Ein Dorf, die Welt – und die Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben1971 in einem Dorf in Süddeutschland. Nach einer Art Schneiderlehre in der Stadt kehrt die 20-jährige Roberta auf den Hof ihrer Eltern zurück. Sie ist das einzige Kind und wird irgendwann einmal die Bäuerin sein. Hier auf dem Land sind Vergangenheitsbewältigung, Kriegsdienstverweigerung, Feminismus, Popkultur und Miniröcke nichts, womit man sich beschäftigt. Hier zählen Arbeit, Gehorsam und moralisches Verhalten. Roberta träumt davon, eigene Kleider zu entwerfen, aber sie weiß genau, dass das Träume bleiben werden. Zugleich liebt sie ihren Hof und die körperliche Arbeit in der Natur, wo sie sich ganz und gar spürt. Und sie liebt Wilhelm, den Pfarrerssohn. Wilhelm ist nicht nur für Roberta der Grund, im Dorf zu bleiben. Auch seine Mutter Gertrud bleibt wegen ihres Sohnes. Im Gegensatz zu Roberta hasst sie das Landleben und wünscht sich nichts mehr, als weggehen zu können, hinaus in die Welt. Beide Frauen werden schwanger und müssen eine Entscheidung treffen. Doch ein tragisches Unglück gibt ihrer beider Leben eine komplett neue Richtung.
Kundinnen und Kunden meinen
4.7/5.0
Bewertung
aus Oberursel
5/5
08.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
hat mich berührt
Dieses Buch war für mich ein „Spontan-Kauf & Read“. Ewald Arenz ist immer gut, da gibt es nix zu kritteln und zu diskutieren, er schreibt einfach eloquent und intelligent, stilistisch elegant, trotzdem flüssig zu lesen – mir war es bislang immer eine Freude, irgendetwas von ihm zu lesen. Arenz erscheint mir auch genremäßig sich nicht festzulegen, ich habe schon Krimis von ihm gelesen als auch „normale“ Belletristik; jedes seiner Bücher ist immer auf irgendeine Art neu und interessant. Nun also die „Zwei Leben“, ich brauchte im Kurzurlaub gute Lektüre für abends :-)
Der Klappentext gibt das grobe Geschehen eigentlich schon sehr gut wieder. Wir sind in einem nicht näher gekennzeichnetem Dorf in Süddeutschland in den frühen 1970ern. Das Leben ist noch nachkriegsgezeichnet, sage ich mal mangels besserer Worte. Die junge Roberta kommt gerade von einer mehrjährigen Schneiderlehre in der Stadt zurück aufs Dorf auf den elterlichen Hof, und das Dorfleben hat sie direkt wieder. Roberta hat einerseits Träume von Paris, Haute Couture und einem anderem Leben – aber sie ist hier auch aufgewachsen und verwurzelt und ist die einzige Erbin des Hofes, den sie liebt. Und Roberta liebt Wilhelm, ihren Kindheitsfreund und den Pfarrerssohn.
Die zweite Hauptdarstellerin ist Gertrud, Wilhelms Mutter, die Frau Pfarrer, die aus der Stadt kommt, und die nie im Dorf richtig heimisch wird. Ja, Gertrud liebt ihre Familie, aber das Glück findet sie hier nicht, und irgendwann bietet sich ihr eine Chance auf eine grosse Reise….
Beide Frauen haben so ihre Träume, die sich nicht ohne weiteres verwirklichen lassen, nicht zu diesen Zeiten, nicht in dieser gesellschaftlichen Konstellation, und beide Frauen befinden sich in ihren ganz eigenen moralischen Dilemmas, vor allem, als sie schwanger werden…
Und das war spannend. Fand ich. Und authentisch. Ich hole mal etwas aus, ich bin Jahrgang 71 und habe in meiner Jugend auf einem Dorf gelebt, ich konnte mich in vielen Dingen, die Arenz beschrieb, wiederfinden; ich sag mal: das Dorfleben ist schon ziemlich glaubwürdig dargestellt. Genauso wird das Anfang der 70er gewesen sein. Ich konnte mich in das Setting ziemlich gut hineinversetzen.
Ein schöner Nebenerzählstrang war für mich auch die Beziehung zwischen Roberta und ihrem Opa, dem Altbauern, der jahrelang in Kriegsgefangenschaft war, und dann seiner von der großen weiten Welt träumenden Enkelin von seinen PoW-Aufenthalten in Amerika erzählte und von seiner großen Liebe, die er dort fand (und nein, das war nicht die Oma, die auf dem heimischen Hof auf ihn wartete). Das hat mich sehr berührt.
Der Autor lotet hier auch moralische Fragen aus. Man verliebt sich – aber man hat auch andere Verpflichtungen im Leben. Was ist das Richtige, was soll man tun? Seinen Träumen und Gefühlen mit aller Gewalt und Spontanität nachgeben? Das erscheint mir heutzutage das Motto der Wahl zu sein, dies mal nebenbei bemerkt, aber die Protagonisten hier machen sich ein paar Gedanken mehr dazu, und das hat mir sehr gut gefallen.
Ja. Es gibt noch ein paar unerwartete Wendungen und Schicksalsschläge sowohl für Roberta als auch für Gertrud in diesem Roman, es wird nicht langweilig, aber insgesamt ist dies eher ein ruhiger Roman. Ich habe ihn sehr gerne gelesen, und empfehle ihn definitiv weiter! 5 Sterne von mir.
Frany
5/5
02.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Träume, Schicksal und Mut
Ein Buch über große Träume, verpasste Momente, das Schicksal und den Mut, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Eine Geschichte, die mich berührt und gleichzeitig zum Nachdenken angeregt hat. Eine große Empfehlung!
KaDiPre
aus Thüringen
5/5
27.07.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolle Sommerlektüre
Das Buch ist in seiner Schreibweise typisch für Ewald Arenz. Ich liebe die Art seines Schreibens und auch dieses Buch ist Lesegenuss pur. Es plätschert anfangs so dahin, doch fühlt man sich direkt in die Geschichte ein. Es spricht vom rauen Leben in der Landwirtschaft und der mitunter Kleinbürgerlichkeit eines Dorfes und genau diese Alltäglichkeit des Lebens ist so ansprechend und einfühlend. Im letzten Drittel schlägt das Schicksal gnadenlos zu und trifft mitten ins Herz. Tränenreich endet das Buch, verbindet Verlust mit neuem Leben und schenkt Hoffnung. Absolute Leseempfehlung.
Bewertung
aus Rheineck
5/5
07.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Absolute Leseempfehlung
Ein wunderbares Buch & sehr schöne Sprache, und eine sehr berührende Geschichte. - und es hat mich immer wieder erstaunt, wie viele Varianten von „zwei Leben“ im Buch vorkamen. Absolut lesenswert!
Bewertung
5/5
25.10.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrucksvoller Roman
Ein unglaublich gelungenes Werk: einfühlsam, atmosphärisch, spannend, interessant, mitreißend, intelligent, emotional. Ein echter „Pageturner“ mit wunderschönen, unvergesslichen Sätzen und Passagen.
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