Easy Beauty ist ein brillantes Memoir über das Leben mit Behinderung und die universelle Frage, wie man Schönheit und Erfüllung findet. Philosophisch klug, schonungslos ehrlich und mit großer Zärtlichkeit berichtet Chloé Cooper Jones von der Suche nach Momenten des Glücks, die allen Vorurteilen trotzen.
Chloé Cooper Jones wurde mit einer unvollständigen Wirbelsäule geboren. Die sichtbare körperliche Behinderung bereitet ihr nicht nur täglich Schmerzen, sondern zieht auch Blicke auf sich, die alle dasselbe meinen: Du reimst dich nicht mit dem, was wir kennen - du bist eine Fremde. Als Cooper Jones wider Erwarten Mutter wird, fällt ihr auf, wie sehr Schutzmechanismen, Unsicherheit und Unbehagen sie daran hindern, im eigenen Leben zuhause zu sein. Überstürzt bricht sie auf, begibt sich auf eine Reise. Sie will ergründen, was Schönheit ist und welche Bedeutung sie hat. Sie betrachtet Berninis Skulpturen in Rom, besucht ein Beyoncé-Konzert, erkundet Kambodscha in einem Tuk Tuk und fährt in die Wüste, um Roger Federer spielen zu sehen. Es ist die Reise einer unermüdlich Suchenden, aber auch der Weg einer Heimkehr - zu ihrem Sohn, ihrer Familie und der vielleicht größten aller Herausforderungen: lieben und geliebt zu werden.
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Thalia Book Circle Community
4/5
01.12.2025
eBook (ePUB)
Philosophisches Memoir: Über Behinderung, Schönheit und (Selbst-)Akzeptanz
"Der Begriff “Behinderung” half mir nicht, mich zu verstehen, vielmehr war er ein Werkzeug, um die seltsamen und verwirrenden Momente zu entschlüsseln, in denen Fremde mich ansahen und entschieden, wer ich war und was ich tun konnte. Die Menschen sahen den Unterschied zwischen ihrem Körper und meinem. Sie sahen Abwesenheit, Mangel. Aber ich, die seit jeher in diesem Körper wohnte, spürte keinen Mangel. Treppensteigen fühlt sich an wie Treppen steigen. Gehen fühlt sich an wie gehen. Vermutlich sieht es komisch aus für die, die mich beobachten. Es sieht geringer aus. Aber ich hatte keinen Grund, mich geringer zu fühlen. Dafür brauchte es Lektionen, für die ich viele willige Lehrer hatte."
Die Philosophieprofessorin und Autorin Chloé Cooper Jones hat mit „Easy Beauty: Blicke auf meine Behinderung“ ein wirklich großartiges Memoir über das Leben mit einer Behinderung geschrieben, doch es geht hier auch um tiefgreifende Fragen über Schönheit, Glück und das Leben an sich.
Chloé Cooper Jones wurde mit einer unvollständigen Wirbelsäule geboren, was zum einen täglich Schmerzen mit sich bringt und zum anderen auch permanent Blicke auf ihre sichtbare körperliche Behinderung zieht.
“Leute, die mich kennenlernten, fragten oft: ‘Was ist mit dir passiert?’ Es war schwieriger, sich vorzustellen, dass ich mit einer Behinderung geboren worden und nicht Opfer eines Unfalls oder einer Krankheit war. Das war eine Geschichte, die sie schon öfter gehört hatten. Jemand führt sein Leben und dann schlägt das Unglück zu. Viele Erzählungen über Behinderung folgen diesem Schema; die Protagonisten haben einen Vorher, in dem sie normal waren, und ein Nachher, in dem sie es nicht mehr sind. Aber ich hatte immer nur diesen Körper gehabt, meinen normalen Körper. Mein Selbstverständnis wurde im Bewusstsein der Wahrnehmung anderer geformt, immer in Erwartung der Veränderung ihrer Einstellung mir gegenüber und des Augenblicks, wenn die Akzeptanz eintrat und das Unwohlsein ablöste. Bei manchen stellte sich die Akzeptanz rasch ein, bei manchen nie, aber ich sehnte mich immer danach.”
“Es ist ein geschickter Akt des Mich-unsichtbar-Machens, wenn mir jemand, der selbst noch nie so etwas erlebt hat, vorschreibt, wie ich zu fühlen habe.”
Ihr wurde ein nicht lebenswertes Leben sowie Kinderlosigkeit prophezeit, doch unerwartet wird sie Mutter eines gesunden Jungen. Eine tiefgreifende Erfahrung.
“Ich legte meine Hand auf seine kleine Brust, spürte, wie sie sich hob und senkte und hob; ich war erleichtert, dass er lebte, und gleichzeitig empört, denn das hieß, dass ich mich um ihn kümmern musste, und ich war wütend auf mich selbst, weil ich buchstäblich eine Liebe in die Welt gesetzt hatte, die mein Leben zerstören konnte.”
Durch die Mutterschaft und die Liebe zu ihrem Sohn erkennt sie, dass sie durch ihre anerlernten Schutzmechanismen nicht nur mögliche Verletzungen vermeidet, sonder auch vieles verpasst im Leben.
"Ich bereitete den Menschen Unwohlsein, und manchmal waren sie grausam, aber meine weit häufigere Erfahrung war, dass andere es einfach als schwierig empfanden, mich einzubeziehen, und es leichter war, mich am Rand zu lassen. Mein Körper wurde ständig gesehen, doch das, was ich mein “Selbst” nannte, war unsichtbar. Ich lernte, dem Unvermeidlichen zuvorzukommen und mich auszugrenzen. Ich zog mich in meine einsamen Räume zurück, bevor man mich aus dem Fluss des realen Lebens stieß, des Lebens, das überall ringsum schillerte, hell, angefüllt und unerreichbar."
Recht überstürzt begibt sich Chloé Cooper Jones auf eine Reise, um den Fragen nach Schönheit und Glück nachzugehen. Die Betrachtung von Berninis Skulpturen in Rom, eine Reise nach Kambodscha und der Besuch eines Beyoncé-Konzerts sind verschiedene Stationen ihrer Suche, bevor sie schließlich wieder zu ihrem Mann und Sohn nach Hause zurückkehrt.
"Als Sokrates an der Reihe ist, erzählt er seinen Zuhörern von der Suche nach der vollkommenen Schönheit. Die Suche beginnt, wenn wir jung sind. Wir wollen Schönheit, aber unser Verständnis von ihrer Natur ist begrenzt. Wir finden sie vor allem in leicht zu erkennenden menschlichen Formen. Mit dem Alter und wachsendem Wissen nähern wir uns der Wahrheit des Schönen. Wir erkennen es stärker im Geist als in Körpern. Wir bleiben auf der Suche und steigen empor, entwickeln uns weiter in unserer Vorstellung von Schönheit. Und währenddessen wächst unsere Fähigkeit, Schönheit zu erkennen. Wir können mehr aufnehmen. Unsere Augen gewöhnen sich an das helle Licht der wahren Natur der Schönheit, bis wir sie schließlich erkennen - vollkommene Schönheit, die “rein, lauter und unvermischt ist, nicht aber angefüllt mit menschlichem Fleisch und Farben und vielem anderen vergänglichen Zeug”. Wenn wir sie schließlich erblicken, werden wir Teil einer größeren Summe, von etwas Gewaltigem und Unsterblichem."
Das Buch begeisterte mich durch eine unglaubliche Vielschichtigkeit. Einerseits ist da die sehr persönliche Lebensgeschichte der Autorin, in der sie sehr ehrlich über ihre Familie (und besonders über ihr nicht immer einfaches Verhältnis zu ihrem Vater) sowie ihre Behinderung schreibt. Dabei geht es nicht nur um die körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auch um tiefgreifendere Gedanken und Gefühle des Nichtdazugehörens und Selbstwahrnehmung.
Das Buch ist hält unserer Gesellschaft auch einen Spiegel vor, was den alltäglichen Ableismus angeht, der sogar im engsten Freundeskreis oft keinen Halt macht, wie die Autorin anhand ihrer Erfahrungen zeigt.
Die Autorin verbindet ihre persönlichen Erfahrungen stets sehr geschickt mit philosophischen Betrachtungen. Stellenweise war es etwas ausschweifend, aber insgesamt fand ich den Aufbau sehr gelungen.
Insgesamt für mich ein sehr authentisches, lebendiges und berührendes Buch über eine Frau, die ihr Leben mit allen Höhen und Tiefen lebt. Eine ganz klare Leseempfehlung von mir!
“‘Überrascht es dich, wenn ich sage, dass meine Abweichungen im Grunde viel Positives in mein Leben gebracht haben?’, fragte ich.”
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