 Einsendungen wurden, die Memorial über die Jahre erreichten, zeigt das große geschichtliche Interesse auch in der Jugend. Scherbakowa beschreibt sehr eindringlich, wie dieses Interesse in der Putin-Ära unterdrückt wird, wie die, die sich immer noch für GULags und Stalinmorde interessieren, die den Holodomor in der Ukraine nicht vergessen haben, nicht die Hungerperiode in Russland unter den Tisch kehren, nicht die Tötung Andersdenkender als normal ansehen. Ich will hier nur zwei Zitate nennen aus diesem so bedrückenden Buch der Moskauer Erinnerungen: „Wenn ich heute daran denke, mit welchen Hoffnungen Memorial 1989 gestartet war, welche Hoffnungen die Menschen in Ost wie West zu dieser Zeit gehegt haben, frage ich mich immer wieder: Wie konnte es bloß dazu kommen, dass aus diesen großen Hoffnungen verlorene Illusionen wurden?“ Diese Resignation, der sich Scherbakowa nicht entziehen kann, in Bezug auf die heutige Situation Russlands tut weh. Sie hat sehr richtig erkannt, dass Putin die Menschen ganz geduldig in seine gewünschte Richtung lenkte und immer noch lenkt. Sie hat in ihrem Epilog selbst ein Zitat von Erich Kästner verwendet, das auch mir für Russland keine Hoffnung macht: „Drohende Diktaturen lassen sich nur bekämpfen, ehe sie die Macht übernommen haben.“ Scherbakowa ist nach Beginn des Ukrainekrieges emigriert, es wird ihr nicht viel nützen, wenn der Schlüssel noch passt. Fazit: Ein Buch, dass für viele der Schlüssel zum „unbekannten“ Russland sein kann. Es bietet den Blick ins tiefe Innere und ist stilistisch gut lesbar, was vielleicht auch Leser anlockt, die sonst eher einen Bogen um Sachbücher machen. Diese Rezension gibt meine eigene Meinung wieder und wurde nicht mit Hilfe von KI erstellt.

  • yellowdog

    4/5

    02.05.2026

    eBook (ePUB 3)

    Gibt es Hoffnung?

    Irina Scherbakowa ist eine große Persönlichkeit. Ihr Wirken in der Organisation Memorial galt der Aufklärung. Folgen waren Repressionen, Verbot und Flucht. Es gelingt ihr in diesem Buch, einen Einblick ins Moskau der neunziger Jahre zu geben. Es ist die kurze Zeit der Perestroika. Dann die Nuller-Jahre. Gelegentlich gibt es auch Blicke in die Geschichte Russlands. Es gibt auch einen (schmalen) Bildteil. Schließlich der Krieg und Scherbakowa verlässt mit ihrem Mann Russland. Irina Scherbakowa vermeidet Sentimentalität, setzt auf Analyse. Im Epilog dann die Frage: Gibt es Hoffnung? Es ist mächtiges Sachbuch von Relevanz, dass dieses Jahr für den Deutschen Sachbuchpreis nominiert ist.

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