Wir schreiben das Jahr 2551. Archäologe Dan Sylveste macht auf dem lebensfeindlichen Planeten Resurgam im Delta-Pavonis-System eine ungeheure Entdeckung: Eine hochtechnisierte Zivilisation, die Amarantin, lebte einst hier, doch bevor sie die bemannte Raumfahrt entwickelte, wurde sie vernichtet. War es eine unglückliche Katastrophe, oder steckt eine andere, feindliche Intelligenz dahinter? Eine Intelligenz, die eines Tages auch den Menschen gefährlich werden könnte? Um das herauszufinden, lässt sich Sylveste auf einen gefährlichen Deal mit der Cyborg-Crew des Raumschiffs .Sehnsucht nach Unendlichkeitein. Doch je näher er der Lösung des Rätsels kommt, desto größer wird die Gefahr, in der er und die Schiffscrew schweben. Denn die Amarantin wurden aus einem bestimmten Grund vernichtet, und wenn dieses Geheimnis ans Licht kommt, wird es unser Universum für immer verändern .
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27.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Sind wir wirklich allein im Universum?
Auf dem entlegenen Planeten Resurgam erforscht der ruchlose Wissenschaftler Dan Sylveste die Zivilisation der Amarantin, die vor fast einer Million Jahren unter recht merkwürdigen Bedingungen unterging. Die Erkenntnisse, die er gewinnt, übersteigen allerdings sogar seinen brillanten Verstand und lenken die Zukunft der ganzen Menschheit in neue Bahnen, denn: Wer auch immer am Untergang der Amarantin schuld ist, lauert noch in der Dunkelheit des Alls und ist bereits auf die neugierigen Menschen aufmerksam geworden…
„Unendlichkeit“ ist der Auftakt der „Inhibitor Sequence“-Reihe, mit der sich Alastair Reynolds Anfang der 00er Jahre in die Science-Fiction Hall of Fame schrieb. Der Autor war vor seiner Schriftsteller-Karriere Astrophysiker bei der ESA und das merkt man beim Lesen immer wieder. Die Wissenschaft in diesem Buch mag fiktiv sein, sie beruht aber auf realen Theorien und Erkenntnissen.
Man muss also aufmerksam lesen, wenn man eine Chance haben will, in diesem Buch etwas zu verstehen. Außerdem muss man sich einen Moment Zeit nehmen, um in die doch sehr umfangreiche Geschichte einzutauchen, immerhin hat das Buch beinahe 1000 Seiten. Die Reise der Charaktere beginnt auch weit vor der Haupthandlung, sodass man Zeit hat, die Charaktere gründlich kennenzulernen und ein paar mehr Zusammenhänge zu verstehen. Durch ständige Perspektivwechsel zwischen Charakteren, die auf den ersten paar hundert Seiten noch gar nichts miteinander zu tun haben, wird es recht schnell fesselnd und es entsteht ein detailliertes Bild der Zukunft, die sich der Autor für die Menschheit erdacht hat.
Diese ist nicht gerade hoffnungsfroh und optimistisch, eher differenziert und kühl, so wie auch der Schreibstil des Autors, der meist distanziert und stellenweise beinahe zynisch anmutet. Die Menschheit hat den Sprung in die unendlichen Weiten geschafft, allerdings nicht durch Einheit und Freiheit, sondern durch Wettstreit und Neid. Den Zenit ihrer Entwicklung scheint sie beinahe schon überschritten zu haben, sie kämpft mit Viren, biologischen wie technischen, und gegen die endlose Leere des Alls. Sie verteilt sich über die ganze Galaxis, nicht länger eingeteilt in Nationalitäten, stattdessen in Splittergruppen mit verschiedenen Ideologien, die sich auch durch gentechnisch erschaffene Unterschiede voneinander abgrenzen. Sie tun, was Menschen eben so tun, treiben Handel, führen Kriege und erforschen, warum sie scheinbar so allein im Universum sind. Das hat schließlich ungeahnte Konsequenzen.
Die Protagonisten bilden drei komplett verschiedene Arten dieser Menschen ab: einen reichen, genialen, endlos arroganten Forscher, der immer bereit ist, über Leichen zu gehen, eine gentechnisch aufgewertete Soldatin und Auftragsmörderin und zu guter Letzt eine leicht verrückte Raumpiratin auf einem äußerst merkwürdigen Raumschiff. Keiner der drei ist uneingeschränkt sympathisch, eher im Gegenteil, sie sind komplex und widersprüchlich, der Autor hat sie allerdings sehr genau ausgearbeitet und ihre Denk- und Handlungsweisen bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar gemacht, sodass einem selbst die monströsesten Charaktere ein wenig ans Herz wachsen. Eine freundliche Geschichte sollte man aber eher nicht erwarten.
Ebenfalls darf man von diesem Buch nicht erwarten, dass es einem alle Hintergründe und Details erklärt. Vielmehr wird man vom Autor ins kalte Vakuum gestoßen und muss dann zurechtkommen und sich vieles selbst zusammenreimen. Es braucht also viel Aufmerksamkeit, um dieses Buch zu lesen. Man muss vielleicht auch mal zurückblättern und sich rückbesinnen auf eine Handlung, die vor 400 Seiten passiert ist. Auch die kolonisierte Galaxis und die Geschichte der Menschheit wird höchstens in Auszügen erzählt und immer nur dann ergänzt, wenn es für die Handlung wirklich relevant ist. Alles andere würde auch den Rahmen sprengen. Es bleibt also viel Raum für den Leser, sich basierend auf der kühlen, manchmal bedrohlichen und gefährlichen Atmosphäre dieses Universums, sich selbst ein Bild zu machen von diesem dystopisch-kolonialistischen, aber vermutlich leider beinahe „realistischen“ Zukunftsentwurf. Durch die Ideen des Autors über verschiedenste Wunderwerke der Technik und Biologie sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt und es gibt sicher in den Folgebänden noch einiges mehr zu entdecken - oder zu fürchten. Das Universum bleibt ein kalter, mysteriöser und gefahrvoller Ort, der Gedanke, dass die Menschen ihn sich untertan gemacht haben, trotz aller Fortschritte eine Illusion.
Im sehr langen Spannungsbogen der Geschichte gibt es immer wieder kleinere Enthüllungen, das große Ganze lässt sich aber kaum erkennen, sodass man gemeinsam mit den Protagonisten im Dunklen tappt und sich mit zunehmender Seitenzahl auch immer mal wieder gruselt. Auf den letzten 200 Seiten wird es dann ziemlich abgefahren und man wird noch mal mit der Nase darauf gestoßen, dass man ein Paradebeispiel für Hard Science-Fiction liest, in der es von komplizierter Wissenschaft nur so wimmelt. Das Ende bleibt etwas mysteriös und verwirrend, einige Fragen werden beantwortet, viele neue gestellt, aber das ist vollkommen in Ordnung, denn „Unendlichkeit“ ist erst der Auftakt einer Reihe, die das Potenzial zu noch viel mehr hat.
Für Fans von durchdachter, komplexer Hard SciFi ist dieses Buch ein absolutes Muss. Für die, die lieber mal ein flottes Weltraumabenteuer erleben oder erst ins Genre einsteigen wollen, ist es nicht uneingeschränkt empfehlenswert, aber es verdient den Titel „Meisterwerk der Science-Fiction“, den der Verlag ihm gegeben hat, absolut.
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