Die erste Biografie über die drei Töchter der Jahrhundertfamilie
Erika, Monika und Elisabeth Mann – drei vielfach begabte, kreative und wandelbare Töchter einer legendären Familie, die besondere Anforderungen an ihre Mitglieder stellte. Annette Seemann zeichnet in ihrer umfassenden Biografie die höchst unterschiedlichen Lebenswege der Töchter von Thomas und Katia Mann nach und beleuchtet dabei zugleich die bewegte Familiengeschichte der Manns vor dem kulturhistorischen Panorama des 20. Jahrhunderts. Neben Erika und Elisabeth tritt erstmals Monika Mann gleichberechtigt aus dem Schatten der beiden prominenten Schwestern.
Eine facettenreiche Zeitreise mit den Töchtern des Zauberers und zugleich ein faszinierender Blick hinter die Kulissen der amazing family.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
TontoM
aus Wolsfeld
5/5
11.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Vertraute, die Verfemte,…
Die Vertraute, die Verfemte, die Geliebte Annette Seemann dringt tief in die amazing family Mann ein und unterzieht sie einem sehr kritischen Blick. Gleichberechtigt werden die vertraute Erika, die verfemte Monika und die geliebte Elisabeth vorgestellt, aber auch die Söhne der Familie. AS schildert sehr plastisch das Familienleben der Manns; vieles erscheint uns heute recht ungewöhnlich daran. Alles hatte sich dem Schreibprozess des Vaters unterzuordnen- Erika, die Älteste übernimmt früh Verantwortung, wenn die Mutter auf Kur weilt. Phantasievoll und selbstbewusst gestaltet sie ihr Leben nach ihrem Gutdünken. Die ungeliebte Monika besitzt viele Talente, die sie erst spät zu zeigen wagt. Insbesondere Erika verübelte Monika ihre literarischen Erinnerungen an den Vater, „besaß“ sie doch die Deutungshoheit über den Vater. Elisabeth war das geliebte Kind, das mit ihrem Engagement für Seerecht ihren eigenen Weg gefunden hatte. Insbesondere die Abschnitte über Monika sollten hervorgehoben werden, denn Katia Mann erwähnt sie mit keiner Zeile in ihren Memoiren. Spannend, ausgewogen, eine Vielzahl an Details und ein höchst lesenswerter Stil.
TontoM
aus Luxemburg
5/5
11.11.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Vertraute, die Verfemte, die Geliebte
Annette Seemann dringt tief in die amazing family Mann ein und unterzieht sie einem sehr kritischen Blick. Gleichberechtigt werden die vertraute Erika, die verfemte Monika und die geliebte Elisabeth vorgestellt, aber auch die Söhne der Familie. AS schildert sehr plastisch das Familienleben der Manns; vieles erscheint uns heute recht ungewöhnlich daran. Alles hatte sich dem Schreibprozess des Vaters unterzuordnen- Erika, die Älteste übernimmt früh Verantwortung, wenn die Mutter auf Kur weilt. Phantasievoll und selbstbewusst gestaltet sie ihr Leben nach ihrem Gutdünken. Die ungeliebte Monika besitzt viele Talente, die sie erst spät zu zeigen wagt. Insbesondere Erika verübelte Monika ihre literarischen Erinnerungen an den Vater, „besaß“ sie doch die Deutungshoheit über den Vater. Elisabeth war das geliebte Kind, das mit ihrem Engagement für Seerecht ihren eigenen Weg gefunden hatte. Insbesondere die Abschnitte über Monika sollten hervorgehoben werden, denn Katia Mann erwähnt sie mit keiner Zeile in ihren Memoiren.
Spannend, ausgewogen, eine Vielzahl an Details und ein höchst lesenswerter Stil.
Bewertung
aus Heyerode
5/5
30.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Auch Thomas Mann besser verstehen können
Thomas und Katia Manns Töchter sind die Charaktere im Buch von Annette Seemann, welches ich neulich gelesen habe.
Sie sind "Die Töchter des Zauberers": Erika, Elisabeth und Monika.
Ihnen nähert sich Annette Seemann in einer umfangreichen Biografie des Trios und gleichzeitig auch ein Stück weit der Biografie der berühmten Eltern und der Familiengeschichte allgemein. Natürlich wird mit diesen biografischen Betrachtungen auch ein kulturhistorisches Panorama des 20. Jahrhunderts gezeichnet. Monika Mann, wie ich finde, weniger bekannt als ihre beiden Schwestern, wird endlich auch mal hervorgehoben. Diese doch recht geheimnisvolle Familiengeschichte wird zwischen den beiden Buchdeckeln und ist - wie es die drei Frauen sind - sehr unterschiedlich, daher auch extrem spannend und kurzweilig informativ.
Die drei Schwestern werden im Buch losgelöst betrachtet, aber auch in ihrer Beziehung zueinander und zum Vater, zu den Eltern. Wie ich finde, perfekter kann man nicht recherchieren und es auf den Punkt bringen. Bin begeistert !!!
Zeitlich vom Inhalt sehr gut strukturiert und auch mit einigen Fotografien versehen ein inhaltlich sehr hochwertiges Buch.
Lesenswege
5/5
07.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Blick auf die Töchter entzaubert den Vater
Ich bin total begeistert von diesem sehr kurzweilig geschriebenen Buch, weil ich auf unterhaltsame Weise viel Neues über die Familie Mann erfahren habe. Vor allem wusste ich kaum etwas über die Vielschichtigkeit der Töchter Monika und Elisabeth, über Monika eigentlich gar nichts. Ein Umstand, der sich aus diesem aufschlussreichen Buch heraus erklärt. Annette Seemann inspiriert mich zu weiterer Lektüre von den und über die Manns.
An die sechs Kinder, jeweils im Zweiergespann paarweise mit einigen Jahren Abstand zu den nächsten beiden geboren, wurden von ihren Eltern sehr hohe Erwartungen gestellt. Der Leistungsanspruch, den Thomas und Katia Mann hatten, war außergewöhnlich hoch. Da war es ein Glück, dass alle ihre Kinder auf musischem und literarischem Gebiet außerordentlich begabt waren. Diese Begabungen wurden von den Eltern entsprechend gefördert. Das war es dann aber auch. Die Liebe der Eltern war sehr ungleichmäßig auf die Kinder verteilt, ebenso Lob und Anerkennung. Thomas Manns Belange hatten stets Vorrang vor den Bedürfnissen der Kinder. Katia, die als Privatsekretärin und Impressario für ihren Mann agierte, war mit den zusätzlichen Aufgaben der Haushaltsführung und Kindererziehung häufig überfordert. Diesen Umstand nutzten vor allem Erika und Klaus bereits in der frühen Pubertät aus und entzogen sich der Kontrolle der Eltern völlig, so dass man hier von Wohlstandsverwahrlosung sprechen kann.
Mit vielen Details gespickt zeichnet AS den Weg der Familie Mann über 100 Jahre vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Tod der letzten Mann-Tochter Elisabeth im Jahr 2002 nach. Erika und Elisabeth sind die Lieblingskinder des Vaters. Alle drei Mädchen bewundern ihn sehr und bringen ihm viel Liebe entgegen.
Monika, die mittlere Tochter, hat es jedoch sehr schwer in dieser Familie, denn sie entspricht nicht den Vorstellungen der Eltern, und deren Desinteresse an ihr färbt auf die Geschwister ab. Das zeigt sich in diverser Hinsicht. Sie ist nicht androgyn wie ihre Schwestern, sondern sehr feminin in Aussehen und Verhalten. Sie kennt keinen Standesdünkel, ein Merkmal, mit dem sie besonders bei Katia und Großmutter Pringsheim sehr aneckt. Wahrscheinlich ist sie das authentischste Kind der sechs, denn sie verstellt sich nicht, spielt keine Rolle, auch nicht, um zu gefallen. Doch das macht es ihr schwerer als den anderen, ihren Weg im Leben zu finden. Am Anfang des Krieges erleidet sie ein schweres Trauma und benötigt Jahre, um sich davon zu erholen. Aber weder ihre Eltern noch ihre Geschwister, mit Ausnahme von Klaus, der ihr gegenüber positiv gesinnt ist, sind bereit, das anzuerkennen und verweigern Verständnis und Hilfe in dem Umfang, in dem sie beides bräuchte. Kurzum, es ist egal, was Monika macht, sie kann nichts richtig machen.
Erika ist zeitlebens eine Getriebene und zeichnet sich durch ein extrem hohes Arbeitspensum aus. Sie ist zunächst Schauspielerin, gründet dann ein Kabarett, wird Journalistin, Autorin und Nachlassverwalterin ihres Vaters und Bruders. Im Exil wird sie vor allem für den Vater unentbehrlich. Elisabeth, die Jüngste, muss sich nicht beweisen, sie wird um ihrer selbst Willen geliebt und lebt ganz nach ihren Vorstellungen. Auch ihr Leben ist reich und außergewöhnlich: sie befasst sich intensiv mit Meeresbiologie, ist die einzige weibliche Mitbegründerin des Club of Rome und erhält in Kanada eine ordentliche Professur für Seerecht.
Das Verhalten der Eltern Mann gegenüber Monika und in Teilen auch gegenüber den Söhnen, um die es hier jedoch nicht primär geht, hat mich erschüttert. Finanziell haben sie sich nicht lumpen lassen, aber emotional kann ich diese Eltern nur als verkümmert bezeichnen. Ich habe Katia Manns ungeschriebene Memoiren nicht gelesen, erfahre aber hier, dass Monika dort mit keinem Wort erwähnt wird. Als ob es sie gar nicht gäbe. Und auch Thomas Tagebuchaufzeichnungen müssen für sie und Michael erschütternd gewesen sein. Was macht das mit einem Kind? Erika, die Nachlassverwalterin, hätte das alles gerne unter der Decke gehalten, aber irgendwann hat die langmütige Monika nicht mehr mitgespielt und sich gleichberechtigt geäußert. Aber das lest am besten selbst. Es ist sehr, sehr spannend.
AS hat das Bild einer dysfunktionalen Familie gezeichnet, anders kann ich das nicht definieren, und damit hat sie den großen Thomas Mann in gewisser Weise von seinem Sockel gestoßen. Als Autor war er genial, als Mensch jedoch nicht, und als Vater schon gar nicht. Und Katia war leider kein ausgleichendes Element, denn sie stand ihm diesbezüglich in Nichts nach. Man könnte sagen, sie hatten sich verdient.
Das Buch enthält eine Reihe von Familienfotos, die auch einen optischen Einblick in das Familienleben gewähren.
Annette Seemann ist promovierte Germanistin. Sie hat diverse Bücher über Weimar geschrieben, wo sie auch lebt. Auch mit Peggy Guggenheim, Frida Kahlo und Schillers Schwester Christophine hat sie sich beschäftigt.
Literatursprechstunde
aus Göttingen
5/5
22.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Highlight für alle Mann-Enthusiast*innen, oder für alle, die es werden wollen - ein wertvoller Blick hinter die Fassade der berühmten Mann-Töchter!
Gestern Abend begonnen und heute Vormittag beendet - vielen Dank Ihr Lieben, dass Ihr mehrheitlich für dieses großartige Buch gestimmt habt - es war ein echtes Highlight!
Annette Seeman bringt in „Die Töchter des Zauberers“ alle Facetten der Töchter Thomas Manns zu Tage und lässt sie glänzen - authentisch, schonungslos, ehrlich, teilweise erschütternd. Der Name „Mann“ ist schon damals kein unbekannter und prägte die Leben der drei Frauen auf vielfältige Weise. Thomas Mann ist auf schriftstellerischem Vormarsch, die Fußstapfen in die Erika, Monika und Elisabeth treten sollen, demzufolge groß. Wie mag es sich wohl anfühlen Tochter eines so übermächtigen Vaters zu sein?! Annette Seemann liefert uns Antworten auf diese Frage.
Die Autorin stellt jede Tochter einzeln ins Spotlight. So ist Elisabeth das Lieblingskind ihres Vaters und der Dickkopf der Familie, die gerne eigene Wege geht und sich ungern was sagen lässt, zudem ist sie als Nesthäkchen das Küken der Familie mit allen Vor-und Nachteilen. Für Monika gibt es keinen so richtigen Platz in der Familie, sie fühlt sich entbehrlich, nicht wahrgenommen - sie nimmt die Rolle des ungeliebten, nahezu überflüssigen Kindes ein. Erika hingegen interessiert sich überbordend für Politik, hat ihre ganz eigene Dynamik, sprüht nur so vor Energie.
„Die Töchter des Zauberers“ ist keinesfalls eine starre Biografie, die chronologisch die Fakten und Geschehnisse der Töchter runterrattert - es ist vielmehr ein Porträt jeder einzelnen Tochter und Frau, das hinter die Fassade blickt und die Essenzen der Persönlichkeiten einfängt und zudem eine neue Perspektive auf die Mann’sche Familiengeschichte wirft. Seemann hat akribisch recherchiert, Fotoalben und Geschichtsbücher gewälzt und in dieses Werk integriert - das Ergebnis ist dieses Buch und es ist grandios!
Am meisten in Erinnerung bleiben wird mir wohl Monika - sie wollte nichts als Aufmerksamkeit, wahrgenommen werden, für das, was sie ist - sie war in beständigem Kampf um ein Stück des Anerkennungskuchens in der Familie Mann. Hat sie den Kampf gewonnen und die elterliche und geschwisterliche Liebe bekommen, die sich so sehr gewünscht hat?! Ein Foto liefert die Antwort, auf dem sie bei der Beerdigung des Vaters nicht mit, sondern hinter der Familie zur Beisetzung schreitet (das Foto ist nicht im Buch abgebildet, sondern habe ich beim Durchstöbern des Internets zu diesem Thema ausfindig gemacht). Das hat mich unendlich traurig werden lassen. Immerhin bekommt sie heute durch dieses Buch die Aufmerksamkeit, die ihr schon damals zuteil hätte werden sollen, das stimmt mich etwas versöhnlich.
Vielleicht kennt ihr es von der eigenen Familie - man hat zwar die gleichen Gene, aber die Persönlichkeiten und Lebenswege könnten unterschiedlicher nicht sein. So ist es auch bei den Manns - Annette Seemann zeigt die Diversität der Töchter in all ihren unterschiedlichen Facetten, eröffnet einen Blick in die Seele der berühmten Töchter, der mich voller Faszination und Erschütterung zurückgelassen hat.
Es ist mein erstes Werk, das ich zu den Töchtern Manns gelesen habe, daher habe ich keinen Vergleich zu anderen, bereits erschienenen Büchern - ich habe die Töchter mit diesem Buch erstmalig näher kennengelernt und bin der Autorin für die unterhaltsamen und lehrreichen Lesestunden sehr dankbar. Sie hat es geschafft, die Biografien der Töchter lebendig werden zu lassen - ich habe gelacht, war traurig (manchmal den Tränen nahe), war wütend, ärgerlich und fröhlich. Das Buch hat mich eine ganze Gefühlswelt durchleben lassen.
„Die Töchter des Zauberers“ ist ein Highlight für alle Mann-Enthusiast*innen, oder für alle, die es werden wollen - danke, Annette Seemann, für diesen wertvollen Blick hinter die Fassade der Mann-Töchter!
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