Prag, Sommer 1989: Tausende DDR-Bürger flüchten in die deutsche Botschaft in Prag in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Unter ihnen ist der alleinerziehende Vater Tobias mit seiner kleinen Tochter Jasmin, der schnell zum Sprecher der Ostdeutschen wird. Die Botschaftsmitarbeiterin Judith kümmert sich liebevoll um die Geflüchteten, die Kinder liegen ihr besonders am Herzen. Zu Tobias fühlt sie sich stark hingezogen. Doch als dieser wegen seiner kranken Mutter Prag verlassen muss, geschieht das Unfassbare: Tobias‘ Exfrau entführt Jasmin. Judith ist entsetzt – wie soll sie das Kind nur wiederfinden?
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Historisch, emotional genial!
Katha am 17.11.2024
Bewertungsnummer: 2343796
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Als wir nach den Sternen griffen“ erschien im August 2024 von Theresa Herold. Mit ihrem neuen Roman setzt sie ihren Fokus auf die deutsche Wiedervereinigung und die damit verbundenen Herausforderungen und Hoffnungen.
Das Buch spielt im Sommer 1989 in der deutschen Botschaft in Prag. Tausende DDR-Bürger flüchten in die Botschaft in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Unter ihnen ist der alleinerziehende Vater Tobias mit seiner kleinen Tochter Jasmin aus Halle. Tobias wird schnell zum Sprecher der Ostdeutschen, während die Botschaftsmitarbeiterin Judith sich liebevoll um die Geflüchteten kümmert. Als Tobias wegen seiner kranken Mutter Prag verlassen muss, entführt seine Exfrau Jasmin. Judith ist entsetzt und beginnt verzweifelt nach dem Kind zu suchen. Schließlich taucht Jasmin wieder auf, und Judith erkennt, wie tief ihre Gefühle für Tobias sind.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von Tobias und Judith erzählt und beleuchtet die Herausforderungen und Emotionen der Flüchtlinge. Tobias ist ein entschlossener und fürsorglicher alleinerziehender Vater. Er hat eine starke innere Stärke entwickelt, die ihm hilft, in schwierigen Zeiten einen klaren Kopf zu bewahren. Trotz der Unsicherheiten, die mit der Flucht aus der DDR verbunden sind, bleibt er entschlossen, seiner Tochter Jasmin ein besseres Leben zu ermöglichen. Im Verlauf der Geschichte wächst Tobias über sich hinaus. Die Herausforderungen und die Verantwortung, die er übernimmt, stärken seinen Charakter und vertiefen seine Bindung zu Jasmin und den anderen Geflüchteten. Judith ist eine warmherzige und empathische Botschaftsmitarbeiterin. Sie zeigt großes Mitgefühl und Engagement für die Geflüchteten und steht ihnen in jeder Situation unterstützend zur Seite. Ihre Rolle in der Botschaft ist essenziell, da sie die Brücke zwischen den Behörden und den Flüchtlingen bildet. Die Autorin wechselt immer mal wieder in Tobias Vergangenheit, zur Begegnung mit seiner Frau, Jasmins Mutter, wie es war, als sie aus der DDR floh und wie sie selbst flüchteten. Das lässt die Leser/innen viele Gefühle und Entwicklungen der Menschen noch besser nachvollziehen.
Das Cover des Buches zeigt ein beeindruckendes Bild der Prager Botschaft im Sommer 1989. Es vermittelt sofort den historischen Kontext und die Dramatik der Ereignisse. Die Farben und das Design sind zurückhaltend, aber wirkungsvoll und lassen die Leser neugierig auf die Geschichte werden.
Theresa Herold möchte mit ihrem Roman die historischen Ereignisse um die deutsche Wiedervereinigung lebendig und emotional erfahrbar machen. Sie zeigt die menschlichen Geschichten hinter den großen politischen Ereignissen und betont die Bedeutung von Hoffnung, Liebe und Solidarität in schwierigen Zeiten.
Sommer 1989 in der Prager Botschaft
Bewertung am 01.11.2024
Bewertungsnummer: 2330870
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Theresa Herolds aktueller Roman "Als wir nach den Sternen griffen" bedient sich der Wendezeit anno 1989 als Setting.
Wer kann sich nicht an den Satz des damaligen deutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher erinnern: Liebe Landsleute, wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen…… Der Rest des Satzes ging schon in Jubel unter:“ dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist“
Es geht um die Sommermonate 1989 in der Botschaft in Prag. Theresa Herold hat das Buch aus der Sicht der Botschaftsmitarbeiterin Judith und des ausreisewilligen Fotografen und Vaters einer dreijährigen Tochter Tobias geschrieben. Judith ist knapp über 30 und seit einem Jahr in Prag angestellt. Sie ist ganz froh, wieder in Europa zu sein und findet die Entwicklungen unter dem neuen Generalsekretär des ZK der KPDSU, Michail Gorbatschow spannend. Alle Länder des Ostblocks beginnen sich langsam zu öffnen, Ungarn hat bereits die Grenzzäune zu Österreich entfernen lassen, die Tschechen lassen auch Ostdeutsche in die westdeutsche Botschaft eintreten, nur die DDR verharrt in ihrer Bewegungslosigkeit.
Die Stimmung in der Botschaft, die ab Juni 1989 immer voller wird, ist sehr gut beschrieben. Man hat das Gefühl, selbst dabei zu sein und sich zwischen Koffern, Taschen, Zelten, Kisten, Schreibtischen einen Weg zu bahnen. Über die katastrophalen hygienischen Bedingungen hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht, sie sind äußerst plastisch geschildert. Ganz anders, als es die feine Adresse des Palais Lobkowitz hätte erwarten lassen. Die Autorin hat die langsame Entwicklung bis zur Eskalation sehr gut eingefangen . Am Anfang waren es nur einzelne, die wirklich wagten, sich aufzulehnen. Vor allem waren es diejenigen, denen man das Leben schon lange schwergemacht hatte, die in Sippenhaft genommen worden waren oder die man benachteiligte, weil sie sich nicht an den vom Staat propagierten Programmen für Jugendliche oder Erwachsene beteiligten oder nicht in die Partei eintreten wollten. Für diese steht Tobias stellvertretend. Diese wenigen lösten einen Tsunami im Land aus, die Botschaften in Budapest, Warschau und Prag füllten sich mit Menschen, die der DDR den Rücken kehren wollten. Ab Spätsommer kamen dann in Leipzig die Montagsdemonstrationen dazu, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuten. Das Momentum für den Aufstand war einfach gegeben und es wurde genutzt. Am Beispiel der Prager Botschaft sieht man, dass es nicht mehr darum ging, zu verhindern, dass die Botschaft überquoll sondern ab einem bestimmten Zeitpunkt war klar, dass der Überdruck ein viel größeres Rad in Bewegung setzte und schließlich die DDR zur Aufgabe zwang.
Botschafter Herrmann Huber, den wir auch aus dem Buch kennen, hat in seinen Erinnerungen diese Sommermonate 1989 festgehalten und Theresa Herold scheint sich sehr daran orientiert zu haben. Fiktion ist die Geschichte des ostdeutschen Fotografen Tobias und seiner dreijährigen Tochter Jasmin sowie der Botschaftsmitarbeiterin Judith, die sich in der Botschaft kennen und lieben lernten. ( https://prag.diplo.de/cz-de/botschaft/-/2176350 ) Selbst die Schultütenaktion für die Erstklässler hat tatsächlich wie beschrieben stattgefunden.
Für mich war das Buch ein Highlight dieses Leseherbstes. Aus den Erinnerungen von Herrn Botschafter Huber erfahren wir, dass die Botschaft sich noch ein weiteres Mal so füllte und es zu weiteren Ausreisewellen kam, bis die DDR endlich nachgab. Für mich zeigte es, dass es Veränderungen nur von innen geben kann. Hätten sich nicht so viele Menschen gegen das Eingesperrtsein aufgelehnt, wäre es nicht zu diesem schnellen Ende gekommen.
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