Mailand im Sommer 2020: Die sonst so lebendige Via Marghera wirkt wie ausgestorben. Nur das Café Royal ist geöffnet. Man trifft sich vorsichtig, auf Abstand – und ist doch so froh, dass menschliche Begegnungen wieder möglich sind. Auch der Schriftsteller Michele hebt den Blick vom Bildschirm, verlässt das Haus und findet Gesellschaft, die seine Fantasie entfacht. Langsam kehrt wieder Leben in das Café Royal ein. Und in die Menschen, die es besuchen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
14.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Meisterlich...
Ob ein Schriftsteller wirklich gut ist, zeigt sich für mich oft in Kurzgeschichten. Dieser schmale Band hat viel Inhalt und einen sehr überzeugenden Stil. Es sind Geschichten aus dem Alltag, pointiert und mit feiner Distanz beschriebenen. Sie eignen sich auch für kurze Lesezeiten.
Anna
5/5
23.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Beste, kurzweilige Unterhaltung
Obwohl Erzählungen nicht mein bevorzugtes Genre sind, war mir hier schon nach den ersten Seiten klar, dass ich das gesamte Buch lesen werde. Sofort hatte mich die Gedanken- und Gefühlswelt eines Arztes eingefangen, der seine Patienten nur noch lustlos am Telefon behandelt.
Alle Geschichten haben in irgend einer Weise mit dem Café Royal in Mailand zu tun, aber nicht alle Geschichten spielen dort. Das ist nur der Nenner, den alle Figuren gemeinsam haben.
Balzano schreibt über völlig unterschiedliche Menschen in verschiedenen Lebenssituationen. Über den Priester, der an seiner Berufung zweifelt, über eine alte Mutter, deren Kinder, sie mit Hilfe von Kameras überwachen, oder über einen frustrierten Ehemann, der sich nach einer Affäre sehnt.
All seine Figuren teilen sich mit schonungsloser Offenheit mit. Sie erzählen, das, was man bestenfalls seinem besten Freund oder seiner besten Freundin anvertrauen würde. So ist jede Geschichte auf ihre Art bedeutsam. Hinzu kommt Balzanos präzise Sprache, die ohne ein Wort zuviel auskommt. All das macht das Buch so lesenswert!
begine
aus Lemwerder
5/5
21.08.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Viele kleine Erzählungen
Der italienische Schriftsteller Marco Balzano versteht es gut den Leser zu unterhalten.
Das Café Royal hat 2020 als eines der wenigen geöffneten Cafés auf. Es ist die Coronaepedemi in Mailand, die diese Zeit überschattet.
Es sind viele kleine Erzählungen von Besuchern des Cafés.
Jede zeigt die Beziehungen einzelner Personen, die einen tollen Stil haben.
Da gibt es zum Beispiel einen Arzt, der seine Patienten nicht mehr richtig behandelt.
Oder der Mann, der sich in einen Nachbarn, den er auf dem Balkon sieht verliebt und sich etwas einfallen lässt, um ihn mal zu treffen.
So sind es immer wieder interessante Fantasien, die der Autor sich einfallen lässt.
Ich wurde gut unterhalten und kann es gerne empfehlen.
Eva
4/5
19.04.2026
Buch (Taschenbuch)
Große Leben kleiner Leute
Der Grossmeister des urbanen Mikrokosmos Marco Balzano erweckt das Café Royal zum Leben. Wie kein anderer verknüpft er die Schicksale seiner Charaktere mit den Orten, an denen sie leben und wirken.
In Café Royal entführte uns nach Mailand im Sommer 2020. Die Via Marghera ist ausgestorben, der Lockdown bringt Stille, gute Luft und flirrendes Pflaster. Das Café Royal aber ist geöffnet. Mit genügend Abstand sind menschliche Kontakte möglich, und so verlässt auch Michele seine Wohnung und findet Inspiration in seinen Begegnungen.
Marco Balzano ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, und so folgt er seinen Figuren auf ihren irrlichternden Wegen, die sie alle früher oder später ins Café Royal führen. In der Tradition Muriel Sparks, Sherwood Andersons und Evelyn Waughs schreibt er über die Sorgen und Nöte der kleinen Leute. Unaufdringlich und dennoch nah in den Figuren erkundet er ihre Sorgen und Nöte, ihre Lieben und Geheimnisse, ihre Bedürfnisse und ihr Bedrängnis.
17 verschiedene Individuen treten ins Spotlight, manche kennen sich, manche gehören zur gleichen Familie, die meisten sind ein bißchen verloren. Die Figuren haben es schwer, aber ernsthafte oder existenzielle Dramen erleben sie keine. Ihre Leiden sind eher alltäglich und fast ein wenig banal. Doch gerade darin liegt der Zauber der Alltagsgeschichten.
In Zeiten einer Pandemie sind seine Protagonist*innen auf sich selbst zurückgeworfen, und so erscheint manche Unwegsamkeit überlebensgroß. Augenzwinkernd und stets mit einer feinen Ironie nimmt Marco Balzano die Großstadtdepression und verwandelt sie in einen wunderbaren Episoden-Roman.
Das Café Royal verspricht beste Unterhaltung, und es ist von Vorteil, dass die Stadtneurotiker wie einem Woody-Allen-Film entspringen und nicht zu lange nachhängen.
Eine ideale Begleitung für jede Reise, inhaltlich und äußerlich nicht zu schwer und dabei zutiefst menschlich und unterhaltsam.
Bewertung
aus Thun im Kanton Bern
4/5
28.03.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
unterhaltsam
Das sind rührende Kurzgeschichten, die einen gemeinsamen Bezugspunkt zum Café Royal (in der Via Marghera Mailand) haben. Sie sind gut geschrieben, kommen direkt „aus dem Leben“, haben deshalb einen grossen „Spiegelungseffekt“ (man erkennt sich oft in den Protagonisten). Wenn man mit einer Geschichte beginnt, kann man fast nicht mehr aufhören zu lesen. Das Buch ist im Nu gelesen.
Aber ganz grosse Literatur ist das nicht. Das Buch hat einen sehr hohen Unterhaltungswert. Aber mehr auch nicht.
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