Ein Mädchen voller Mut und Hoffnung. Eine Frau, die den Zeiten trotzt. Sizilien, 1960. Als Mädchen darf Oliva mit ihrer Steinschleuder auf Jungs zielen. Sie darf mit ihrem Bruder Cosimino über die Straße zum Dorf rennen und verschwitzt und mit dreckigen Knien nach Hause kommen. Doch je älter Oliva wird, desto mehr verändert sich ihre Welt. Aus dem Mädchen wird eine junge Frau, und Frauen sind wie eine Vase, behauptet ihre Mutter. Wer sie zerbricht, der nimmt sie. Was das bedeutet, muss Oliva schließlich am eigenen Leib erfahren. Als das stillschweigende System der Frauenunterdrückung, in dem sie lebt, sie dazu zwingt, den Mann zu heiraten, der sie missbraucht hat, muss sie sich entscheiden: Ist Oliva bereit, den Preis für ihre Rebellion zu zahlen?
Viola Ardone beschwört auf wunderbare Weise ein Land und seine Menschen, Bräuche und Leidenschaften herauf und haucht einem unvergesslichen Mädchen in all ihrer Intensität, Verzweiflung und Tapferkeit Leben ein. Ein Roman, der zwischen Unbeschwertheit und Tragik wechselt - kraftvoll, fesselnd und befreiend.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
MarcoL
aus Füssen
5/5
14.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Kampf um mehr Frauenrechte…
Der Kampf um mehr Frauenrechte in Italien! Literarisch genial umgesetzt! Würde man das Buch ohne das Wissen lesen, wo die Geschichte spielt, könnte man irrtümlich auf den Gedanken kommen, wir befänden uns im tiefsten Islam. In einem Land, in welchem junge Mädchen, die gerade die biologische Schwelle zur Frau überschritten haben, von ihren Eltern weggesperrt und verschachert werden wie ein Stück Vieh. Diese nur in Begleitung Erwachsener oder des Bruders das Haus verlassen dürfen. Den jungen Frauen wird ein paar Tage vor der Hochzeit ihr „Auserwählter“ präsentiert. Aber die Handlung spielt nicht in einem vom radikalen Islam geführten Staat, sondern im hochkatholischen Sizilien im Jahre 1960. Wenn ein junger Mann meint, er will unbedingt ein Mädchen ehelichen, es ihm aber nicht versprochen wird, dann vergewaltigt er es einfach. Verspricht danach die Ehe und er geht straffrei. Das Gesetz war in Italien bis 1981 auf Seite der Triebtäter und Verbrecher. Einzige Ausflucht: der Ehrenmord. Das Leben der Frau war trotzdem zerstört. S.11: „Die Frau ist eine Vase: Wer sie zerbricht, der nimmt sie, sagt meine Mutter immer. Ich wäre lieber ein Junge geworden …“ Dieser sehr ergreifende Roman handelt von Olivia, die in Sizilien auf dem Land aufwächst und den oben beschrieben strengen Regeln unterworfen ist. Ihre Mutter ist streng, keift den ganzen Tag nur herum, versucht das eng geschnürte Korsett an Verhaltensmustern aufrecht zu erhalten, obwohl sie selber in ihrer Jugend ein Freigeist war. Nur selten zeigt sie ihre Zuneigung. Ihr Vater ist da anders, diplomatischer, hält zu seiner Tochter, fragt sie, was sie möchte, setzt sich für sie ein. Doch das ganze tratschende Umfeld macht Familienentscheidungen nicht einfach, schnell wird man zum Außenseiter. Abtrünnig, nur weil man ein klein wenig anders ist, anders denkt. UND: sich vor allem für die Rechte anderer Frauen einsetzt: ABER: Was wissen sie schon vom Freisein? – besser könnte der Titel des Romans nicht lauten. Lieber nichts ändern, es war ja schon immer so. Wir haben es auch überlebt. Und Liebe? Zuwas? Das Patriarchat wird als gegeben angenommen. S.60: „Worte waren Waffen. Und nicht nur Fremdwörter, sondern auch die ganz gewöhnlichen Wörter aus dem Mund der Einfältigen“ S.85: „Ich sitze in einer Ecke und knabbere nervös an den Fingernägeln, während sie über mich reden wie über ein Stück Vieh, das zur Paarung geführt wird.“ Olivia droht im Sumpf der Patriarchen zu versinken wie ihre Schwester, die vom Ehemann geprügelt und weggesperrt wird. Aber mit Hilfe ihrer einzigen Freundin Liliana, Tochter des Kommunisten Calò, schafft sie es, ihr Haupt erhoben zu tragen. Viola Ardone hat mit diesem Roman ein einfühlsames wie wütend machendes Buch verfasst, das den Finger tief in die große Wunde namens Patriarchat legt und dort drinnen herumwühlt. Es ist quasi eine Geschichte über die Entwicklung der Rechte der Frauen. Über den Kampf ein paar weniger, mutigen Frauen, sich vom Zwang der Gesellschaft zu befreien für das Wohl aller. Die Sprache ist direkt, schnörkellos. Man kann sich sehr gut in die Lage der Ich-Erzählerin Olivia hineinversetzen, leidet und kämpft mit ihr. Mich hat das Buch nachhaltig beeindruckt und ist ein weiteres Mahnmal im Kampf gegen das Patriarchat und frauenfeindliche Strukturen. Für mich ein Jahreshighlight und gerne gebe ich eine absolute Leseempfehlung.
MarcoL
aus Füssen
5/5
14.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Kampf um mehr Frauenrechte in Italien! Literarisch genial umgesetzt!
Würde man das Buch ohne das Wissen lesen, wo die Geschichte spielt, könnte man irrtümlich auf den Gedanken kommen, wir befänden uns im tiefsten Islam. In einem Land, in welchem junge Mädchen, die gerade die biologische Schwelle zur Frau überschritten haben, von ihren Eltern weggesperrt und verschachert werden wie ein Stück Vieh. Diese nur in Begleitung Erwachsener oder des Bruders das Haus verlassen dürfen. Den jungen Frauen wird ein paar Tage vor der Hochzeit ihr „Auserwählter“ präsentiert. Aber die Handlung spielt nicht in einem vom radikalen Islam geführten Staat, sondern im hochkatholischen Sizilien im Jahre 1960. Wenn ein junger Mann meint, er will unbedingt ein Mädchen ehelichen, es ihm aber nicht versprochen wird, dann vergewaltigt er es einfach. Verspricht danach die Ehe und er geht straffrei. Das Gesetz war in Italien bis 1981 auf Seite der Triebtäter und Verbrecher. Einzige Ausflucht: der Ehrenmord. Das Leben der Frau war trotzdem zerstört.
S.11: „Die Frau ist eine Vase: Wer sie zerbricht, der nimmt sie, sagt meine Mutter immer. Ich wäre lieber ein Junge geworden …“
Dieser sehr ergreifende Roman handelt von Olivia, die in Sizilien auf dem Land aufwächst und den oben beschrieben strengen Regeln unterworfen ist. Ihre Mutter ist streng, keift den ganzen Tag nur herum, versucht das eng geschnürte Korsett an Verhaltensmustern aufrecht zu erhalten, obwohl sie selber in ihrer Jugend ein Freigeist war. Nur selten zeigt sie ihre Zuneigung. Ihr Vater ist da anders, diplomatischer, hält zu seiner Tochter, fragt sie, was sie möchte, setzt sich für sie ein.
Doch das ganze tratschende Umfeld macht Familienentscheidungen nicht einfach, schnell wird man zum Außenseiter. Abtrünnig, nur weil man ein klein wenig anders ist, anders denkt. UND: sich vor allem für die Rechte anderer Frauen einsetzt: ABER: Was wissen sie schon vom Freisein? – besser könnte der Titel des Romans nicht lauten.
Lieber nichts ändern, es war ja schon immer so. Wir haben es auch überlebt. Und Liebe? Zuwas?
Das Patriarchat wird als gegeben angenommen.
S.60: „Worte waren Waffen. Und nicht nur Fremdwörter, sondern auch die ganz gewöhnlichen Wörter aus dem Mund der Einfältigen“
S.85: „Ich sitze in einer Ecke und knabbere nervös an den Fingernägeln, während sie über mich reden wie über ein Stück Vieh, das zur Paarung geführt wird.“
Olivia droht im Sumpf der Patriarchen zu versinken wie ihre Schwester, die vom Ehemann geprügelt und weggesperrt wird. Aber mit Hilfe ihrer einzigen Freundin Liliana, Tochter des Kommunisten Calò, schafft sie es, ihr Haupt erhoben zu tragen.
Viola Ardone hat mit diesem Roman ein einfühlsames wie wütend machendes Buch verfasst, das den Finger tief in die große Wunde namens Patriarchat legt und dort drinnen herumwühlt. Es ist quasi eine Geschichte über die Entwicklung der Rechte der Frauen. Über den Kampf ein paar weniger, mutigen Frauen, sich vom Zwang der Gesellschaft zu befreien für das Wohl aller. Die Sprache ist direkt, schnörkellos. Man kann sich sehr gut in die Lage der Ich-Erzählerin Olivia hineinversetzen, leidet und kämpft mit ihr.
Mich hat das Buch nachhaltig beeindruckt und ist ein weiteres Mahnmal im Kampf gegen das Patriarchat und frauenfeindliche Strukturen. Für mich ein Jahreshighlight und gerne gebe ich eine absolute Leseempfehlung.
Sue
aus Uelzen
5/5
08.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein großartiges Buch!
》"Wer keinen Mann hat, hat keinen Namen", erwidere ich mit den Worten meiner Mutter.《
Dieser Satz aus dem Roman "Was wissen sie vom Freisein" von Viola Ardone, macht mit wenigen Worten deutlich worum es geht: um die Unterdrückung und den Wert der Frauen in einem patriarchalen System.
Sizilien 1960: Als kleines Mädchen darf Oliva alles, was ihr Bruder auch darf. Sie kann Kind sein, toben, spielen und schmutzig nach Hause kommen. Vor allem darf sie auch allein von der Schule nach Hause gehen. Doch nun ändert sich ihre Welt allmählich. Ihre Freundinnen dürfen nicht mehr allein zur Schule und werden auch stets abgeholt. Die Röcke müssen länger sein, der Blick züchtig gesenkt. Auch für Oliva ändert sich von heute auf morgen alles und Schuld daran ist der Rote Baron. Dabei hat sie Abend für Abend dafür gebetet, dass er sie verschont. Nun darf Oliva das Haus nur noch in Begleitung verlassen, denn Frauen sind wie Vasen: Wer sie zerbricht, der nimmt sie. Wie ein Damoklesschwert schwebt dieser Spruch ihrer Mutter über Olivas Kopf und was er bedeutet, muss Oliva schließlich am eigenen Leib erfahren ...
"Was wissen sie vom Freisein" ist wieder eines dieser Bücher, das ganz unscheinbar und farblos daherkommt, das mich aber vollkommen mitgerissen hat. Im Kern geht es um die Rolle der Frau auf Sizilien in den 60ern, wie hartnäckig sich alte Rollenbilder halten und was für ein mühsamer und beschämender Kampf es für freigeistige Frauen war, aus diesen Rollen auszubrechen. Eine Zeit, die aber auch für die Männer nicht einfach war, musste man sich doch nach außen behaupten und zeigen, dass man ein fähiger Mann war, der seine Frau im Griff hatte und die Familie ernähren konnte. Und es erstaunt mich immer wieder, dass wir Menschen in der Regel so phlegmatisch sind und uns selten aus unseren gesellschaftlichen Korsetts befreien. Gerade die ältere Generation sagt oft: "Das war doch schon immer so!", und dabei bleibt es dann.
Ich fand es ganz wundervoll wie Ardone uns die Geschichte aus Olivas Sicht erzählt. Ihre Gedanken und Gefühle lebendig werden und uns an ihrer Verwandlung teilhaben lässt. Das Buch ist in vier Abschnitte eingeteilt. Im ersten Abschnitt dürfen wir die unbeschwerte, wilde Oliva kennenlernen. Im zweiten Abschnitt erleben wir ihre Veränderung zur jungen Frau, das Hadern damit, gerade auch wegen all der Regeln, die eine junge Frau zu befolgen hat, und das Zerbrechen der Vase. Die Geschehnisse nach diesem Bruch und eine erneute Veränderung Olivas bringt uns dann der dritte Abschnitt nahe. Aber auch Olivas Mutter durchläuft in diesem Abschnitt eine große Veränderung, merkt sie doch auch, dass ihr ihre Töchter wichtiger sind als alles Gerede der Giftnattern im Ort. Ganz besonders und auch besonders gelungen, war für mich der vierte und letzte Abschnitt, der dann 20 Jahre später stattfindet. Während das ganze Buch bis hier aus Olivas Sicht geschildert wurde, wechseln sich jetzt die Sichtweisen von Oliva und ihrem Pà Salvo ab. Das fand ich aus zweierlei Gründen wunderschön, denn einerseits haben Salvo und Oliva ein sehr enges Verhältnis zueinander und verstanden sich ganz ohne Worte. Und, hier kommen wir auch zu meinem zweiten Grund, anderseits hat Ardone ein Kapitel so beginnen lassen, wie das vorherige endete - es wirkt ein wenig, als würde die eine Person die Gedanken der anderen beenden. Das fand ich wirklich sehr schön.
Mein einziger Kritikpunkt ist klein und auch sehr persönlich, denn ich konnte die Ortschaften auf keiner Karte Siziliens finden. Entweder gibt es die Orte nicht (oder nicht mehr) oder sie hatten früher mal andere Namen. Auf jeden Fall finde ich es, als absoluter Sizilienfan, schade, wenn ich bei Büchern, die in der realen Welt spielen, die Orte nicht finden kann.
Alles in allem, war dieses unscheinbare Büchlein tatsächlich ein kleines Highlight für mich, das ich an anderthalb Tagen durchgelesen habe, denn es entwickelte einen so großen Sog, dass ich es kaum aus der Hand legen wollte. Definitiv werde ich nun mal schauen, was Ardone sonst so geschrieben hat.
》"Hab keine Angst, Oliva: Es ist wie beim Schneckensammeln", sagt mein Vater. "Man braucht Geduld und Verstand, denn Weichtiere haben genau wie andere rückgratlose Wesen ein besonderes Talent: sich verstecken und nicht erwischen lassen. Ein Talent für Feiglinge."《
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für dein Feedback
Wir nutzen dein Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte habe Verständnis, dass wir dir keine Rückmeldung geben können. Falls du Kontakt mit uns aufnehmen möchtest, kannst du dich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.