Wien mag weltberühmt sein für seine Schnitzel, Bälle und die Oper. Doch die irrwitzigsten Vorstellungen spielen sich auf den kleinen Gassen der Stadt ab, nicht auf ihren großen Bühnen. Jeder Besuch im Kaffeehaus wird zum Kabarett, jede Fahrt mit der Straßenbahn hat das Potenzial zur Tragödie. Wo auch immer man hingeht, die Stadt ist eine einzige Bühne, auf der Kellnerinnen, Straßenkehrer und Passanten zu Hauptdarstellern einer niemals endenden Vorstellung werden.
Andreas Rainer taucht mit 50 Zitaten aus dem Alltagsleben tief in das Herz der Wiener Seele ein, um den unmöglichen Widerspruch einer Stadt abzubilden, in der man zwar die Muße hat, den ganzen Tag im Kaffeehaus zu sitzen, aber schon eine Panikattacke bekommt, wenn die U-Bahn erst in sechs Minuten kommt.
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Ingrid Schrettl
aus Wörgl
5/5
03.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Grandioses Buch
Als ich das Cover und den Klappentext das erste Mal gesehen habe wusste ich, dass ich das Buch lesen musste.
Ich liebe ja Wien und war schon öfter dort, aber die Stadt ist definitiv anders. Es gibt viele, viele schöne Sehenswürdigkeiten, Museen und außergewöhnliche Plätze wie den Zentralfriedhof.
Aber die Wiener sind ein eigenes Völckchen das definitiv nix für schwache Nerven sind. Dazu gehört neben dem eigenwillige Dialekt, wie z.B. Wörter wie raunzen, granteln, leiwand - diesen hat der Autor auch abgebildet, der typische sarkastische Wiener Schmäh (Scherze), der teilweise sehr, sehr böse und befremdlich auf Touristen wirken können.
Der Autor hat in seinen sieben Jahren in Wien schon einiges erlebt und hat trotzdem noch nicht die Nase voll von den Wienern und ihren gelebten Wiedersprüchen. Immerhin wird diese Stadt nicht grundlos, zeitgleich zur lebenswertesten und unfreundlichsten Stadt der Welt gewählt. Dies sollte schon verdeutlichen, dass Wien eine Stadt der Extreme ist. Diese spiegeln sich auch im Kaffehaus, den kaum eine Stadt der Welt hat so viele verschiedene Kaffeekompositionen wie die Wiener. Hier ist von Wiener Melange, kleiner Brauner, Verlängerten und dem Einspänner alles verbreitet, außer Hafermilch, weil die „homma ned“ (haben wir nicht). Genau wie Stress, bei den Obern (Kellnern). Und wenn man nun denkt das war es dann schon mit schrägen oder ungewöhnlichen Sachen in Wien, sollte sich dieses Buch kaufen und da die Kapitel Trunkenheit, Öffis und über den Tod nachlesen…
Ich hatte bei manchen beschriebenen Situationen oder Kapitel Tränen in den Augen, weil ich so darüber lachen musste. Definitiv ein Buch, dass man gelesen haben sollte, wenn man Wien besuchen möchte oder spätestens danach
Ellen
5/5
19.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bauchmuskelkater
Herr Alltagspoet, besten Dank für Bauchmuskelkater vom Wochenende, da hab ich ihr Buch gelesen, eigentlich laut vorgelesen. Ich danke! Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut! Habe die Ehre!
Sikal
4/5
05.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Für alle Wiener und solche, die es noch werden wollen
Der Autor Andreas Rainer gilt als Wiener Alltagspoet. Er beobachtet seine Mit-Wienerinner und Mit-Wiener genau und schnappt somit unterhaltsame Alltagszitate auf, die hier zu finden sind. Diese sind natürlich mit einem Augenzwinkern zu lesen, denn ganz so unfreundlich sind die Wiener auch wieder nicht wie sie hier dargestellt werden.
Wien als lebenswerteste Stadt würde ich jetzt zwar nicht unterschreiben, aber das sind eben subjektive Meinungen. Oder es ist tatsächlich „Anderswo noch schlimmer“.
Sei es die Arbeitsmoral, das Kaffeehaus, Trunkenheit oder der Würstelstand – Andreas Rainer hat zu jedem Thema eine Anekdote parat. Von der Wohnungssuche in Wien können wohl viele ein Lied singen. Wobei – Zugereiste in Wien … Das ist schon eine Herausforderung!
Auf jeden Fall raunzt sichs gut in Wien oder es wird gegrantelt oder gejammert was das Zeug hält. Alles mit einem gewissen Charme. Wien-Liebe to go – eine Hommage an eine wunderschöne Stadt, die mehr zu bieten hat als Lipizzaner oder Schnitzel. 4 Sterne.
Gertie G.
aus Wien
4/5
01.04.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wie gewohnt liebenswürdig kritisch
Mit diesem Buch setzt Andreas Rainer, der als Wiener Alltagspoet bekannt ist, seine Betrachtungen im Wiener Alltag fort. Er schaut den Wienerinnen und Wienern aufs Maul.
Er nimmt die diversen Auszeichnung der Bundeshauptstadt ein wenig auf die Schaufel. Wien ist 2023 abermals zur „Lebenswertesten Stadt der Welt“ gewählt worden und erhält wenige Tage danach den Titel der „unfreundlichsten Stadt“.
Als Wienerin muss ich sagen: Beides stimmt, allerdings hängt es auch davon ab, WEN man fragt.
Mit seinen fünfzig Zitaten, die er in 13 Kapitel zusammenfasst, versucht Andreas Rainer die Widerspruche zu belegen bzw. zu erklären. In vielen Fällen stimme ich ihm zu, doch im Kapitel 10 „Wohnungssuche: Es ist überall gleich schlecht“ gehen unsere Meinungen auseinander.
In diesem Kapitel ortet er die Unflexibilität der (Ur)Wiener Bevölkerung, ihr bekanntes Territorium zu verlassen. Das stimmt meiner Ansicht nach nicht wirklich.
Hat man, nach längerer Suche endlich eine Wohnung gefunden, die dem Geldbörsel und Bedürfnissen wie kurze Wege in die Arbeit, Infrastruktur in der Nähe entspricht, verlässt man diese nicht leichtfertig. Das hat wenig mit Unflexibilität zu tun, sondern zeugt eher von Bodenständigkeit.
Andere, so wie ich, haben ihr Grätzl verlassen. Nach Rainers Diktion wäre ich schon eine Kosmopolitin, da ich im 9. Bezirk (Alsergrund) meine jüngere Kindheit verbracht habe. Nachdem das baufällige Biedermeierhaus behördlich gesperrt (und anschließend abgerissen worden ist), sind wir in den 2. Bezirk (Leopoldstadt) verpflanzt worden. Mit dreißig habe ich dann den Schritt über die Donau in den 22. Bezirk (Donaustadt) nach Essling, gewagt, was meinen Weg in die Arbeit von 10 Minuten Fußweg auf (damals) 1 Stunde 15h mit Öffis verlängert hat.
Und damit bin ich bei der folgenden Aussage von Andreas Rainer, der ich vehement widersprechen muss:
„Die 23 Wiener Gemeindebezirke sind [im Vergleich zu Berlin] in der Größe überschaubarer, und mit den Öffis erreicht man fast jeden anderen Punkt der Stadt innerhalb einer halben Stunde.“
Aber nur FAST. Wenn ich, nach einem Fußmarsch von 10 Minuten mein leistungsfähiges Öffi (Bus) erreiche und dann 30 Minuten fahre, bin ich nach wie vor im 22. Bezirk und gerade einmal bei der U-Bahn, die mich dann zugegeben schnell in die Innenstadt in die Arbeit bringt. So ähnlich geht es jenen KollegInnen, die aus den anderen Himmelsrichtungen Wiens ins Zentrum fahren. Das soll kein Raunzen oder Jammern sein, sondern ist einfach eine Feststellung, die sich leicht mittels Routenplaner der Wiener Linien (Wiener Verkehrsverbund) nachprüfen lässt .
Und ja, ich liebe Wien und sage das auch immer wieder öffentlich. Ich bin stolz darauf hier zu leben, stolz auf die funktionierende Infrastruktur vom köstlichen Hochquellenwasser an, der aus der Leitung rinnt, auf die Müllabfuhr, auf die Absperrgitter bei Baustellen, damit niemand in die Künette fällt (wie in Brüssel wo Baustellen vor allem auf Gehwegen oft nur mangelhaft abgesichert sind), die Straßenbeleuchtung, Kindergärten, Schulen bis hin zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, auch wenn die manchmal nicht in der üblichen Taktfrequenz fahren oder wegen Instandhaltungsarbeiten manchmal gar nicht fahren.
Wien bietet seinen Bewohnerinnen und Bewohner mehr als nur das nackte „Überleben“.
Fazit:
Ein gewohnt liebevoll kritischer Blick auf Wien und seine Bevölkerung. Auch wenn nicht immer alles so ist, wie es scheint, gebe ich Andreas Rainers „Wien-Liebe to go“ wieder 4 Sterne.
Britta
aus Wien
1/5
29.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Teilweise amüsant, aber überholt und voll von Klischees
Ich habe das Buch von deutschen Freunden als Geschenk erhalten, finde das Buch aber fast beleidigend. Wir sind kein Volk von Säufern (nicht mehr als in anderen Großstädten), arbeitsscheu und nur unfreundlich - ausser manchmal, wenn wir als unterbemittelte Ösis behandelt werden, die der Entwicklingshilfe bedürfen. Ausserdem stellt sich die Gegenwart etwas anders dar: wir haben einem Ausländeranteil von ca. 45%, wodurch manche früher typischen Wiener Bezirke - Ottakring, Simmering, Favoriten sowohl von dem Verhalten der Menschen als auch baulich praktisch nichts mehr mit dem ehemaligem Wiener Flair zu tun haben. Einiges an dem Buch hat mich amüsiert und kann ich durchaus nachvollziehen, aber insgesamt bin ich mit dem Inhalt nicht einverstanden. Ich finde Wien wunderschön, mit vielen verborgenen Juwelen und lebe gerne hier und natürlich gibt es auch Schattenseiten wie in jeder Grossstadt.
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