Ein liebeskranker Erzähler reist mit seiner Tochter in das verschneite Davos. Aus dem »Familienurlaub« wird eine vergnügliche Reflexion über die Auswirkungen der Moderne, des Skifahrens und der Tuberkulosepandemie. Auch spürt er der Geschichte nach, wie aus dem bettelarmen Bergdorf das Symbol des globalen Reichtums wurde. Und wie in Thomas Manns ›Zauberberg‹ stellen sich auch ihm inmitten der Schneemassen die wirklich schwierigen Fragen: Wie müssen sich unsere Lebensweisen ändern? Welche Welt vererben wir unseren Kindern?
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
aus Villach
5/5
12.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Geschichte von Davos
Norman Ohler fährt 2023 mit seiner 14-jährigen Tochter Suki und Freunden zum Schifahren nach Davos. Anstatt sich dem Schifahren zu widmen, geht er der Historie des weltberühmten Ortes nach.
Zu Beginn des Romans wird der Frage nachgegangen, wie Davos im 19. Jahrhundert zu einem Luftkurort wurde. Wie es dazu kam, dass reiche Menschen sich dort über Monate hinbegaben, um sich von der Tuberkulose, damals auch als Schwindsucht bezeichnet, Heilung erhofften. Norman Ohler erzählt, wie Hotels und Sanatorien sich auf ihr Klientel einstellten und die Fachärzte in Davos „regierten“. In der Nacht wurden die Toten heimlich abtransportiert – mit einem Schlitten ins Tal verbracht.
Ein ausführlicher Teil des Buches widmet sich dann dem Zauberberg von Thomas Mann und dem Aufenthalt von Katia Mann in Davos.
Er berichtet, dass Hans Christian Anderson, der Schriftsteller Klabund und Robert Louis Stevenson dort waren, und Sir Arthur Conan Doyle hier das Schifahren erlernte. Interessant fand ich, wie aus dem kleinen Bergdorf eine Destination der Reichen wurde – aufgrund der Sanatorien, die dort um viel Geld Heilung von der damals tödlichen Tuberkulose versprachen.
Auch von den Nazis blieb Davos nicht verschont. Es wurde dort das erste Attentat auf einen Nazi verübt, dass weitere Konsequenzen für die Schweiz nach sich zog und die Schweiz so nazifrei blieb.
Viel Neues habe ich erfahren, so zB dass eine Forschungseirichtung zu Lungenerkrankungen dort eingerichtet wurde, um wissenschaftlich zu beweisen, dass der Luftkurort wirklich half (leider gelang dieser Beweis nicht). Es wurden auch jährliche Konferenzen veranstaltet, zu denen unter anderem Einstein und Heidegger eingeladen waren.
Erst Jahre später fanden die Weltwirtschaftskonferenzen dort statt, die Davos den elitären Anstrich verliehen, der heute als bekannt gelten kann.
Nicht zuletzt setzt sich der Roman auch mit der Frage auseinander, wie sich Schifahren und Klimaschutz zueinander verhalten.
Ich fand dieses Buch großartig, kurzweilig, informativ und interessant.
Bewertung
5/5
07.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Das Richtige für Thomas-Mann-Fans
Norman Ohlers Roman ist eine spannende und tiefgründige Auseinandersetzung mit Thomas Manns Meisterwerk. Ohler beleuchtet die historischen und psychologischen Dimensionen des Romans, was ihn zu einer wertvollen Lektüre für Literaturinteressierte macht. Ein Muss für alle, die mehr über die Hintergründe und die Bedeutung von Manns Werk erfahren möchten
Bewertung
5/5
29.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der echte Zauberberg
Interessant, ein Ausflug nach Davos wird zu einer Hintergrundgeschichte über die Entwicklung des Ortes zu dem ,was er heute ist. Auf dem Weg dahin ist er eine Inspiration für den "Zauberberg". Eine Menge kurzweiliger Geschichten, ungewöhnliche Menschen und ein stetes Auf und ab. Selbst der Autor zieht irgendwann Parallelen zu seinem eigenen Leben. Liest sich toll.
Bewertung
aus Bamberg
5/5
02.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
»Die Geschichte hinter dem Zauberberg schreibe ich«, sagte ich nun. »Die ganze Geschichte.«
»Die Geschichte hinter dem Zauberberg schreibe ich«, sagte ich nun. »Die ganze Geschichte.«
Der Erzähler dieses Buchs, selbst Autor, reist mit seiner Tochter Suki zum Skifahren nach Davos, um einige Tage mit zwei Freundinnen dieser sowie deren Mütter zu verbringen. Aus einem erholsamen Kurzurlaub wird eine Reise in die Vergangenheit und die Zukunft. Der Protagonist entschließt sich der Geschichte sowie der Wahrnehmung des Dorfes auf dem Grund zu gehen, stellt alsbald das Skifahren hintenan und nutzt die folgenden Tage vielmehr zur lokalen Recherche.
Zudem überschattet eine schwierige Beziehung die Gedanken des Protagonisten – er stellt sich eine Zukunft mit Emma vor, während sie doch nicht von ihrem Mann lassen kann.
Hört man Davos, hat man regelrecht die Sanatorien vor Augen, welche u.a. aufgrund der guten Bergluft damit warben Tuberkulose heilen zu können oder man denkt an Thomas Manns 1924, nach zwölfjähriger Arbeit, erschienenen Roman „Der Zauberberg“.
Doch Davos hat noch mehr zu bieten. Zusammen mit den Lesenden erkundet der Erzähler die Abwendung vom Sklavenhandel und der Entstehung des Kurorts, geht selbstverständlich auch auf Manns Roman ein und erwähnt Klabunds Erzählung „Die Krankheit“, welche einige Ähnlichkeiten zu diesem aufweist. Auch die Zeit des Nationalsozialismus lastet bedrückend auf Davos, besonders das Leben Wilhelm Gustloffs, welcher später von David Frankfurter erschossen und als Symbolfigur der Nazis inszeniert wurde.
Kritisch beäugt er zudem das jährlich tagende Weltwirtschaftsforum und die Auswirkungen des Klimawandels, mit besonderem Blick auf den Skitourismus.
Ohler zeichnet eine Geschichte des Zauberbergs, respektive des Ortes Davos, von dessen Ursprüngen und Entstehung als Kurort bis in die heutige Zeit. Eine wirklich faszinierende Abhandlung, mit fiktiven Elementen, die sich wunderschön – als würde man selbst dort sein – lesen lässt und nicht nur begeisterten „Zauberberg“-Lesern mehr Hintergrundwissen über den Ort des Geschehens liefert.
yellowdog
4/5
25.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Verspielt, aber sorgfältig
Norman Ohler schafft eine Rahmenhandlung mit autofiktionalen Ansatz. Ein Autor ist mit Tochter und deren Freundinnen in Davos und liest dort Thomas Manns Meisterwerk Der Zauberberg.
Darin eingebettet ist die Entstehungsgeschichte des Zauberbergs mit Thomas und Katia Mann als Hauptfiguren.
Prinzipiell ist das alles bekannt, aber der Autor geht so spielerisch mit dem Stoff um, dass es Spaß macht.
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